Der Krieg gegen die Ukraine hat auch Folgen für Reisen. Russland sperrt nun seinen Luftraum für Deutschland und 35 weiteren Staaten als Reaktion auf die Lande- und Überflugverbote mehrerer Länder in Europa. Zahlreiche Airlines umfliegen nun das ukrainische Staatsgebiet und Russland weitläufig. Wir erklären, was du jetzt wissen musst:

Für welche Länder gelten Reisewarnungen?

Das Auswärtige Amt fordert alle Deutschen dringend dazu auf, die Ukraine zu verlassen. Weiter heißt es:

„Vor Reisen in die Ukraine wird gewarnt. Deutsche Staatsangehörige sind dringend aufgefordert, das Land zu verlassen. In der Ukraine finden Kampfhandlungen und Raketenangriffe statt. Falls Sie das Land nicht auf einem sicheren Weg verlassen können, bleiben Sie vorläufig an einem geschützten Ort. Der Luftraum ist vorübergehend geschlossen; eine Ausreise ist grundsätzlich auf dem Landweg möglich. Eine Evakuierung durch deutsche Behörden ist derzeit nicht möglich. Das Generalkonsulat Donezk (in Dnipro) und die Botschaft Kiew sind vorübergehend geschlossen.“

Auch für Belarus gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Die Grenzübergänge zur Ukraine sind geschlossen, weitere Schließungen seien nicht ausgeschlossen. Zusätzliche Kontrollmaßnahmen an den Grenzübergängen zu Litauen, Polen und Lettland seien angekündigt.

Aktuelle Deals

Eine Reisewarnung für ganz Russland gilt aktuell zwar wegen der Corona-Pandemie, nicht aber wegen des Krieges. Jedoch rät das Auswärtige Amt von Reisen nach Russland ab, für die Grenzgebiete zur Ukraine in Südrussland gilt seit Sonntag auch eine Reisewarnung. In den fünf Regionen Rostow, Krasnodar, Saratow, Woronesch und Wolgogra wurde der Notstand ausgerufen. Dies könne zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens führen.

Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für Flüge?

Für den Luftverkehr hat der Krieg Auswirkungen. Die Europäische Luftsicherheitsagentur (Easa) hat Warnungen an die Fluggesellschaften herausgegeben. Diese betreffen den gesperrten Luftraum der Ukraine sowie die Republik Moldau und Belarus. Die Folge ist eindrucksvoll in Bildern des Portals „Flightradar 24“ zu sehen: Der Himmel über der Ukraine, Südrussland und angrenzenden Gebieten ist leer. 

Der Luftraum über der Ukraine und angrenzenden Gebieten ist leer. Eine Folge von Russlands Angriff auf die Ukraine.

Außerdem hat die EU den Luftraum für russische Flugzeuge geschlossen. Russland wiederum reagiert mit einem Überflugverbot für 36 Länder, darunter auch Deutschland.

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Einschränkungen für Flüge nach Asien

Mit der Sperrung des russischen Luftraums fallen viele der schnellsten Routen zwischen Europa und Asien weg, sagt Michael Trinkwalder von A3M, einem Dienstleister für Krisen- und Frühwarninformationen für Reisen weltweit, dem reisereporter. Das heißt: Umplanen und Umwege in Kauf nehmen. Aktuellen Daten zufolge würden Flüge hauptsächlich über die Türkei ausgeführt.

Aktuellen Informationen zufolge würden die Ausweichrouten von Flügen nach Japan, Südkorea und China hauptsächlich über die Türkei führen. Verbindungen in Richtung Südostasien seien auch vor der aktuellen Situation schon nicht über russisches Territorium verlaufen, so Trinkwalder.

Zu einem Überflugverbot von Russland kam es zuletzt zu den Hochzeiten des Kalten Krieges. Flugzeuge mussten von Europa nach Asien westwärts statt wie heute ostwärts fliegen. Die Route ist deutlich länger, eine Zwischenlandung zum Auftanken im US-Bundesstaat Alaska war notwendig. Trinkwalder rechnet aber nicht damit, dasssich europäische Reisende wieder über auf diese Route einstellen müssen. 

Werden Flugtickets jetzt teurer?

Es ist damit zu rechnen, dass Passagiere künftig mehr für Flugtickets Richtung Fernost zwahlen müssen. Denn: „Umwege, beziehungsweise längere Flugstrecken bedeutet einen höheren Verbrauch von Kerosin, die sich auf die Preise auswirken werden“, sagt Trinkwalder.

Bei bereits gebuchten Tickets könnten die Airlines in aller Regel aber nicht einfach aufschlagen, sagt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Die dafür notwendigen Preisanpassungsklauseln seien nach ihrer Erfahrung in den Vertragsbedingungen von Flugtickets nicht enthalten.

Ist das Fliegen jetzt noch sicher?

Die Europäische Luftsicherheitsbehörde (EASA) empfiehlt allen Airlines, bei Flügen mindestens einen Abstand von 370 Kilometern (200 nautische Meilen) zur ukrainischen Grenze einzuhalten. Grund dafür sei die Bedrohung durch Raketenstarts in die und aus der Ukraine.

Es sei verständlich, wenn viele Passagierinnen und Passagiere wegen der Ereignisse in der Ukraine ein mulmiges Gefühl haben, so Reisesicherheitsanalyst Trinkwalder. Er sagt aber auch: „Sofern über die Konfliktgebiete nicht geflogen wird, ist von einer erhöhten Gefahr als üblich nicht auszugehen.“

Finden noch Reisen nach Russland statt?

Flüge nach Russland sind immer schwieriger möglich. Die Lufthansa setzt nun ihre Flüge nach Moskau und St. Petersburg aus. „Lufthansa wird den russischen Luftraum bis vorerst 5. März aufgrund der aktuellen und sich abzeichnenden regulatorischen Situation nicht nutzen. Aus diesem Grund müssen in diesem Zeitraum alle Lufthansa Flüge von und nach Russland annulliert werden“, teilt die Airline auf ihrer Webseite mit.

Es gibt auch Reiseveranstalter, die einen Russland-Boykott verkündet haben: Tui, Hauser Exkursionen und die Reederei Norwegian Cruise Line sagen bis auf Weiteres alle Reisen in das Land ab.

Wer derzeit eine Reise nach Russland plane oder aktuell vor Ort sei, solle „vorsichtig sein“ und sich regelmäßig über die aktuelle Lage informieren, sagt Samed Kizgin, Head of Travel Security Analyst bei A3M. Dies gelte insbesondere für die an die Ukraine grenzenden südwestlichen russischen Regionen.

Reisende checken am Flughafen von Sotschi ein. Der Krieg gegen die Ukraine hat Folgen für Reisende.

Von Reisen nach Südrussland in die Grenzregionen zur Ukraine rät das Auswärtige Amt aktuell dringend ab. Bis zum 2. März 2022 sind acht Flughäfen in Südrussland geschlossen: die Airports in Rostow, Krasnodar, Anapa, Gelendschik, Belgorod, Orel, Kursk und Woronesch. Außerdem wurde in fünf Regionen (Rostow, Krasnodar, Saratow, Woronesch und Wolgograd) der Notstand ausgerufen. Dies könne zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens führen.

Kann ich Reisen jetzt kostenlos stornieren?

Eine konkrete Kriegsgefahr oder ein Kriegsausbruch gelten im Reiserecht als außergewöhnliche Umstände. Diese liegen in der Ukraine jetzt vor, sagt Rechtsanwalt Paul Degott aus Hannover dem reisereporter. „Sowohl Reiseveranstalter als auch Reisende können unter diesen Umständen den Reisevertrag kündigen.“ Urlauberinnen und Urlauber bekommen dann den vollständigen Preis für die gebuchte Reise zurück.

Anders sieht es aus, wenn eine Reise nach Russland oder in andere Nachbarländer der Ukraine wie Moldau, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Polen geplant ist. Auch hier ist ein mulmiges Gefühl möglich, aber: „Angst ist nie ein Grund für einen kostenlosen Rücktritt von einer Pauschalreise“, so Degott. Russland sei in dem Konflikt zwar der Aggressor, außergewöhnliche Umstände lägen zu diesem Zeitpunkt aber nicht vor. 

Anhaltspunkt für außergewöhnliche Umstände wäre dem Reiserechtsexperten zufolge auch in diesem Fall zum Beispiel eine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt. Diese gibt es für Russland oder Nachbarländer mit Ausnahme von Belarus bisher nicht.

Wer in den kommenden Wochen eine Pauschalreise nach Osteuropa gebucht hat, sollte sich daher bei dem Reiseveranstalter über den aktuellen Stand informieren, rät der Reiserechtsexperte. Auch ein regelmäßiger Blick auf die Website des Auswärtigen Amts sei sinnvoll.