Das Licht ist grell in der schmalen Gasse, in der sich Imbiss an Imbiss reiht. Das Essen wird in gelben Hartplastikschalen gebracht. Sie erinnern an besseres Einweggeschirr aus dem Euro-Shop. An den runden Tischen in einem Verbindungsgang des Hong Lim Food Markets in Singapurs Chinatown ist wenig zu spüren vom irren Reichtum des asiatischen Stadtstaats. Aber: Der Inhalt zählt.

Lim Li Kheng, die Betreiberin der kleinen Garküche Hokkien Street Bak Kut Teh, und ihr Mann haben das namensgebende Gericht über Jahrzehnte perfektioniert. Bak Kut Teh sind Schweinerippchen in einem reichhaltigen Sud – eine kulinarische Offenbarung für wenige Singapur-Dollar. Hunderte dieser Minirestaurants gibt es im Land, sie sind Teil der Kultur und ein Gegenentwurf zum Investitionsrausch, der sie umgibt.

Lim Li Kheng ist die Betreiberin der kleinen Garküche Hokkien Street Bak Kut Teh.


Singapur ist eine Stadt der Superlative, der Hochhäuser, der teuren Autos. Das war nicht immer so. Schon im dritten Jahrhundert nach Christus entstanden, war der Landstrich mit seinen drei größeren und 58 kleineren Inseln für das Weltgeschehen weitestgehend bedeutungslos. Sir Thomas Stamford Raffles, Handelsagent der Britischen Ostindien-Kompanie, gründete 1819 eine britische Niederlassung. Im Zweiten Weltkrieg marschierte Japan ein und übernahm. Ein kurzes Gastspiel, Comeback der Briten. In den Sechzigerjahren folgte ein erneuter Umbruch, Malaysia war zuständig – bis zur Unabhängigkeit 1965.

Hafen machte Singapur zum Schmelztiegel der Kulturen

Als wichtiger Hafen für Chinesen, Inder und Malaysier war Singapur schnell Schmelztiegel der Kulturen. Heute ist der Stadtstaat auch als Asien für Anfänger bekannt – weil die Landessprache Englisch ist und so viele asiatische Einflüsse auf engstem Raum zu finden sind. Dschungel neben Hochhaus, Muslime neben Christen, Tamilisch neben Chinesisch. Das drückt sich nicht nur, aber eben auch in den Hawker Markets aus. Auch beim Bak Kut Teh gibt es die Glaubensfrage: kommt es aus der malaysischen Kultur – oder der chinesischen?

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Die bunten Häuser an der Koon Seng Road in Chinatown zählen zu den beliebten Fotomotiven des Viertels

Finanzhochburg ist bestens organisiert

Vielen der Bänker, der Geschäftsleute, die zu Hunderten in ihren Mittagspausen aus den Hochhäusern zu den Garküchen kommen, ist das egal. Sie wollen schnell gut essen, dann zurück: Singapur ist Finanzhochburg Asiens, extrem sauber und sicher, hervorragend organisiert. Und auch kontrolliert. Vielerorts sind Videokameras montiert. Richtig ist: Wer in der Lage ist, sich zu benehmen, wird auch in Singapur keine Probleme haben. Spucken, klauen, Nacktsein muss ja nicht sein.


Ein wenig stolz ist man auch darauf, dass Singapur sich, eben wegen der strengen Regulierung, von der besten Seite präsentiert. Es ist weniger wuselig als in vielen asiatischen Großstädten. Es liegt kein Müll herum. Es gibt keinen Grünstreifen, der nicht hervorragend gepflegt wäre. Überhaupt, das mit dem Grün: Selbst auf Autobahnen hat man teilweise das Gefühl, durch den Dschungel zu fahren, der recht ursprünglich im Nordwesten im Sungei Buloh Wetland Reserve zu Fuß erkundbar ist.

Nachhaltigkeit ist an einem Ort wie diesem ein wichtiges Thema – und wir haben Erfolg, Singapur ist grün.

Chee Pey Chang, Singapore Tourism Board

„Es ist eine Herausforderung, der sich Stadt und Architekten fortwährend stellen“, sagt Chee Pey Chang vom Singapore Tourism Board, der sich um die Vermarktung Singapurs kümmert. „Nachhaltigkeit ist an einem Ort wie diesem ein wichtiges Thema – und wir haben Erfolg, Singapur ist grün. Es kehren Tiere zurück in die Stadt, etwa der Nashornvogel und der Otter. Das zeigt, dass wir etwas richtig machen.“ Bis 2030 will man eine Million zusätzliche Bäume gepflanzt haben. Neben der sichtbaren Moderne soll also auch ganz klassisch die Natur die Menschen zu einem Besuch bewegen. Bisher ist Singapur für viele vor allem Zwischenstopp auf der Reise zum Beispiel nach Australien. Tatsächlich bietet es mehr.

Das Sungei Buloh Wetland Reserve ist ein Nationalpark im Nordwesten von Singapur. Er bietet eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.

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Stadt vereint viele Gegensätze

Chang treffen wir im Candlenut, einem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant, dessen Chef Malcolm Lee sich von der peranakanischen Küche inspirieren lässt, die Küche jener frühen Einwohner Singapurs, die sowohl chinesische als auch malaysische Vorfahren haben. Das Candlenut reicht viele kleine Portionen, ein Querschnitt durch die Geschmäcker der beiden Länder, gepaart mit denen der übrigen asiatischen Welt. Der krasse Gegenentwurf zu den kleinen Garküchen. Aber genau das ist so sinnbildlich für diese Stadt: alles gibt es in Einfach – und in Übergroß, in Luxuriös, in Futuristisch.

Supertrees und weitere Wahrzeichen

Das gilt auch für die Natur. Außer den vielen Bäumen und Pflanzen, die vielerorts aus dem Boden sprießen, gibt es auch die Supertrees: 25 bis 50 Meter hohe, an Bäume erinnernde Konstruktionen in den Gardens by the Bay, an denen zig Pflanzen wachsen, quasi überdimensionierte Vertikalblumenkübel. Sie fungieren als Gewächshäuser für die Parks, nutzen Regenwasser und Sonnenenergie und bieten dank einer Hängebrücke spektakuläre Blicke auf die Stadt und eine architektonische Ikone: das Marina Bay Sands mit den drei Hoteltürmen, auf denen ein schiffsrumpfförmiges Querstück liegt. Zu den Gardens gehören außer einer riesigen Außenfläche auch Gewächshauskuppeln, in einer ist sogar ein Wasserfall angelegt. Eine fast schon verschwenderische Pflanzenwelt, aber das passt nach Singapur.

Das Hotel Marina Bay Sands mit seinen drei Türmen ist ein beliebtes Fotomotiv in Singapur, das davorliegende Art-Science Museum ist architektonisch aber mindestens genauso interessant.


Der Zoo gehört zu den schönsten der Welt. Auch der Flughafen gilt als meisterhaft konzipiert. Wegen der Infrastruktur, aber auch weil in der Mitte des sogenannten Juwels, einer riesigen, reich begrünten Glashalle, bis zu 37 850 Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe stürzen – ein 360-Grad-Wasserfall.

Sentosa ist Singapurs Strandspielplatz

Auf der dem Festland vorgelagerten Insel Sentosa befindet sich der Spielplatz Singapurs: schicke Beachclubs, Freizeitparks wie die Universal Studios und Luxusressorts wie das Capella, das Donald Trump und Kim Jong Un für USA-Nordkorea-Friedens-PR nutzten. Es gibt aber auch Angebote für Normalsterbliche.

Bei einer Bootstour geht es zu vorgelagerten kleinen Inseln, im Hintergrund ist schon Indonesien zu sehen, davor liegen riesige Frachter, aber auch kleine grüne Paradiese und Oasen wie Lazarus Island, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Hier kommen viele zum Sonnen und Planschen her. Nicht ganz wie die Traumstrände in Thailand, aber auch ein Teil im Puzzle. Der Sprung von der Jacht ins Wasser ist eine tolle Abkühlung vom schwül-heißen Klima.

Singapur lässt sich gut bei einer Tour im Sidecar entdecken.

Raffles Hotel ist Heimat des Singapore Sling

Weniger entspannt als mit dem Boot lässt sich Singapur im Sidecar entdecken, also dem Beiwagen eines Rollers. Zackig fahren sie durch die Straßen. Etwa durch die engen Gassen des arabischen Viertels mit seinen vielen Lokalen, vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, auch am Raffles Hotel.

Der Bau im Kolonialstil ist berühmt als eines der vornehmsten Häuser der Welt. Wer sich die teuren Suiten nicht leisten kann, kann zumindest in der Long Bar einen Singapore Sling trinken. Der Cocktail wurde hier 1915 erfunden, übrigens weil der Bartender auch einen Drink für die Frauen im Angebot haben wollte. Ein quasi emanzipatorischer Akt.

Das geschichtsträchtige und luxuriöse Raffles Hotel ist weit über die Landesgrenzen von Singapur hinaus bekannt.


Wer später aus der Bar torkelt, sieht nichts als Straßen, wundert sich vielleicht, warum er an der Beach Road steht. Tatsächlich ist das ganze Gelände zwischen Raffles und Meer aufgeschüttet worden – Singapur hat sich vergrößert, aus Wasser Land gemacht. Weil es eben geht.


Wie eben vieles geht. Mittags in Little India Gewürze kaufen und abends mit Gold verzierte Burger in einem der In-Viertel Chinatowns essen. Sich von Guide Patrick Lee erst zu den Hawker Markets, dann zur traditionellen Teeproduktion führen lassen: „Tee ist wie Parfum, die Nase fängt den Geruch ein und schmeichelt ihr”, sagt er. Im Supermarkt Produkte aus ganz Asien finden, weil die Bevölkerung eben genauso vielseitig ist. Zwischen schmalen Gassen und Hochhausutopien, zwischen Sidecar und Lamborghini ist Singapur ein Spannungsfeld – dessen Besuch sich lohnt.

Tipps für deine Reise nach Singapur

Anreise: Aktuell ist die Anreise nur mit besonders ausgewiesenen Direktflügen von Singapore Airlines und der Schwestergesellschaft Scoot möglich, etwa ab Frankfurt am Main und Berlin (Hin- und Rückflug ab 609 Euro).

Beste Reisezeit: Zwischen März und September regnet es am wenigsten, von November bis Januar herrscht Regenzeit. Heiß ist es das ganze Jahr über.

Attraktionen: Bei der Tour „Kopi and Cha: Bitter Brews with a Story” (buchbar ab etwa 45 Euro) lernen Reisende traditionellen Kaffee, Tee, die Garküchen und Chinatown kennen. Die Teilnahme an der zweieinhalbstündigen Singapore-Southern-Island-Jachttour kostet etwa 60 Euro. Eine Stadtrundfahrt in Sidecars ist ab 100 Euro buchbar.

Die Reise wurde unterstützt vom Singapore Tourism Board und Singapore Airlines. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.