Was tun gegen das weltweite Plastikproblem? Der Kanadier Robert Bezeau hat darauf eine pragmatische Antwort. Der Unternehmer, der im Jahr 2009 vor der kanadischen Kälte nach Panama auf die kleine Insel Colón geflüchtet ist, baut daraus nämlich einfach Häuser. Mittlerweile ist ein ganzes Dorf entstanden, inklusive Schloss und „Gefängnis“. 

Am 5. Dezember eröffnet er nun das Castillo Inspiración Hostel & Resort rund um das namensgebende, aus 40.000 Flaschen erbaute und 14 Meter hohe Schloss, das bereits vor einigen Jahren fertiggestellt wurde. Im „Jailhouse Dungeon“, dem „Gefängnis“ des Schlosses, warten mehrere Themenzimmer, in denen die Gästinnen und Gäste sich wie im Gefängnis fühlen können.

In den Zimmern, die Gefängnis-Charme versprühen, kannst du dich für deinen Plastik-Konsum bestrafen.

Aktuelle Deals

Urlaub und Awareness verbinden

Die Idee dahinter ist, dass sie sich selbst eine oder mehrere Nächte ins Gefängnis einweisen, um für die Plastik-Verbrechen an der Erde zu büßen. Symbolisch jedenfalls. Denn sie behalten natürlich die Schlüssel und können die Zelle jederzeit wieder verlassen. „Wir verbinden Urlaub und Awareness miteinander. Spaß und Bildung“, sagt Bezeau dazu. Ihm gehe es darum, auf die Umweltkatastrophe hinzuweisen und Inspiration für einen anderen Umgang mit Plastik zu schaffen.

Reisende können aber auch im Schloss übernachten, wenn sie es etwas komfortabler mögen. In Doppelzimmern oder Viererzimmern können sie hier im, laut Guinnessbuch der Rekorde, größten aus Plastikflaschen gebauten Schloss der Welt schlafen. Neben Informationen zum Plastikproblem und der Upcycling-Bauweise der Gebäude soll aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

In den Doppelzimmern im Schloss erinnert kaum etwas daran, dass die Wände des Gebäudes zum größten Teil aus Plastikflaschen bestehen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Im Resort-Bereich können die Gästinnen und Gäste nämlich nicht nur schwimmen, sondern es gibt auch eine 15 Meter lange Rutsche und eine Poolbar. Da das 33 Hektar große Gelände mitten im Dschungel der Insel liegt, ist die wilde Tierwelt nicht weit. Wer aufmerksam ist, kann Affen, Papageien, Tukane oder Kaimane entdecken.

Zu dem ungewöhnlichen Resort gehört auch ein Pool mit Bar.

Das Projekt „Plastic Bottle Village“ ist bereits 2015 gestartet und soll eines Tages um die 120 Häuser umfassen. Immer mehr Gebäude werden nun fertig. Gebaut werden sie aus Metall, Beton und eben Plastik. In Drahtkörbe werden die mit Luft gefüllten Flaschen gelegt. Diese werden gestapelt, verschweißt und mit einer Schicht Beton verkleidet. So entsteht ein Haus, das aussieht wie jedes andere, aber bei einer Größe von 100 Quadratmetern etwa 14.000 Flaschen in seinen Wänden versteckt.

Über eine Million Plastikflaschen gesammelt

Auf die Idee ist der Kanadier gekommen, als er sah, wie die schiere Anzahl von Plastikflaschen, die Einheimische und Reisende auf der Insel hinterließen, die örtliche Abfallentsorgung hoffnungslos überforderte. „Über die anderthalb Jahre, die ich gesammelt habe, sind über eine Million Plastikflaschen zusammengekommen“, sagt Bezeau in einem Erklär-Video auf der Homepage des Projekts.

Dieses Upcycling sei nicht nur deswegen gut, weil das Plastik so seine giftigen Inhaltsstoffe nicht an die Umgebung abgeben könne. Die Flaschen seien außerdem ein optimales Isolierungsmaterial. Laut Bezeau haben Messungen ergeben, dass die Temperatur im Inneren eines Plastikflaschenhauses um bis zu 17 Grad niedriger ist als draußen – ein wichtiger Faktor auf einer Insel, auf der die meisten Gebäude aufgrund der tropischen Temperaturen mit mindestens einer Klimaanlage ausgestattet sind. 

Die Wände der Häuser bestehen zum größten Teil aus Plastikflaschen. Eine Schicht Beton trägt zur Stabilität bei.

Dem Gründer des Dorfes und Erbauer des Resorts zufolge sind das aber noch nicht alle Vorteile der umweltfreundlichen Bauweise. Die Häuser seien durch die Konstrukton aus Metall und Plastik gleichzeitig wiederstandsfähig und flexibel – und damit erdbebensicher. Und für den Fall, dass ein Tsunami kommt, können einzelne Gitterelemente herausgetrennt und als Floß genutzt werden. Durch die Luft in den Flaschen seien sie schwimmfähig.