Für einen Moment ringen Ehrfurcht und Freude auf dem Gesicht von Lewis Hayes miteinander. Als sich das Tor zur großen Scheunenhalle der St. Nicholas Abbey öffnet, flüstert er: „Das ist die absolute Pilgerstätte für Rumliebhaber.“

Hayes ist aus London zur Abbey im Norden von Barbados gereist, um an einer einwöchigen „Rum Experience“ teilzunehmen. Die karibische Insel will dem Getränk einen Imageschub verpassen. Deshalb sind Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt gekommen. Ein Besuch der Abbey ist aber auch für Rumlaien ein Höhepunkt.

Das Gelände um die St. Nicholas Abbey ist nicht nur wegen der Rumdestillerie einen Besuch wert, sondern auch wegen des Gartens.

Barbados: St. Nicholas Abbey ist ein Muss für Rumfans

„Hier vereinen sich Geschichte und Gegenwart, das Alte und das Neue“, schwärmt Hayes. Warum? Weil das schicke Herrenhaus, der dazugehörige Garten und alles andere hier die Wurzeln in der Kolonialisierung haben – die Briten kamen nach Barbados, um mit dem Zucker der Insel Geld zu machen. Weil der Zucker – als Sirup, Molasses genannt – auch heute der Ursprung eines jeden guten Rums von der Insel ist.

Aber auch, weil die alte Dampfmühle, mit der hier früher produziert wurde, ein Zeugnis unternehmerischer Kreativität ist. Und zu guter Letzt auch, weil die Destillerie heute alle Zutaten für ihre Variante des Lebenselixiers der Einwohnerinnen und Einwohner auf dem sehenswerten Gelände selbst produziert. Hier fährt übrigens auch eine kleine Eisenbahn hinauf zum Cherry Tree Hill, der einen tollen Blick über Barbados ermöglicht.

Vom Cherry Tree Hill auf dem Gelände der St. Nicholas Abbey bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf Teile der Insel Barbados.

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Barbados liegt im Osten der Karibik

Der gerade mal 430 Quadratkilometer große Inselstaat liegt in der östlichen Karibik. Das sonnige Wetter und die Strände mit ihrem weißen Sand und dem türkisfarbenen Wasser machen Barbados zu einem beliebten Ziel von Sonnenanbetenden. Das Schwimmen empfiehlt sich allerdings nur auf der Westseite. Im Osten peitscht der Wind das Atlantikwasser gegen die Strände. Das wiederum macht die Gegend zu einem guten Ziel für (erfahrene) Surfer.

Weißer Sand und türkisfarbenes Wasser: Die Insel Barbados ist wegen ihrer Strände beliebt bei Sonnenanbeterinnen und -anbetern.

Barbados: Seit 30. November 2021 von der britischen Krone losgesagt

1625 hatten die Briten Barbados in Besitz genommen. Jüngst begann eine Zeit der Veränderung – seit dem 30. November ist die Insel Republik, von der Krone losgesagt. Prinz Charles reiste zum Abschied an, nun hat Präsidentin Sandra Mason das Sagen. Sie hat auch die Aufgabe, den Tourismus sowohl zu fördern als auch nachhaltig und verträglich zu gestalten.


Viele Reisende erreichen die Insel per Kreuzfahrtschiff auf dem Seeweg, schlendern vom Hafen in die Hauptstadt Bridgetown. Doch Barbados lässt sich komplett unterschiedlich erleben. Vom nördlichsten zum südlichsten Ende fährt man mit dem Auto kaum mehr als eine Stunde.

Bridgetown ist die Hauptstadt von Barbados. Viele Reisende kommen hier mit einem Kreuzfahrtschiff an.


„Lasst es uns ruhig angehen, genießt die Luft und das Leben“, scheint auf der Insel das Motto zu lauten. Das karibische Lebensgefühl lernen vor allem die Reisenden kennen, die die ausgetretenen Pfade verlassen. „Es gibt viele kleine Dörfer, und jedes hat eine Kirche. Aber jedes Dorf hat auch eine Bar. Und meistens ist die nicht weit weg von der Kirche“, erzählt uns Ronnie Carrington bei einer Bustour über die Insel.

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Es gibt viele mehr auf Barbados als 100-Jährige

Carrington ist Touristenführer, aber auch Fotograf und Dokumentarfilmer. Er brennt für Barbados. Und für seine Mutter. Die Frau ist mehr als 100 Jahre alt – und gehört damit zum Club der Barbadian Centenarians, der jene Einwohnerinnen und Einwohner ehrt, die dieses besondere Alter erreichen – nur in Japan gibt es laut Carrington prozentual mehr Menschen über 100. Ihr Geheimnis? „Es ist eine Mischung. Bewegung – ich kenne Centenarians, die jeden Morgen runter zum Meer laufen und schwimmen. Das viele frische Obst und Gemüse. Der köstliche frische Fisch, den wir fangen. Und die Tatsache, dass wir hier beste Luft atmen.“

Ronnie Carrington hält mit seinen Fotos und Filmen das kulturelle Erbe von Barbados fest.

Riffkalk gefährdet die Insel

Carrington will mit seinen Fotos und Filmen das kulturelle Erbe festhalten, aber auch aktuelle Entwicklungen dokumentieren. Er weiß von dem Problem, dass auf dem aus Riffkalk entstandenen Atoll Wasser nicht sonderlich gut abläuft und Teile der Insel einfach wegspülen könnte. Er kennt die manchmal holperigen Straßen und die horrenden Kosten, damit diese Infrastruktur zumindest erhalten bleibt.

Chattel Houses erinnern an die Vergangenheit

Er weiß aber auch, wie es war, als die Einwohnerinnen und Einwohner endlich Land kaufen durften und ihre provisorischen Hütten auf dem Grund der Kolonialherren plötzlich Eigentum wurden. Zuvor waren die sogenannten Chattel Houses nur provisorische, kurzfristige Unterkünfte für die Arbeitenden auf den Plantagen gewesen. Mussten sie umziehen, nahmen sie ihr Haus gleich mit. Die kleinen Häuser sind heute charakteristisch für Barbados.

Überall auf Barbados stehen die farbenfrohen Chattel Houses.


Viele blieben in den vormaligen Provisorien. Wenn Geld da ist, wird ausgebaut – oder wenigstens bunt gestrichen. Die Leute schätzen das ruhige Leben im Landesinneren. Hier wird getauscht und verschenkt: Wer zu viel hat, der teilt. Vor allem Ältere amüsieren sich regelrecht, wenn sie hören, dass Menschen in der Stadt Geld für Obst ausgeben.

Bottom Bay auf Barbados bietet Luxus


Natürlich gibt es auch Luxus auf Barbados. Im Südosten an der Bottom Bay, einem idyllischen kleinen Strandabschnitt, stehen vornehme Häuser. In St. James im Westen befinden sich edle Hotels und Restaurants. Der Bezirk ist eine Adresse für teure Partynächte, vornehme Boutiquen und exklusive Unterkünfte mit Strandanschluss. Der muss aber immer für alle zugänglich sein. Privatisierung ist in Barbados nicht erlaubt. Das Paradies steht nicht zum Verkauf.

Wracks sind beliebtes Taucherziel

Das Geld kann stattdessen genutzt werden, um einen Katamaran zu buchen und sich über das Meer schippern zu lassen, Zwischenstopp zum Schnorcheln inklusive. An der Carlisle Bay liegen im Meer zwei Schiffswracks, um die Tausende Fische schwimmen. Hier drehen Meeresschildkröten ruhig ihre Runden und kommen Besucherinnen und Besuchern ganz nahe, sobald die Tourguides sie mit Futter locken. Dabei achten die Guides natürlich immer darauf, dass die Tiere nicht zu sehr gestresst werden.

In der Carlisle Bay können Reisende zu einem Schiffswrack tauchen und dabei Fische sowie Schildkröten sehen.

Auf Reisen Gutes tun: Schildkröten auf Barbados pflegen

Wer nicht nur zuschauen, sondern selbst aktiv werden will, kann auf der Insel auch Schildkröten pflegen. Barbados Tourism hat das Projekt Mindful Barbados ins Leben gerufen. Reisende können in dessen Rahmen kleine bis große Aufgaben übernehmen und Angebote buchen, die der Insel und den Einheimischen helfen und gleichzeitig das eigene Gewissen beruhigen: Schildkröten pflegen, Müll auflesen, sogar Bäume pflanzen.

Hunte's Garden auf Barbados: Eine Oase im Paradies

Wie sehr es sich lohnt, die Natur der Insel zu schützen, wird an einem ihrer schönsten Orte deutlich: Hunte’s Garden. Das ist ein Garten in einem Krater, der entstand, als eine unterirdische Höhle einstürzte. Zwischen Palmen und Blüten fühlt man sich wie in der grünen Lunge der Insel – und freut sich, dass Besitzer Anthony Hunte meist zugegen ist. Hunte ist nicht nur sehr geschwätzig, sondern auch großzügig. Gern schenkt er einen „Rum Punch“ aus, einen Cocktail mit – natürlich – Rum von Barbados. Noch so eine Pilgerstätte also. Auf einer sehr besonderen Insel.

Hunte’s Garden ist einer der schönsten Orte auf Barbados.

Tipps für deine Reise nach Barbados

Aktuelle Situation: Das Auswärtige Amt warnt aktuell vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Barbados. Das Land ist wegen Corona als Hochrisikogebiet eingestuft. Vollständig Geimpfte benötigen einen negativen PCR-Test, um nicht in Quarantäne zu müssen. Vor der Einreise ist eine Anmeldung auszufüllen.

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Direktflüge von Deutschland nach Barbados an.

Beste Reisezeit: Ganzjährig herrschen Temperaturen um die 30 Grad Celsius, von Juli bis Dezember ist Regenzeit. Besonders empfehlenswert: Dezember bis April.

Unterkunft: Die Eco Lifestyle Lodge am Meer im Westen der Insel bemüht sich um Nachhaltigkeit. Übernachtungen sind ab 180 Euro buchbar.

Attraktionen: Die Besichtigung der St. Nicholas Abbey (Cherry Tree Hill St. Peter) mit Rumtour, Zugfahrt und mehr kostet rund 27 Euro.
Ronnie Caringtons Tour zu besonderen Fotospots kann über seine Website angefragt werden.
Die fünfstündige Katamarantour mit Schnorcheln und Verpflegung von Silver Moon Barbados ist für rund 120 Euro buchbar.
Hunte’s Garden (Highway 3A, Coffee Gully) hat täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: etwa 18 Euro, Kinder zahlen die Hälfte.

Die Reise wurde unterstützt von Barbados Tourism Marketing. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.