Seit 1994 zeichnet Österreich Kleinstädte mit einem historischen geschlossenen Stadtbild, vielen denkmalgeschützten Sehenswürdigkeiten und einem guten Angebot an Touristenführungen mit dem Titel „Kleine historische Städte“ aus. Zurzeit dürfen sich 17 Orte im Land mit diesem Namen schmücken. Fünf davon gehören zur Steiermark. Wir stellen sie vor.

1. Judenburg

Judenburg liegt nördlich der Seetaler Alpen auf einer Höhe von 737 Metern. Das um 1075 herum gegründete Judinburch war zunächst eine Kaufmannssiedlung. Im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts mauserte es sich zur bedeutenden Handelsstadt. Reisende können bei einem Altstadtrundgang den vergangenen Jahrhunderten nachspüren.

Etliche historische Bauwerke sind erhalten, dazu gehören die Stadtpfarrkirche mit der Judenburger Madonna, einer Kalksteinfigur aus der Zeit um 1420, die frühbarocke Vierflügelanlage eines einstigen Jesuitenklosters, die Ruine Liechtenstein und die Neue Burg, aber auch etliche Bürgerhäuser wie das Körblerhaus am Hauptplatz.

In der Altstadt von Judenburg stehen etliche gut erhaltene historische Bauwerke.

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Wahrzeichen der Gemeinde ist der 75,66 Meter hohe Stadtturm. Er ist der höchste freistehende Turm Österreichs. Von der 42 Meter hohen Aussichtsplattform können Reisende über das Murtal und das Aichfeld blicken. 2006 wurde das Bauwerk zum Sternenturm umgebaut. Es beherbergt heute Europas modernstes Planetarium.

2. Leoben

Die Gemeinde Leoben im mittleren Murtal ist mit ihren 24.189 Einwohnern nach Graz die zweitgrößte Stadt der Steiermark. Leoben hat eine lange Historie als Bergbaustadt. Bis heute gilt der Erzberg als größter Erztageabbau Mitteleuropas, etliche Traditionen wie eine Bergparade, die Barbarafeier sowie das Tragen von Bergmannstracht werden bis heute gepflegt.

Reisende können Leoben unter anderem per Audioguide erkunden und dabei historische Orte wie das Stift Göss besichtigen. Das 1020 gegründete ehemalige Benediktinerinnenstift ist das älteste Kloster der Steiermark. Leobens Wahrzeichen ist der Schwammerlturm aus dem Mittelalter; er ist das einzige erhaltene Stadttor. Sehenswert ist auch das aus dem 16. Jahrhundert stammende Hacklhaus mit einer üppigen Stuckfassade. Es steht am Hauptplatz neben dem Bergmannsbrunnen.

Das Hacklhaus aus dem 16. Jahrhundert gehört zu den Attraktionen am Hauptplatz von Leoben

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Der Platz mit seinen vielen Cafés, Konditoreien, Eissalons und Restaurants gilt als einer der größten Schanigärten Österreichs. Außer dem Bergbau und der Stahlproduktion gehört auch das Brauwesen zu den Traditionsbranchen der Stadt: In Leoben ist die Gösser-Brauerei ansässig.

3. Bruck an der Mur

Die beiden größten Flüsse der Steiermark, die Mur und der Mürz, münden in Bruck an der Mur ineinander. Mit 15.650 Einwohnern ist die nördlich von Graz gelegene Stadt die viertgrößte des Bundeslands – und eine der ältesten in ganz Österreich.

Bereits im neunten Jahrhundert wurde der Ort erstmalig erwähnt. Die günstige Flusslage ließ Bruck zur vermögenden Handelsstadt aufsteigen. Von diesen Zeiten erzählen noch zahlreiche gestaltete Bürgerhäuser in der Altstadt. Einige von ihnen, etwa das Rathaus und das Fabriziushaus, besitzen sehenswerte öffentlich zugängliche Innenhöfe. Den wohl auffälligsten Bau finden Besucherinnen und Besucher direkt am Hauptplatz. Das Kornmesserhaus – benannt nach dem wohlhabenden Einwohner Pankraz Kornmess – entstand Anfang des 16. Jahrhunderts als Hommage an die Lagunenstadt im venezianischen Stil und gilt als einer der wichtigsten gotischen Profanbauten in Österreich.

Das gelbe Kornmesserhaus (links) am Hauptplatz von Bruck an der Mur gilt als einer der schönsten gotischen Profanbauten im Land. In der Stadt gibt es aber noch mehr sehenswertes.

Wer über teilweise steile Stufen auf den Brucker Schlossberg wandert, passiert unter anderem einen historischen Uhrturm und hat vom Plateau eine schöne Sicht auf Bruck und die Umgebung. Mehrere Stadtführerinnen und -führer bieten Touren durch die Stadt an, dazu gehört auch Nachtwächterin Helga Papst. Sie hat sowohl nächtliche als auch historische und kulinarische Führungen im Programm.

4. Hartberg

Hartberg finden Reisende etwa 40 Kilometer von Graz entfernt in der Oststeiermark. Der 6.800-Einwohner-Ort liegt am Ringkogel, einer 789 Meter hohen Erhebung, die bereits von Kelten und Römern besiedelt wurde. Gegründet wurde Hartberg im Jahr 1122 vom Markgrafen Leopold I. von Steyr. Der Ort war im Mittelalter Gerichts- und Versammlungsort des Adels.

Teile der historischen Wehrmauer sowie ein Reckturm aus dem 12. und 13. Jahrhundert befinden sich im Stadtpark. Ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammt der Hartberger Karner – ein spätromanischer Rundbau an der Südseite der Stadtpfarrkirche, der in seinem Inneren mit zahlreichen farbenprächtigen Fresken beeindruckt. In der Altstadt finden Reisende zwischen zeitgenössischen auch historische Bauten, Tafeln informieren darüber.

Der Hartberger Karner mit seinen Fresken, ein Rundbau an der Stadtpfarrkirche, ist einer der Höhepunkt in der Stadt am Ringkogel.

Sehenswert ist unter anderem das frühere Baderhaus. Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus zum Bürgerhaus umfunktioniert und sticht mit einer rot-weißen Fassade und einem an griechische Tempel erinnernden vergoldeten Fries ins Auge. Direkt daneben geht es ins Goldgassl. Wer hier einbiegt, geht durch einen ebenfalls vergoldeten Torbogen, der in luftiger Höhe über den Köpfen hängt.

5. Bad Radkersburg

3179 Einwohner zählt die Kleinstadt Bad Radkersburg, die sich in der südöstlichen Steiermark entlang der Mur – sie ist hier Grenzfluss zu Slowenien – erstreckt. Erstmalig wurde der Ort 1182 als Rakerspurch urkundlich erwähnt. Seinerzeit führte einer der wichtigsten Handelswege der Steiermark hier vorbei.

Bis heute prägt eine im Renaissancestil errichtete Befestigungsanlage das Stadtbild. In ihrem Inneren können Besucherinnen und Besucher durch die 700 Jahre alte Altstadt mit ihren Renaissancebauten, Gassen und Arkadenhöfen bummeln. Am Hauptplatz steht der Rathausturm, der als Wahrzeichen der Stadt gilt. Wer die Langgasse überquert – einst der Handelsweg nach Ungarn –, gelangt zum 1583 errichteten Palais Herberstorff, dessen Renaissance-Arkadenhof aus der Feder italienischer Baumeister stammt.

Die Altstadt von Bad Radkersburg lockt mit Renaissancebauten, engen Gassen und Arkadenhöfen.

Bad Radkersburg ist dank einer 80 Grad Celsius heißen Thermalquelle Kurort und zählt mit 1930 Sonnenstunden im Jahr zu den sonnigsten Gegenden Österreichs. Das Klima ist mediterran. Stadtführungen gibt es normalerweise donnerstags (April bis Oktober 16 Uhr, November bis März 15 Uhr).