Nicht nur innerhalb Deutschlands gibt es viele schöne Wanderwege. Auch entlang der Landesgrenze zu den neun Nachbarländern verstecken sich traumhafte Strecken, die eine Tour wert sind. Das sind die schönsten Routen von Norden bis Süden und von Westen bis Osten. Und: Für Wanderlustige lohnt sich außerdem ein Ausflug an Deutschlands ehemalige Grenze. 

1. Dänemarks Küste auf dem Gendarmenpfad entdecken

Nördlich von Flensburg startet der 84 Kilometer lange Gendarmenpfad, auf Dänisch: Gendarmstien. Er führt entlang der deutsch-dänischen Grenze, größtenteils auf Seite der dänischen Küste, und ist in fünf Tagesetappen eingeteilt. Die erste führt vom Gendarmengarten in Padborg nach Sønderhav und nennt sich Berg-Etappe. Der Name lässt es schon vermuten: Dort gibt es die meisten Erhebungen auf der Route.

Wanderer und Wanderinnen passieren die Hügel in Kruså sowie die steilen Abhänge im Wald von Kollund. Doch die Anstrengung lohnt sich: Dort leben viele Tiere, die sich von Nahem beobachten lassen – zum Beispiel Schwarzspechte, Eisvögel oder Bergmolche.

Ziegeleien, Strände und eine Mühle auf der Wanderroute

Weiter geht es dann auf der Ziegeletappe von Sønderhav nach Brunsnæs. Auf der Strecke reihen sich zahlreiche Ziegeleien aneinander – Überbleibsel der einstigen Industrie. Im Sommer wachsen in der Region verschiedene Orchideenarten. Doch Vorsicht: Die Pflanzen stehen unter Naturschutz. Auf der dritten Etappe geht es von Brunsnæs nach Gammelmark durch die Landschaft rund um Kragesand. Der Ort befindet sich sehr abgeschieden inmitten der Natur.

Der Wanderweg Gendarmenpfad führt entlang der schönsten Ostseestrände Dänemarks.

Die beiden letzten Etappen führen von Gammelmark nach Høruphav und von dort nach Skovby. Wander-Fans passieren einige der schönsten Ostseestrände Dänemarks – zum Beispiel den kinderfreundlichen Strand in Vemmingbund oder den beliebten Sorte Strand in Sønderborg. Das letzte Stück führt an der Mühle bei Vibæk vorbei. Sie ist die letzte von einst zehn Wassermühlen auf der Insel Als. 

Benannt nach der dänischen Gendarmerie

Seinen Namen verdankt der Gendarmenpfad übrigens der dänischen Grenzgendarmerie, die den Weg für Patrouilliengänge nutzte. 1988 wurde die Route als Touristenattraktion anerkannt. Daraufhin wurde der Streckenverlauf mit Schildern und Infotafeln versehen. Ein Gendarm in blauer Uniform kennzeichnet noch heute die Route.

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2. Niederländische und deutsche Natur

An den Nordwesten von Deutschland grenzen die Niederlande. In der Nähe der Stadt Venlo (Niederlande) bieten sich gleich zwei Routen zum Grenzwandern an. Nördlich von Venlo verläuft die sogenannte Premiumwandelroute Arcen. Sie beginnt, ihrem Namen entsprechend, in der niederländischen Festungsstadt Arcen. Auf etwas über 15 Kilometern führt der Weg zum Schloss Kasteel in Arcen, vorbei an der Maas und über idyllische Wiesen.

Die Landschaft der Maasdünen ist geprägt von Wäldern und Heideflächen, aber auch von Feuchtgebieten und Seen, an denen man Wasservögel beobachten kann.

Die Schwalm – halb Fluss, halb Kanal

Südlich von Venlo auf deutscher Seite liegt der Rundwanderweg Schwalmbruch. Er verläuft entlang des Flusses Schwalm und kreuzt mehrmals die deutsch-niederländische Grenze. Wer dort wandert, merkt sofort, auf welcher Seite er sich befindet. In Deutschland wurde der Fluss begradigt, während er in den Niederlanden noch naturbelassen verläuft. Ebenso unterscheiden sich die Wälder: Wirtschaftswald auf deutscher Seite, Urwald auf der niederländischen. 

Die Schwalm verläuft durch urige Wälder, teils in den Niederlanden, teils in Deutschland.

3. Belgischer Naturpark und deutsche Stadtkultur

Wer einen Blick von Deutschland nach Belgien werfen will, ist auf dem Eifelsteig richtig. Dieser verläuft auf über 300 Kilometern von Kornelimünster (Aachen) nach Trier. Auf dem ersten Stück passiert er ab Petergensfeld auch Belgien. Wandernde durchqueren den Naturpark Hohes Venn-Eifel, laufen bis nach Mützenich und Monschau in Deutschland.

Naturpark Hohes Venn-Eifel und historische Kleinstadt Monschau

Dabei laufen sie durch Sumpfgebiete, Wälder und Berglandschaften. Zudem lohnt sich ein Besuch in Monschau. Die historische Kleinstadt ist berühmt für ihre altertümlichen Fachwerk- und Schieferhäuser, die alte Burg und schmale Kopfsteinpflastergassen, zwischen denen sich die Rur hindurchschlängelt. Umgeben ist Monschau von den Berghängen der Eifel.

Die historische Kleinstadt Monschau ist berühmt für ihre altertümlichen Fachwerkhäuser und Kopfsteinpflastergassen, zwischen denen sich die Rur hindurchschlängelt. Wer an der belgisch-deutschen Grenze bei Aachen unterwegs ist, sollte einen Abstecher dorthin machen.

4. Von der Mosel auf Luxemburg blicken

Etwas weiter südlich von Monschau verläuft der Moselsteig. Die gesamte Strecke dieses Fernwanderweges ist 365 Kilometer lang. Start und Endpunkt sind Perl an der Obermosel und Koblenz, wo Rhein und Mosel zusammenfließen. Am südlichen Ende zwischen Perl und Trier passiert die Route auch die Landesgrenze nach Luxemburg. Dieser Streckenabschnitt kann in vier Etappen unterteilt werden: von Perl nach Palzem, dann nach Nittel, von dort nach Konz und schließlich nach Trier. Wandernde legen knapp 84 anspruchsvolle Kilometer zurück. 

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Weinberge, schroffe Felsen und antike Bauwerke am Moselsteig

Doch der Aufstieg lohnt sich: Gleich zu Beginn erstrecken sich Weinberge entlang des Ufers sowie ausgedehnte Wälder und Wiesen. Zwischen Nittel und Konz warten schroffe Felsformationen am Wegesrand. Auch ein Blick auf die Saar erhaschen Wanderinnen und Wanderer.

Auf dem letzten Stück geht es dann über die Mosel hinüber bis zur ältesten Stadt Deutschlands. In Trier gibt es jahrtausendealte Menschheitsgeschichte zu bestaunen: Die römischen Kaiserthermen, das Amphitheater und die Porta Nigra sind nur einige historische Bauwerke, die überall in der modernen Großstadt zu finden sind.

Auf dem Moselsteig bieten sich zahlreiche Panoramaausblicke entlang der Mosel, so wie hier auf das Städtchen Nittel nahe der luxemburgischen Grenze.

5. Auf den Spuren der französisch-deutschen Geschichte

Die deutsche und die französische Geschichte kann man auf dem Burgenweg entdecken. Dort wanderst du eine Runde von etwa 32 Kilometern quer durch das pfälzisch-elsässische Grenzgebiet. Entlang der Route befinden sich insgesamt acht Burgen. Deren Ruinen thronen auf unterschiedlichen Höhen – wer den Aufstieg wagt, wird mit atemberaubenden Aussichten belohnt.

Einkehrmöglichkeiten in Schönau und Obersteinbach

Rote Sandsteinfelsen ragen hier und dort aus dem unendlich scheinenden Wald empor. Schmale Wege schlängeln sich zwischen eindrucksvollen Felsformationen hindurch, hinein in malerische Täler mit hübschen Dörfern wie Schönau (Deutschland) und Obersteinbach (Frankreich). Dort gibt es auch Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten für Wandernde. In den beiden Orten kann die Tour begonnen und beendet werden.

Alte Burgruinen ragen aus dem Wald im pfälzisch-elsässischen Grenzgebiet zwischen Deutschland und Frankreich. Der Burgenweg führt an insgesamt acht solcher alten Festungen vorbei.

6. Auf dem Weg in die Schweiz wird es nass

Wer von Deutschland aus zu Fuß in die Schweiz wandern möchte, nimmt am besten den Wasser-Welten-Steig. Doch aufgepasst: Dort wird es nass, denn der Name ist Programm. Rauschende Flüsse, sprudelnde Quellen, Stauseen und Wasserfälle liegen entlang der Strecke.

Unterwegs zwischen Rhein und Donau

Der Fernwanderweg beginnt in Triberg (Deutschland) und verläuft auf knapp 108 Kilometern über Blumberg (Deutschland) in die Schweiz bis nach Neuhausen am Rheinfall (Schweiz). Der Weg folgt stets den Höhenzügen entlang der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Dabei geht es auch durch ursprüngliche Schluchten, überwiegend auf leicht befestigten Wald- und Wirtschaftswegen. 

In Neuhausen am Rheinfall (Schweiz) stürzt das Wasser des Rheins auf einer Breite von 150 Metern 23 Meter in die Tiefe. Der Fernwanderweg Wasser-Welten-Steig nimmt dort seinen Anfang beziehungsweise sein Ende.

In Neuhausen in der Schweiz erwartet die Anreisenden eine spektakuläre Kulisse am Rheinfall. Dies ist einer der drei größten Wasserfälle Europas. Er ist etwa 23 Meter hoch, 150 Meter breit und kann direkt im Ort bestaunt werden. Unterkünfte und Gaststätten befinden sich in unmittelbarer Nähe.

7. Auf der Salzstraße von Bayern nach Österreich

Vor allem erfahrene Wandernde finden die passende Route auf dem Salz-Alpen-Steig zwischen Deutschland und Österreich. Die über 233 Kilometer lange Strecke führt von Prien am Chriemsee (Deutschland) nach Obertraun (Österreich). Sie soll die Geschichte der Salzgewinnung in der Region nachzeichnen.

Lange Aufstiege und dunkle Stollen auf dem Salz-Alpen-Steig

Wanderer und Wanderinnen passieren die Landesgrenzen zweimal direkt: bei Bad Reichenhall und Gmerk. Die Wanderroute ist geprägt von langen Auf- und Abstiegen und besonders steilen Passagen. Auch zwei unbeleuchtete, schnurgerade Stollen befinden sich auf dem Weg zwischen Berchtesgaden (Deutschland) und Bad Dürrnberg (Österreich).

Der Salz-Alpen-Steig erreicht teilweise bis zu 1600 Metern Höhe. Wer sich für eine Tour entscheidet, sollte deshalb nicht nur trittfestes Schuhwerk, sondern auch sonst wetterfeste Kleidung mitnehmen. In den Höhenlagen kann es stets zu unvorhersehbaren Wetterumschwüngen kommen, zum Beispiel zu plötzlichem Regen oder Gewitter. Einkehr ist nicht nur auf den Almen in den Bergen möglich, sondern auch in den Tälern, durch die der Salz-Alpen-Steig ebenfalls führt.

Die altertümliche Marktgemeinde Hallstatt am Hallstätter See in Österreich ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus aller Welt. Der Salz-Alpen-Steig führt hier vorbei.

Historisches Hallstatt in Österreich

Am österreichischen Ende des Weges liegt Hallstatt im Salzkammergut. Die historische Marktgemeinde ist ein beliebtes Reiseziel für Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Die Gassen des Ortes stammen noch aus dem 16. Jahrhundert. Da die Stadt am Berghang erbaut wurde, sind weitreichende Umbaumaßnahmen nicht möglich. So ​blieb der altertümliche Charakter in Hallstatt bis heute erhalten. 

8. Auf der Autobahn des Mittelalters nach Tschechien

Die Berge an der heutigen deutsch-tschechischen Landesgrenze hielten die Menschen im 16. Jahrhundert keineswegs davon ab, über sie hinweg Handel zu betreiben. So legten im 16. Jahrhundert jede Woche knapp 12.000 Saumpferde, beladen mit allerlei Gütern, die Strecke zwischen Passau im heutigen Deutschland und Prachatice im heutigen Tschechien zurück. 

Auf den Spuren der Säumer in Bayern

Noch heute kann man den historischen Weg entlangwandern. Die älteste Route, der Untere Goldene Steig, führt von Passau in Bayern nach Röhrnbach, von dort über Bischofsreut bis nach Prachatice. Wanderinnen und Wanderer kommen am bayerischen Ort Grainet vorbei, wo jeden Sommer ein Festzug und ein Säumerfest veranstaltet werden, um die Tradition der alten Säumer zu erhalten. 

Die Altstadt von Prachatice in Tschechien. Wer den Goldsteig von Passau bis nach Prachatice auf sich genommen hat, wird mit diesem historischen Anblick belohnt.

Auch die Natur kommt auf dem Goldsteig nicht zu kurz: Flusstäler der Wolfsteiner Ohe und des Osterbaches entzücken das Auge, ebenso wie der Blick vom Aussichtsturm Haidel und die hügeligen Landschaften des Böhmer Waldes. Auf dem gesamten Weg informieren Schautafeln über die Geschichte der Landschaft, der historischen Bauwerke und verlassenen Dörfer, die noch aus der Säumerzeit übrig sind.  

9. Idyll an der Grenze zu Polen

Auch entlang der deutsch-polnischen Landesgrenze gibt es schöne Wanderwege – zum Beispiel die Grenzwanderung in der Ueckermünder Heide. Diese knapp 17 Kilometer lange Strecke verläuft als Rundweg im Norden nahe der Ostseeküste, aber noch südlich des Neuwarper Sees. Die Landschaft in Ueckermünde ist besonders bekannt für ihr idyllisches Aussehen.

Wälder, Wiesen und verschlafene Orte zwischen Deutschland und Polen

Die Wanderung beginnt auf deutscher Seite nördlich von Hintersee im Naturpark Am Stettiner Haff. Der Weg führt an Rieth vorbei und überquert die polnische Grenze und zugleich die Mützelburger Beeke. Der kleine Fluss verbindet den Großen Mützelburger See und den Neuwarper See zwischen Deutschland und Polen.

Neben Gewässern zieren auch Wälder und Wiesen die Landschaft. Zwischen dem Großen und dem Kleinen Mützelburger See geht es weiter. Dort passieren Wandernde verschlafene Siedlungen wie Moritzhof (polnisch: Maszkowo). Der Rundweg endet, wo er beginnt: in Hintersee.

In der Ueckermünder Heide gibt es viele Wiesen und Felder. Bei einer Wanderung durch die idyllische Landschaft kann man den Blick weit schweifen lassen.

10. Geschichte und Natur auf Deutschlands ehemaliger Grenze

Neun Nachbarländer, zehn Grenzwanderwege? Der Grund ist: In Deutschland kann man noch heute an einer Grenze entlangwandern, die eigentlich gar keine mehr ist. Es geht um die einstige innerdeutsche Grenze zwischen BRD und DDR. Der Eiserne Vorhang verlief auf 1400 Kilometern Länge von 1949 bis 1989 quer durch Deutschland. Nach dem Fall der Mauer blieb ein breiter, verlassener Streifen zurück – heute bekannt als Grünes Band.

Die von Naturschutzgebieten gesäumte Landschaft lädt mittlerweile zum Wandern, Radfahren oder Reiten ein. Gleichzeitig klären zahlreiche Infotafeln, Gedenkstätten und Museen über die Vergangenheit der Region auf. 

Auf dem Kolonnenweg, der einst zur innerdeutschen Grenzanlage der DDR gehörte, kann man auf den Brocken im Harz wandern.

In Deutschland wandern, wo einst patrouilliert wurde

In Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge, dem Harz, treffen drei Bundesländer aufeinander: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wobei Letztere einst zur DDR gehörten. Dort verläuft heute der Harzer Grenzweg. Wer dort wandert, bekommt einen Eindruck vom standhaften Bau der ehemaligen Grenze. Waren die Hänge noch so steil, wurden sie dennoch mit Betonplatten gepflastert, damit die Grenztruppen dort patrouillieren konnten.

Wandernde können auf der 91 Kilometer langen Nord-Süd-Querung die Geschichte an original erhaltenen Schauplätzen nachvollziehen und zugleich die einzigartige Natur des Gebirges erleben. Start- und Endpunkt sind das Landschaftsschutzgebiet Kleine Fallstein und der Ort Tettenborn. Die Route führt außerdem über die höchste Erhebung, den Brocken.