Mit dem eigenen Auto oder Camper über Küstenstraßen cruisen, abgelegene Ecken am Urlaubsort entdecken und einfach unabhängig sein: Das wollen immer mehr Urlaubende. Und das zeigt sich auch in einer aktuellen Umfrage über Fährreisen vom Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e.V. (VFF). Besonders 18- bis 39-jährige Reisende haben Lust auf Urlaub mit der Fähre, bei dem sie ihr Auto mitnehmen können. 

Das gestiegene Interesse bei der jüngeren Zielgruppe (um 6 Prozent seit 2018) hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Reisen mit dem Pkw sind gefragter als vor der Pandemie, außerdem spielen die Themen Gepäckmitnahme, das Fährerlebnis an sich und die Entspannung an Bord eine Rolle. 86 Prozent der Reisenden zeigen zudem Interesse am Thema Nachhaltigkeit und wünschen sich einen umweltbedachten Fähranbieter. 

Reisende, die im Urlaub per Fähre verreisen wollen, haben einiges an Auswahl. Wir stellen die besten Fähr-Verbindungen in Nord- und Südeuropa vor, die eine gute Alternative zu Flugreisen sind. 

1. Von Dänemark nach Island und Färöer

Schon die Fahrt durch den tief eingeschnittenen Fjord nach Seydisfjördur in Island ist beeindruckend. Malerisch gelegen und mit seinen nicht mal 700 Einwohnern wirkt der kleine Ort wie aus einem Bilderbuch geschnitten.

Bunte historische Häuser und eine farbenfrohe hellblaue Kirche schmücken den Ort, der zu den wohlhabendsten in Ost-Island zählt und bekannt für sein individuelles Kunsthandwerk ist. Im Sommer geht es hier quirlig zu. Nicht zuletzt wegen der vielen ansässigen Kunstschaffenden sowie Musikerinnen und Musiker und der guten Restaurants.

Außerhalb des Ankunftsortes Seydisfjördur selbst wartet auf Island eine faszinierende Natur, für die das Land bekannt ist. Wasserfälle, Nationalparks, Thermalbäder, Trolle, Elfen und Vulkane ziehen Besucherinnen und Besucher in den Bann.

Bunt bemalter Asphalt führt zu der blauen Kirche in Seydisfjordur im Osten Islands.

Seit 1982 gibt es mit der Smyril Line eine ganzjährige Fährverbindung zwischen dem dänischen Hafen Hirtshals nach Seydisfjördur nach Island. Einmal die Woche kann man übersetzen und dafür 46 Stunden Fahrtdauer kalkulieren. 

Die Smyril Line fährt auch die Färöer im Nordatlantik ganzjährig an.

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Hier findest du alle Fährverbindungen auf die Färöer und nach Island.
 

2. Von Frankreich nach Irland und Großbritannien

Als Direktverbindung ab der Normandie in den Dubliner Hafen oder über Großbritannien: Irish Ferries bringt Reisende inklusive eigenem Auto, Wohnmobil oder Motorrad bequem nach Irland. In der irischen Hauptstadt wartet ein Kulturprogramm vom Feinsten. Der Besuch der St. Patrick’s Cathedral ist ein Muss. In der wichtigsten Kirche Irlands ist unter anderem das Grab von Jonathan Swift, dem Autor von „Gullivers Reisen“, zu sehen.

Die irische Fröhlichkeit und ein kaltes Guinness gehören natürlich auch zu einem Besuch in Irland. Das Ganze noch mit Musik zu kombinieren geht besonders gut beim jährlichen Musikfestival Tradfest im Januar oder beim St. Patrick’s Festival im März.  

Etwa 20 Autominuten von Dublin entfernt, wartet im einstigen Fischerort Howth eine Postkartenidylle. Hier lohnt sich eine Wanderung an der Steilküste und ein Stopp in den zahlreichen Fischrestaurants. 

Auch Großbritannien ist mit zahlreichen Fährverbindungen ein tolles Ziel für den Urlaub mit dem eigenen Auto. 

Dublin ist bekannt für Pubs wie das Oliver St. John Gogarty in Temple Bar.

3. Von Schweden, Finnland oder Lettland nach Estland

Nach Estland mit der Fähre reisen und das eigene Wohnmobil mitnehmen. Das geht über Schweden, Finnland oder Lettland. Zum Beispiel von Stockholm aus nach Tallinn mit der modernen Tallink Silja Line.

In Tallinn, der Hauptstadt Estlands, trifft Alt auf Neu und neben Sandstränden lockt eine kulturreiche Altstadt. Im 40 Autominuten entfernten Kõnnu-Suursoo-Hochmoor kann gewandert, in den zahlreichen Moorseen sogar gebadet werden. Wer Wildschweine, Elche und andere Wildtiere beobachten möchte, findet im 80 Kilometer entfernten Ferienzentrum Toosikannu den richtigen Anlaufpunkt.

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Außer Estland können auch Litauen und Lettland per Fähre angesteuert werden.

Estlands Moorlandschaften bedecken ein Fünftel des Festlandes und werden als friedvolle Orte geehrt.

4. Von Deutschland nach Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark

30 Stunden dauert es, wenn man mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki reist. Mit dem eigenen Auto hast du die volle Flexibilität, Finnland und seine Naturschätze zu erkunden. So ist beispielsweise Porvoo, das etwa 50 Kilometer östlich von Helsinki liegt, einen Besuch wert.

Die zweitälteste Stadt des Landes ist auch unter dem Namen Sommerstadt bekannt und entzückt mit den rot gestrichenen Holzhäusern in Flusslage, vielen kleinen Lädchen und seinem historischen Viertel. Außerhalb der Stadt gehört der Besuch des berühmtesten 150 Jahre alte Leuchtturms von Söderskär im Porvoo-Archipel zum Pflichtprogramm.

Weitere Fährverbindungen gibt es nach DänemarkSchweden und Norwegen.

Porvoo ist für seine roten Holzhäuser am Flusslauf bekannt.

5. Von Italien nach Sardinien, Korsika oder Elba

Wer den Inseltraum Sardinien per eigenem Auto erkunden möchte, kann das tun. So legen beispielsweise vom italienischen Genua die Moby Lines (weitere Anbieter) ab und setzen Urlaubende nebst Auto im Hafen von Olbia an der Costa Smeralda wieder ab. Die bezaubernde Stadt mit ihren Traumbuchten ist die viertgrößte der Insel und mutiert zur Hochsaison zur Touristenhochburg. Mit eigenem Gefährt kein Problem, denn die Umgebung bietet tolle Ziele, um dem Trubel zu entfliehen.

Castelsardo beispielsweise gehört zu den schönsten Orten Sardiniens, thront hoch über der Küste und bietet einen Mix aus Festungscharme und mediterranem Flair. Nur eins der Highlights: Östlich von Castelsardo an einer Nebenstraße ist  der Roccia dell’Elefante zu finden, ein Trachytfelsen, der durch Erosion die Form eines Elefanten verkörpert.

Auch Alghero, die ehemalige katalanische Enklave, die auch Klein-Barcelona genannt wird, ist einen Abstecher wert. Die Tropfsteinhöhle Grotta di Nettuno und das Schmuckhandwerk aus Korallen sind nur zwei der Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Zahlreiche Fähren steuern außerdem auch die Inselparadiese Korsika und Elba an. 

Alghero gehört zu den spannendsten Städten der Insel.

6. Vom spanischen Festland auf die Balearen

Vom spanischen Festland kannst du unproblematisch mit den eigenen vier Rädern auf die beliebten Ferieninseln der Balearen kommen. So bringt dich beispielsweise die Trasmediterránea Fähre von Barcelona und Valencia aus direkt in Menorcas Hauptstadt Mahón.

Die zweitgrößte Insel der Balearen ist ruhiger als ihre größere Schwester Mallorca und dank ihres Biosphärenreservat-Status steht knapp die Hälfte der Insel unter Naturschutz und darf nicht bebaut werden. Dieser Vorteil kommt der Insel zugute. Teilweise wirkt sie karibisch, viele kleine Orte mit hübschen Stadtkernen und Endlos-Strände machen die Insel aus. 

Wer mit Pkw, Camper oder Wohnmobil lieber Mallorca oder die westlichste Baleareninsel Ibiza erkundet, ist ebenfalls bei den Fähren der spanischen Reederei Trasmediterránea an der richtigen Adresse. 

Segelboote in der Cala Macarelleta: Wer möchte hier nicht den Anker werfen.

7. Von Italien oder Frankreich nach Sizilien

Wer seinen Urlaub auf der italienischen Insel Sizilien verbingen, aber nicht die ganze Strecke mit dem Auto bezwingen möchte, hat auch hier die Möglichkeit, mit der Autofähre ans Ziel zu kommen. Etwa ab Genua in Ligurien oder vom französischen Nizza aus nach Palermo.

Mit dem Luxus eines mobiles Gefährts ausgestattet, ist der pittoreske Ort Cefalù als Ziel zu empfehlen, der eine Autostunde von Palermo entfernt an der Mittelmeerküste liegt. Cefalù gilt als eines der schönsten Dörfer Siziliens. Malerisch heben sich die roten Dächer des 14.000-Einwohner-Dorfes vom Blau des Meeres ab, was besonders gut vom Berg Rocca di Cefalù sichtbar ist. Der Aufstieg auf den 270 Meter hohen Burgberg ist anstrengend, aber lohnenswert. 

Das einstige Fischerdorf bietet neben einer tollen Aussicht auch einen der schönsten Strände Nordsiziliens. Und wer neben dieser imposanten Natur auch Kultur genießen möchte, wird im Zentrum fündig. Die Kathedrale im arabisch-normannischen Stil wurde 2015 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt und thront majestätisch über den Häusern der Stadt.  

Alle Fährverbindungen nach Sizilien, findest du hier

Blick vom Burgberg auf die roten Dächer der Stadt Cefalù.

8. Von Italien nach Griechenland

Venedig ist ein idealer Ausgangspunkt, um entspannt mit der Fähre ins griechische Patras zu reisen. Patras ist eine der wichtigsten Hafenstädte Griechenlands und die Hauptstadt der Region Westgriechenland. 2006 wurde ihr der Titel Kulturhauptstadt Europas verliehen und sie gilt als Stadt des Karnevals, der hier jedes Jahr mit zahlreichen Paraden sehr bunt und laut gefeiert wird. 

Westgriechenland bietet Urlaubenden ein buntes Potpourri an Erlebnissen. Die Region verfügt über feinsandige Strände mit azurblauem Wasser, im Landesinneren warten Gebirge, Seen und urige Dörfer.

Etwa 50 Kilometer von Patras entfernt erreicht man Mesolongi. Die traditionelle Stadt ist bekannt für ihre Lagune, die mit einer Länge von 27.300 Metern und einer maximalen Breite von 14.800 Metern die größte Lagune Griechenlands darstellt. Bei einer Bootsfahrt können zahlreiche Vögel, 280 unterschiedliche Arten sind in diesem Ökotop registriert, beobachtet werden.

Alle Fährverbindungen, auch innergriechische, findest du hier

Ein Fischerboot in der romantischen Lagune von Mesolongi.

9. Vom spanischen Festland auf die Kanaren

Um sein Auto oder Wohnmobil mit auf die Kanaren zu nehmen, müssen erst mal ein paar Kilometer zurückgelegt werden. Ab dem südspanischen Cádiz geht es dann wahlweise nach Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma oder Teneriffa. So fährt beispielsweise die Fährgesellschaft Trasmediterránea einmal wöchentlich Las Palmas auf Gran Canaria an.

Zeit und das nötige Kleingeld sollte man allerdings mitbringen. Die Überfahrt dauert 44 Stunden und kostet für ein Auto, zwei Erwachsene mit Unterbringung in der Zwei-Bett-Kabine 1200 Euro. Frühzeitig buchen lohnt sich. 

Der Bandama Krater auf Gran Canaria, in den man sogar hinabsteigen kann.

Auf Gran Canaria entschädigen dann 240 Kilometer Küstenstraßen und Ausflugsziele wie die Dünenlandschaften Maspalomas und der Naturpark Bandama, wo Wandern im Vulkankrater möglich ist. Eine besonders beeindruckende Aussicht bietet auch die Autofahrt in das Küstendorf Agaete über die GC-200. Die Panoramasicht auf das Meer und die Berge ist wunderschön. Im weiß gestrichenen Dorf mit den Holzbalkonen sind das historische Zentrum und der botanische Garten sehenswert.

Weitere Informationen zu den Fährverbindungen auf die Kanaren.