Bisher kürte die „New York Times“ jedes Jahr im Januar die Top-Reiseziele weltweit. Doch unsere Welt ist dabei, sich zu verändern, Overtourism und Klimawandel beeinflussen unsere Reisen und unser Leben. Deshalb haben die Reise-Autoren der „NYT“ in diesem Jahr einen neuen Fokus für ihre Auflistung gesetzt: Sie haben 52 Orte gekürt, an denen Besucherinnen und Besucher Teil der Lösung von Problemen sind, wie Amy Virshup, Leiterin des Reiseressorts der „New York Times“, erklärte. 15 „Places in a Changed World“ liegen in Europa und wir stellen sie dir vor. Italien ist mit drei Orten übrigens der nachhaltige Hotspot.

In der Vergangenheit hatte die „NYT“ auch Orte in Deutschland als Top-Reiseziele gekürt. Die Friesischen Inseln mit ihrer außergewöhnlichen Flora und Fauna waren schon dabei. Oder Leipzig, die Stadt der „coolen Kids“, wo alte Fabrikhallen zu modernen Lofts mit Ausstellungen und Workshops geworden sind. Und auch München mit seinen hochkarätigen Kultur-Highlights wie den Kammerspielen und der Bayerischen Staatsoper wurde als Top-Ziel gelistet.

In diesem Jahr geht Deutschland leer aus – dafür aber locken jede Menge spannende Ziele in anderen europäischen Ländern.

Chioggia, Italien

Ganz oben auf der „NYT“-Liste der Orte in einer veränderten Welt ist das italienische Chioggia. Die Stadt gehört zu einer Gruppe von Inseln in der venezianischen Lagune und wird gern als „kleines Venedig“ bezeichnet.

Das sehen die Einwohnerinnen und Einwohner Chioggias anders: Sie würden Venedig eher als größere Doppelgängerin bezeichnen, schließlich ist Chioggia älter. Tatsache ist: In dem Fischerort gibt es zahlreiche architektonische Schönheiten, die den Glanz vergangener Jahrhunderte bewahrt haben und die du auf einer Kanalrundfahrt erkunden kannst – ganz ohne Touristenmassen.

In Chioggia kannst du die jahrhundertealten Prachtbauten bei einer Kanalfahrt entdecken – und das ganz ohne Touristenmassen wie in Venedig.

Northumberland, England

Ob die weißen Klippen von Dover oder die quirligen Strandpromenaden von Brighton: Die Küstenlinie Großbritanniens kannst du bald auf einem einzigen Wanderweg erkunden, dem gut 4500 Kilometer langen England Coast Path. Das ungewöhnliche Projekt wurde unter anderem von der Regierungsorganisation Natural England entwickelt.

Ziel ist es, den öffentlichen Zugang zur Küste zu verbessern, Gemeinden stärker zu verbinden und nachhaltiges Reisen zu fördern. Entlang des Weges befindet sich übrigens der Northumberland International Dark Sky Park, einer der Orte mit der geringsten Lichtverschmutzung Großbritanniens.  

Auf dem gut 4500 Kilometer langen „England Coast Path“ kannst du die Küstenlinie Großbritanniens erwandern.

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Alentejo, Portugal

Seit Jahrhunderten schon wird in der portugiesischen Region Alentejo Wein angebaut. Doch durch den Klimawandel und ausbleibenden Regen hat der Alentejo immer öfter mit Wassermangel zu kämpfen. Im Jahr 2015 hat die Region deshalb das Nachhaltigkeitsprogramm „Weine des Alentejo“ aufgesetzt. Die „ NYT“ schreibt, dass die Weingüter mithilfe des Programms ihren durchschnittlichen Wasserverbrauch um 20 Prozent senken konnten. Zum Beispiel, weil sie Teiche angelegt haben, in denen Regenwasser aufgefangen wird.

In der portugiesischen Region Alentejo konnten die Weinbauern ihren Wasserverbrauch dank eines Nachhaltigkeitsprogramms um 20 Prozent senken.

Euböa, Griechenland

Der Gemeinschaftsgedanke wird auf der Insel Euböa, Griechenland, großgeschrieben. Vor gut zehn Jahren wurde das Projekt „The Other Human“ gegründet. Seitdem versorgt die Sozialküche bedürftige Menschen in Athen, Thessaloniki und auf Euböa mit warmen Mahlzeiten. 

Einmal in der Woche wird in der Hauptstadt von Euböa, Chalkida, gekocht und gemeinsam gegessen. Auch nach den verheerenden Waldbränden, die 2021 auf Euböa tiefe Spuren hinterlassen haben, unterstützt das Projekt.

Die Insel hat aber noch mehr zu bieten als kommunale Projekte: archäologische Stätten in Eretria, Thermalquellen in Edipsos und spektakuläre Sonnenuntergänge über der Ägäis.

Die Sozialküche „The Other Human“ auf der Insel Euböa in Griechenland versorgt Menschen mit warmen Mahlzeiten.

Courmayeur, Italien

Courmayeur liegt am Fuße des Mont Blanc und die Menschen in der Region beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit der Frage, wie sie ein gesundes Gleichgewicht zwischen Tourismus und Naturschutz schaffen können.

Eine Lösung: Im Sommer gibt es für die beiden Hochtäler Val Veny und Val Ferret Zugangsbeschränkungen und im Winter verwandeln sich die Täler in Skipisten. Noch ein Clou: Der Strom für die Seilbahn, die die Besucherinnen und Besucher auf den Mont Blanc bringt, kommt aus erneuerbaren Quellen.

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Die beiden Hochtäler im italienischen Courmayeur haben Zugangsbeschränkungen, um das fragile Gleichgewicht zwischen Tourismus und Naturschutz zu erhalten.

Slowenien

Dass Slowenien seit einigen Jahren zu den Top-Reisezielen Europas gehört, kommt nicht von ungefähr: Das Land lockt mit umweltbewussten Reiseerlebnissen und hervorragender Küche. Seit 2020 hat Slowenien sogar ein Sternerestaurant, das Hiša Franko in Kobarid nahe der italienischen Grenze.

Das Besondere an der slowenischen Küche: Hier vereinen sich die Geschmäcker von mediterranen, slawischen und germanischen Ländern. Aber der köstliche Geschmack hat laut „NYT“ noch einen anderen Grund: die guten Zutaten, die von kleinen Bauernhöfen im ganzen Land stammen.

Die slowenische Küche ist etwas ganz Besonderes, weil die Zutaten überwiegend von kleinen Bauernhöfen stammen.

El Hierro, Spanien

El Hierro liegt mitten im Atlantik und ist die abgelegenste der Kanarischen Inseln. Das hat die Einwohnerinnen und Einwohner nicht davon abgehalten, sie zum Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien zu machen. Im Jahr 2014 wurde das Kraftwerk Gorona del Viento eröffnet.

Seitdem versorgt ein ausgeklügeltes System aus Stauseen und Windkraft die Insel mit Strom. Vor Kurzem hat das Kraftwerk die 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Insel mehr als drei Wochen lang komplett mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt, wie die „NYT“ schreibt. 

Die Kanareninsel El Hierro ist mit ihrem ausgeklügelten System aus Stauseen und Windkraft ein Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien.

Gouda, Niederlande

Es muss nicht immer Amsterdam sein! Die „NYT“ empfiehlt den Besuch der historischen Kleinstadt Gouda im Süden der Niederlande. Hier wird seit 1184 der gleichnamige Käse produziert, der zu den beliebtesten Käsesorten der Welt zählt. 

Käseliebhaberinnen und ‑liebhaber sollten unbedingt die Gouda Cheese Experience besuchen, ein goldgelbes Käse-Erlebnis in einem ehemaligen Kasernengebäude inklusive Tasting. Für den Besuch in Gouda brauchst du übrigens kein Auto: Auf zahlreichen, gut ausgeschilderten Fahrradwegen lassen sich Stadt und Umgebung prima erkunden.

Der berühmte Gouda-Käse, benannt nach dem gleichnamigen Ort in den Niederlanden, wird schon seit 1184 produziert.

Thy, Dänemark

Stille Dünen, verworrene Wälder und fast mythische Stürme zeichnen die Region Thy im Norden Dänemarks laut „NYT“ aus. Vielleicht auch deshalb ist sie das Zentrum für Windenergie des Landes. Wer mehr über Windturbinen und Initiativen für erneuerbare Energien erfahren möchte, kann dies im Testzentrum Østerild.

Die „New York Times“ empfiehlt außerdem einen Besuch im Nationalpark Thy mit seinen Dünen, Wiesen und Seen und dem neuen Besucherzentrum in Nørre Vorupør. Unbedingt probieren sollten Gästinnen und Gäste das lokale Bier mit würzigem Gagel-Aroma.

Die Region Thy ist das Zentrum Dänemarks für Windenergie.

Die Inneren Hebriden, Schottland

Wild und abgeschieden sind die Inneren Hebriden, eine Reihe von Inseln vor der Westküste Schottlands. Und sie sind bekannt für einige der besten Single-Malt-Whiskys der Welt. Die Brennereien, die bisher mit fossilen Brennstoffen gearbeitet haben, sind auf der Suche nach umweltfreundlichen Alternativen.

2022 startet die Bruichladdich Distillery auf der Insel Islay mit einem Pilotprojekt: Neben Heizöl soll hier nun auch Wasserstoff als Brennstoff verwendet werden. Außerdem sollen ab 2023 Unterwasser-Windturbinen in der Nähe der Inseln Islay und Jura gebaut werden.

Auf den Inneren Hebriden in Schottland verwendet eine Whisky-Brennerei neuerdings Wasserstoff als Brennstoff.

Normandie, Frankreich

In der Normandie gibt es nicht nur einen neuen Fernradweg, sondern gleich zwei. Grund genug für die Reiseredaktion der „NYT“, die französische Region zu einem sehenswerten Ziel im Jahr 2022 zu küren. Die Route „Vélomaritime“ führt auf 1500 Kilometern von der Bretagne über die Normandie bis nach Belgien.

Unterwegs gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel die D‑Day-Landungsstrände und den berühmten Mont-Saint-Michel in der Normandie. Etwas kürzer, aber ebenso schön ist der 420 Kilometer lange Fernweg La Seine à Vélo von Paris in die Normandie.

Die Normandie kannst du nun auf zwei Fernradwegen erkunden, vorbei am Mont-Saint-Michel und den Landungsstränden des D‑Day.

Neapel, Italien

In der süditalienischen Stadt Neapel werden die Ärmel hochgekrempelt und Ideen zum Klimaschutz umgesetzt: Die Bewohnerinnen und Bewohner des Arbeiterviertels San Giovanni a Teduccio haben die „Fair Energy“-Gemeinschaft gegründet, um Menschen, die in Armut leben, den Zugang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen.

Ein System aus 166 Solarzellen stellt nun saubere und kostenlose Energie zur Verfügung. Und noch etwas macht Neapel laut „NYT“ zu einem sehenswerten Ort in einer veränderten Welt: Gästinnen und Gäste können es dank der teilweise jahrhundertealten Steintreppen gut zu Fuß entdecken.

In Neapel liefern 166 Solarzellen kostenlosen und sauberen Strom für Menschen, die in Armut leben.

Höga Kusten, Schweden

Einsamkeit, wilde Landschaft und Hunderte Kilometer an Wanderwegen, das alles bietet die Region Höga Kusten – zu Deutsch „hohe Küste“ – im nördlichen Schweden. Um die außergewöhnliche Landschaft zu erhalten, hat es sich die Region zum Ziel gesetzt, das Gebiet bis 2030 kohlenstoffneutral zu machen.

Seit 2021 fahren die Busse, die Wandernde zum Eingang des Nationalparks Skuleskogen bringen, mit elektrischem Antrieb. Eine grüne Alternative sind auch die skulpturalen Hütten zum Übernachten aus Holz, die im Rahmen des „ArkNat Architecture Projects“ entstanden sind.

In der schwedischen Region Höga Kusten kannst du in skulpturalen Holzhütten übernachten.

Islas Cíes, Spanien

Auf den spanischen Islas Cíes wurde schon früh erkannt, dass die ungewöhnliche biologische Vielfalt der Region nur mithilfe von strengen Maßnahmen geschützt werden kann. Deshalb ist die Zahl der Besucherinnen und Besucher auf der Inselgruppe vor der galicischen Küste in der Hochsaison auf 1800 pro Tag begrenzt.

Außerdem gibt es Beschränkungen für Autos, Hotels und Lärm. Dank dieser Maßnahmen können Gästinnen und Gäste in unberührter Landschaft wandern, Seevogelkolonien beobachten und abends dank der geringen Lichtverschmutzung einen atemberaubenden Sternenhimmel sehen.

Auf den spanischen Islas Cíes gibt es strenge Zugangs- und Lärmbeschränkungen, um die ungewöhnliche biologische Vielfalt zu schützen.

Monaco

3‑D-gedruckte Riffe, in denen das Meeresleben wieder aufblüht, sind kein Scherz, sondern eine der nachhaltigen Initiativen, die in den letzten Jahren in Monaco entstanden sind. Der Stadtstaat an der Côte d’Azur hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 kohlenstoffneutral zu sein, schreibt die „New York Times“.

Vor Monaco gibt es in 18 Metern Tiefe 3‑D-gedruckte Riffe, um maritime Lebensräume wiederherzustellen.

Und er ist auf einem guten Weg: Elektroautos, Fahrräder und Hybridbusse bestimmen das Straßenbild, und 20 Prozent der Stadtfläche sind öffentliche Parks, die zum Spazieren und Verweilen einladen.