Auf der zu den Kanaren gehörenden Insel La Palma kehrt keine Ruhe ein: Nach dem Vulkanausbruch erschüttern immer wieder Erdbeben die Insel, Aschewolken sorgen für gestrichene Flüge.

Der Vulkan im Bereich der Cumbre Vieja im Süden der Insel brach am 19. September zum ersten Mal seit 50 Jahren aus. Seit mehr als drei Woche spuckt er nun Lava und Asche. Die tödlichen Lavaströme wälzen sich über die Insel ins Meer – und haben auf ihrem Weg bereits etwa 1300 Gebäude zerstört. La Palma wurde zum Katastrophengebiet erklärt. 

Etwa 6000 Menschen, darunter auch Reisende, mussten nach Angaben der Regionalregierung der Kanaren in Sicherheit gebracht werden. Wo genau die Gefahrenzonen sind, ob der Flughafen aktuell geöffnet ist und ob der Urlaub oder eine kostenlose Stornierung möglich ist, erklärt dieser Überblick.

Die aktuelle Lage auf La Palma

Das Gebiet um den vor gut drei Wochen auf La Palma ausgebrochenen Vulkan kommt nicht zur Ruhe: Ein zweites Erdbeben der Stärke 4,5 innerhalb von zwei Tagen hat am Freitag die Kanareninsel erschüttert. Die Beben seien die stärksten seit Ausbruch des Vulkans am 19. September gewesen, teilte das Nationale Geographische Institut von Spanien mit.

„Lava-Tsunami“ auf Kanareninsel

Den Strom aus geschmolzenem Gestein, der aus dem Vulkan floss, beschrieben Wissenschaftler des Vulkanologischen Instituts der Kanarischen Inseln als „echten Lava-Tsunami“. Der Vulkan hat Meeressedimente ausgeworfen, die auf die Entstehung von La Palma vor zwei Millionen Jahren zurückgehen, wie Vicente Soler vom spanischen Höheren Zentrum für wissenschaftliche Forschung sagte.

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Noch immer strömen zwei große Lavaströme aus dem Cumbre Vieja. Der erste hat sich verlangsamt und ist fast zum Stillstand gekommen, doch der zweite wird noch immer mit großen Mengen geschmolzenen Gesteins gespeist. Die Behörden stellen sich daher auf weitere mögliche Evakuierungen ein.

Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor „erheblicher Waldbrandgefahr“ und den gesundheitlichen Risiken durch Ascheregen.

Kann mein Urlaub auf La Palma stattfinden?

Der Vulkanausbruch betrifft grundsätzlich nur einen Teil der Insel: Er befindet sich im Südwesten von La Palma in dünn besiedeltem Bergland, die Lava fließt Richtung Küste ab.

Das Auswärtige Amt rät zwar von nicht notwendigen Reisen nach La Palma ab, eine Reisewarnung gibt es derzeit aber nicht. Reisende sollten die Anweisungen und Empfehlungen der Sicherheitskräfte und der Behörden befolgen und in keinem Fall abgesperrte Gebiete betreten.

Massentourismus wie auf den bekannteren Inseln Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa gibt es auf La Palma nicht. Jedoch haben mehrere Reiseveranstalter wie Alltours, Tui oder Schauinsland hatten ihre Gästinnen und Gäste aus dem Süden und Westen der Insel in alternative Unterkünfte im Norden oder im Osten umquartiert, berichtet das Branchenmagazin fvw. Reisende konnten ohne Aufpreis umziehen oder auch ohne Aufpreis auf einen früheren Rückflug umbuchen und ihren Aufenthalt vorzeitig beenden. 

Rauch und Lava strömen aus einem Vulkan der Vulkankette Cumbre Vieja auf La Palma. Der Vulkan war am Sonntag ausgebrochen.

Generell sollten sich Reisende vor Abflug oder Abfahrt darüber informieren, ob sich ihr Urlaubsort in der Nähe des Vulkanausbruchs befindet – und dann Kontakt mit dem Veranstalter aufnehmen. Aktuell ist zum Beispiel der Urlaubsort Puerto Naos betroffen. Der Badestrand dort zählt zu den wichtigsten Touristenzentren der Insel und gehört zur Gemeinde Los Llanos de Aridane.

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Flugverkehr: Ist der Flughafen auf La Palma geöffnet?

Der Flughafen auf La Palma ist aktuell geöffnet, allerdings wird die Insel von mehreren Airlines nicht angeflogen. Condor, Easyjet, Iberia, Qatar oder American Airlines sagten zuletzt Flüge dorthin ab. Binter, AirEuropa und Canarfly hingegen bieten Flüge an. Der Flughafenbetreiber Aena rät Reisenden, sich mit ihrer Airline in Verbindung zu setzen, um sich über Alternativen zu informieren. Condor flog beispielsweise auf die Nachbarinsel Teneriffa und brachte Passagiere per Fähre nach La Palma. 

Wenn ein Flug wegen eines Vulkanausbruchs storniert werden muss, dann ist die Airline dazu verpflichtet,entweder eine Ersatzbeförderung anbieten oder das Geld fürs Flugticket zu erstatten. Eine Entschädigung hingegen gibt es nicht, auch nicht bei Verspätungen durch Asche und Qualm: Denn diese gelten im Reiserecht als außergewöhnliche Umstände, welche die Fluggesellschaft nicht beeinflussen kann.

Vulkanausbruch auf La Palma: Welche Orte müssen evakuiert werden?

Nach zwei sehr starken Beben brach der Vulkan der Kette Cumbre Vieja am 19. September um 15.12 Uhr in Montaña Rajada in der Gemeinde El Paso aus.

Häuser und Hotels evakuiert – mehr als 6000 Menschen betroffen

Die Evakuierung auf La Palma betrifft mehr als 6000 Menschen aus verschiedenen Stadtteilen in den Gemeinden El Paso, Tazacorte, Mazo, Fuencaliente, und Los Llanos de Aridane. Sie begann nach Angaben der Guardia Civil mit etwa 300 Menschen, die in Alcalá und El Paraíso lebten, den nächstgelegenen Stadtteilen zum Ausbruchsgebiet.

Auch Ferienunterkünfte wurden evakuiert, wie die „Tagesschau“ berichtet. Rund 600 Touristen und Touristinnen mussten ihre Unterkunft verlassen, sie wurden in anderen Hotels untergebracht. Die Lavaströme machen zahlreiche Straßen und Wege unpassierbar, es besteht die Gefahr, eingeschlossen zu werden. Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Lava etwa 1300 Gebäude völlig zerstört beziehungsweise unter sich begraben. 

Aussgangssperre verhängt

Immer wieder werden auf der Insel auch Ausgangssperren verhängt – Grund dafür ist die Gefahr giftiger Dämpfe. Aktuell betreffen sie Orte mit insgesamt 3000 Einwohnern in der Umgebung des Industriegebietes Callejón de la Gata.

Laut dem Präsidenten der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, fließen weiterhin große Teile der Lava Richtung Westen und Osten ins Meer. Der Lavastrom habe sich zwar etwas verlangsamt, berichtet die Zeitung El Pais. Dennoch hat am Mittwochmorgen, 29. September, der erste Lavastrom das Meer erreichen. Da sich bei dem Kontakt der Lava mit dem salzigen Meerwasser ebenfalls giftige, mit Salzsäure versetzte Gase bilden können, wurde eine Ausgangssperre für  einige Ortsteile verhängt.

Straßen und Wanderwege gesperrt

Bereits kurz vor dem Ausbruch hatte das Cabildo de La Palma vorsorglich die LP-214 gesperrt. Darüber hinaus wurden alle Wanderwege der Gemeinden Fuencaliente, El Paso, Los Llanos de Aridane und Villa de Mazo geschlossen. Rund um die Eruptionsorte bestehen Sperrzonen von zwei Kilometer, um die Menschen auch vor giftigen Gasen zu schützen.

La Palma: Karte zeigt Lavaströme nach Vulkanausbruch

Tipps für Reisende: Richtiges Verhalten bei Vulkanausbruch

Urlaubende, die evakuiert werden müssen, sollten ein langärmeliges Hemd und eine lange Hose tragen, auch eine normale Brille oder eine Schutzbrille sind hilfreich. Wer hat, kann eine Notfallmaske aufsetzen oder sich ein feuchtes Tuch um das Gesicht wickeln.

Eine Wolke aus Asche und rauch steht hoch über der Kanareninsel La Palma. Ein Vulkan der Cumbre-Viejo-Kette ist ausgebrochen.

Vorsicht ist zudem beim Autofahren geboten: Asche kann Motoren und Metallteile beschädigen, Fahrten sollten daher vermieden werden. Wer dennoch fahren muss, sollte nicht schneller als mir 55 Stundenkilometer unterwegs sein. Wer nicht evakuiert wird, sollte Türen und Fenster im Ferienhaus schließen und den Schornstein sowie andere Lüftungsöffnungen blockieren, um das Eindringen von Asche in das Haus zu verhindern.

Droht ein Tsunami?

Nein – auf La Palma droht kein Tsunami. Im Netz kursierte nach dem Vulkanausbruch die Theorie, dass die Inselflanke im Südwesten abbrechen, ins Meer rutschen und einen Mega-Tsunami auslösen könnte. Dieses Worst-Case-Szenario hatten Fachleute des Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) bereits im Jahr 2017 als unwahrscheinlich bezeichnet: „Für einen Abbruch müssten gleichzeitig ein sehr starkes Erdbeben und ein explosiver Vulkanausbruch stattfinden, außerdem müsste die Cumbre Vieja 1000 Meter höher sein als jetzt.“

Wie lange dauert der Vulkanausbruch?

Der Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma könnte laut Joan Martín, Direktor der Gruppe Geosciences Barcelona des CSIC, zwei Monate dauern. Darüber berichtet die katalanische Tageszeitung „La Vanguardia“.

Kann ich den geplanten Urlaub stornieren?

Wenn die eigene Urlaubsregion von dem Vulkanausbruch betroffen ist, kann eine zeitnah stattfindende Pauschalreise aufgrund außergewöhnlicher Umstände kostenlos storniert werden. „Bei einer Pauschalreise muss der Veranstalter dann den Preis zurückzahlen“, so Reiserechtsanwalt Paul Degott gegenüber dem reisereporter. 

Voraussetzung dafür ist, dass der Vulkanausbruch in unmittelbarer Nähe zum Urlaubsort aufgetreten ist und die Durchführung der Reise „erheblich“ beeinträchtigt ist. Darunter fallenbeispielsweise Ascheregen, Sperrungen oder die Evakuierung des Urlaubsortes.

Pauschalreisende sollten immer schriftlich von der Reise zurücktreten. Die Verbraucherzentrale stellt dazu beispielsweise jeweils Musterbriefe zur Verfügung.

Flug und Hotel einzeln gebucht: Die Rechte von Reisenden

La Palma ist jedoch vorrangig eine Insel für Individualreisende. Wer Flug und Unterkunft einzeln gebucht hat, muss sich mit der jeweiligen Airline und dem Vermieter in Verbindung setzen. Allerdings gelten bei individuell gebuchten Unterkünften immer die jeweiligen AGB bezüglich der Stornierung.

Grundsätzlich gilt bei Airlines: Kann der Flug von Ziel A nach Ziel B stattfinden, dann gibt es kein Recht auf Erstattung – es sei denn, es wurde ein entsprechendes Flex-Ticket gebucht.Fällt der Flug aber wegen Ascheregen oder ähnlicher Umstände aus, muss die Airline Ersatzverbindung sorgen oder das Geld fürs Ticket zurückzahlen. Es gelten die EU-Fluggastrechte.