Während der Urlaubszeit wollen längst nicht alle Menschen nur faulenzen. Etliche Reisende verbinden ihren Spaß an der Aktivität damit, sich sinnstiftend einzusetzen. Das geht auch innerhalb Deutschlands. Wer sich auf die Suche macht, findet in jedem Bundesland Umwelt-, Kultur- oder Landwirtschaftsprojekte, bei denen nicht nur Ortsansässige mitarbeiten können. Diese gibt es in Baden-Württemberg:

Mittelalterliches Handwerk auf dem Campus Galli Meßkirch

Meßkirch im Landkreis Sigmaringen ist seit 2013 Schauplatz eines ambitionierten Bauprojekts: dem Campus Galli. Auf einer Wiese nahe des Ortsteils Rohrdorf wird eine mittelalterliche Klosterstadt errichtet. Als Vorlage für die Anlage aus Karolingerzeit dient der St. Galler Klosterplan, der vor 1.200 Jahren auf der Bodenseeinsel Reichenau gezeichnet, aber nie realisiert wurde.

Zulässig sind nur Baumethoden und Werkstoffe des Mittelalters; darum wird mit einer 40-jährigen Bauzeit gerechnet. Eine Holzkirche und Gärten sind fertig, nun entstehen eine Scheune und erste Wohn- und Versorgungsräume. Archäologen, Bauforscher und andere Fachleute arbeiten vor Ort Hand in Hand mit Freiwilligen.

Jeder ab 16 Jahre, der bereit ist, mindestens sechs Tage mitzuarbeiten, ist willkommen; die Helferschar rangiert von Geschichtsinteressierten über Studenten und Handwerker bis zu zivilisationsmüden Auszeitsuchenden.

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Auf dem Gelände des Campus Galli bei Meßkirch wurde auch eine Weberei errichtet. Hier wird die Schafswolle gereinigt, gekämmt und gesponnen.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, einzig die Bereitschaft, kräftig anzupacken: Holzbalken müssen mit Äxten bearbeitet, Steine behauen, Werkzeuge geschmiedet werden. Auch Korbflechten, Weben, Spinnen und Ackerarbeit sind mögliche Aufgaben. Jeder Freiwillige wird mit mittelalterlicher Kleidung ausgestattet. Einziges Zugeständnis an moderne Zeiten: Ohne Sicherheitsschuhe ist die Baustelle tabu.

Biologische Vielfalt bewahren im Naturpark Südschwarzwald

Der Naturpark Südschwarzwald ist Teil eines vom Bund geförderten Modellprojekts mit dem Namen Nationale Naturlandschaften. Unter dem Namen Voluntourismus– einer Kombination aus den Begriffen Volunteering und Tourismus – können Interessierte im Urlaub bei Umweltprojekten mitarbeiten.

Unter Anleitung von Fachleuten tragen die Freiwilligen dazu bei, die biologische Vielfalt im Südschwarzwald zu schützen und zu fördern. Sie helfen unter anderem, Wege und Bachläufe zu pflegen, Biotope anzulegen oder Moore zu renaturieren. Zum Angebot gehören einmalige Tageseinsätze.

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Im Naturpark Südschwarzwald helfen Freiwillige, Wege und Bachläufe zu pflegen.

Es sind aber auch Reisen buchbar, bei denen sich Arbeits- und Ausflugstage abwechseln. Bei der Reise Auerwild & Schwarzwaldhof (3. bis 9. Oktober, ab 878 Euro) pflegen die Reisenden unter anderem ein Auerhuhnbiotop am Rohrhardsberg, dazu gibt es Vorträge, geführte Wanderungen und eine E-Bike-Tour. Übernachtet wird in einem 300 Jahre alten Ökoochsenhof.

Lebensräume erhalten im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist mit einer Fläche von 4.200 Quadratkilometern der größte Deutschlands. Wälder, Felsen, Moore und tiefe Täler mit Wiesen und Weiden prägen die Natur- und Kulturlandschaft. Um die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten, setzt die Naturparkleitung auch auf die Hilfe Freiwilliger: Unter dem Namen Herzenssache Natur können Engagierte zwischen Frühjahr und Spätherbst bei Projekten mitwirken.

Im Naturpark Schwarzwald Mitte erhalten Helfer die Lebensräume der heimischen Tiere.

Die Arbeit reicht vom sogenannten Entbuschen von Wiesen über das Freilegen zugewachsener Tümpel als Lebensraum für Insekten, Eidechsen, Frösche und Vögel bis zur Pflege von Orchideenwiesen, auf denen Schmetterlinge und Wildbienen Nahrung finden. 2021 ist noch ein Projekttag geplant: Am 20. November können Helfer den Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis am Ortenauer Landschaftspflegetag unterstützen. In Oberharmersbach werden entlang des Harmersbachs Gehölze zurückgeschnitten, um die Artenvielfalt im und am Gewässer zu fördern.

Wiesen und Bienen schützen im Umweltzentrum Neckar-Fils

1998 war Plochingen im Landkreis Esslingen Austragungsort der Landesgartenschau Baden-Württemberg. Auf dem einstigen Gartenschaugelände, die Bruckenwasen am Neckarufer, agiert seit damals auch das Umweltzentrum Neckar-Fils (Am Bruckenbach 20). Interessierte können Kurse, Workshops und Exkursionen zu Themen wie naturnahes Gärtnern, Wildkräuter, Sensenmähen, Dengeln oder Lichtverschmutzung buchen.

Unter dem Namen Oase für Falter und Co. haben Landkreis, Stadt und Umweltzentrum im Bereich der Bruckenwasen Blühwiesen mit Wildbienenhäusern und Lehmhügeln als Insektenunterschlupf sowie einen Schaugarten angelegt. Von April bis Oktober sind Ehrenamtliche aktiv, um den Landschaftspark zu pflegen, arbeitswillige Reisende dürfen bei Bedarf (Anfrage erforderlich) mithelfen. Das Arbeitsspektrum reicht von der Vorlandpflege mit Sense und Rechen über Arbeiten im Schaugarten bis zu handwerklichen Tätigkeiten.

Auf dem Gelände des Umweltzentrums Neckar-Fils kannst du an Workshops teilnehmen aber auch ehrenamtlich helfen.

In der freien Zeit können Reisende den von Fachwerkhäusern geprägten Marktplatz und das Hundertwasserhaus in Plochingen besichtigen oder die Gegend radelnd und wandernd erkunden. Neckartal-Radweg und Filstalroute führen durch die Kleinstadt, der Höhenzug Schurwald erhebt sich nordöstlich davon.

Biolandwirtschaft erleben in Bad Waldsee

Geteiltes finanzielles Risiko, gemeinsame nachhaltig produzierte Ernte: Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist nicht neu; bereits 1988 begann der erste landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland, so zu arbeiten. Mittlerweile sind solche Konzepte bei vielen Menschen gefragter denn je: Mehr als 360 sogenannte Solawis gibt es schon in Deutschland. Eine davon ist in Bad Waldsee, einer Kleinstadt 40 Kilometer nordöstlich vom Bodensee im Landkreis Ravensburg.

Der 2014 gegründete Verein versorgt zurzeit 85 Haushalte, die dem Biobetrieb durch ihre Mitgliedsbeiträge – Gemüseanteile genannt – die finanzielle Grundlage liefern und dafür regionales Obst und Gemüse, Eier, Fleisch, Milch, Honig und Saft bekommen. Um die fünf hauptamtlichen Gärtner zu unterstützen, gehören für die Mitglieder auch Arbeitseinsätze dazu. Gerade in Erntezeiten sind darum auch naturverbundene Reisende willkommen, die Lust haben, für freie Kost mitzuhelfen und dabei einen Einblick in den Alltag auf einem Ökohof zu gewinnen.

Bei der Solidarischen Landwirtschaft sind Reisende vor allem in der Erntezeit als Helfer willkommen.

Das Arbeitsspektrum reicht vom Pflanzen, Jäten und Ernten über die Weiterverarbeitung der Rohstoffe bis zu Handwerks- und Bastelarbeiten sowie Fahrdiensten. Die Solawi Bad Waldsee unterstützt die WWOOF-Bewegung, die World-Wide Opportunities on Organic Farms – eine weltweite Freiwilligenorganisation, die ökologische Höfe mit Besucherinnen und Besuchern zusammenbringt.