Franken gilt als Weinland: Dank des milden Klimas und fruchtbarer Böden gedeihen in der deutschen Region Weiß- und Rotweine. Diese sind – in besonderen Flaschen, den Bocksbeuteln abgefüllt – die wichtigste Spezialität der Region. Mit dem Siegel „Franken – Wein.Schöner.Land!“ haben Weinbau- und Tourismusexperten bisher 200 Tourismusangebote rund ums Thema Frankenwein ausgezeichnet, darunter auch vier zertifizierte Weinwanderwege. Wir stellen sie vor.

Weinparadiesweg

Der Weinparadiesweg hat eine Länge von 19 Kilometern und beginnt am Kapellberg bei Weigenheim. Der 963-Einwohner-Ort hat eine 750-jährige Weinkulturgeschichte. Mönche des Klosters Heilbronn begannen einst am Kapellberg und am Nordrand der Steigerwaldbucht mit dem Anbau. Mit mehr als 30 Winzern ist das Dorf heute die zweitgrößte Weinbaugemeinde des Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Auf dem 19 Kilometer langen Weinparadiesweg bieten sich immer wieder wunderbare Weitblicke über das Frankenland.

Von Weigenheim geht es weitgehend abseits vom Straßenverkehr über naturnahe Pfade und Wege durch eine sanfte Berglandschaft Richtung Norden. An etlichen Punkten sind Weitblicke über das Frankenland möglich. Sehenswert ist unter anderem das Schloss Frankenberg im südlichen Steigerwald. Die auf einem Bergsporn errichtete Burganlage ist umgeben von Weinreben. Schon vor Jahrhunderten wurde hier Wein angebaut, heute gedeihen vor allem Rieslinge, Weißburgunder und Blauer Sylvaner.

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Namensgeberin des Wanderwegs ist die Weinlage am Bullenheimer Berg – unter dem Namen Bullenheimer Paradies wachsen an den Süd- und Westhängen des Tafelbergs ebenfalls Reben. Ein Weinlehrpfad informiert über die Besonderheiten der Weinlage. Ziel der Tour ist Nenzenheim; der Ort gehört zur unterfränkischen Stadt Iphofen, deren Weine und historische Altstadt mit mittelalterlichen und barocken Gebäudeensembles viele Touristen anlocken.

Die ausgeschilderte Route hat ein paar Steigungen, insgesamt werden aber nur 88 Höhenmeter überwunden – mit gutem Schuhwerk gilt die Strecke als gut zu meistern, sie kann auch in Teilstrecken gewandert werden. Unterwegs bieten sich bewirtschaftete Weinbergshütten für eine Rast an, in Bullenheim betreiben die Weinparadiesgemeinden ein gemeinsames Lokal (Weinparadiesscheune 1).

Fränkischer Rotwein Wanderweg

Seit 1990 führt der Fränkische Rotwanderweg auf einer Länge von 79 Kilometern durch das Maintal zwischen Spessart und Odenwald. Die Region, die auch als Churfranken bezeichnet wird, gilt aufgrund besonderer mikroklimatischer Verhältnisse und seines Buntsandsteinbodens als bedeutendstes Spätburgunderanbaugebiet Frankens.

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Der Fränkische Rotweinwanderweg führt zwischen Spessart und Odenwald durch das Maintal. Unterwegs laufen Wanderer auch immer wieder direkt am Main entlang.

Die Tour verbindet mit einem Abstecher in den Ort Großostheim im Landkreis Aschaffenburg die Winzergemeinden des Landkreises Miltenberg miteinander: Großwallstadt, Elsenfeld, Erlenbach, Klingenberg, Großheubach, Miltenberg und Bürgstadt. Letztere zählt zu den größten Weinanbaugemeinden am Untermain. Bürgstädter Rotwein soll bereits um 1612 herum Erwähnung gefunden haben.

Interessierte können die gesamte Route in sechs Tagesetappen erwandern, diese haben Längen von 13 bis 15,6 Kilometern. Der Schwierigkeitsgrad wechselt – manche Teilstrecken führen durch leichtes, andere durch anspruchsvolles Gelände. Gewandert wird unter anderem an den Hängen der Odenwaldausläufer, aber auch immer wieder am Main entlang. Herzstück des Wanderwegs, der in seiner Gesamtheit 150 Höhenmeter überwindet, sind die unzähligen Weinberge, an denen die Rotweinreben terrassenförmig angepflanzt werden.

Der Fränkische Rotweinwanderweg durch Churfranken ist gut ausgeschildert.

Wer nur eine oder zwei Etappen wandern will, wählt am besten die zwischen Erlenbach und Klingenberg. Hier führt der Weg an einem steilen Uferhang hoch über dem Main durch den Bereich des terroir f Churfranken; die hier wachsenden Trauben werden unter dem Motto Steillage, Buntsandsteine und Sonne – des Winzers Gold zu Wein gekeltert. Im Bereich von Großheubach finden Wanderer auf ihrer Strecke auch einen Weinlehrpfad. Entlang des gesamten Wanderwegs bieten Winzer sogenannte Häckerstuben zum Einkehren an.

Abt-Degen-Steig

Mehr als 1.700 Sonnenstunden und wärmespeichernde Keuperböden machen die Gegend rund um die Ausläufer des Steigerwalds und der Haßberge zwischen Schweinfurt und Bamberg zu einem guten Weinanbaugebiet. Benannt wurden das Abt-Degen-Weintal und der gleichnamige Weinwanderweg nach Alberich Degen, einst Abt eines Zisterzienserklosters im nahen Ebrach. Er war es, der im Jahr 1665 aus Österreich eine Silvanerrebe mit nach Franken brachte und mit dem Anbau begann. Heute ist Franken besonders für diese Weine berühmt.

Teil der Gegend und einer von drei möglichen Ausgangsorten des Abt-Degen-Wandersteigs ist die 5.600-Einwohner-Stadt Zeil am Main. In dem Fachwerkort am Fuß der Haßberge sollen Mönche des Bamberger Klosters Michelsberg bereits im elften Jahrhundert mit dem Weinanbau begonnen haben. Wanderer können zwischen unterschiedlich langen Rundkursen wählen – es sind Distanzen zwischen fünf und 25 Kilometern möglich. Der Hauptrundweg, der Zeil am Main mit den Orten Ebelsbach-Steinbach und Ziegelanger verbindet, hat eine Länge von 7,6 Kilometern. Der Wanderweg ist mit einem grünen Bocksbeutel als Symbol beschildert.

Der Abt-Degen-Steig führt durch mittelalterliche Rebhänge, über alte Winzertreppen und an urigen Weinbergshäuschen vorbei.

Die Tour ist ein Ausflug in die lange Weingeschichte der Gegend. Sie führt durch mittelalterliche Rebhänge, über alte Winzertreppen und an urigen Weinbergshäuschen vorbei. Tafeln liefern geologische Informationen, aber auch über die angebauten Weinsorten und die Besonderheiten rund um den Weinbau in den drei Orten – denn aufgrund der oft nur schwer zugänglichen Steilhänge sind Pflege und Traubenlese hier bis heute noch weitgehend Handarbeit. Etliche Heckenwirtschaften in der Nähe servieren Silvaner und fränkische Hausmannskost.

WeinKultTour

Die WeinKultTour ist eine 21 Kilometer lange Genussweinwanderstrecke in der Gemeinde Kolitzheim und der vierte offiziell zertifizierte Weinwanderweg in Franken. Die Strecke verbindet die drei zu Kolitzheim gehörenden Weinorte Zeilitzheim, Lindach und Stammheim miteinander und führte durch eine sanfte Hügellandschaft, in der sich neben Weinbergen auch Wälder, Obstbaumwiesen und saisonal sogar Spargelfelder finden.

Auf der WeinKultTour bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Einkehr – du kannst aber auch in der malerischen Landschaft eine Brotzeit verzehren und den Ausblick genießen.

Die Tour beginnt im Zeilitzheim auf dem Marktplatz. Der Ort lockt mit seinen erhaltenen historischen Gebäuden und einem barocken Landschloss Touristen an. Wanderinnen und Wanderer folgen zunächst dem Volkach-Bach aus dem Ort hinaus und steigen zur Zeilitzheimer Weinbergshütte hinauf, von wo sich ein weiter Panoramablick über die unterfränkische Landschaft des Landkreises Schweinfurt bietet. Ein Rebsortenlehrpfad bietet Interessierten Wissenswertes über die Weine der Region.

Die Route führt an Weinbergen und Feldern vorbei nach Gaibach, einem Ortsteil der Stadt Volkach und Standort zweier Weinlagen, und weiter nach Stammheim, dem größten Weinort Kolitzheims. Hier erhebt sich mitten in den Hängen des Eselsbergs der größte Bocksbeutel der Welt – das dort ansässige Bocksbeutelweingut Scheller hat in seiner Weinlage eine überdimensionale Stahlkonstruktion in Bocksbeutelform errichtet. Bis zu 50 Menschen können hier normalerweise Frankenweine und eine Brotzeit verzehren und dabei den Ausblick über das Maintal genießen.

Wer auf dem Wanderweg WeinKultTour unterwegs ist, kommt an den Hängen des Stammheimer Eselsbergs zum größten Bocksbeutel der Welt.

Auch im Altort von Stammheim bieten Winzer und Gasthäuser Einkehrmöglichkeiten an, bevor es durch weitere Weinberge und ein Wäldchen bergauf zur Marienkapelle bei Lindach geht. Von dort bietet sich ein weiterer toller Ausblick über den Main und sein Tal. Über Lindach und den Wüsthof Öttershausen geht es zurück nach Zeilitzheim.