Die Niederlande liegen direkt neben Singapur, Peru ist nur ein paar Meter von Russland entfernt und von Australien bis nach Dänemark sind es auch nur ein paar Schritte. Auf dem Expogelände in Dubai wächst die Welt ganz dicht zusammen. Noch bis zum 31. März 2022 empfängt die Stadt am Persischen Golf Besucherinnen und Besucher bei der Expo 2020 – wegen Corona mit einjähriger Verspätung. „Connecting Minds, Creating the Future“ lautet das Motto, also „Köpfe verbinden, Zukunft erschaffen“.

Und es gibt wohl nicht viele Orte, die sich ähnlich gut für eine Weltausstellung eignen, bei der sich Menschen aus aller Welt treffen, wie eine Metropole, in der ohnehin Menschen von überall her zusammenkommen: Mit jährlich mehr als 14 Millionen Touristinnen und Touristen zählt Dubai zu den meistbesuchten Städten der Welt.

Pavillon der Emirate erinnert an Falkenflügel

Zu den eindrucksvollsten der Pavillons der 192 teilnehmenden Nationen gehört jener der Vereinigten Arabischen Emirate selbst. Das Gebäude nach den Entwürfen des spanisch-schweizerischen Architekten Santiago Calatrava ist einer der Hingucker auf dem 4,38 Quadratkilometer großen Gelände.

Die Form des Daches des Pavillons der Vereinigten Arabischen Emirate erinnert an die Flügel eines Falken.


Die Form seines Daches erinnert an die Flügel eines Falken, der in den Emiraten als wichtiges Statussymbol gilt. Der Weg zum Eingang ist gesäumt von einheimischen Pflanzen und Wasserbecken, die wie kleine Oasen wirken. Im Inneren befindet sich vor allem, was im Übermaß in den Emiraten vorhanden ist: Sand – in Form einer Wüstenlandschaft.

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Projektionen auf Wüstensand vermitteln Geschichte

Beim Spaziergang durch die Wüste bekommen Besucherinnen und Besucher mittels Projektionen auf die Dünen einen guten Einblick in die noch recht junge Geschichte des Staates. Der entstand am 2. Dezember 1971 durch den Zusammenschluss der Emirate Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain und feiert in diesem Dezember sein 50-jähriges Bestehen.

Auf einer Landschaft aus Wüstensand geben die Vereinigten Arabischen Emirate in ihrem Expo-Pavillon einen Einblick in ihre Geschichte.


Dubai selbst wurde 1833 vom Stamm der Al Maktoum gegründet – als Fischersiedlung. Die Familie herrscht bis heute über das Emirat. Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Perlenfischerei die wichtigste Erwerbsquelle. Mit dem Aufkommen der Zuchtperlen aus Japan brach den Einheimischen die wichtigste Einkommensquelle weg.

Ausbau des Creeks war wichtige Veränderung

Scheich Raschid bin Said Al Maktoum, der von 1958 bis 1990 Herrscher über das Emirat war, baute Dubai zu einem wichtigen internationalen Handelszentrum aus. Der Creek wurde ausgebaggert und in der Folge zum attraktivsten Hafen der Region. 1966 stieß man in Dubai auf Erdöl.

Weil den Emiratis klar war, dass das eine endliche Einnahmequelle ist, investierten sie frühzeitig in den Tourismus. Der begann in den Achtzigerjahren schließlich langsam Fahrt aufzunehmen und wurde zu einem weiteren wichtigen Wirtschaftsfaktor. 1985 wurde die Fluggesellschaft Emirates gegründet, die mittlerweile mehr als 50 Millionen Passagiere im Jahr befördert. Heute hat die Stadt 3,7 Millionen Einwohner. Allerdings sind nur 20 Prozent davon Einheimische, die restlichen 80 Prozent sind Expatriates aus aller Welt.

Aus dem einstigen Fischerdorf ist eine Metropole der Superlative geworden: Bei einem Blick vom Burj Khalifa bekommen Dubai-Besucherinnen und -Besucher einen guten Eindruck von der Größe der Stadt.

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Nachhaltigkeit spielt immer wichtigere Rolle

Investitionen in die Zukunft spielen weiter eine wichtige Rolle. In den nächsten Jahren soll das Emirat nachhaltiger werden. „Es wird viel Geld in Forschung investiert“, sagt Saud Mohammed Saeed Hareb, der bei Dubai Tourism für die Märkte Deutschland, Schweiz, Österreich und die Niederlande zuständig ist. „Aktuell wird 90 Prozent des Essens importiert. Das wollen wir ändern.“

Am Rand der Stadt wird deshalb zum Beispiel Obst und Gemüse wie Tomaten und Blaubeeren in sogenannten Hydroponic Farms gezüchtet, also in Farmen, die ohne Erde auskommen und deshalb nur einen sehr geringen Wasserverbrauch haben. Rund 50 Kilometer südlich der Stadt entsteht der – nach eigenen Angaben – größte Solarpark der Welt.

Höher, schneller, weiter: Superlative sind in Dubai keine Seltenheit. Die Metropole ist die Stadt mit den weltweit meisten Wolkenkratzern, die höher als 300 Meter sind. Zu den Gebäuden zählt auch das höchste Gebäude der Welt – der 828 Meter hohe Burj Khalifa, der ein absoluter Touristinnen- und Touristenmagnet ist.

Höher, schneller, weiter: Dubai ist die Stadt der Superlative

Vor der Küste befindet sich die größte künstlich geschaffene Insel des Planeten: Palm Jumeirah. Das Eiland in Form einer Palme, das in weniger als sechs Jahren, von 2001 bis 2006 aus Sand und Gestein aus den Bergen gebaut wurde, ist sogar aus dem All mit bloßem Auge sichtbar.

Mit ihm wurde die Küstenlinie von einst 72 Kilometern auf 300 Kilometer verlängert. Außer Privatvillen befinden sich zahlreiche luxuriöse Hotels auf dem schmalen Land, etwa das bekannte Atlantis, The Palm. Auf der Insel sprudelt auch der größte Springbrunnen der Welt: der 1335 Quadratmeter große Palmenbrunnen, dessen Fontänen bis zu 105 Meter in die Höhe schießen – wenn es nicht zu windig ist.

Auf Palm Jumeirah, der größten künstlich geschaffenen Insel des Planeten stehen Privatvillen und jede Menge edle Hotels wie das Atlantis, The Palm (hinten, Mitte).

Riesenrad ist die neueste Attraktion

Einen guten Blick auf das Ganze haben Reisende vom neuesten Rekordhalter der Stadt: dem größten Riesenrad der Welt. Das 210 Meter hohe und breite Al Ain steht auf der künstlich aufgeschütteten Insel Bluewaters Island. Es ist umgeben von Restaurants und Geschäften. Denn für viele sind es auch die unzähligen Einkaufs- und Essensmöglichkeiten, die Dubai als Reiseziel interessant machen.

Das Riesenrad Al Ain ist eine der neuesten Attraktionen in Dubai.

Kunst und Kultur im ehemaligen Industrieviertel

Aber es gibt eben auch immer mehr jenseits der Superlative zu entdecken. Da wäre zum Beispiel die Alserkal-Avenue im ehemaligen Industrieviertel Al Quoz im Westen der Stadt. In den rund 40 Lagerhallen ist seit 2008 ein besonderer Ort für Kunst und Kultur entstanden, der mittlerweile als Kreativhotspot der Region gilt. Hier reihen sich Galerien an Coworking-Spaces und Cafés und Restaurants. Es gibt ein Fotostudio, ein Tanzstudio, ein Spinning Studio, Büros von Start-ups, Boutiquen und das erste Programmkino der Region. Im Viertel gab es auch die erste Ladestation für elektrische Autos.

Besucher kommen vor allem an den Wochenenden, denn dann gibt es außerdem Workshops und Gesprächsreihen. „Die Menschen kommen nicht nur, um Kunst zu kaufen, sondern auch, um sie zu erleben“, sagt Aleksei Afanasiev, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. In den Wintermonaten, wenn die Temperaturen in der Stadt am angenehmsten sind, ergänzen deshalb auch Festivals das Angebot.

In den Galerien an der Alserkal Avenue im Industrieviertel Al Quoz in Dubai sind vor allem die Arbeiten von internationalen Künstlern zu sehen, die eine Verbindung zur Region haben.

Zu Besuch bei Oryxen und Gazellen

Wenn mildere Temperaturen herrschen, ist auch im nahen Dubai Desert Conservation Reserve Hochsaison. Das 225 Quadratmeter große Naturschutzgebiet ist das erste Schutzgebiet der Arabischen Emirate. Hier sind unter anderem Oryxe und Gazellen zu Hause. Wenn die Sonne am frühen Abend an Kraft verliert und langsam dem Horizont entgegensinkt, dann bekommen die Wüstenbewohner Besuch.

Denn inmitten des Desert Reserve befindet sich das Sonara Camp. Herrin über das kleine Reich in der Wüste ist die Schweizerin Stephanie Danial. Vor vier Jahren kam die ehemalige private Bankerin auf die Idee, eine Wüstensafari der anderen Art anzubieten.

Wer ins Sonara-Camp im Dubai Desert Conservation Reserve kommt, genießt den Sonnenuntergang in der Wüstenlounge.


Statt im Zelt nehmen Besucherinnen und Besucher bei ihr an fein gedeckten Tischen unter dem Sternenhimmel Platz, statt mit traditionellen Tänzen und Gesängen werden sie mit Akrobatik und einer Feuershow unterhalten. Dazu gibt es ein erlesenes Mehrgängemenü. Wer will, genießt vorab den Sonnenuntergang in der Wüstenlounge, reitet auf einem Kamel, surft auf den Sanddünen oder lässt sich von einem Falkner dessen Handwerk erklären.

Die Schweizerin Stephanie Danial hat mit ihrem Sonara Camp eine Alternative zu den bisher eher traditionellen Wüstencamps geschaffen.

Das Angebot kommt gut an. „Ich habe vor vier Jahren mit einem Tisch in der offenen Wüste angefangen“, berichtet die 46-Jährige, „heute habe ich 60 Angestellte.“ Die Schweizerin und ihr Team legen großen Wert darauf, umweltfreundlich und nachhaltig zu arbeiten. „Deswegen nutzen wir Solarenergie, kaufen nur recycelte und umweltfreundliche Materialien und haben eine Zero-Waste-Politik“, sagt die Geschäftsfrau. Der einzige Ort, an dem das Wüstenabenteuer Spuren hinterlassen soll, ist in den Köpfen der Besucherinnen und Besucher – als bleibende Erinnerung.

Tipps für deine Reise nach Dubai

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Flüge nach Dubai an. Emirates hat wöchentlich 50 Direktflüge etwa ab Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main im Programm. Tickets für den Hin- und Rückflug sind aktuell ab 501 Euro in der Economy Class buchbar, ab 2350 Euro in der Business Class. Die Airline ist offizieller Partner der Expo. Jeder Passagier bekommt deshalb eine kostenlose Tageskarte für die Weltausstellung.

Attraktionen: Expo: Tageskarten für 18- bis 59-Jährige kosten 95 Dirham, also rund 23 Euro. Für Jüngere, Ältere, Studenten und Behinderte ist der Eintritt frei. Eine Mehrtageskarte für 30 aufeinanderfolgende Tage ist für 195 Dirham (rund 48 Euro) erhältlich.

Alserkal Avenue: 17th Street, Al Quoz 1, Dubai. Die Alserkal Avenue hat grundsätzlich immer geöffnet, die Galerien haben freitags geschlossen und die Öffnungszeiten der anderen Einrichtungen variieren.
Wüstentour:

Ein Abend im Sonara Camp kostet von Oktober bis April rund 200 Euro für Erwachsene, 90 Euro für Kinder, beziehungsweise von Mai bis September rund 160 Euro (Erwachsene) und 65 Euro (Kinder).

Die Reise wurde unterstützt von Dubai Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.