Der Weg zum Weihnachtsmann führt über einen schmalen Holzsteg durch einen engen, eher spärlich beleuchteten Gang. Rechts und links stehen große Holzkisten, aus denen weihnachtliche Päckchen herausragen. Weihnachtswichtel weisen den Weg, und von irgendwoher ertönt leise stimmungsvolle Musik.

Hinter einer schweren Holztür sind es noch ein paar Treppenstufen hinauf in den ersten Stock. Und schon steht man vor der Tür, hinter der er sie empfängt, die Alten und die Jungen, die Gläubigen und auch die Zweifler.

Der Weihnachtsmann hatte im Santa Claus Village bei Rovaniemi auch schon viel prominenten Besuch aus der ganzen Welt.

Erinnerungsfoto mit dem Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann mit der langen roten Zipfelmütze, dem beinahe ebenso langen weißen Bart und den bunten Ringelsocken sitzt auf einem breiten hölzernen Stuhl vor einer großen Weltkarte. Er ist umgeben von Kisten mit Briefen, die Menschen aus der ganzen Welt Jahr für Jahr an ihn adressieren.

Freundlich winkt er seine Besucherinnen und Besucher heran. Und für einen Augenblick ist wohl jede und jeder, die oder der neben ihm auf der flachen Bank Platz nimmt, um zu plaudern und ein Erinnerungsfoto zu machen, wieder Kind. 

Schau selbst, was er uns erzählt hat: 

Fragt man Google, wo der Weihnachtsmann wohnt, erhält man folgende Antwort: „Die Adresse vom Weihnachtsmann lautet: Santa Claus Main Post Office (Weihnachtsmann Postamt), 96930 Arctic Circle (Polarkreis).“

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Im Santa Claus Village bei Rovaniemi befindet sich nicht nur das Büro des Weihnachtsmannes. Auf dem zentralen Platz kannst du den Polarkreis überqueren.

Heimat liegt eigentlich noch nördlicher

In Finnland weiß jedes Kind, dass der Weihnachtsmann, der hier Joulupukki genannt wird, einer Legende nach eigentlich am Korvatunturi lebt. Doch der Berg im äußersten Norden des Landes liegt an der Grenze zu Russland im Sperrgebiet. Also hat man dem Weihnachtsmann im Santa Claus Village bei Rovaniemi ein Weihnachtsmannbüro eingerichtet.

Die Stadt mit ihren rund 63.000 Einwohnerinnen und Einwohnern am Zusammenfluss von Ounasjoki und Kemijoki im Süden Lapplands gilt als das Tor zum Norden Finnlands. Vor allem aber vermarktet sie sich als offizielle Heimat des Weihnachtsmannes. Und ein bisschen Weihnachtszauber kann hier in den langen Wintermonaten auch nicht schaden. Denn die sind kalt und meistens dunkel. Schließlich liegt Rovaniemi direkt am Polarkreis.

Während der Polarnacht wird es in der Gegend um Rovaniemi nur sehr wenig hell – dafür sind mit etwas Glück nachts Polarlichter am Himmel zu sehen.

Wenig Helligkeit während der Polarnacht

Von November bis in den Januar herrscht hier die Polarnacht, Kaamos genannt. Die Sonne steigt dann nicht mehr über den Horizont, nur an wenigen Stunden ist es wirklich hell. Dafür erstrahlt der Himmel in den schönsten Schattierungen, und Schnee erhellt die Landschaft.

Viele Attraktionen im Weihnachtsdorf

Das Weihnachtsdorf befindet sich etwa acht Kilometer vom Zentrum Rovaniemis entfernt. Für die meisten ist die Audienz bei dem alten Mann mit Bart sicher der Höhepunkt des Aufenthaltes. Auf dem großen Gelände rund um den Central Square mit seinen zahlreichen Souvenirshops gibt es aber noch andere Attraktionen.

Im Hauptpostamt kommen jährlich mehr als 500 000 Briefe an Santa an

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Da ist zum Beispiel das Main Post Office, das Hauptpostamt, in dem mehr als 500.000 Briefe pro Jahr ankommen sollen. Gegen Gebühr lassen sich weihnachtliche Postkarten hier kaufen und von hier verschicken – mitsamt Sonderstempel. Im Weihnachtscottage bittet die Weihnachtsfrau zum Keksebacken. Ein paar Meter weiter stehen Rentierschlitten für eine kurze Fahrt bereit. Direkt daneben drehen Kinder auf Snowmobilen in einem Parcours ihre Runden. Für ein paar Euro ist im Santa Claus Village alles möglich. Ein Linie markiert die Stelle, an der Besucherinnen und Besucher hier den Polarkreis überqueren können – ganz kostenfrei.

Ins Cottage von der Weihnachtsfrau kommen Besucherinnen und Besucher des Santa Claus Village normalerwiese zum Keksebacken.

Mehr als eine halbe Million Menschen aus der ganzen Welt kamen zuletzt vor der Corona-Pandemie alljährlich ins Santa Claus Village. Besonders beliebt ist es bei Asiaten. Finnen trifft man hier eher selten – es sei denn, sie stehen Santa Claus als Wichtel hilfreich zur Seite. Die Weihnachtszeit lassen die meisten Einheimischen aber eher ruhiger angehen. Viele genießen auch während der kalten und dunklen Jahreszeit am liebsten die Natur.

Einheimische ziehen die Natur vor

Zum Beispiel im nahen Pyhä-Luosto-Nationalpark. Von Oktober bis Ende Mai liegen die weitläufigen Wälder und Seen unter einer dichten Schneedecke. Die Fjells Pyhätunturi und Luosto sind Teil einer Bergkette, die die Region zu einem beliebten Ziel für Wintersportler macht. Rund 220 Kilometer Skiloipen ziehen Aktive an.

Nächstes Skigebiet liegt im Nationalpark Pyhä-Luosto

Nur etwa eine rund anderthalbstündige Autofahrt von Rovaniemi entfernt befindet sich das Skigebiet Pyhä. Das ist nach eigenen Angaben das erste klimaneutrale Skigebiet in den nordischen Ländern. Dafür ist es seit Juli 2020 mit Finnlands Sustainable Travel Label geadelt. Die Auszeichnung belohnt Firmen und Destinationen, die sich an die strengen Kriterien des finnischen Programmes für nachhaltigen Tourismus halten.

Viele Reisende mieten sich in Pyhä eines der Holzhäuser, die ganz idyllisch zwischen den zahlreichen Bäumen stehen.

Nachhaltigkeit spielt wichtige Rolle

Im Resort wird beispielsweise nur erneuerbare Energie genutzt. „Ohne den Schnee würde es uns nicht geben. Es ist eine moralische Verpflichtung, die Natur zu erhalten und etwas gegen den Klimawandel zu tun“, sagt Skiresortmanager Jusu Toivonen.

Die Skisaison dauert hier von November bis zum 1. Mai. Es gibt 14 Abfahrtsloipen, davon drei schwarze, und acht Lifte. Aktuell ist die Bettenkapazität noch kleiner als die Liftkapazität – es muss also niemand lange anstehen. Bis 2025 sollen jedes Jahr noch 100 neue Betten im Resort dazukommen. Zurzeit wird an einem neuen Hotel gebaut. „Für die Zukunft ist es unser Ziel, zu einem Freeriding-Resort zu werden“, sagt Toivonen.


Die Wintersportmöglichkeiten, die Hotelzimmer, Appartements und Ferienhäuser und die Restaurants und Shops – alles ist in Pyhä klimafreundlich zu Fuß erreichbar. Auch das Visitor Centre Naava, wo Besucherinnen und Besucher in einer kleinen Ausstellung viel Interessantes über den Nationalpark erfahren.

Im Visitor Center Nava in Pyhä erfahren Reisende in einer kleinen Ausstellung viel Interessantes über die einheimische Natur.

Bei einer Schneeschuhwanderung in den Nationalpark

Noch besser lässt sich die Natur allerdings bei einem Ausflug mit Eero Fisk erleben. Der heute 64-Jährige hat 2008 nach 30 Jahren seine Laufbahn beim finnischen Militär beendet und sich dazu entschlossen, Aktivitäten in der Natur anzubieten. Gemeinsam mit seiner Tochter Kristina hat er die Firma Kairankutsu – Call of the Wilderness gegründet. Im Winter nehmen die beiden Reisende zum Eisfischen oder Eisklettern, zu Skitouren oder Schneeschuhwanderungen mit. Letztere sind eine besonders eindrucksvolle Erfahrung.

Warm eingemummelt geht es zum Beispiel nur wenige Meter neben dem Familienlift von Pyhä in den Wald. Der Schnee knirscht unter den breiten Schneeschuhen, dann und wann ist der Ruf eines Vogels zu hören. Sonst ist es still. Obwohl es schon am frühen Nachmittag wieder dunkel wird, erhellt das allgegenwärtige Weiß die Landschaft so sehr, dass eine Zeit lang noch keine Lampen nötig sind. Immer wieder hält der Naturführer an, um Spuren von Rentieren und anderen Waldbewohnern zu zeigen und etwas über die Bäume und Sträucher zu erzählen.

Eero Fisk führt Reisende durch den Pyhä-Luosto-Nationalpark – zum Beispiel bei Schneeschuhtouren.

Kuukkeli soll Glück bringen

Bei einer Holzhütte, in der sich Winterwanderer an einem flackernden Feuer aufwärmen, will er versuchen, den Vogel anzulocken, der das Wappen des Nationalparks ziert: den Unglückshäher, auf Finnisch Kuukkeli genannt. Entgegen seinem Namen soll das seltene Tier, das zu den Rabenvögeln gehört und von dem hier besonders viele heimisch sind, Glück bringen.

Um ihn anzulocken, klopft Fisk Holzscheite gegeneinander, sodass der Laut durch den Wald schallt. „Eigentlich sollte ihn auch der Rauchgeruch und die Aussicht auf etwas Essbares interessieren, er ist nämlich ziemlich gefräßig“, sagt der Führer. „Es ist immer ein sehr besonderer Moment für mich, wenn einer der Vögel kommt“, erzählt er weiter. „Denn es heißt, wenn der Vogel kommt, dann bringt er die Seele eines toten Jägers mit, der in den Wäldern gestorben ist, und die kommt, um Hallo zu sagen.“

Heute lässt sich der Kuukkeli nicht blicken. Auch von wilden Rentieren entdecken wir nur Spuren im Schnee. Wer diesen Tieren ganz nahe kommen will, hat aber in zahlreichen Orten die Chance dazu – bei der Besichtigung einer Farm oder einer Fahrt im Rentierschlitten. Noch beliebter sind Touren mit Schlittenhunden, die hier zwar nicht ursprünglich heimisch sind, sich aber bei den kalten Temperaturen besonders wohlfühlen.

An vielen Orten in Lappland sind Rentiertouren möglich.

Mit dem Hundeschlitten durch den Wald

Rund 120 der Tiere leben auf dem Gelände des Apukka-Resorts bei Rovaniemi. Ihr Bellen und Jaulen ist schon von Weitem zu hören. Bei einer Husky-Experience darf jeder, der es sich zutraut, einen Schlitten lenken, der von den Tieren gezogen wird. „Das ist ganz einfach“, sagt Timo Anttalainen. „Ihr dürft nur niemals von der Bremse gehen, wenn ihr wollt, dass der Schlitten stehen bleibt und nicht ohne euch weiterfährt“, warnt er.

Die Schlittenhunde können es meistens gar nicht abwarten, endlich loszulaufen.


Nach einer kurzen Einführung geht es auch schon auf die hölzernen Gefährte. Kaum ist die Leine gelöst, mit der jedes einzelne von ihnen noch festgebunden war, stürmen die Hunde los. Die Schlitten gleiten in den Wald – und während man beinahe lautlos durch die verschneite Landschaft fährt, wartet man eigentlich nur noch darauf, dass er gleich mit seinem Schlitten hinter einem der nächsten Bäume auftaucht, der Mann mit dem langen, weißen Bart in seinem dicken, roten Mantel.

Tipps für deine Reise nach Finnland

Anreise: Von verschiedenen deutschen Flughäfen gibt es Direktflüge nach Helsinki. Von dort aus geht es mit dem Flugzeug, Zug, Bus oder Auto weiter nach Rovaniemi.

Beste Reisezeit: Von November bis Mai liegt Schnee. Von November bis in den Januar herrscht die Polarnacht. Dann ist es mit minus zehn bis minus 30 Grad Celsius auch am kältesten. Die Sonne ist erst wieder ab Februar zu sehen. Nordlichter tauchen zwischen Ende August und Anfang April häufig auf.

Unterkünfte: In und um Rovaniemi gibt es eine große Auswahl an Hotels, Ressorts, Airbnb-Angebote und Ferienhäuser in unterschiedlichen Preisklassen. Auch in Pyhä ist die Auswahl groß. Empfehlenswert sind die Pyhä Igloos, die Aurora Cabins bieten, also hölzerne Häuschen mit teilverglastem Dach. Auch das Apukka-Resort bei Rovaniemi bietet Aurora Cabins an.

Von den sogenannten Aurora Cabins aus haben Reisende beste Aussichten auf die Nordlichter – wenn diese sich zeigen.

Attraktionen:Santa Claus Village (Tähtikuja 1, 96930 Polarkreis): Der Eintritt ist frei. Für einzelne Attraktionen sind Gebühren fällig.
Santa-Park: Nur wenige Hundert Meter neben dem Weihnachtsdorf gelegene Höhle mit ähnlichen Weihnachtsattraktionen.
Kairankutsu– Call of the Wilderness: Schneeschuhtouren sind ab 70 Euro buchbar.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Finland. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.