Wie schaffen es kleine Dörfer, ihren ursprünglichen Charme und ihre Tradition zu wahren, aber gleichzeitig Geld mit Tourismus zu verdienen? Während viele an den Herausforderungen scheitern, machen einige wenige weltweit vor, wie nachhaltiger Tourismus und die Stärkung der lokalen Gemeinschaft zusammen funktionieren können.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) hat vor Kurzem 44 Dörfer in 32 Ländern als „Best Tourism Village 2021“ ausgezeichnet. 16 dieser Dörfer finden sich in Europa. Wir stellen sie euch in alphabetischer Reihenfolge vor und zeigen, was sie so besonders macht. Deutschland geht übrigens leer aus – im Gegensatz zu einigen Nachbarstaaten.

Was macht ein „Best Tourism Village“ aber überhaupt aus? Die Welttourismusorganisation versteht darunter Destinationen, die kulturelle und natürliche Ressourcen nutzen, schützen und erhalten, die in den Bereichen Umwelt und Soziales nachhaltig agieren, ökonomisch stabil sind, das touristische Potenzial entwickeln, aber auch steuern, eine gute Infrastruktur bieten und sicher sind. 

Bekhovo in Russland

Öko-Tourismus und Öko-Farming sind die Trends im russischen Dorf Bekhovo in der Region Tula. Rund 60 Kilometer südlich von Moskau am Ufer des Flusses Oka gelegen, gibt es wenige, aber dafür außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten. Wahrzeichen von Bekhovo in Russland ist die Dreifaltigkeitskirche umgeben von Bäumen. Auf dem bekannten Friedhof von Bekhovo hat der russische Maler Vasily Polenov seine letzte Ruhestätte gefunden. 

Im Sommer kannst du das Landschaftspanorama vom Aussichtspunkt genießen, Vögel beobachten oder aber im Fluss Oka baden. Im Winter verwandelt sich Bekhovo in eine Schneelandschaft und es gibt zahlreiche Hügel, die zum Rodeln einladen.

Luftaufnahme der Dreifaltigkeitskirche in Bekhovo, Tula, Russland.

Castelo Rodrigo in Portugal

Zwölf mittelalterliche Dörfer gibt es in Portugal noch. Eines davon: Castelo Rodrigo im Zentrum Portugals. Auf 820 Metern Höhe wurden in Castelo Rodrigo, das noch komplett von der mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist, historische Schätze über Jahrhunderte bewahrt. 14 denkmalgeschützte Gebäude finden sich in Castelo Rodrigo, darunter die rund 900 Jahre alte Kirche Igreja e Mosteiro de Santa Maria de Aguiar. 

Wahrzeichen von Castelo Rodrigo ist die gleichnamige Burg, die hoch über der Region thront und einen fantastischen Ausblick in die umliegende Natur bietet. Bereits 1209 wurde die Burg errichtet und diente in der Vergangenheit verschiedenen Herrschern als Rückzugsort. 

Historischer Turm in Castelo Rodrigo im Zentrum Portugals.

Cumeada in Portugal

Cumeada in Portugal trägt den Beinamen „Dorf der Sterne“. Von kaum einem Ort in Portugal aus kann man besser in den Sternenhimmel blicken als von hier im Zentrum. In kompletter Dunkelheit zeigt sich die Milchstraße bei klarem Himmel und vom Observatorium aus kannst du dir die Planeten näher anschauen.  

Ausgezeichnet wurde Cumeada von der UNWTO, weil es durch den Fokus auf Sterne-Tourismus ganz spezielle Zielgruppen anspricht. So kommen vor allem Menschen, denen Natur- und Umweltschutz wichtig sind – wozu ein nachts komplett dunkles Gebiet ebenfalls beiträgt (Stichwörter: Insektensterben durch Lichtverschmutzung). 

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Greyerz in der Schweiz

Der vielleicht bekannteste Ort auf der Liste der „Best Tourism Villages“ ist Greyerz, oder Gruyères, in der Schweiz. Während viele der anderen vorgestellten Ortschaften sanften Tourismus leben und nur wenige Reisende anziehen, gilt Greyerz als wichtiger touristischer Anlaufpunkt. 

Die mittelalterliche Gemeinde beeindruckt vor allem durch ihre Lage am Fluss Saane und den Alpen. Mit der Luftseilbahn kannst du von Greyerz auf den Moléson hinauffahren und im Sommer wie Winter die Umgebung genießen.

Wer nach Greyerz kommt, kann allerdings nebst Natur auch jede Menge Kultur und Geschichte erleben. Das mittelalterliche Schloss und die historischen Gebäude beeindrucken Reisende seit jeher, es finden auch immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt. Ebenfalls sehenswert ist das HR Giger Museum mit der Kunst des Oscar-Preisträgers.

Luftaufnahme von Gruyères (Greyerz) in der Schweiz.

Kaunertal in Österreich

Auch unsere Nachbarn in Österreich haben einen Ort, der sich besonders im nachhaltigen Tourismus verdient gemacht hat: das Kaunertal. Das ist zum einen ein Tal, das genauso heißt, zum anderen aber auch eine Gemeinde mit 616 Einwohnerinnen und Einwohnern. 

Eine der größten Sehenswürdigkeiten von Kaunertal ist die Wallfahrtkirche Mariä Himmelfahrt im Ortsteil Kaltenbrunn. Mit ihrem roten Zwiebelturm ragt die Kirche mitten aus dem Wald heraus und begrüßt Besucherinnen und Besucher schon aus der Ferne. Besonders spannend: Die Kirche soll von einem Sündiger gebaut worden sein. Als Strafe für einen Mord habe er 1272 die Kirche auf 1260 Metern bauen müssen, heißt es. 

Lekunberri in Spanien

Direkt an der spanisch-französischen Grenze findet sich der Ort Lekunberri, auch Lecumberri genannt. Aber Obacht: Auch im französischen Baskenland gibt es ein Lecumberry – das hier aber nicht gemeint ist. Also zurück nach Spanien: Beim Schlendern durch Lekunberri kannst du zahlreiche historische Häuser wie hier auf dem Foto entdecken.  

Eines der Highlights in der Region ist die zu Lekunberri gehörende Höhle Mendukilo, die sich 750 Meter über Normalnull befindet. Bei einer rund einstündigen Führung kannst du die Schauhöhle in dem Waldgebiet begehen und mehr zur Beschaffenheit erfahren. Mutige Interessierte können noch eine weitere Tour machen: in den nicht ausgebauten und beleuchteten Teil der Höhle. 

Ein traditionelles Haus in Lekunberri (Lecumberri) in Navarra, Spanien.

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Mokra Gora in Serbien

Willkommen im vielleicht pittoreskesten Dorf Serbiens: Mokra Gora. Direkt an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina befindet sich das 1000-Seelen-Dorf, das wie aus einem historischen Landschaftsfilm entsprungen wirkt. Während die Hälfte der Bevölkerung noch von der Landwirtschaft lebt, verdienen die anderen mit Tourismus oder in einer Chemiefabrik ihr Geld.

Mitten durch die nostalgische Stadt fährt übrigens die historische Eisenbahn auf der Museumsbahnstrecke Šarganska Osmica – mehr Romantik geht nicht.

Oder vielleicht doch? Ein Highlight wartet nämlich seit den 2000er-Jahren auf Touristinnen und Touristen. Für den Film „Das Leben ist ein Wunder“ hat der Regisseur Emir Kusturica Mokra Gora erweitert, auf einem 670 Meter hohen Hügel findet sich seither das Küstendorf. Hier sind alle Häuser aus Holz und in traditioneller Bauweise entstanden. 

Holzhäuser in Mokra Gora in Serbien.

Morella in Spanien

Ein weiteres mittelalterliches Bergdorf aus Spanien wurde zum „Best Tourism Village“ gekürt: Morella in der Region Valencia. Hoch oben über dem Dorf thront die alte Burgruine und wacht über die Menschen, die hier leben. Darunter hat sich eine Vielzahl weißer Häuser versammelt, die die engen Gassen (oft mit bunten Bändern geschmückt) säumen. 

Wer nicht nur die Burg besichtigen möchte, kann in der Altstadt und beispielsweise im Rathaus jede Menge Geschichte lernen. Der Eintritt in die Stadt folgt sodann auch auf historischem Wege: Wer nach Morella will, muss durch das Stadttor Portal de Sant Miquel eintreten. 

Blick auf den Burgfelsen und darunter die Kleinstadt Morella in Spanien.

Pano Lefkara auf Zypern

Pano Lefkara ist nicht nur Zyperns einziges „Best Tourism Village“, sondern auch Zyperns Vertreter im European Charter, einer Vereinigung von 28 ländlichen Gemeinden, einer pro EU-Mitgliedsstaat. Zwischen Nikosia und Larnaka in den Bergen gelegen, spielt vor allem Silber eine große Rolle in Pano Lefkara. 

Schon vor vielen Jahrhunderten soll hier Silberhandwerk betrieben worden sein. Zahlreiche Silberschmieden und auch ein Volkskundemuseum erzählen von der Geschichte. Aber nicht nur Silber machte die Gemeinde berühmt: Die sogenannten Lefkaritiko, Strickereien und Spitzen, werden weltweit verkauft. Schon im zwölften Jahrhundert sollen die Einwohnerinnen und Einwohner von Pano Lefkara diesem Handwerk nachgegangen sein. 

Luftaufnahme von Pano Lekara in Zypern.

Radovljica in Slowenien

Radovljica in Slowenien ist eine der größten Städte, die ausgezeichnet wurde. Mit nicht einmal 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern handelt es sich aber definitiv um ländlichen Raum.

Die Gründung von Radovljica geht auf das Jahr 1296 zurück und viele historische Stätten lassen die Geschichte nahbar werden. Beispielsweise, wenn du auf Schloss Kamen unterwegs bist, das mittelalterliche Schloss Thurn besichtigst, in einer Töpferwerkstatt mit anpackst oder die einstige Eisenschmiede in Kropa mit dem ältesten noch erhaltenen Schmelzofen besuchst. 

Heute hat Radovljica den Beinamen „süße Stadt“, was vor allem an der Imkerei liegt. Zahlreiche Bienen leben in Radovljica und versorgen nicht nur die Stadt und die Region mit süßem Honig. Inzwischen haben sich auch Chocolatiers sowie eine Lebkuchenwerkstatt angesiedelt – wer süße Abwechslung braucht, ist in Radovljica also genau richtig. Und wenn du all den Zucker wieder abtrainieren willst: Sowohl in die Berge als auch zum idyllischen Bleder See ist es nur ein Katzensprung.

Eine Frau mit Kind spaziert durch die Altstadt von Radovljica in Slowenien.

Saas-Fee in der Schweiz

Der Wintersportort Saas-Fee in den Schweizer Alpen liegt nah an der italienisch-schweizerischen Grenze und besticht durch sein Bergpanorama. Das Besondere an Saas-Fee: Es ist umgeben von den höchsten Bergen der Schweiz, elf Viertausender säumen das Dorf, darunter auch der höchste Berg der Schweiz: der Dom. 

Im Winter warten 100 Pistenkilometer auf Wintersportfans. Auch ansonsten ist Saas-Fee ein Ort der Superlative: Auf Besucherinnen und Besucher warten das höchste Drehrestaurant der Welt, die höchste unteriridische Standseilbahn der Welt und der einzigartige in den Feegletscher gemeißelte Eispavillon mit einem Volumen von 5500 Kubikmetern. Im Sommer hingegen kommen Bergsportlerinnen und Bergsportler sowie Wanderinnen und Wanderer auf ihre Kosten. 

Während viele Orte in den Alpen aber auf Wachstum aus sind, versucht sich Saas-Fee an nachhaltiger Entwicklung. Bereits seit 1996 gehört der Ort zur „Allianz in den Alpen“, die sich für den Schutz des Naturraums einsetzt. In Saas-Fee dürfen beispielsweise keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fahren und selbst Touristinnen und Touristen müssen eine Gebühr für Müll bezahlen, den sie produzieren. 

Winterlicher Blick über Saas-Fee und die Viertausender-Gruppe mit Täschhorn (4491), Dom (4545) und der Lenzspitze (4264).

San Ginesio in Italien

Bereits vor der Auszeichnung zum „Best Tourism Village“ war San Ginesio in der italienischen Region Marche bei Liebhaberinnen und Liebhabern pittoresker Ortschaften bekannt: San Ginesio, die Stadt des Schaumweins und Rotweins, zählt nämlich offiziell zu den schönsten Orten in Italien!

Bei deinem Besuch in San Ginesio solltest du dir viel Zeit nehmen, um durch die Altstadt zu schlendern. Hier warten beeindruckende Gebäude wie die Kirche Il Balcone dei Sibillini oder das ehemalige Krankenhaus Ospedale dei Pellegrini. 

Blick auf historische Gebäude in San Ginesio in Italien.

Solcava in Slowenien

Dass Slowenien nicht nur wunderschöne Natur, sondern auch einige kulturelle Schätze hat, ist bekannt. Eines der Dörfer, die beides vereinen, ist Solcava, zu Deutsch: Sulzbach. Schon zur Altsteinzeit war das Gebiet besiedelt. Aus der Zeit rund um 1250 soll eine frühgotische Stein-Statue der Maria, Madonna von Solcava genannt, stammen, die in der Kirche Marija Snezna zu sehen ist. 

Auch die Lage von Solcava ist einzigartig. Die Gemeinde befindet sich am Oberlauf des Flusses Sann und ist umgeben von den Gebirgsketten Karawanken, Steiner Alpen und Raduha. Kein Wunder, dass sich hier auch eine Einzigartigkeit versteckt: Auf 1327 Metern findet sich Sloweniens höchstgelegener Bauernhof. 

Traditionelle Sveti Duh Kirche in den Steiner Alpen in Slowenien.

Soufli in Griechenland

Die „Stadt der Seide“ wird Soufli in Ostmakedonien und Thrakien in Griechenland genannt. Die Stadt wurde der Legende nach von Flüchtenden aus der Türkei gebaut und ist einer der wenigen Orte in ganz Griechenland, in denen mit Seide gearbeitet wurde. Im Seidenmuseum erfährst du daher alles zum Produktionsprozess, von der Aufzucht der Seidenraupen bis zur industriellen Seidenverarbeitung. 

Woran man auch erkennen kann, dass es in Soufli um Seide geht? An den Maulbeerbäumen. Ja, richtig gelesen: Diese Bäume wurden benötigt, um die Seidenraupen zu füttern. Wobei auch hier eine Relation notwendig ist: Seide wird in Soufli inzwischen kaum mehr produziert. Das Handwerk ist zu teuer geworden, um mit Anbietern aus Fernost zu konkurrieren.

Taraklı in der Türkei

Eine Geschichte, die dich tief ins Osmanische Reich führt, und Thermalquellen, die deine Gesundheit fördern: Das verbindet Taraklı in der Türkei. Eine der Sehenswürdigkeiten ist der riesige Baum Yedi Asırlık Çınar, in dessen offenem Baumstamm mehrere Personen Platz finden. 

Wer in einem historischen Gebäude unterkommen möchte, übernachtet im Kadirler-Herrenhaus, das heute als Hotel dient. Unbedingt besichtigen solltest du auch die Yunus-Pascha-Moschee, die bereits im frühen 16. Jahrhundert errichtet wurde. Generell versprüht aber die ganze Stadt historischen Charme: Die vielen überwiegend weißen Häuser sind im anatolischen Stil errichtet. 

Stadtbild von Taraklı mit historischen anatolischen Häusern.

Valposchiavo (Puschlav) in der Schweiz

Im italienischsprachigen Teil der Schweiz findet sich Puschlav, oder wie es im Italienischen heißt: Valposchiavo. Das aus zwei Gemeinden bestehende Dorf, das bereits im 15. Jahrhundert vor Christus von den Römern besiedelt wurde, verfügt über eine atemberaubende Landschaft: Wer hoch hinaus will, kann vor den Toren des Ortes auf einen der fünf Dreitausender oder einen der fünf Zweitausender steigen. So wundert es nicht, dass die Menschen vor allem nach Puschlav kommen, weil sie die Natur genießen und im Freien aktiv sein wollen. 

Aber auch sonst gibt es einiges zu sehen: Durch Puschlav fährt beispielsweise die Berninabahn, die immerhin Unesco-Weltkulturerbe ist. Und auch den Gletschergarten mit Gletschermühlen solltest du dir nicht entgehen lassen. 

Für wen Kulinarik auch zum Reisen gehört, für den ist Puschlav der place to be: Wo Schweizer (Käse!) und italienische (Pizza, Pasta!) Küche aufeinandertreffen, kann doch nur etwas Gutes herauskommen, oder? Probieren solltest du Pizzochheri (Nudeln mit Gemüse und Käse), Brasciadella (Ringbrot mit Anis) und Mortadella. Als Souvenir eignet sich der lokal hergestellte Käse. 

Spaniolenviertel in Puschlav in der Schweiz.

Beste Tourismus-Dörfer 2021 – weltweit

Nicht nur in Europa gibt es Dörfer, die als „Best Tourism Village 2021“ ausgezeichnet worden sind. Auch in Nordamerika, Südamerika, Afrika und Asien haben einige Siedlungen Vorbildcharakter: 

Afrika

  • Le Morne auf Mauritius
  • Nkotsi Village in Ruanda
  • Old Grand Port auf Mauritius
  • Olergesailie in Kenia
  • Sidi Kaouki in Marokko
  • Wonchi in Äthiopien

Asien

  • Bkassine im Libanon
  • Bojo auf den Philippinen
  • Batu Puteh in Malaysia
  • Misfat Al Abriyeen im Oman
  • Miyama in Japan
  • Nglanggeran in Indonesien
  • Niesko in Japan
  • Pochampally in Indien
  • Rijal Alma'a in Saudi-Arabien
  • The Purple Island in Südkorea
  • Ungok Village in Südkorea
  • Xidi in China
  • Yucun in China

Nordamerika

  • Cuetzalan del Progreso in Mexiko 
  • Maní in Mexiko

Südamerika

  • Caspalá in Argentinien
  • Ollantaytambo in Peru
  • Pica in Chile
  • Puerto Williams in Chile
  • San Cosme y Damián in Paraguay
  • Testo Alto in Brasilien