Tschernobyl, Fukushima, Auschwitz – diese Orte haben eines gemein: An ihnen ist Schreckliches passiert. Heute finden dort Touren statt, die die Besucherinnen und Besucher die Katastrophen und Schreckenstaten nachempfinden lassen. 

Deutsche Reisende müssen jedoch nicht zwingend lange Autofahrten oder Flugreisen für den sogenannten Dark Tourism auf sich nehmen. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Orte düsterer Geschichte. Wenngleich diese Orte keine heitere Stimmung verbreiten, sind sie für die Erinnerungskultur von zentraler Bedeutung.

Bitte sei bei deinem Besuch respektvoll und begegne düsteren Mahnmalen der Geschichte sowie den Opfern mit dem nötigen Anstand.

Oppenheimer Beinhaus

Beim Blick auf die Michaelskapelle in Oppenheim in Rheinland-Pfalz ahnen Besucherinnen und Besucher noch nicht, was sich im Inneren verbirgt. Im Untergeschoss der doppelstöckigen Totenkapelle aus dem Jahr 1424 befindet sich ein 70 Quadratmeter großes Beinhaus. Darin sind Knochen und Schädel von mehr als 20.000 Menschen aufgeschichtet. 

Sie stammen laut der evangelischen Kirchengemeinde Oppenheim aus den Jahren um 1400 bis 1750. Der Grund für die Aufschichtung ist simpel: Bei Neubestattungen auf dem Friedhof wurden die sterblichen Überreste aus älteren Gräbern in die Kapelle umgebettet, weil er schlicht nicht genug Platz bot.

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Unter ihnen sind vermutlich auch viele Gebeine von Menschen, die auf einer damals wichtigen Handelsstraße Opfer von Überfällen wurden. Besucherinnen und Besucher können durch ein Gittertor einen Blick auf die unzähligen Knochen werfen. Das Beinhaus gilt als eines der besterhaltenen der Welt.

Gebeine von über 20.000 Menschen sind in der Michaelskapelle in Oppenheim aufgestapelt.

Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung widmet sich nicht speziell einem Ereignis in der Geschichte, sondern den Arten von Geschehnissen, die Millionen Schicksale beeinflussten und noch immer beeinflussen. In den beiden Weltkriegen, aber auch heute müssen Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Die Ursachen dafür und die Auswirkungen von Flucht beleuchtet das Dokumentationszentrum, das im Juni 2021 am Anhalter Bahnhof in Berlin eröffnet wurde.

Neben Dauerausstellung und Sonderausstellungen befindet sich in dem Zentrum eine Bibliothek mit Zeitzeugenberichten, die verschiedene Fluchtbiografien illustrieren. Der Fokus liegt dabei auf europäischer Fluchtgeschichte, aber auch auf der Vertreibung von Deutschen im Zuge des Zweiten Weltkriegs.

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Halbinsel Wustrow (Mecklenburg-Vorpommern)

Bis 1934 wurde die Halbinsel Wustrow landwirtschaftlich genutzt. Dann beginnt ihre dunkle Geschichte. Denn dort errichteten die Nationalsozialisten die größte Flakartillerieschule Deutschlands. Für 3000 Soldaten wurden eine Offizierssiedlung, Kasernen, ein Kino, ein Schwimmbad, ein Kaufhaus und ein riesiger Schießplatz gebaut. Hier führten Hitler und Göring Mussolini die neuesten Waffen vor. Später beschlagnahmte die Rote Armee die Insel, erst 1993 verließen die letzten Russen sie. 

Zwar erwarb ein Investor die Halbinsel im Jahr 1998, gültige Bebauungspläne gibt es jedoch bis heute nicht. Stattdessen sind Führungen über das verfallende Areal möglich. Die Halbinsel kann entweder vom Wasser aus oder mit einem Planwagen besichtigt werden. Wegen der baufälligen Ruinen und wegen alter Munition sind Führungen zu Fuß derzeit noch zu riskant. Darüber hinaus ist die Insel für die Öffentlichkeit gesperrt. 

Ein verlassenes Kasernengebäude auf der Halbinsel Wustrow bei Rerik in Mecklenburg-Vorpommern.

Konzentrationslager in Deutschland

Eine Auflistung über düstere Orte der deutschen Geschichte muss sie zwangsläufig enthalten: Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Viele von ihnen sind heute Gedenkstätten und Mahnmale des Holocausts. Bergen-Belsen bei Celle, Buchenwald nahe Weimar und Neuengamme in Hamburg sind nur wenige jener schrecklichen Orte, an denen die Nationalsozialisten systematisch Menschen töteten und in denen heute Führungen an das Grauen erinnern.

Beispielsweise der Blick in das Krematorium im Lager in Buchenwald lässt die Besucherinnen und Besucher fassungslos zurück.

Blick auf den Appellplatz und das Eingangsgebäude des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.

Einen Eindruck von der unvorstellbaren Opferzahl vermittelt das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Im Untergeschoss des Mahnmals werden unter anderem Kurzbiografien von jüdischen Ermordeten verlesen. Würden alle Namen, Geburts- und Sterbejahre genannt, dauerte es über sechs Jahre, sie alle zu hören. 

Ein weiterer wichtiger Ort im Zusammenhang mit den Konzentrationslagern aus dem Dritten Reich liegt in Erfurt. Dort befindet sich das Verwaltungsgebäude der Firma J & A Topf und Söhne, die ab 1939 die Verbrennungsöfen für die Lager konstruierte. Seit 2011 ist es Erinnerungsort, unter anderem mit projizierten Bauplänen des Ingenieurs Kurt Prüfer.

Bunker Valentin in Bremen-Farge

Am nördlichsten Rand Bremens befindet sich ein Ort dunkler NS-Geschichte: der Bunker Valentin. Ab 1943 entstand innerhalb von zwei Jahren diese verbunkerte Werft, die mit bis zu sieben Meter dicken Wänden jeglichen Angriffen standhalten sollte. Ab 1945 wollte die Kriegsmarine dort jeden zweiten Tag ein U-Boot fertigstellen. 

Tausende Zwangsarbeiter aus ganz Europa mussten den U-Boot-Bunker errichten. Darunter waren Zivilarbeiter, aber auch Kriegsgefangene und Häftlinge der Konzentrationslager. Über 1600 der Arbeiter starben während des Baus aufgrund von Unterernährung und Krankheit, aber auch wegen willkürlicher Tötungen. 

Heute können Besucherinnen und Besucher den Ort auf einem Rundweg erkunden, eine Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Bunkers, der Zwangsarbeiter und auch der Bevölkerung nahe der damaligen Baustelle. Es werden auch Führungen auf dem Bunkerareal angeboten.

Der Bunker Valentin in Bremen in einer Luftaufnahme.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Kaum ein anderer Ort ist so sehr mit der Geschichte der politischen Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR verknüpft wie das Gelände einer ehemaligen Großküche: die heutige Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. 1946 entstand hier das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis in Ostdeutschland. Nach der Gründung der DDR nutzte die Staatssicherheit das Gefängnis ab 1951, seit der Erweiterung 1960 galt es bis zum Ende der SED-Diktatur als zentrale Untersuchungshaftanstalt für all jene, die das Regime kritisierten oder fliehen wollten. 

Heute können sich Besucherinnen und Besucher anhand von Exponaten, Fotos und Medienstationen mit den Erfahrungen der Inhaftierten auseinandersetzen. Auch die Büros der Haftleitungen sind zugänglich. Ende 2022 wird eine Sonderausstellung zu den verurteilten Häftlingen eröffnet, die in Arbeitskommandos in Hohenschönhausen festgehalten wurden.

Der Blick durch eine Gittertür in einen Gefängnisflur der heutigen Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Gedenkstätten der innerdeutschen Grenze

Viele Orte erinnern noch heute an die jahrelange Teilung Deutschlands durch die Mauer und den Eisernen Vorhang. In Berlin erinnern Überreste und Touren entlang der ehemaligen Berliner Mauer an diese Zeit. Auch in anderen Bundesländern entlang der früheren innerdeutschen Grenze gibt es Erinnerungsorte und Mahnmale. 

Ein US-Beobachtungsturm hinter dem Grenzsicherungsstreifen der DDR an der Gedenkstätte Point Alpha zwischen Rasdorf (Hessen) und Geisa (Thüringen).

Ein solcher Ort befindet sich beispielsweise zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf: der einstige US-Beobachtungsstützpunkt Point Alpha. Neben dem Haus auf der Grenze finden Besucherinnen und Besucher dort originalgetreue Nachbildungen der deutsch-deutschen Grenzanlagen.

Auch der deutsch-amerikanische Alltag während des Kalten Krieges wird thematisiert. Point Alpha kann allein oder im Rahmen einer Führung besucht werden. Ein weiterer Ort der deutschen Teilung ist die Gedenkstätte Marienborn, der größte innerdeutsche Grenzübergang in Sachsen-Anhalt.