Burg Reichenbach befindet sich gerade einmal vier Kilometer entfernt von der Kernstadt Hessisch Lichtenaus, jeweils zwei Kilometer von Reichenbach im Ostsüdosten und Retterode im Westen. Und dennoch hatten wir bei der Ankunft am Gebäude auf dem Schlossberg das Gefühl, in einer anderen Welt zu landen.

Sicher ist dieser Eindruck entstanden, weil wir uns entschieden hatten, bereits am frühen Morgen zu starten: Ein Tag, der Sonnenschein versprach, aber noch tief im Nebel lag, bot die besten Voraussetzungen - und einen Premiumweg im “Frau-Holle-Land”. Startpunkt war ein Wanderparkplatz, an dem Wanderwillige begrüßt werden von einer Infotafel, die die Besonderheiten des FFH-Gebiets Reichenbacher Kalkberge beschreibt und einen Überblick über die Wanderroute gibt. Gleich gegenüber die erste Beschilderung - da konnte hinsichtlich der Orientierung schon kaum mehr etwas schiefgehen.

Das sind die Eckdaten:

  • Länge: 10,5 Kilometer
  • Dauer: 2,5 Stunden

Zunächst folgten wir einem Weg zwischen Feldern und Pferdekoppeln hindurch bis hinein in ein Waldstück. Dort herrschte schlagartig eine veränderte Stimmung: Die Blätter an den Bäumen wirkten seltsam matt, die Stämme dunkler, die Luft feucht, aber angenehm kühl. Hin und wieder gab es Gelegenheit, kleine Wunderwerke der Natur zu bestaunen: Spinnennetze zwischen Ästen, Baumformationen, die wirkten wie geometrisch angeordnete Figuren in einem Gemälde, Steine, die aussahen wie in einen Kissenüberzug gehüllt - dabei waren sie schlicht von Moos überwachsen.

So stromerten wir nur rund zwei Kilometer durch den Wald, ehe wir die Burganlage erreichten, die das heutige Ziel der Wanderung sein sollte, und hatten dennoch das Gefühl, die Alltagswelt verlassen zu haben.

Hoch hinaus, um den grünen Ausblick zu genießen.

Und plötzlich erhob sich ein Turm im Nebel - ein unwirkliches Bild. Das Betreten ist erlaubt, also nahmen wir die Gelegenheit wahr, einen Blick von oben in die Landschaft zu werfen - trotz eingeschränkter Sichtverhältnisse. Bei guter Sicht sind vom Bergfried aus unter anderem das nordwestliche Lossetal zum Kaufunger Wald, die nordöstlichen Täler von Hollsteine und Wehre zum Hohen Meißner, das Vockebachtal zum Eisberg und das Essebachtal zum Himmelsberg im Melsunger Bergland zu sehen, ist im Internet zu lesen. Sitzgelegenheiten boten die Möglichkeit zu einer kurzen, bequemen Rast, während der wir uns über die Burg und den Ausblick informierten.

Über eine Waldtreppe führte der Weg, der sich übrigens auch verlängern ließe, weiter durch den Wald - und hin zu einem Abschnitt des Weges, der einige Exponate der Ars Natura zeigt, einer Kunstausstellung in der Natur. Immer wieder waren Ausblicke in die Landschaft möglich, bis wir schließlich den Ort Reichenbach erreichten, wo ebenfalls ein weiterer Rundweg möglich wäre: Die “Reichenbacher Augenblicke”.

Die Infotafel zeigt einen Blick in die Vergangenheit.

An der Klosterkirche mit historischen Grabmalen und einem Hildegard-von-Bingen-Garten vorbei führte uns der Weg auf einen steilen Höhenweg, von dem aus ein toller Ausblick auf den Ort möglich ist. Stehenbleiben und umdrehen lohnte sich, bevor wir den Rückweg zum Ausgangspunkt antraten.

Tipp: Burg Reichenbach

Um 750 bis 1219 war der befestigte Berg wahrscheinlich im Besitz eines Zweiges der Grafen Gozmar, die in der Mitte des 11. Jahrhunderts dort eine Burg anlegten und sich ab 1089 Grafen von Reichenbach nannten”, ist über die Burg Reichenbach zu lesen. Bewohnt soll sie bis 1490 gewesen sein, danach wurden die Gebäude bis 1540 als Zehntscheune genutzt. Um 1550 wurde sie auf Befehl Kaiser Karls V. nach dem Schmalkaldischen Krieg zerstört, ohne dass die Türme betroffen gewesen sein sollen. 1820 stürzte der Südostturm ein, sodass nur noch eines der Bauwerke Bestand hatte, der 1899 bis 1901 als Aussichtsturm ausgebaut und am 21. Juli 1901 als solcher eingeweiht wurde. Außer dem Bergfried sind Reste der Schildmauer sowie ein kleiner und großer Halsgraben erhalten. Heute kümmert sich ein Burgverein um die Pflege der Anlage.

Der Eingang zur Burg Reichenbach.

Tipp: Große Steine

Die Großen Steine sind eine Gruppe von als Naturdenkmal ausgewiesenen Dolomitfelsen bei Reichenbach. Sie befinden sich am Nordrand des Stölzinger Gebirges, rund eineinhalb Kilometer südöstlich von Reichenbach. Das Naturdenkmal, das sich in einem Waldgebiet befindet, ist über den Barbarossa-Wanderweg zu erreichen. Bei den Großen Steinen soll es sich um eine vorgeschichtliche Kultstätte handeln - der Sage nach soll ein Riese sie dort abgeworfen haben.

Tipp: Naturerlebnispfad "Pfiffikus"

In der Nähe des “Hauses der Jugend” in Reichenbach ist 2003 ein Naturerlebnispfad angelegt worden, auf dem besonders Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, die Natur mit allen Sinnen zu entdecken. “An 15 Stationen auf einer Länge von knapp drei Kilometern gibt es Natur zum Anfassen: Zum Ertasten, Hören, Fühlen und Begreifen”, steht auf der Website des Hauses der Jugend zu lesen. Statt langer Texte sehe das “Pfiffikus”-Konzept Aktiv-Stationen vor, die durch das Logo des Pfades, die Maus „Pfiffikus” gekennzeichnet sind. Eine Begleitbroschüre gibt es im Haus der Jugend. Sie steht außerdem online zum Download bereit: haus-der-jugend.eu.

Die Adresse: Große-Steine-Weg 10, 37235 Hessisch Lichtenau