Den Titel als Kulturhauptstadt Europas sollte Novi Sad eigentlich schon 2021 verliehen bekommen, pandemiebedingt wurde die Ehrung aber auf 2022 verschoben. Erstmals erhalten damit dieses Jahr drei Städte den Titel: Novi Sad in Serbien, Kaunas in Litauen und Esch-sur-Alzette in Luxemburg.

Allen gemein ist, dass sie jeweils die zweitgrößten Städte ihres Landes sind. Die bedeutende Auszeichnung soll ihr Schattendasein beenden – und für Novi Sad und Kaunas bestenfalls einen Imagewandel bringen. Wir stellen Novi Sad genauer vor und sagen, weshalb sich eine Reise in das Gibraltar der Donau lohnt.

Europäische Kulturhauptstadt außerhalb Europas

Die Auszeichnung als Europäische Kulturhauptstadt ist für Novi Sad etwas Besonderes. Denn Serbien ist zwar Beitrittskandidat der Europäischen Union, aber kein Mitglied. Trotzdem konnte das Kulturprogramm der Stadt überzeugen. Mehr als 1000 Veranstaltungen sind in der Hauptstadt der Provinz Vojvodina mit 340.000 Einwohnerinnen und Einwohnern geplant, beteiligt sind Tausende nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler.

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Novi Sad ist ein Schmelztiegel der Kulturen, das Motto der Kulturhauptstadt lautet passenderweise „Kaleidoskop der Kulturen“ und spiegelt das bereits Jahrhunderte andauernde Miteinander wider, das sich im Stadtbild durch serbisch-orthodoxe und katholische Kirchen, Moscheen und Synagogen darstellt. 

Novi Sad erhofft sich von der Auszeichnung als Kulturhauptstadt einen Imagewechsel.

Novi Sad: Stadt der Brücken

Der Ort am Mittellauf der Donau ist außerdem für seine Brücken bekannt. Drei Bauwerke, welche die Donau überspannen, wurden bei den Nato-Bombardierungen 1999 zerstört. Mittlerweile sind sie wieder aufgebaut, und das Verbindende von Brücken findet auch im Kulturprogramm der Stadt Platz. 

Die Zezelj-Brücke von Novi Sad ist eine der schönsten Serbiens. Brücken spielen auch im Kulturprogramm von Novi Sad eine wichtige Rolle.

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„Die Botschaft lautet: Für neue Brücken“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ Nemanja Milenkovic, den Präsidenten der Stiftung „Novi Sad Kulturhauptstadt Europas 2022“. Sie sollen unter anderem für Liebe, Hoffnung, Regenbogen, Migration und die Zukunft Europas stehen.

Sehenswürdigkeiten in Novi Sad

Neben dem Event-Programm für 2022 locken aber auch etliche Sehenswürdigkeiten in Novi Sad. Ein Highlight ist die Festung Petrovaradin am rechten Ufer der Donau – sie galt im 17. Jahrhundert als größte Festung Europas. Über vier Ebenen erstreckt sich das Bauwerk und weist unterirdische Tunnelsysteme von insgesamt 16 Kilometern Länge auf. Hier können dunkle Gewölbe mit teilweise nur 1,80 Meter Deckenhöhe erforscht werden, die früher unter anderem als Gefängnisse genutzt wurden.

Anstelle des Militärs findet sich in der Festung heutzutage Kunst und Kultur: Eine Sternwarte, ein Museum und zahlreiche Ateliers sind hier angesiedelt. Auch das bekannte Musikfestival Exit, das 2022 vom 7. bis zum 10. Juli stattfinden soll, lockt jährlich bis zu 200.000 Musik- und Feierwütige in die Festungsmauern. 2007 wurde das Festival zum besten Europas gekürt. Die Festung Petrovaradin und der gleichnamige Stadtteil werden durch die Varadin-Brücke mit Novi Sad verbunden.

Die beeindruckende Festung Petrovaradin im Abendlicht.

Novi Sad blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: seine Zugehörigkeit bis 1918 zur österreichisch-ungarischen Monarchie, die kommunistischen Jahre und die Balkankriege und nicht zuletzt die Zerstörung der Brücken durch die Nato-Angriffe. Die unterschiedlichen Epochen haben Spuren im Stadtbild hinterlassen. Der Platz der Freiheit beeindruckt mit unterschiedlichen Baustilen wie dem Rathaus im Stil der Neorenaissance oder der Domkirche im neogotischen Stil.

Wen es in die Kunst- und Kulturrichtung zieht, der findet in Novi Sad zahlreiche Museen und Galerien. Die Galerie von Matica Srpska beispielsweise ist eine der ältesten in Serbien, auch das Museum für zeitgenössische Kunst, bei dem der Eintritt frei ist, lohnt einen Besuch. In der quirligen und farbenfrohen Fußgängerzone erwartet die Universitätsstadt ihre Gästinnen und Gäste in den zahlreichen Cafés, Galerien und Geschäften. 

Im Sommer warten in Novi Sad viele farbenfrohe Cafés und Läden auf Besucherinnen und Besucher.


Und die Stadt hat noch mehr zu bieten. Obwohl man beim Urlaub in Serbien nicht unbedingt an Strandurlaub denkt, findet Novi Sad auch hier Mittel und Wege – und Strände. Am Ufer der Donau genießen im Sommer vor allem Einheimische ein erfrischendes Bad, räkeln sich in der Sonne oder schlemmen in einer Beachbar. Eines der beliebtesten Freibäder der Stadt ist das Štrand mit seinem 700 Meter langen Strand.

Noch mehr Outdoor-Aktivitäten bietet eine halbe Stunde Autofahrt von Novi Sad entfernt der Nationalpark Fruška Gora. In dem kleinen, grünen Mittelgebirge blühen 30 Orchideenarten und der seltene Kaiseradler durchstreift die Lüfte. Wanderwütige kommen hier auf Wegen verschiedener Niveau-Stufen auf ihre Kosten und auch bei Radfahrerinnen und Radfahrern ist der grüne Park ein beliebtes Ziel.

Am Donauufer finden die Einheimischen Erfrischung, Strandfeeling und Beachbar-Service für einen gelungenen Sommertag.

Kulturhauptstadt Novi Sad 2022 

60 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr Kulturhauptstadt-Jahr 2022 kosten. Am 13. Januar, dem orthodoxen Neujahrstag, fällt der Startschuss bei einem Open-Air-Event, das vom slowenischen Avantgarde-Künstler Dragan Zivadinov inszeniert wird. Das ganze Jahr über werden dann Veranstaltungen auch zu politischen Themen wie Migration, Frauen in der Kunst oder der Zukunft Europas stattfinden.

„Bis Ende 2022 werden wir 5000 europäische Künstler bei uns gehabt haben“, bringt Milenkovic in der „Süddeutschen“ den beeindruckenden kulturellen Aufwand in Zahlen zum Ausdruck. Wer sich 2022 kulturell weiterbilden möchte, kommt um Novi Sad nicht herum.