In diesen Zügen spielt Tempo keine Rolle: Auf nostalgischen Routen schnaufen noch etwa 230 historische Dampflokomotiven durch Deutschland. Die Fahrten in teilweise prächtig ausgestalteten Waggons führen auf eine Reise in eine Zeit, als das Zugfahren noch ein luxuriöses Abenteuer war. Der reisereporter stellt eine Auswahl der schönsten Dampflok-Routen für einen gemütlichen Herbstausflug vor. Einsteigen, bitte!

Mit der Angelner Dampfeisenbahn nach Süderbrarup

Der nostalgische Geruch der „Angelner Dampfeisenbahn“ im Norden Schleswig-Holsteins steigt Reisenden schon bei der Ankunft am Bahnhof Kappeln in die Nase. Die Zugfahrt mit Deutschlands nördlichster Museumseisenbahn führt über Zwischenstopps in Scheggerott und Wagersrott zum Endpunkt im etwa zwölf Kilometer entfernten Süderbrarup.

Die Angelner Dampfeisenbahn zischt durch die Felder und Wiesen bei Scheggerott.

Die „Angelner Dampfeisenbahn“ ist als einziger Zug Deutschlands mit Original-Wagen aus den 20er-Jahren unterwegs und wird von Loks aus Skandinavien gezogen, darunter eine Dampflok von 1952. Durch die Zugfenster blicken Passagiere auf die Landschaft zwischen Schlei, Ostsee und Flensburger Förde im Nordosten Schleswig-Holsteins. Im schwedischen Speisewagen werden Getränke und Snacks gereicht.

Kurz vor Süderbrarup muss, wie schon vor 90 Jahren, noch eine Weiche per Hand umgestellt werden, bevor der Zug sein Ziel an Gleis 1 des hübschen Bahnhfosgebäudes von 1904 erreicht.

Diese Lok der Angelner Museums-Dampfeisenbahn wurde 1949 gebaut.

Nach der Ankunft können die Nostalgie-Urlauber wahlweise durch das Thorsberger Moor wandern oder zurück nach Kappeln fahren. Dort lässt sich der Tagesausflug prima mit einer Schifffahrt auf der Schlei abrunden. Für die Fahrten mit Zug und Schiff gibt es Kombi-Tickets. Plätze lassen sich im Vorfeld reservieren und müssen vor Ort bezahlt werden.

  • Route: Kappeln bis Süderbrarup
  • Tickets (Hin- und Rückfahrt mit Dampflok): Erwachsene 20 Euro, Kinder (bis 16 Jahre) 11 Euro
  • Infos:angelner-dampfeisenbahn.de

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Mit der Fichtelbergbahn zur höchstgelegenen Stadt

Die Fichtelbergbahn dampft vom Spurwechselbahnhof Cranzahl mit etwa 25 Stundenkilometern durch das romantische Erzgebirge nach Oberwiesenthal, Deutschlands höchstgelegener Stadt (914 Meter Höhe).

Die Fahrt dauert mit Zwischenstopps in Unterneudorf, Neudorf, Vierenstraße, Kretscham-Rothensehma, Niederschlag, Hammerunterwiesenthal und Unterwiesenthal etwa eine Stunde. Von den Bahnhöfen können Fahrgästinnen und Fahrgäste zu Wanderungen aufbrechen oder Ausflüge unernehmen, zum Beispiel in ein Tiergehege mit Erlebniswelt, in das Suppenmuseum und in eine Schauwerkstatt zur Räucherkerzenherstellung. Kurz vor dem Ziel überquert der Zug das spektakuläre Hüttenbachviadukt – eine 110 Meter lange Stahlbrücke.

Von Oberwiesenthal führt die „Schwebebahn“, Deutschlands älteste Seilbahn, zum Gipfel des Fichtelberges.

Im beliebten Wintersportgebiet können Besucherinnen und Besucher auf elf Pisten und Routen (Gesamtlänge: 15 Kilometer) Ski  und Snowboard fahren oder eine 1700 Meter lange Rodelstrecke vom Fichtelbergplateau hinabsausen. Auch in schneefreien Zeiten gibt es eine große Auswahl an Freizeit-Attraktionen, darunter eine Eisarena, Fahrten mit Segways und Monsterrollern sowie eine Sommerrodelbahn.

  • Route: Cranzahl bis Oberwiesenthal
  • Tickets: 15 Euro (hin und zurück), Tagesticket 18,50 Euro
  • Infos: fichtelbergbahn.de

Mit dem „Rasenden Roland“ über die Insel Rügen

Der „Rasende Roland“ dampft bereits seit 125 Jahren über den Südosten die Insel Rügen. Von „rasen“ kann bei einer Fahrt mit der dampflokbetriebenen Schmalspureisenbahn aber nur augenzwinkernd die Rede sein. Sie verbindet mit gemütlichen 30 km/h das Ostseebad Göhren mit Putbus und hält unterwegs in Binz, Sellin und Baare. Im Sommer fährt die Kleinbahn auch nach Lauterbach Mole.

Die Inselbahn auf Rügen wird von Dampfloks gezogen, darunter ein 95 Jahre altes Stahlross.

Im Fuhrpark stehen sechs Dampflokomotiven bereit, darunter auch ein historischer Traditionszug für gelegentliche Sonderfahrten. Der „Rasende Roland“ ist eine beliebte Attraktionen bei Inselgästinnen und ‑gästen und zugleich fester Bestandteil des Nahverkehrsnetzes. 

Wir haben den „Rasenden Roland“ schon einmal ausprobiert – und die Fahrt für dich im VIdeo festgehalten:

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Von den Insel-Bahnhöfen können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel zu Wanderungen durch die verschiedenen Insellandschaften aufbrechen und auf einen Schiffsdampfer zur Ausflugsfahrt auf der Ostsee umsteigen.

  • Route: Göhren nach Putbus
  • Tickets: Einzelticket 12 Euro, Kinder (bis 13 Jahre) 6 Euro
  • Infos: ruegensche-baederbahn.de

Auf der Schmalspur durch ganz Sachsen

Für Zugfans aus aller Welt ist Sachsen mit seiner stolzen Dampflok-Geschichte sowie zahlreichen Sonder- und Themenfahrten ein Ausflugs-Mekka. Vom einst größten Schmalspurbahnsystem in Deutschland sind heute noch sechs historische Strecken übrig. Entlang der Routen zeigt sich der Freistaat von seiner schönsten Seite. Ein Überblick:

Weißeritztalbahn (Region Dresden): Freital bis Kipsdorf. Unter Zugkennern zählt die 26 Kilometer lange Route von Deutschlands ältester aktiver Schmalspurbahn (seit 1883 im Dienst) zu den schönsten in ganz Europa.

Die Weißeritztalbahn überquert die Talsperre Malter im Osterzgebirge.

Lößnitzgrundbahn (Region Dresden): Radebeul-Ost bis Radeburg. Der „Lößnitzdackel“ zischt durch das Weinanbaugebiet Radebeul und hält unter anderem in Moritzburg, einem beliebten Ausflugsort mit dem prachtvollen Barock-Schloss Moritzburg.

Beliebtes Ausflugsziel in Sachsen: Die Lößnitzgrundbahn hält in Moritzburg, der Heimat eines idyllisch gelegenen Schlosses.

Döllnitzbahn (Region Leipzig): Oschatz nach Mügeln. Die Strecke führt entlang des Flusses Döllnitz. Züge mit Dampfloks fahren an ausgewählten Tagen.

Preßnitztalbahn (Region Erzgebirge): Jöhstadt bis Steinbach. Diese Schmalspurbahn dampft auf einer neun Kilometer langen Strecke durch die schönen Täler des Erzgebirges.

Zittauer Schmalspurbahn (Region Oberlausitz): Zittau bis Johnsdorf. Die idyllische Route in der Oberlausitz führt seit 1890 durch dichte Wälder in das Zittauer Gebirge im Dreiländereck. Die Klosterruine auf dem Berg Oybin ist ein beliebtes Wanderziel.

Kurz vor ihrem Ziel in Oberwiesenthal überquert die Fichtelbergbahn das Hüttenbachviadukt.

Fichtelbergbahn (Region Erzgebirge): Cranzahl bis Oberwiesentahl. Auf der 17 Kilometer langen Strecke sind jährlich rund 200.000 Fahrgäste unterwegs. Eine genaue Beschreibung findest du weiter oben in diesem Artikel.

Mit der Sauschwänzlebahn durch den Schwarzwald

Auch der Schwarzwald in Baden-Württemberg lässt sich mit einer dampflokbetriebenen Bahn erkunden. Die 25 Kilometer lange Strecke der „Sauschwänzlebahn“ schlängelt sich auf einer idyllischen Route von Blumberg über vier mächtige Tal-Brücken und durch sechs Tunnel nach Weizen.

Der putzige Name bezeichnet nicht die Bahn selbst, sondern einen spiralförmigen Tunnel, dessen Aufbau an ein Schweineschwänzchen erinnert. Aus den Fenstern haben Fahrgäste einen tollen Ausblick auf die Schwarzwald-Täler und bei gutem Wetter auch einen Fernblick bis zu den Alpen.

Klassisch rustikal: Die Innenausstattung der Sauschwänzlebahn.

Die Dampfloks fahren an ausgewählten Tagen. Von November bis März sind die Tunnel für Zugfahrten gesperrt, da sich dort streng geschützte Mopsfledermäuse einnisten.

Mit den Harzer Dampfloks auf den Brocken

Im Nationalpark Harz flankieren schnaufende Dampflokomotiven die beliebten Wanderrouten zum Gipfel des Brockens, dem mit 1141 Metern höchsten Berg des Mittelgebirges in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Die etwa eine Stunde und 40 Minuten lange Fahrt startet in Wernigerode und führt über acht Zwischenstopps zum höchstgelegenen Bahnhof Deutschlands. Besonders spektakulär ist die Fahrt im Winter, wenn sich die mächtigen Dampfrösser (700 PS) aus den 50er-Jahren durch schneeverhangene Nadelwälder auf den Gipfel kämpfen.

Im Winter schnauft die Brockenbahn durch die tief verschneiten Wälder des Nationnalparks Harz

Die Nachfrage nach Harzer Eisenbahnromantik ist gigantisch. Jährlich fahren rund eine Million Fahrgästinnen und Fahrgäste mit den Schmalspurbahnen, zwei Drittel davon auf der Brocken-Route.

  • Route: Wernigerode bis Brockenbahnhof
  • Tickets: 49 Euro (hin und zurück), Kinder (6 bis 14 Jahre) 29,50 Euro
  • Infos:hsb-wr.de

Mit dem „Vulkan-Expreß“ durch die Eifel

Die Strecke des historischen „Vulkan-Expreß“ in Rheinland-Pfalz ist nicht nur bei Fans historischer Züge, sondern auch bei Wanderinnen und Wanderern sowie Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern beliebt. Denn von den neun Bahnhöfen lässt sich die schöne Eifel-Landschaft das ganze Jahr lang prima zu Fuß oder auf dem Drahtesel erkunden. Die 18 Kilometer lange Strecke führt von Brohl am Rhein über spektakuläre Viadukte bis Engeln.

In den Zügen werden Fahrgäste schnell an die Herkunft des Begriffs „Holzklasse“ erinnert. Wenn das nostalgische Reisegefühl auf den Holzbänken zu authentisch erscheint, sollte man sich rechtzeitig ein Ticket für die mit Polstersitzen ausgestattete 1. Klasse sichern.

Den besten Ausblick haben Mitfahrende vom offenen „Sommerwagen“, einem Waggon ganz ohne Dach und frischem Fahrtwind. Doch auch aus den Innenräumen der historischen Wagen lässt sich das Eifel-Panorama ausgiebig genießen. Die Züge fahren mit 20 Stundenkilometern – genügend Zeit also zum Entschleunigen.

Die Züge werden meistens von alten Dieselloks gezogen. An ausgewählten Tagen wird aber auch eine historische Dampflokomotive genutzt.

  • Route: Brohl am Rhein bis Engels
  • Tickets: 15 Euro (hin und zurück)
  • Infos:vulkan-express.de

Am Steuer der Selfkantbahn: Einmal fühlen wie Jim Knopf

Der Anblick der putzigen „Selfkantbahn“ erinnert an die Kinderbuch-Geschichten von Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas. In der letzten Dampfkleinbahn Nordrhein-Westfalens können sich Eisenbahnfans tatsächlich ein Stück weit so fühlen wie in den Geschichten von Michael Ende. Denn an der kleinen Lok darf jedermann als „Ehrenlokführer“ ans Steuer. Natürlich inklusive Lokführermütze! Die knapp sechs Kilometer lange Strecke führt von Schierwaldenrath nach Gangelt.

Wer die zweitägige „Lokführer-Ausbildung“ bucht, wird nach einer Bahnhofsbesichtigung zunächst in Geschichte und Technik der Museumsbahn eingewiesen. Am nächsten Tag wird die Lok angeheizt, bevor es endlich losgeht. Unter Aufsicht eines Profis geht es zunächst im Bahnhof vor und zurück. Auf der Strecke lernen Reisende dann viel über den einstigen Alltag am Zug-Steuer. Die „Ausbildung“ wird bei der Ankunft mit einem „Ehrenlokführer-Zertifikat“ bescheinigt.

  • Route: Schierwaldenrath nach Gangelt
  • Ehrenlokführer-Ausbildung: 849 bis 949 Euro, zusätzlich 100 Euro pro Begleitperson
  • Infos:selfkantbahn.de