Der Krieg von Russland gegen die Ukraine hat auch Auswirkungen für Reisende. Wer einen Urlaub in der Ukraine, in Russland oder in einer der angrenzenden Regionen geplant hat, steht vor der Frage: Will ich dorthin noch reisen? Oder kann ich den Urlaub stornieren, und bekomme ich das Geld zurück?

Was gilt für eine Reise in die Ukraine?

Am Donnerstagmorgen hat der ukrainische Präsident Selenskyj den Kriegszustand ausgerufen. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in den osteuropäischen Staat, deutsche Staatsangehörige sind dazu aufgefordert, das Land zu verlassen.

Aktuelle Deals

Eine konkrete Kriegsgefahr oder ein Kriegsausbruch gelten im Reiserecht als sogenannte außergewöhnliche Umstände. Diese liegen in der Ukraine jetzt vor, erklärt Rechtsanwalt Paul Degott aus Hannover gegenüber dem reisereporter. „Sowohl Reiseveranstalter als auch Reisende können unter diesen Umständen den Reisevertrag kündigen.“ Urlauberinnen und Urlauber bekommen dann den vollständigen Preis für die gebuchte Reise zurück. 

Was gilt für eine Reise nach Russland?

Auch wer eine Reise nach Russland gebucht hat, dürfte angesichts der Krise verunsichert sein. Allerdings: „Angst ist nie ein Grund für einen kostenlosen Rücktritt von einer Pauschalreise“, so Degott. Russland sei in dem Konflikt zwar der Aggressor, außergewöhnliche Umstände lägen zu diesem Zeitpunkt aber nicht vor. 

Anhaltspunkt für außergewöhnliche Umstände wäre dem Reiserechtsexperten zufolge auch in diesem Fall zum Beispiel eine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt. Diese gibt es für Russland bisher nicht.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Können Reisende nicht nachweisen, dass an ihrem konkreten Reiseziel eine unzumutbare Situation herrscht und sie dort nicht gefahrlos Urlaub machen können, dann verlangt der Veranstalter bei einer Stornierung in der Regel eine Entschädigungszahlung.

Was gilt in angrenzenden Gebieten?

Auch Reisen in Länder, die an die Ukraine oder Russland grenzen, können Urlauberinnen und Urlauber dem Experten zufolge nicht kostenfrei absagen. „Das kann sich in den nächsten Tagen natürlich ändern, wenn sich die Auseinandersetzung ausweitet“, so Degott. Noch sei es aber nicht so weit. An die Ukraine grenzen unter anderem Moldawien, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Polen. An Russland grenzen beispielsweise die baltischen Staaten Estland und Lettland sowie Finnland und Gerogien.

Wer in den kommenden Wochen eine Pauschalreise nach Osteuropa gebucht hat, sollte sich daher bei dem Reiseveranstalter über den aktuellen Stand informieren, rät der Reiserechtsexperte. Auch ein regelmäßiger Blick auf die Website des Auswärtigen Amts sei sinnvoll. 

Angst vor der Reise? Das können Urlauberinnen und Urlauber tun

„Wenn ich sage, ich habe Angst vor einer Reise nach Russland oder in eine andere Region, kann ich natürlich trotzdem meinen Rücktritt von der Reise erklären“, sagt Paul Degott. Grundsätzlich dürften Urlauberinnen und Urlauber eine Pauschalreise jederzeit ohne Angabe eines Grunds absagen.

Können Reisende beim Rücktritt jedoch keine außergewöhnlichen Umstände benennen, müssen sie in der Regel aber Stornokosten an den Reiseveranstalter zahlen – „oder sie müssen sich auf eine Diskussion mit dem Veranstalter um die Stornogebühren einlassen“, erkärt Paul Degott.