In Italien gibt es zahlreiche Orte, die schaurig-schöne Geschichten erzählen. Wie zum Beispiel das unheimliche Dorf Leri Cavour, das in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten ist. Unter eingerissenen Dächern und zerfallenen Treppen verstecken sich düstere Geheimnisse – so auch bei anderen faszinierenden Lost Places in Italien.

Doch bei Alleghe ist es anders. Das kleine Dorf liegt am Ufer des gleichnamigen Sees im Norden des Landes und ist ein beliebtes Reiseziel. Im Sommer wird der See von Anglern und Wassersportlern genutzt, im Winter wird auf dem zugefrorenen Gewässer Schlittschuh gelaufen. Auf den ersten Blick wirkt Alleghe mit etwa 1200 Einheimischen wie ein typisches, italienisches Dorf mitten in den Dolomiten – Idyll pur! Doch tief auf dem Boden des Lago di Alleghe verbirgt sich ein Stück der tragischen Geschichte. 

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Die Katastrophe von Alleghe – was war passiert?

Im 18. Jahrhundert kam es in der Region am Monte Piz zu einem Erdrutsch. Der Gipfel des Berges rutschte mit gewaltiger Kraft abwärts und blockierte die Strömung des nahe gelegenen Flusses Cordevole. Felsen und Erdmassen verhinderten, dass das Wasser wieder ablaufen konnte. Das Wasser staute sich in der engen Talsohle. Daraus entstand ein natürliches Staubecken – der heutige See Lago di Alleghe. 

Versunkene Ruinen in Norditalien teilweise noch sichtbar

Dabei wurden benachbarte Dörfer von den Erd- und Wassermassen verschlungen, etwa 50 Menschen kamen ums Leben. Wenig später folgte eine Steinlawine, die die übrig gebliebenen Häuser zerstörte. Ingenieure sollten einen Weg finden, um das Wasser des Sees wieder abzulassen – doch es gab keinen. Die einzige Möglichkeit war es, die Dörfer an anderer, höherer Stelle neu aufzubauen. Genau dort, wo heute Alleghe liegt.

Der See Lago di Alleghe in Belluno, Region Venetien.

Auf dem Grund des Sees befinden sich noch heute die Ruinen der überfluteten Dörfer. An schönen Tagen, wenn das Wasser besonders klar ist, soll man sogar die Spitze eines versunkenen Kirchturms erkennen. Die Erdrutsche vor etwa 250 Jahren galten damals als schockierende Tragödie. Heute erinnert nicht mehr viel daran. Über die Jahre ist der Lago di Alleghe zu einem Touri-Hotspot geworden.