Mitten in Griechenland, rund 300 Kilometer nordwestlich von Athen, liegt Agrafa. Die unwirtliche Gebirgsregion ist geprägt von rauem Klima und schroffen Felsen, und die Einheimischen haben über Jahrhunderte zurückgezogen gelebt. Heute heißen sie Reisende, die sich hierher verirren, dafür umso herzlicher willkommen.

Der Name Agrafa bedeutet „unbeschrieben“, weil die unzugängliche Region lange nicht kartografiert worden ist.

Agrafa, die „unbeschriebene“ Gebirgsregion

Wer zum ersten Mal nach Agrafa reist, hat das Gefühl, hier sei die Zeit stehen geblieben. Schotterstraßen führen zu kleinen Dörfern mit Steinhäusern und am Horizont erstrecken sich endlose Wälder, in denen Bären und Wölfe leben. Hier ist Griechenland noch fast so ursprünglich, wie es früher einmal war. Und das hat seinen Grund: Schon byzantinische Kartografen fanden die Region zu abgelegen, um sie auf ihren Karten zu verzeichnen. Daher der Name Agrafa, was „unbeschrieben“ bedeutet.

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Basis des Widerstands gegen die Ottomanen

Selbst den Ottomanen gelang es nie, dieses Gebiet zu erobern. Stattdessen wurde Agrafa zur Basis für den Widerstand. Revolutionsführer Georgios Karaiskakis plante hier seine Aktivitäten und der Freiheitskämpfer Antonis Katsantonis wurde hier geboren. In Agrafa folgten die Bewohnerinnen und Bewohner ihren eigenen Regeln und Werten. Einer davon: Bildung. Schreiben und Lesen wurde hier schon viel früher als in anderen Regionen Griechenlands unterrichtet. Viele Familien können deshalb heute ihren Stammbaum über mehrere Generationen nachverfolgen.

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Spektakuläre Felswanderungen

An der Armut und Isoliertheit der Region hat das jedoch lange Zeit wenig geändert. Strom gibt es erst seit den 1980er-Jahren, und viele Straßen sind immer noch aus Schotter. Wer hierher kommt, sollte also Zeit mitbringen – und Abenteuerlust. Am besten lässt sich die Region wandernd erkunden. Die Wege kannst du bei den Locals erfragen oder du folgst einem ausgeschilderten Weg, wie dem spektakulären Trail von Asprorema nach Epiniana, der direkt am Felsen entlangführt. Nichts für schwache Nerven, aber dafür mit atemberaubenden Aussichten.

Auf den Wanderwegen begegnest du neugierigen Ziegen.

Andere Wege führen vorbei an friedlich grasenden Schafen und Ziegen, alten Steinhütten und den omnipräsenten Statuen des Freiheitskämpfers Katsantonis. Über die Agrafa Mountaineering Association (auf Englisch) kannst du außerdem Kajak- und Klettertouren organisieren.

Indian Summer auf Griechisch

Eine Straße führt durch die Schlucht des Flusses Agrafiotis von Krenti nach Vragiana. Sie ist der mehr oder weniger geteerte Hauptweg durch die Region. Die Brücken, die du auf der Fahrt siehst, wurden erst in den 1990er-Jahren gebaut! Am Wegesrand kannst du noch Überreste alter Brücken aus Stein oder Ästen entdecken.

Die Brücken über den Fluss Agrafiotis wurden erst in den 1990er-Jahren gebaut!

Die Straße ist vor allem im Herbst einen Roadtrip wert: Dann erstrahlen die Blätter der Bäume in knallbunten Farben. Ebenfalls sehenswert: das spektakuläre Kloster Panagia Pelekiti aus dem 16. Jahrhundert, das nach dem Felsen benannt ist, in den es gehauen wurde.

Das Kloster Panagia Pelekiti ist in den Felsen gebaut.

Einen aufregenden Tag in der Wildnis Agrafas lässt du am besten in einem der malerischen Dörfer ausklingen. Hier gibt es gemütliche Unterkünfte und in den Restaurants bekommst du frisch zubereitete Leckereien, oft mit Zutaten aus dem eigenen Garten.