Bullerbü fängt gleich hinter Göteborg an. Wer die Küstenprovinz von Bohuslän im Herbst besucht, stellt fest, dass es das Schweden aus den Astrid-Lindgren-Filmen tatsächlich gibt. Bunte Holzhäuschen, verträumte Häfen und Inseln mit glatt geschliffenen Felsen machen die einmalige Kulisse aus, die sich bestens für einen Roadtrip eignet.

Zur Fika nach Ljungskile

Von Göteborg nach Ljungskile dauert es über die E 6 gerade mal eine Stunde. Reisende sollten hier unbedingt eine typisch schwedische Fika, also eine Kaffeepause, einlegen – am besten bei Catarina Reuter im Kärrstegens Gard. Zusammen mit ihrem Mann Sören hat die 59-Jährige ein jahrhundertealtes Holzhaus vor dem Abriss gerettet und es in ein Einrichtungsgeschäft verwandelt.

„Vor 30 Jahren begannen wir mit dieser verrücken Sache. Das Haus stand jahrzehntelang leer. Als wir es kauften, war es in einem sehr schlechten Zustand“, erinnert sie sich. Tag und Nacht werkelte das Paar, um das Kleinod zu retten. Aus dem Shop ist inzwischen ein beliebtes Ausflugsziel geworden – mit angeschlossenem Restaurant und fünf Zimmern zum Übernachten.

Das Kärrstegens Gard in Ljungskile ist der ideale Ort für eine typisch schwedische Kaffeepause – die Fika.

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Zum Muscheln essen nach Lyckorna

Wer gern Muscheln isst, dem empfiehlt sich ein Besuch des nahen Küstenkurortes Lyckorna. In einer weißen Holzvilla direkt am Meer, die den Seebadcharme des 19. Jahrhunderts versprüht, befindet sich die Muschelbar Musselbaren. Hier verwöhnt Emelie Olson die Gäste mit Spezialitäten aus frischen Miesmuscheln, die direkt vor der Tür in den Schären geerntet werden. „Wir servieren sie gekocht in Wein, mit Sahne, frittiert, gratiniert, als Lasagne oder als Burger“, sagt die Chefköchin.

Ehemann Michell Ruaro betreibt im selben Haus Schwedens kleinste Destillerie. Auf zehn Quadratmetern kreiert er seit 2019 feinsten Gin aus hochprozentigem Wodka, Kräutern und heimischem Seegras.

Michell Ruaro brennt Gin in der kleinsten Destillerie Schwedens in Lyckorna.

Mit der „MS Märta" zur Miesmuschelernte

Für alle, die mehr über Muscheln erfahren und sie selbst ernten wollen, bietet Musselbaren auch Bootsexpeditionen an. Mit der alten, stählernen „MS Märta“ und Kapitän Anton Ingildsen Kampe geht es hinaus auf den Fjord. Eine halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Der Wind ist aufgefrischt.

Der Kapitän nimmt Fahrt weg und sucht einen Ankerplatz. „Bei Westwind müssen wir aufpassen, dass wir die Takelage von den Muscheln nicht unters Boot kriegen“, sagt er. Denn das Bioseafood wächst an Seilen in Hängekultur. An jedem Rigg hängen insgesamt 25 Kilometer lange Taue, an denen 200.000 Kilo der Schalentiere wachsen, wie der Kapitän erklärt. Besser, wenn die Ankerkette sich da nicht verhakt.

Kapitän Anton Ingildsen Kampe erntet bei seiner Tour mit der „MS Märta“ Miesmuscheln.


„Wir werden jetzt eines der Seile mit den Muscheln hochholen“, erklärt der 30-Jährige, während er ein schwedisches Seemannslied pfeifend den Bordkran ausfährt. Der Haken taucht ins Wasser ein, Kampe legt den Schalter um, der Kranarm kommt wieder hoch. Sofort haben wir Schlagseite. Am Haken hängt ein Muschelseil mit fetter Beute dran. Es darf geerntet werden.

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Picknick auf den Klippen von Ramsvikslandet

Am nächsten Morgen geht es weiter auf die Insel Ramsvikslandet in Sotenäs, auch bekannt als das Reich der Klippen. In dem Naturreservat kann man eine atemberaubende Aussicht auf rosagraue Granitfelsen und das Meer genießen. Im Sommer richtet Johan Niska von Ramsvik Cottage & Camping Picknicks auf den Klippen aus, bei denen man die leckere nordische Küche probieren kann.

Die Klippen im Naturreservat auf der Insel Ramsvikslandet sind im Sommer ein beliebter Platz für ein Picknick.

Smögen bietet Postkartenidylle pur

Der Roadtrip führt weiter nach Smögen, einem Bilderbuchort mit zauberhaften Holzhäusern. Schwedischer geht’s nicht. Besonders bekannt ist die Smögenbryggan, ein fast einen Kilometer langer Holzsteg am Ende des Hafenbeckens, wo sich bunte Bootsschuppen an den Granitfelsen schmiegen. Postkartenidylle pur.

Im Sommer soll in Smögen viel Trubel sein. Davon ist in der Nebensaison nichts zu spüren. Es ist ruhig, im Zentrum haben die meisten Restaurants und Geschäfte geschlossen, man trifft nur Einheimische wie Carl-Johan Söderbom. Der Schwede betreibt Urban Gardening vor seiner Haustür. In großen Hochbeetkübeln wächst und gedeiht fast jede Art von Gemüse. „Tomaten, Paprika, sogar riesengroße Süßkartoffeln haben wir dieses Jahr geerntet“, erzählt Söderbom. Nebenbei produzieren der Smögener und seine Frau Maria Seife. „Wir machen ökologische Seife aus Seegras. Mit der kann man sich sogar im Meer waschen“, sagt er.

Carl-Johan Söderbom betreibt Urban Gardening in Smögen.

Ingrid Bergman kam gern nach Fjällbacka

Am nächsten Tag der Reise steht Fjällbacka auf dem Programm. Schon Schauspielerin Ingrid Bergman liebte die Ortschaft mit dem kleinen Hafen. Sie kam 1958 mit ihrem dritten Ehemann Lars Schmidt erstmals hierher, der die nah gelegene Insel Dannholmen gekauft hatte. Seit 2015 zeigt eine Ausstellung am Hafen seltene Fotoaufnahmen von Bergman aus ihrer Zeit in Fjällbacka.

„Ingrid Bergmans Kinder kommen heute noch. Sie sind regelmäßig bei uns zum Essen zu Gast“, berichtet Susanne Maxwell, die mit ihrem Mann neben einer spanischen Bodega und einem japanischen Restaurant das Gastrohotel Bryggan am Hafen betreibt.

Im Gastrohotel Brygganam Hafen von Fjällbacka werden Fisvch und Meeresfrüchte serviert.

Altes Bootshaus ist heute ein Bed & Breakfast

Grebbestad ist die letzte Etappe der Reise. Ziel ist das Bed and Breakfast Everts Sjöbod von Hanna Thorén, das in einem 120 Jahre alten Bootshaus untergebracht ist. Hier fühlt man sich wie auf einem historischen Kahn. Das Holz knarrt, man hört die Wellen schwappen.

„Wir haben das Bootshaus im ursprünglichen Zustand belassen und unser Restaurant hier untergebracht, die Zimmer sind im neuen Teil“, berichtet die Betreiberin. Die Einrichtung und das alte Fischerzeug von Evert, der ein Freund von ihrem Großvater war, hat sie mit übernommen. Dadurch ist das Bootshaus so urig und authentisch wie in vergangenen Zeiten geblieben.

Das 120 Jahre alte Bootshaus in dem das Bed and Breakfast Everts Sjöbod untergebracht ist, wurde in seinem ursprünglichen Zustand belassen.

Bei der Austernsafari geht's in die Schären

Ein einzigartiges Erlebnis, das man nicht verpassen sollte, wenn man in Everts Sjöbod ist: eine Austernsafari mit Hanna und Per Karlsson. Mit einem Holzboot tuckern sie hinaus in die Schären und kosten mit ihren Gästen die frischen Delikatessen.

Auch wie man Austern richtig öffnet, lernt man während dieser Tour. Die Chance, dabei eine Perle zu finden, ist gering. Dafür gelten die Austern als die besten der Welt. „Das hat Paul Bocuse auch immer gesagt“, sagt Per Karlsson. Seinen 83. Geburtstag habe der französische Jahrhundertkoch in Göteborg verbracht. „Ich habe ihm damals unsere Austern gebracht, der Meisterkoch konnte gar nicht genug davon bekommen.“

Tipps für deine Reise nach Westschweden

Anreise: Die schwedische Reederei Stena Line bietet täglich eine Fährverbindung von Kiel nach Göteborg an.
Tickets für Auto und Fahrerin oder Fahrer kosten 95 Euro.

Attraktionen: Austernsafari mit Verkostung: etwa 89 Euro pro Person.
Muschelsafari: etwa 95 Euro pro Person inklusive Expedition mit Vorlesung über die Muscheln, das Meer und das Essen, Fika an Bord, Abendessen mit Muscheln und Nachtisch (Getränke nicht im Preis enthalten).
Picknick auf den Klippen: etwa 20 Euro pro Person.

Essen: Fika Kärrstegens Gard: Ulvesundsvägen 22, Ljungskile. Geöffnet: dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr,
samstags und sonntags 11 bis 16 Uhr, montags geschlossen.
Restaurant Musselbaren: Robert Macfies Väg, Ljungskile.
Mittagessen/Abendessen ab etwa 20 Euro. Geöffnet: donnerstags bis samstags 12 bis 22 Uhr, sonntags 12 bis 16 Uhr. Montags bis mittwochs geschlossen.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Sweden. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.