Wenn du nach San Francisco gehst, solltest du eine Blume im Haar tragen, singt Scott McKenzie in seinem Hit von 1967 – heute sollte man eher einige Dollar mehr im Geldbeutel dabeihaben. Denn die kalifornische Metropole ist mittlerweile die teuerste Stadt der USA und hat damit New York abgelöst. Allerdings betrifft das vor allem die Einwohnerinnen und Einwohner, die mit extremen Mieten zu kämpfen haben.

Uber-Fahrer Delon Hue arbeitet sieben Tage die Woche, um sein Leben in San Francisco finanzieren zu können, erzählt er, während wir im Stau auf dem Weg zum neu eröffneten Chase Center, einer Multifunktionsarena in Mission Bay, stehen. Der 51-Jährige lebt seit 1991 in der Stadt. Wegen der Corona-Pandemie konnte er lange nicht arbeiten, bekam 3000 Dollar vom Staat. „Das hat gerade so zum Leben gereicht“, sagt er.

Er zahle 1500 Dollar Miete für ein Studio mit Bad in einer schlechten Nachbarschaft – und das sei nur deshalb so „günstig“, weil er schon seit 15 Jahren in dem Apartment lebe und der Vermieter deshalb die Miete nicht anheben dürfe. Inzwischen muss er sein Geld wieder selbst verdienen und freut sich, endlich wieder Touristinnen und Touristen durch die Stadt fahren zu dürfen.

Viel Neues für Reisende

Auf die hat San Francisco lange warten müssen. Dafür hat es sich in der coronabedingten Zwangspause ordentlich herausgeputzt. Mehr als 40 Lichtinstallationen bringen beispielsweise noch bis Ende Januar dank des Festival of Light die unterschiedlichsten Orte in der Stadt zum Leuchten. Das neu errichtete Salesforce Transit Center beherbergt auf dem Dach einen neuen Park – mitten in Downtown. Die neuen Sehenswürdigkeiten, aber auch alle alten lassen sich am besten auf zwei Arten erkunden: mit dem Auto und mit dem Rad.

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Der Buckyball ist eine neue dauerhafte Lichtinstallation am Pier 15, geschaffen von Leo Villareal.

Im alten VW-Bus durch die Stadt

Und weil wir in San Francisco sind und das Hippiegefühl trotz extremer Mieten nicht verloren gegangen ist, nehmen wir natürlich nicht irgendein Auto, sondern einen alten VW-Bus aus der Flotte von Allan Graves. Er gründete 2015 die Love-Tours und bietet nun Stadtrundfahrten in kunstvoll gestalteten VW-Bussen an. „Ich liebe die Stadt, ich liebe alte Autos, und ich liebe es, zu reden“, erklärt Graves lachend.

Auch ihn hat die Pandemie hart getroffen. Er musste fast alle Mitarbeiter entlassen. Nun geht es aber allmählich wieder bergauf. Wortwörtlich, denn die Fahrt in Richtung Golden Gate Bridge führt uns über einige steile Straßen, die dem 44 Jahre alten Bus Mühe machen. Allan Graves hat für jede Station das passende Lied parat: Als wir die Golden Gate Bridge passieren, die Sonne sich endlich durch den ortstypischen Nebel gekämpft hat und dann auch noch Scott McKenzie mit seinem Lied „San Francisco“ aus den Lautsprechern schallt, könnte es kaum mehr „SanFran“ sein.

Allan Graves bietet Stadttouren in bunt bemalten VW-Bussen an.

Elektromotor erleichtert Fahrradtour

Und auch, als wir uns für die Fahrradtour entscheiden, warten natürlich keine herkömmlichen Räder auf uns. Nick Hormuth steht in seiner Garage an einer Nebenstraße im Nordosten der Stadt. Die Garage entpuppt sich als Verleihstation der Dandyhorse SF Bike Tours.

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Die Räder sehen auf den ersten Blick ganz normal aus, Nick hat aber jedes einzelne selbst restauriert und modifiziert. Denn ohne Elektromotor fahren die wenigsten seiner Kundinnen und Kunden freiwillig durch die hügelige Stadt. Die Räder haben fünf Stufen, und schon die erste fühlt sich recht schnell an. Doch beim ersten Anstieg merken wir bald, dass die fünf Stufen nötig sind. Wie von selbst rauschen wir die steilen Straßen hoch.

Oben angekommen, zeigt uns Hormuth einen Gemeinschaftsgarten über den Dächern der belebten Stadt. Die kleine Ruheoase bietet alles, was das Selbstversorgerherz begehrt – von Rosenkohl über Tomaten bis hin zu Zitronen.

Ein Garten, in dem der Kohl neben den Zitronenbäumen wächst – über den Dächern San Franciscos.

Jede Menge Wandbilder im Mission District

Die Tour mit dem Fahrrad führt uns durch Teile der Stadt, die bei den klassischen Stadtrundfahrten ausgelassen werden – und trotzdem nicht weniger sehenswert sind. Beispielsweise in den Mission District, wo sich ein Wandbild an das nächste reiht. Porträts von Frida Kahlo, die damals in der City Hall der Stadt heiratete, Erzählungen über das Erntedankfest, Rassismus und die Gentrifizierung der Stadt – alles großformatig auf Hauswände gemalt.

Im Mission District in San Francisco sind jede Menge großformatige Wandbilder zu sehen.


Eine Pause mit frischen Mexicatessen, authentisch mexikanischen Snacks, genehmigen wir uns auf einem der höchsten Punkte der Stadt: dem Bernal Heights Park. Von hier aus lässt sich der Nebel beobachten, der sich allmählich aus der Stadt verzieht, während man von Hunden umringt wird. „In der Stadt gibt es mehr Hunde als Kinder“, sagt Nick Hormuth.

Hunde warntern vor Erdbeben

Die Tiere könnten für die Einheimischen auch eine Art Absicherung sein. Denn hätten die Menschen etwa 1906 auf ihre bellenden Hunde gehört, die kurz vor dem verheerenden Erdbeben anschlugen, hätten sie sich schneller in Sicherheit bringen können. Das nächste große Erdbeben wird kommen, da ist sich die Wissenschaft einig. Der Guide zeigt uns noch einige wenige Häuser, die das damalige Erdbeben und den Brand überstanden haben, bevor es weiter in Richtung Hafen und zurück zur Garage geht.

Presidio, die grüne Seite der Stadt

Doch es gibt noch eine ganz andere Seite von San Francisco: Natur pur. Der Presidio an der Spitze der Halbinsel ist eine Welt für sich. Früher als Militärgelände genutzt, bietet der Park, der Teil der Golden Gate National Recreation Area ist, heute Wanderwege, Häuser zur Miete und Hotels. Beim Presidio Inn und der Presidio Lodge unweit der Golden Gate Bridge fühlt man sich fast wie auf dem Land. Auf der Veranda im Schaukelstuhl sitzen und auf die weltberühmte Brücke schauen – wer denkt da noch daran, dass er immer noch mitten in einer pulsierenden Metropole ist?

Die Häuser im Presidio werden von dem sogenannten Presidio Trust verwaltet und vermietet. Ein Kauf ist nicht möglich.


Am hiesigen Strand hat sich in den vergangenen Jahren sogar ein kleines Naturschutzgebiet etabliert, in dem Reiher und Pelikane Fische jagen und Anwohner mit ihren Hunden Gassi gehen.

Um eine Verbindung zwischen dem Presidio und dem Crissy Field, einem ehemaligen Flugplatz, der mittlerweile ein Naherholungsgebiet ist, am Pazifik zu schaffen, wird seit einiger Zeit an den sogenannten Tunnel Tops gearbeitet: Über dem Tunnel des viel befahrenen Highways erschaffen die Arbeiter einen neuen Park. Im März 2022 soll er eröffnet werden. Dann reiht sich eine weitere Neuheit in die Liste der neuen Sehenswürdigkeiten von San Francisco ein.

Tipps für deine Reise nach San Francisco

Anreise: Direktflüge nach San Francisco gibt es zum Beispiel ab Frankfurt am Main oder München. Bei Flügen von Airports wie in Berlin oder Hamburg ist ein Zwischenstopp nötig.

Einreise: Deutsche müssen mindestens 72 Stunden vor der Abreise online eine Esta-Einreisegenehmigung
beantragen. Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre.

Stadtrundfahrten: Bei den San Francisco Love Tours fahren Reisende mit VW-Bussen durch die Stadt und über die Golden Gate Bridge, Tickets gibt es ab etwa 66 Euro pro Person.
Die Dandyhorse San Francisco Bike Tours bieten verschiedene, rund viereinhalbstündige E-Bike-Touren durch San Francisco an, ab etwa 70 Euro.

Die Reise wurde unterstützt von San Francisco Travel. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.