In Irland gibt es einige sehenswerte, teilweise jahrhundertealte Bibliotheken. Deren Sammlungen, aber auch die Architektur einiger dieser Einrichtungen machen sie zu Sehenswürdigkeiten. Wir stellen einige der bekanntesten vor.

The Old Library of Trinity College in Dublin

Das Trinity College (College Green, Dublin 2) beherbergt eine der beeindruckendsten Büchereien weltweit: The Old Library. Die Büchersammlung des Colleges umfasst insgesamt mehr als sechs Millionen Exemplare. Die Einrichtung hat seit 1801 das Recht, von jedem in Großbritannien oder Irland veröffentlichten Buch ein kostenloses Exemplar zu erhalten.

200.000 der ältesten Bücher des Hauses, etwa seltene alte Handschriften und Unikate, finden Besucherinnen und Besucher in The Long Room, der Hauptattraktion der zwischen 1712 und 1732 gebauten Old Library. Der Raum ist 65 Meter lang und zwölf Meter hoch; auf zwei Etagen reihen sich unter einem hölzernen Tonnengewölbe Regal an Regal. Marmorbüsten bekannter Philosophen und Schriftsteller wie Aristoteles, Cicero, Homer, John Milton, Jonathan Swift und William Shakespeare säumen den Raum. Ein Namensband mit goldenen Buchstaben würdigt Wohltäter der Library aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Dem „Book of Kells“ ist in der Old Library of Trinity College in Dublin ein eigener Ausstellungsraum gewidmet.

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In einem eigenen Ausstellungsraum können Besucherinnen und Besucher zudem das „Book of Kells“ bestaunen. Die Handschrift aus dem achten oder neunten Jahrhundert beinhaltet vier Evangelien und aufwendige Abbildungen und gehört seit 2011 zum Weltdokumentenerbe. Die Bücherei ist normalerweise täglich geöffnet (Mai bis September 9.30 bis 17 Uhr, Oktober bis April sonntags nur von 12 bis 16.30 Uhr), Tickets kosten pro Person zwischen 12 und 16 Euro.

Der Raum beherbergt darüber hinaus eine Kopie der 1916 formulierten Unabhängigkeitserklärung der Republik und die vermutlich älteste Harfe des Landes. Das aus Eichen- und Weidenholz sowie 29 Messingschnüren gefertigte Instrument soll aus dem 15. Jahrhundert stammen und ist das Modell für die Harfe, die Irlands Wappen ziert.

Armagh Robinson Library in Armagh

Etwa 65 Kilometer südwestlich vom nordirischen Belfast befindet sich die 15.000-Einwohner-Stadt Armagh – und dort die Armagh Robinson Library (43 Abbey Street, Armagh BT61 7DY). Sie wurde im Jahr 1771 von dem anglikanischen Erzbischof Richard Robinson gegründet. Er wollte seine eigene Sammlung von Büchern und Kunstobjekten mit der Öffentlichkeit teilen. Untergebracht ist sie in einem Gebäude auf dem alten Hügel von Armagh in unmittelbarer Nähe zur Saint Patrick’s Church.

Die Sammlung umfasst mehr als 46.000 Druckwerke aus Themenbereichen wie Medizin, Wissenschaft, Geschichte, Recht, Politik, Theologie und Reisen, dazu Atlanten und Karten, antike und mittelalterliche Münzen, Medaillen und Edelsteine. Auch die Armagh Robinson Library verfügt über einen Long Room. In ihm können Besucherinnen und Besucher historische Schätze wie mittelalterliche Manuskripte und sogenannte Inkunabeln – so heißen Bücher, die bereits vor dem Jahr 1501 gedruckt wurden – besichtigen. Auch eine archäologische Sammlung des späteren Erzbischofs Lord John George Beresford ist dort zu sehen.

Die Armagh Robinson Library im südwestlich von Belfast gelegenen Armagh wurde bereits 1771 gegründet.

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Ein Höhepunkt der Armagh Robinson Library ist eine sehr besondere Ausgabe des Buches „Gullivers Reisen“: Die Kopie gehörte einst dem Autor Jonathan Swift persönlich und weist handschriftliche Notizen des Schriftstellers auf. Außer den Dauerausstellungen besonderer Exponate wird alle drei Monate eine neue temporäre Schau installiert, die dann besondere Werke zu wechselnden Themen hervorhebt.

Auch Kinder jedes Alters sind in der Armagh Robinson Library willkommen. Für ganz junge gibt es eine Spieldecke mit Softbüchern, ältere können mithilfe sogenannter Activity-Sheets eine Art Schatzsuche durch die Bibliotheksräume unternehmen. Die Bibliothek kann pandemiebedingt geschlossen sein, auf der Website können etliche Ausstellungen virtuell besucht werden. Regulär ist sie ganzjährig von 10 bis 13 und von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Russborough House Library in Blessington

Die Russborough House Library (Blessington, Co. Wicklow, W91 C640) ist klein, sie umfasst nur ein einziges Zimmer. Dennoch sollten Irland-Reisende, die in der Grafschaft Wicklow unterwegs sind, einen Besuch in dem Ort Blessington einplanen. Die Bibliothek ist Teil des gleichnamigen Herrenhauses aus dem 18. Jahrhundert, das etwa einen Kilometer von den Blessington-Seen entfernt liegt. Die Fassade des aus Granitstein im palladianischen Stil errichteten Hauses ist 210 Meter lang – sie gilt als die längste Irlands. Das Gebäude entstand zwischen 1741 und 1751 für Joseph Leeson, Sohn eines Dubliner Brauereibesitzers und späterer Graf von Milltown.

Dem heutigen Inneren des Hauses mitsamt Bibliothek drückten seine letzten Bewohnerinnen und Bewohner ihren Stempel auf. Der in den Neunzigerjahren verstorbene Politiker, Antiquitäten- und Kunstsammler Sir Alfred Lane Beit und seine Gattin Lady Clementine öffneten das Haus in den Siebzigerjahren mit dem Ziel, die Bildung der Menschen sowie die Kunst, das Handwerk und die Musik zu fördern. Besucherinnen und Besucher finden im Haus Kunstwerke, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts von den Milltowns und Beits gesammelt wurden.

Die kleine Russborough House Library in einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert in Blessington ist berühmt für ihre besondere Stuckdecke.

Auch die Hausbibliothek ist von historischem Wert: Zahlreiche alte, in Leder gebundene Bücher dürfen bewundert werden – ausleihbar sind sie nicht. Aufsehenerregend ist die Decke der Library: Das hoch gewölbte Stuckwerk soll ein Werk von Angehörigen der italienischen Stuckateurfamilie Lafranchini sein. Die Russborough House Library kann bei einer Führung durch das Haus besucht werden. Das Haus ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt inklusive Bibliotheksbesuch kostet für Besucherinnen und Besucher ab fünf Jahren zwischen 6 und 12 Euro.

Marsh’s Library in Dublin

Dublin-Reisende finden direkt hinter der Saint Patrick’s Cathedral die erste öffentliche Bibliothek Irlands: Marsh’s Library (Saint Patrick’s Close, Dublin D08FK79). Sie wurde bereits im Jahr 1707 vom damaligen anglikanischen Erzbischof Narcissus Marsh finanziert und gebaut, einem Buchliebhaber, der fest an den Nutzen von Bildung für die Öffentlichkeit glaubte – sein Porträt befindet sich im Treppenhaus der Bibliothek.

Die Einrichtung blieb für etwa eineinhalb Jahrhunderte die einzige öffentliche ihrer Art in Dublin. Innen sieht Marsh’s Library noch genau so aus wie im Jahr der Gründung: Zwei lange Galerien mit massiven Bücherschränken aus dunklem Eichenholz beherbergen heute mehr als 25.000 Bücher, Manuskripte und Landkarten aus den Themengebieten Wissenschaft, Mathematik, Musik, Geologie und Theologie. Etliche sehr seltene und kostbare Exemplare aus dem 15. bis 18. Jahrhundert befinden sich in der Sammlung.

Marsh’s Library im Zentrum von Dublin war einst die erste öffentliche Bibliothek Irlands.

Sehenswert sind die hölzernen Lesenischen, die Besucherinnen und Besucher am Ende der zweiten Galerie finden. In diesen sollen einst Bibliotheksbesucherinnen und ‑besucher eingeschlossen worden sein, um zu verhindern, dass sie Bücher stehlen. Die Library hatte prominente Besucher: Außer Jonathan Swift und James Joyce soll auch Dracula-Autor Bram Stoker dort zu Gast gewesen sein. Letzterer kam in den Jahren 1866 und 1867 regelmäßig und ließ sich vom Bibliothekar unter anderem Bücher über Transsylvanien heraussuchen.

Heute wird die Bibliothek von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben, außer Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind auch Touristinnen und  Touristen willkommen. Das Haus ist dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr sowie samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Studierende. Für Besucherinnen und Besucher bis 18 Jahre ist er frei.

Linen Hall Library in Belfast

Die 1788 gegründete Linen Hall Library (17 Donegall Square North, Belfast BT1 5GB) ist Belfasts älteste Bibliothek – und gleichzeitig die letzte Leihbibliothek Nordirlands. Das Haus, in dem sie untergebracht ist, gab der Einrichtung den Namen: Der viktorianische Bau war einst ein Lager für Leinen. Besucherinnen und Besucher finden heute etwa 250.000 Bücher vor.

Bekannt ist Linen Hall für mehrere umfangreiche Themenarchive, etwa zum frühen Belfast und der Provinz Ulster, zum Thema Genealogie und dem Northern Ireland Theatre and Performing Arts Archive. Es gibt eine weitere Sammlung zum Thema Zeitungen. Die ältesten Exemplare gehen bis zum Jahr 1738 zurück. Allein das Archiv der Bibliothek über den Troubles genannten Nordirland-Konflikt umfasst 350.000 Artikel.

Die Linen Hall Library ist die älteste Bibliothek in Belfast. Hier gibt es ein besonders großes Archiv über den Nordirland-Konflikt.

Das älteste Buch der Linen Hall Library stammt aus dem Jahr 1490 und aus der Feder des persischen Arztes und Wissenschaftlers Avicenna. Auch eine Erstausgabe von James Joyces „Ulysees“ sowie der erste Druck der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung außerhalb Amerikas befinden sich in der Sammlung der Bibliothek. Der Eintritt zur Bibliothek ist frei, für 5 Pfund pro Person können Interessierte montags bis freitags ab 10.30 Uhr an einer 45-minütigen Führung teilnehmen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9.30 bis 17.30 Uhr.