Eis- oder auch Polarbären sind die größten an Land lebenden Raubtiere, doch durch die menschgemachte Klimaerwärmung wird ihr Lebensraum immer kleiner. Wer die Tiere in freier Wildbahn beobachten will, kann das in der Provinz Manitoba im Osten von Kanada: Das hiesige Churchill gilt als Eisbärenhauptstadt der Welt. Die Gemeinde an der Hudson Bay ist nur per Zug oder Flugzeug erreichbar.

Besonders im Oktober und November streifen viele Exemplare hier umher und warten auf das Zufrieren des Meeres, um die Robbenjagd zu eröffnen. Diese örtlichen Dienstleister bieten Beobachtungstouren an – ein Überblick:

Zu Eisbären und Nordlichtern

Nordlichter, Belugawale, Eisbären: Der Anbieter Frontiers North Adventures (140 Kelsey Blvd) hat diverse sogenannte Adventures im Programm, die sich um die Natur und Tierwelt an der Hudson Bay drehen. Das 1987 gegründete Familienunternehmen bietet ein- und mehrtägige Touren an.

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Mithilfe weiß gestrichener Spezialgefährte, den Tundra Buggys, geht es auch im Winter über den zugefrorenen Churchill River weit in die Natur hinaus zur Tundra Buggy Lodge – einer an eine Art Wagenburg erinnernden Wohnstatt inklusive Lounge und Speisesaal. Sie bietet Platz für bis zu 40 Reisende plus Personal. Wer hier übernachtet, kann tagsüber Eisbären beobachten und mit Glück nachts beim Schein der Nordlichter einschlafen. Das hat seinen Preis: Die einwöchige Pauschalreise Polar Bears at Tundra Buggy Lodge kostet ab Winnipeg inklusive drei Lodgenächten 6849 kanadische Dollar, umgerechnet etwa 4764 Euro.

Bei Expeditionen wie der mit dem Tundrabuggy von Frontiers North Adventures haben Reisende die Chance, Eisbären aus nächster Nähe zu beobachten.

Interessierte können auch Buggy-Tagestouren durch die Churchill Wildlife Management Area buchen – diese kosten für Erwachsene je nach Jahreszeit (Juli bis November) zwischen 249 und 519 kanadische Dollar, also 173 bis 361 Euro. Das Unternehmen untermauert seinen Anspruch auf einen nachhaltigen Umgang mit der Natur dadurch, dass kürzlich der erste E-Tundra-Buggy in Betrieb genommen wurde.

Mit dem Arctic Crawler in die Tundra

Ebenfalls in Churchill ansässig ist Lazy Bear Expeditions (313 Kelsey Blvd). Thematisch widmet sich das Unternehmen denselben Hauptattraktionen wie sein Mitbewerber – also Polarlichtern, Belugawalen und Eisbären. Saison ist auch bei Lazy Bear die Zeit zwischen Juli und November.

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Mithilfe eines Spezialgefährts, dem Arctic Crawler, unternehmen Reisende Ausflüge in die Tundralandschaft der Churchill Wildlife Management Area und zum Sammelplatz der Eisbären an der Hudson Bay. Manche Bären sind dem Anbieter zufolge neugierig genug, um sich dem Fahrzeug hin und wieder zu nähern. Im rückwärtigen Teil des hohen Fahrzeugs gibt es einen offenen Bereich, über den Reisende hinweg fotografieren können.

Im Herbst machen sich die Eisbären auf den Weg an die Küste, wo sie darauf warten, dass das Wasser zufriert und die Robben kommen.

Vor und nach den Ausflügen sind die Gäste in der Lazy Bear Lodge in Churchill untergebracht, einem im Blockhausstil errichteten Gebäude mit 33 Zimmern und einem Café. Das Holz, aus dem die Lodge errichtet wurde, wurde nach einem Waldbrand zu Bauholz weiterverarbeitet. Große Teile des Obsts und Gemüses, das im Café verarbeitet wird, stammt aus einem firmeneigenen Biogewächshaus. Wer beispielsweise das fünftägige Ultimate Polar Bear Adventure erleben will, muss 6495 kanadische Dollar, also etwa 4517 Euro, investieren.

Zu Fuß durch die Wildnis

Reisende, denen das Eisbärbeobachten von hochrädrigen Spezialgefährten aus zu langweilig erscheint, können beim Anbieter Churchill Wild sogenannte Polar Bear Safaris buchen. Das 1993 gegründete Unternehmen ist der einzige Anbieter rund um Churchill, bei dem Reisende zu Fuß auf Eisbärensuche gehen. Bevor das stattfinden kann, müssen diese allerdings in Churchill noch ein weiteres Mal in ein Flugzeug steigen; die drei kleinen Ecolodges des Anbieters liegen isoliert für sich 30 und 60 Kilometer nördlich sowie 250 Kilometer südöstlich von Churchill – an der Küste der Hudson Bay, nahe der Mündung des Seal Rivers oder im borealen Wald.

Gemeinsam mit Guides wandern die Abenteuerlustigen durch die Tundra, in der nicht nur Eisbären, sondern je nach Jahreszeit auch Grizzly- und Schwarzbären, Karibus, Wölfe, Polarfüchse oder arktische Eichhörnchen unterwegs sein können. Die Lodgegelände sind zum Schutz der Reisenden eingezäunt, es gibt Aussichtsplattformen und Türme. Große Panoramafenster ermöglichen auch von der Lodge aus Fotomöglichkeiten.

Bei den Polar Bear Safaris von Churchill Wild sind Reisende zu Fuß in der Wildnis unterwegs.

So viel Exklusivität ist nicht billig. 2022 kostet beispielsweise die Great Ice Bear Safari mit zwei Übernachtungen in Winnipeg, einer in Churchill und drei Nächten in der südöstlich von Churchill liegenden Dymond Lake Ecolodge pro Person im Doppelzimmer 13 .695 kanadische Dollar – umgerechnet also 9531 Euro.

Mit Forschern unterwegs

Wer eine Eisbärexpedition mit wissenschaftlichen Ansätzen verbinden will, kann eine Reise zum Churchill Northern Studies Center unternehmen. Die Forschungs- und Bildungseinrichtung (1 Launch Road) liegt eine halbe Autofahrtstunde östlich von Churchill an der Hudson Bay. Sie bietet unter dem Motto „To understand and to sustain the North“, also „Den Norden verstehen und erhalten“, sogenannte Learning Vacations, also Lernreisen, zu unterschiedlichsten Themen an.

Forschende und Fachleute liefern den Reisenden bei fünf- bis siebentägigen Aufenthalten umfangreiches Fachwissen zu Geschichte, Kultur, Flora und Fauna der Region. Mehrere Angebote haben auch die Eisbären als Themenschwerpunkt, etwa das siebentägige Lords of the Arctic: Teil des Pakets sind zwei Tagestouren mit den Buggys von Frontiers North Adventures durch die Churchill Wildlife Management Area, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützen dabei einen Verhaltensforscher und sammeln gemeinsam mit ihm Daten für eine Langzeitstudie.

Das Churchill Northern Studies Center an der Hudson Bay bietet Lernreisen zum Thema Eisbären an. Dazu gehören Vorträge genauso wie Expeditionen zu den Tieren.

Ebenfalls zum Programm gehören eine 45-minütige Helikoptertour entlang der Küste der Hudson Bay sowie abendliche Vorträge von Expertinnen und Experten über den Eisbären und dessen klimatische Herausforderungen. Die Gäste sind in einfachen Gemeinschaftsunterkünften im Forschungszentrum untergebracht. Die Teilnahme kostet ohne Reisekosten 4659 kanadische Dollar, umgerechnet etwa 3243 Euro.