In Äthiopien trägt man zu Weihnachten nur weiße Kleidung, in Polen wird für eine Person mehr eingedeckt (falls plötzlich noch ein Gast auftaucht) und in Namibia, Südafrika und Argentien wird an Weihnachten traditionell gegrillt. Überall auf der Welt werden die christlichen Feiertage begangen, mal von der großen Mehrheit der Bevölkerung, mal nur von einer christlichen Minderheit. 

Den ein oder anderen Langzeitreisenden zieht es über das Jahresende nach Hause, um mit der Familie zu feiern. Andere Weltenbummlerinnen und Weltenbummler hingegen bleiben unterwegs und lernen die Bräuche und Kulturen in verschiedenen Ländern kennen. Der reisereporter hat bei einigen nachgefragt, wie es mit der Weihnachtsstimmung so aussieht. 

Josy feiert mit ihrer Familie in Nicaragua

Ihre Langzeitreise haben Josy und ihre Familie nicht allzu lange geplant. Josy, ihr Verlobter und die drei Kinder im Alter von einem, fünf und neun Jahren waren zu Beginn des Jahres in Mexiko im Urlaub, als alles begann. Diese Reise sollte der Startschuss ihres Abenteuers sein, denn zurück in Berlin haben sie binnen acht Wochen ihre Sachen gepackt, die Wohnung aufgelöst und sind einfach losgezogen. 

Mexiko, Costa Rica und Nicaragua waren seither die Stationen für die 36-Jährige und ihre Familie. In Nicaragua wollen sie heimisch werden, auch wenn sie erst seit vier Wochen in San Juan del Sur am Pazifik leben.

Aber wie schaut es mit Weihnachten aus bei einer Tagestemperatur von 30 Grad, viel Sonne und dem Meer vor der Tür? „Durch die tropischen Temperaturen ist es ein ganz anderes Gefühl, die Weihnachtszeit zu verbringen“, sagt Josy, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. „Dennoch stehen überall Weihnachtsbäume und es sind Lichterketten aufgehängt.“ Die Kultur sei ohnehin sehr familiär und gemeinschaftlich, berichtet sie von ihrer neuen Heimat. 

„Dieses Weihnachten wird magisch, unser Happy End. Weihnachten bedeutet mir alles“, erzählt Josy. Bisher sei Weihnachten eine Last gewesen, da sie – vor allem mit ihren Kindern – bei ihrer Familie nicht willkommen gewesen sei. Umso schöner soll daher ihr erstes Fest als richtige Familie sein.

Für Josy und ihre Kinder mischen sich deutsche Traditionen mit dem Auswanderertraum: „Wir werden den 24. für uns genießen, wahrscheinlich am Strand. Abends gibt es Kartoffelsalat mit Buletten.“ An den Feiertagen wollen sie American Cookies backen und die Familie ihres Verlobten per Videocall anrufen. 

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Silke und Jan: Beim Weihnachtsmann in Finnland

Seit fast vier Jahren sind Silke und Jan Neumann unterwegs, reisten vor allem durch Asien, Südosteuropa und Nordafrika, von Usbekistan bis in die Mongolei, von Tunesien bis Aserbaidschan. Erst auf Motorrädern, doch nach einem Motorschaden sattelten sie auf einen VW-Bus und schließlich auf einen Passat um. Sie schlafen in ihrem Bus, im Zelt oder bei Locals, wie sie auch auf ihrem Blog „Travelove“ verraten. Inzwischen haben sie ihren Bus aus Kasachstan geholt und erkunden damit Finnland

Finnland, das Land des Weihnachtsmannes – was gibt es Passenderes zur Festzeit am Ende des Jahres. „Weihnachten bedeutet für uns Innehalten, Zweisamkeit und Gemütlichkeit“, sagt Silke. Deshalb haben sie auch für dieses Jahr Pläne: In ihrem Bus wollen sie einen Stollen backen und ein Festmenü kochen. Auch einen Weihnachtsbaum soll es geben. Und bei Temperaturen von minus zehn Grad und Schnee kommt doch auch direkt Weihnachtsstimmung auf.

„Wir wollen irgendwo draußen in der Natur in Freiheit und Stille einen wunderschönen Abend verbringen“, sagt die 45-Jährige. Was aber auch nach rund 20 Weihnachten im Ausland nicht fehlen darf: die Familie daheim anzurufen. „Es gibt hier ja unlimited Internet zu vernünftigen Preisen und überall 4G“, so Silke. 

Etwas ganz Besonderes wird sich das Paar an Weihnachten auch gönnen. Jedes Jahr nehmen sie sich etwas Besonderes vor, das eigentlich über dem Reisebudget liegt. Es ist quasi ein Weihnachtsgeschenk an sich selbst. Sie sind schon durch die Dünen in der Wüste Irans gewandert oder haben mit Rentiernomaden in der Mongolei gelebt. In diesem Jahr soll es eine Schneemobiltour werden. 

Dilara feiert Weihnachten am Grill-Buffet in Südafrika

Chöre ziehen durch die Straßen von Kapstadt, sie singen Weihnachtslieder und rufen den Passantinnen und Passanten „Merry Christmas“ oder „Geseënde Kersfees“ zu – frohe Weihnachten auf Englisch oder Afrikaans. In den Weihnachtsstrümpfen sammeln sich Nüsse und Süßigkeiten, in den Einkaufszentren blinkt es in allen erdenklichen Farben und Affenbrotbäume oder Guavenbäume dienen als Weihnachtsbaum – wie das bei 30 Grad eben so ist.

In Südafrika gehört Weihnachten zu den beliebtesten Feiertagen. Alle haben Urlaub oder Ferien und die Familien fahren innerhalb Südafrikas weg, um Natur und Strand im Hochsommer zu genießen. „Statt des klassischen Weihnachtsessens gibt es hier oft Braai“, eine Art Barbecue, erzählt Dilara Maria Veh. „Die Südafrikaner feiern draußen und gehen schwimmen.“ 

Seit knapp einem Jahr ist die 37-Jährige mit ihrem Mann Alex (42) und den Kindern Amy Rose (4) und Carlo Sam (2) unterwegs – seit Kurzem wächst der nächste Weltenbummler in ihrem Bauch heran. Und nun erlebt die Familie zum ersten Mal Weihnachten außerhalb Deutschlands – und das in Stellenbosch bei Kapstadt. „Wir vergessen ehrlich gesagt oft, dass bald Weihnachten ist“, sagt sie. 

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Inzwischen versucht sich die Familie trotz sommerlicher Temperaturen in Weihnachtsstimmung zu bringen: Sie haben den Holzweihnachtsbaum, der bisher als Trockner für Unterhosen diente, geschmückt, haben Plätzchen gebacken und Weihnachtsmusik gehört. Was genau sie am ersten Weihnachtstag machen werden, wisse sie noch nicht, sagt Dilara, aber sie tendiert zu einem veganen Grill-Buffet. Und sie werden die Familie, die in Deutschland verstreut lebt, anrufen – per Videocall. 

Anders als in Deutschland wird Weihnachten in Südafrika erst am 25. Dezember gefeiert, nicht an Heiligabend. Auch in Südafrika, erzählt Dilara, gehöre der Weihnachtsbaum fest zur Feier. Wie auch hierzulande finden die Kinder ihre Geschenke unter dem Baum liegend – nur eben einen Tag später. 

Große Einschränkungen erleben Dilara und ihre Familie derzeit nicht – die große Corona-Welle mit der Virusvariante Omikron ist schon am Abklingen und ohnehin gab es vor allem milde Verläufe, sagt sie. Während Deutschland Südafrika als Virusvariantengebiet eingestuft hat, gelten im Land kaum mehr Beschränkungen, es gilt Stufe 1 von 5. Das Fest kann die Familie also weitestgehend unbeschwert verbringen. 

Kurz nach Weihnachten will die kleine Familie Südafrika aber dennoch verlassen, denn am 4. Januar läuft das Visum aus. Wohin es sie dann verschlägt, ist noch ungewiss. Schon beim Start hat die Familie festgestellt, dass Corona schnell Pläne durchkreuzen kann, die Route Zypern, Mexiko, USA, Teneriffa, Südafrika war so jedenfalls nicht geplant. 

Janine und Thomas erleben die Adventszeit in Ecuador

In der Krippe stehen statt Ochs und Esel Seelöwe und Schildkröte und der Weihnachtsschlitten wird nicht von Rentieren, sondern von Seepferdchen gezogen. Weihnachten auf den zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln steht ganz im Zeichen jener Tiere, für die die Inselgruppe bekannt ist. 

Doch auch in Ecuador selbst, berichtet Janine, sind Straßen und Plätze kunterbunt und kitschig geschmückt. In den Supermärkten werden weihnachtliche Süßigkeiten verkauft. Dennoch: „In Weihnachtsstimmung sind wir noch gar nicht, auch wenn die Straßen bunt beleuchtet sind“, sagt Janine. „Dazu fehlen die Weihnachtslieder, das Weihnachtsgebäck und der Glühwein.“ Immerhin für Letzteres haben die Weltenbummlerin und ihr Mann Thomas Ersatz gefunden: Canelazo, ein heißes Getränk mit Zimt und Schnaps. „Das erinnert uns ein wenig an Weihnachten.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die 32-jährige Lehrerin und ihr Mann Weihnachten im Ausland verbringen. Im vergangenen Jahr waren sie in Marokko, erzählt sie, „da hat man von Weihnachten überhaupt nichts mitbekommen“. Die beiden haben also Erfahrung damit, sich an andere Bräuche anzupassen. Besonders die Vorweihnachtszeit ist Janine wichtig, „die Feiertage dagegen sind uns meist zu stressig“. 

In diesem Jahr kommt noch Reisestress dazu. Am 22. Dezember sind die beiden von Ecuador nach Panama-Stadt gereist, wo sie Heiligabend verbringen werden. Es wird nach Costa Rica, Kolumbien und eben Ecuador der vierte Stopp ihrer einjährigen Reise, die sie Anfang August angetreten sind. 

Dennoch: Für Heiligabend hat das Paar durchaus Pläne. „Wir haben uns eine kleine Unterkunft mit Küche gebucht. Falls wir die passenden Zutaten finden, werden wir auch etwas Weihnachtliches kochen“, so Janine. Und einen Videoanruf bei Familie und Freunden soll es auch geben. 

Isabel und ihre Tochter erkunden an Weihnachten Thailand

Weihnachten hat für die meisten Thais eine eher geringe Bedeutung, immerhin ist die Mehrheit in Thailand buddhistisch. Dennoch finden sich in vielen Bars, Hotels, Malls blinkende Weihnachtsbäume, selbst in den Parks wird weihnachtlich geschmückt. „Weihnachten wird für die Touristen inszeniert“, sagt Isabel vom Blog „A Nomad Abroad“, die seit Oktober 2020 mit ihrer fünfjährigen Tochter Maja unterwegs ist. 

Seit rund elf Monaten sind die beiden bereits in Thailand und werden hier auch die Weihnachtstage verbringen – mit Urlaub im eigenen Land. Die 33-Jährige und ihre Tochter werden ein paar Tage im Nationalpark in Kanchanaburi verbringen und sich die Sehenswürdigkeiten der Umgebung anschauen. Weihnachtsstress kennt sie nicht. „Uns sind Erlebnisse, Ruhe und gemeinsame Zeit wichtig“, sagt sie. 

Isabels fünfjährige Tochter feiert dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten in Thailand.

Das passt auch zu ihrem Reisestil. Schon aufgrund des Alters ihrer Tochter will Isabel, die open end unterwegs ist, länger an einem Ort bleiben. Mindestens ein halbes Jahr, eher ein Jahr, damit das Mädchen nicht mitten im Schuljahr die Schule wechseln muss. Aktuell ist ihre Basis eigentlich die Insel Koh Phangan im Golf von Thailand, doch weil die Schule coronabedingt gerade geschlossen ist, haben die beiden die Vorweihnachtszeit in Chiang Mai verbracht. 

Große Bedeutung hat Weihnachten für die nicht gläubige Isabel aber ohnehin nicht. „Ich möchte einer kurzen Zeit im Jahr keine so besondere Bedeutung zuschreiben“, sagt sie. Sie geht gern mit ihrer Tochter an Orten spazieren, die bunt dekoriert sind. Aber selbst schmücken wollen sie nicht – aus Nachhaltigkeitsgründen. Denn im nächsten Jahr wird sie Weihnachten sehr wahrscheinlich an einem ganz anderen Ort verbringen. Wo das sein wird, weiß sie allerdings noch nicht. Die Entscheidung muss sie spätestens Mitte 2022 treffen, wenn ihr Visum für Thailand ausläuft. 

Daniel erlebt Weihnachten in Kolumbien

„Es ist unvorstellbar für mich, dass gerade Weihnachtszeit ist“, sagt Daniel Gleissner. Und das, obwohl in Kolumbien die Weihnachtsstimmung groß ist, wie er berichtet. Im Hostel hat er sogar beim Anbringen der Weihnachtsdeko geholfen. „Die Straßen sind bunt beleuchtet und die Streetfood-Händler haben alle schon die Weihnachtsmütze auf“, erzählt er. Aber: „Für mich ist es unvorstellbar, bei knapp 30 Grad und allein ohne meine Familie an Weihnachten zu denken.“ 

Erst vor wenigen Wochen ist er aufgebrochen, um zunächst Istanbul und dann Südamerika zu erkunden. Bis zum 25. Dezember wird er in Kolumbien sein, danach geht es weiter gen Mexiko. Für die Feiertage selbst hat Daniel noch keine Pläne. „Ich hoffe, dass ich im Hostel in Medellin trotzdem in Weihnachtsstimmung komme und ein tolles Fest feiern kann.“ 

Bisher hat Daniel immer im Familienkreis Weihnachten gefeiert, erzählt er. Deshalb steht auch ein Videocall auf dem Programm. „Alle sind traurig, dass ich zum ersten Mal nicht dabei sein kann.“

In Kolumbien wurde er bereits – trotz mangelnder Spanisch-Kenntnisse – von einer Familie für die Weihnachtstage eingeladen. Weil sie zu weit abgeschieden wohnen, wird er die Reise dorthin aber nicht antreten. „Das Interessante ist, dass Weihnachten bei ihnen so aussieht wie normalerweise bei mir. Im Kreise der Familie, in die Kirche gehen, zusammen essen und singen und tanzen. Und um 0.01 Uhr stürzen sich die Kinder auf die Geschenke.“ 

Karin bringt sich in Spanien in Weihnachtsstimmung

Festliche Weihnachtslichter und Dekoration: ja. Weihnachtsmärkte und Glühwein: nein. „Das ist aber auch nichts, was ich vermissen würde“, sagt Karin Scherpe. Die 37-Jährige ist mit ihrem ausgebauten Postbus gerade in Südwesteuropa unterwegs und wird Weihnachten in Spanien verbringen. Über ihre Reise bloggt sie auf „Vanlovegirls“.

Das traditionelle Fest gefällt Karin ohnehin nicht so gut, sie hat nicht die besten Erinnerungen an Weihnachten in ihrer Kindheit. Auch deshalb feiert sie Weihnachten seit vielen Jahren allein. „Meist verwöhne ich mich doll in dieser Zeit und lasse es mir auf allen Ebenen so richtig gut gehen.“ Weihnachten seien für sie Tage des Innehaltens und Entspannens. 

„Für mich ist es am schönsten, nicht im kalten Deutschland zu sein. Viel lieber verbringe ich Weihnachten unter Palmen“, sagt sie. In diesem Jahr plant sie, Heiligabend auf dem Campingplatz zu sein. „Ich werde Bekannte und Freunde treffen und mir eine entspannte Zeit machen. Wir werden besonders viel leckeren Fisch essen und gute Gespräche führen.“ Vorher wird ausgiebig zusammen gekocht und spanischer Wein getrunken. 

An ihre Heimat denkt Karin dennoch. „Ich schreibe nun schon eine ganze Weile selbst gestaltete Postkarten an meine liebsten Freunde und überrasche sie damit, dass ich an sie denke.“ Mit ihrer Mama habe sie das ganze Jahr über viel Kontakt, deshalb sei es nicht so wild, „wenn man die Weihnachtstage nicht zusammen verbringt“. Anders als sie selbst hat sich ihre Mama für den Winter entschieden und ist in den Schnee gefahren. 

Bis zum 6. Januar dauern die Feierlichkeiten in Spanien, bis zum Fest der Heiligen Drei Könige. „Dann ist auch erst Bescherung.“ Traditionell feiern spanische Familien am Heiligabend mit Truthahn und sie gehen in die Kirche. Am 6. Januar hingegen trifft man sich bei Straßenumzügen. 

Evi überwintert in der Dominikanischen Republik

Weihnachtsmusik im Supermarkt, dazu bunte Weihnachtsbäume, Rentiere und Lichterketten in Bars, Restaurants und Hotels. Und daneben: der Strand der Karibik. Seit mehr als einem Jahr sind Evi, ihr Mann Kuba (36) und die beiden Mädels Emilia (3) und Emma (5) auf Weltreise. Von Costa Rica über Mexiko ging es in die Karibik, darüber bloggt die Familie auch auf „likes2travel“.

Überwintern wird die Familie in Las Terrenas in der Dominikanischen Republik. „Eine dominikanische Weihnachtstradition kennen wir bisher noch nicht. Wir sind gespannt, was uns erwartet“, sagt die 37-Jährige. In ihrer Wahlheimat auf Zeit halten sich allerdings viele Menschen aus Italien und Frankreich auf, dazu Reisende aus Europa und den USA, „da wird das Weihnachtsfest sicherlich auch entsprechend beeinflusst“.

Dennoch: „Es ist schwierig, bei knapp 30 Grad am Strand unter Palmen in Weihnachtsstimmung zu kommen.“ Das sei aber nicht schlimm, eher im Gegenteil: „Weihnachten bedeutet für uns, mit der Familie zusammen zu sein.“

Schon zum zweiten Mal in Folge ist die Familie Weihnachten im Ausland. Dieses Jahr wollen sie gemeinsam mit einer befreundeten Familie Weihnachten feiern. „Welche Gerichte es geben wird, steht noch nicht fest. Der bisherige Plan ist, dass wir es uns gemeinsam auf dem Balkon gemütlich machen.“ Auch mit der Familie in Baden-Württemberg werden sie verbunden sein: per Videotelefonie.