Das Wohnmobil steht auf einer Streuobstwiese am Fuße eines Weinbergs mit weitem Blick über die grünen Hügel und Felder. Abseits des Trubels ist es hier ruhig. Kein anderer Wagen, kein anderes Zelt versperrt die Sicht. Klingt nach Wildcamping, oder? Das ist aber in Deutschland verboten. Es handelt sich hierbei um einen Stellplatz in Oberschwarzach. Dort ist durch eine Kooperation der Plattform „AlpacaCamping“ und der Marktgemeinde in Bayern die erste Camping-Gemeinde Deutschlands entstanden.

Was ist eine Camping-Gemeinde?

In neun Ortsteilen gibt es auf 25.000 Quadratmetern Gemeindegrund 28 kommunale und etwa 20 privat angebotene Stellplätze. Sie alle befinden sich in der Natur – neben Wiesen und Feldern oder am Weinberg. Es gibt maximal zwei Camping-Nachbarn. „Das vermittelt das Gefühl von Wildcamping, ist aber legal und kontrolliert“, sagt Dominik Quambusch, einer der vier „AlpacaCamping“-Gründer, dem reisereporter.

Bürgermeister Manfred Schötz (von links) mit Simon Illner und Christopher Feuerlein von AlpacaCamping.

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Die kommunalen Stellplätze kosten zwischen 8 und 15 Euro pro Nacht, für die Abwasserentsorgung steht ein zentraler IBC-Container in der Gemeinde bereit, Müll kann am Bauhof abgegeben werden. 2022 soll eine zusätzliche Service-Station in Betrieb genommen werden.

Die Idee für die Camping-Gemeinde sei durch die Sehnsucht nach der ursprünglichen Campingromantik entstanden. „Heute stehen die Wohnmobile auf den kommunalen Stellplätzen meist dicht an dicht auf grauen Parkplätzen – das ist nicht unsere Idee von Camping“, sagt Quambusch.

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Stellplatz in der Camping-Gemeinde buchen

Wer sich auf einen der Stellplätze in Oberschwarzach stellen will, hat zwei Möglichkeiten: Zum einen ist die Onlinebuchung über die Plattform „AlpacaCamping“ möglich. Zum anderen gibt es an jedem Gemeinde-Stellplatz ein Schild mit QR-Code. Den können spontane Reisende ganz einfach mit dem Handy scannen, dann landen sie auf der dazugehörigen Seite und können buchen.

Einfach den QR-Code scannen und übernachten: Das ist eine Möglichkeit bei AlpacaCamping.

Was können Camper in der Gegend machen?

Wer nicht nur übernachten, sondern auch etwas erleben will, hat mehrere Möglichkeiten: Der Kelten-Erlebnisweg und die heimischen Buchenwälder laden zum Wandern ein, zum Radfahren bieten sich die ausgebauten Wege an den westlichen Ausläufern des Steigerwaldes an.

Zudem ist die Burgruine Stollburg ein tolles Ausflugsziel für Familien, von oben haben Touristinnen und Touristen eine Aussicht auf das Steigerwaldvorland. Und wer einen Tropfen Silvaner probieren will, findet ihn bei den mehr als 15 Weingütern der Gemeinde Oberschwarzach.

Bei Obstbäumen auf einer Wiese stehen: Fühlt sich wie Wildcamping an, ist es aber nicht.

Bürgermeister Manfred Schötz ist angetan von der neuen Tourismus-Idee. Der Ort könne sich so fernab des Massentourismus präsentieren, lokale Winzerinnen und Winzer erhielten neue Kunden. Und auch ein weiteres Problem bessere sich: „Vor ‚AlpacaCamping‘ hatten wir oft unkontrolliertes Wildcamping in unseren Weinbergen und Feldern. Seit ‚AlpacaCamping‘ in der Region zu Beginn des Jahres schon mit privaten Anbietern gestartet ist, hat sich dieses Problem gelöst“, so Schötz. Bei der Suche nach geeigneten Stellplätzen sei die Naturschutzbehörde involviert gewesen.

Legale Alternativen zu Wildcamping

Das Startup „AlpacaCamping“ ist nicht das einzige in Deutschland, dass Campern das Gefühl von Freiheit in der Natur geben will. Es gibt inzwischen mehrere Plattformen, die es sich zum Ziel gemacht haben, legale Standorte fürs Zelt oder das Wohnmobil abseits von organisierten Campingplätzen aufzuspüren. Dabei können Privatleute ihre Grundstücke sowohl in der Stadt als auch auf dem Land anbieten – bei einigen geht das sogar kostenlos.