Klimafreundliches Reisen liegt im Trend. Immer mehr Menschen wollen mit dem Zug statt mit dem Flugzeug oder mit einem Kreuzfahrtschiff in den Urlaub reisen. Denn obwohl es die Reiseindustrie schrittweise mit Bio-Fuel, weniger Kurzstrecken und modernen Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen schaffen will, bis 2050 klimaneutral zu sein, sind derzeit die meisten Anbieter noch nicht so weit.

Doch was kann jede einzelne Person tun, um schon jetzt klimafreundlicher zu reisen? Eines sei gesagt: Komplett aufs Reisen verzichten muss niemand. Mit diesen Tipps ist ein klimafreundlicher Urlaub möglich.

Reise klimafreundlicher mit der Bahn

Viele umweltbewusste Reisende nutzen sie bereits: die Bahn. Sie zählt traditionell zu den klimafreundlichsten Verkehrsmitteln – und seit 2018 fährt die Deutsche Bahn im Personenfernverkehr sogar mit 100 Prozent Ökostrom. Dabei produziert die Bahn nach eigenen Angaben mit ihren Fernverkehrszügen weniger als ein Gramm CO2 pro Personenkilometer. Bis 2038 will das Unternehmen sogar in allen Sparten komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren.

Bei Fahrten ins Ausland könnten sich diese Klimaeffekte relativieren: Viele Länder haben noch keine elektrifizierten Strecken, sodass Reisende dort teilweise mit der Diesellok unterwegs sind. Das ist zum Beispiel in weiten Teilen Großbritanniens der Fall. Wenn es dir also ernst mit dem klimafreundlichen Reisen ist, dann informiere dich am besten vorher hinsichtlich der Bedingungen in deinem Reiseland.

Die Deutsche Bahn meldet über ihre App ab jetzt zu volle Züge. (Symbolbild)

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Auto fahren nur, wenn es nicht anders geht

Natürlich ist es superbequem, mit dem Auto zu verreisen – Koffer rein und los geht’s. Aber das Auto schneidet in der Klimabilanz schlechter ab als jedes öffentliche Verkehrsmittel und wird bei der Anreise nur noch vom Flugzeug übertroffen. Daher solltest du das Auto nur nutzen, wenn es nicht anders möglich ist.

Unser Tipp, damit die individuelle Klimabilanz wenigstens ein bisschen besser wird: Versuche vor Ort das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen und verreise nicht allein. Im Zweifelsfall ist es auch möglich, freie Plätze über eine Mitfahrzentrale zu vergeben.

Achte auf klimafreundliche Hotels oder geh zelten

Im Vergleich zu Verkehrsmitteln haben Hotels zwar in der Regel nur einen geringen Effekt auf das Klima, dennoch kannst du bei einem Hotelaufenthalt deine persönliche Klima- und Umweltbilanz mit diesen Tricks verbessern:

  • Statt die Klimaanlage einzuschalten, kannst du das Fenster öffnen.
  • Versuche, nicht gleichzeitig zu lüften und zu heizen.
  • Lass die Bettwäsche und Handtücher nicht täglich wechseln.
  • Verzichte auf Portionspackungen von Shampoo im Bad.
  • Verzichte auf eine tägliche Reinigung deines Zimmers bei einem längeren Aufenthalt.
  • Bade im Meer oder in einem nicht beheizten Außenpool. Denn beheizte Schwimmbäder verbrauchen viel Energie.

Alternativ gibt es weltweit viele Ökohotels, die klimafreundliche Gebäude haben und unter anderem auf Recycling achten. Biohotels beispielsweise ist ein Zusammenschluss von Hotels in vielen europäischen Ländern, die nach einem festen Umwelt-Katalog betrieben werden. So stammen Speisen und Getränke aus Biolandwirtschaft, es werden ausschließlich Naturkosmetika angeboten, du findest dort nur Recyclingpapier und in der Regel gibt es keine Klimaanlage.

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Zelten ist die klimafreundlichst Art des Urlaubs

Wenn du noch umweltfreundlicher übernachten willst, dann greif auf ein Zelten zurück. Zelten gehört zu den klimafreundlichsten Arten des Urlaubs. Denn durch Minimalismus und Verzicht schrumpft der CO2-Fußabdruck. Aber Vorsicht: Wildcamping ist in Deutschland fast überall verboten. Wenn du in der Bundesrepubik zelten willst, solltest du dafür einen entsprechenden Campingplatz aufsuchen. Im europäischen Ausland ist Wildcamping vielerorts erlaubt.

Nach dem Camping heißt es: Zelt reinigen.

Slow Travel: Langsamer reisen sorgt für weniger CO₂

Slow Travel bedeutet langsam reisen, um ein Urlaubsziel bewusster zu erleben. Das schont im Idealfall das Klima. Denn je mehr Zeit du dir für eine Destination nimmst, desto weniger Transportmittel nutzt du in der Regel. Gleichzeitig unternimmst du weniger Aktivitäten, wodurch dein persönlicher CO2-Fußabdruck kleiner ausfällt.

Slow Travel hat noch einen anderen tollen Effekt: Wer zwei Wochen an einem Ort statt zwei Tage bleibt, macht sich selbst weniger Stress und sieht und lernt mehr von den Menschen vor Ort.

Vermeide beim Reisen Müll

Wer zu Hause nur Leitungswasser oder Pfandglasflaschen nutzt, hat in vielen Urlaubsländern das Problem, dass es dort eben kein Pfandsystemen gibt oder das Leitungswasser nicht trinkbar ist. Statt aber schnell zur Einwegplastikflasche zu greifen, können Einweggetränkeflaschen helfen.

An vielen Flughäfen stehen inzwischen Wasserspender bereit, mit denen du diese kostenlos mit Trinkwasser auffüllen kannst. Dieser Service ist auch in immer mehr Hotels vorhanden. Beim Camping können Outdoorfilter helfen, das Wasser mithilfe von UV-Strahlen zu reinigen.

Kein Coffee to go – lieber den Kaffee in einem Café genießen

Auf Kurzstreckenflügen kannst du zudem auf Essen und Getränke aus Kunststoffverpackungen verzichten. Am Urlaubsort macht der Verzicht auf einen Coffee to go schon einen kleinen Unterschied. Statt das Einweggeschirr zu nutzen, könntest du auch einfach mal in einem Café eine Pause einlegen.

Gleiches gilt für ein Sandwich oder einen Salat. Statt dein Essen im Supermarkt zu kaufen, solltest du deine Mahlzeiten besser frisch zubereiten oder zubereiten lassen. Somit isst du häufig auch noch deutlich besser – und schonst die Umwelt.

Auf Mykonos gibt es hunderte Möglichkeiten deinen Kaffee auf einer Dachterrasse zu genießen.

Wähle die Aktivitäten im Urlaub sinnvoll

Das Klima lässt sich auch bei der Zusammenstellung der Aktivitäten auf einer Reise schützen. Beispielsweise sind Radtouren eine Möglichkeit, das Auto auch mal stehen zu lassen. Auf diese Weise erlebst du dein Reiseziel auch viel intensiver. Den gleichen Effekt bietet eine Wanderung. Zudem verursacht ein Ruhetag in der persönlichen Bilanz deutlich weniger CO2 als ein Tag voller Aktivitäten.

Radfahren am Achterwasser

Wer nach klimaverträglichen Aktivitäten vor Ort sucht, findet mittlerweile auf den Websites mehrerer Region wie zum Beispiel der Eifel Auflistungen dazu. Dort werden oft auch Anbieter berücksichtigt, die auf Ökostrom und klimaneutrale Verpackungen setzen.

Zudem kann eine bewusste Wahl der Mahlzeiten helfen: So schonst du das Klima, wenn du weniger Fleisch und dafür mehr Gemüse isst. Denn unter anderem werden für Massentierhaltung Urwälder gerodet, bei der Rinderzucht fallen Methan und Lachgas an. Durch lokale Produkte entfallen außerdem lange Transportwege.

Verzichte auf das Taxi, wähle Straßenbahn, Bus oder Fahrrad

Wenn du öffentliche Verkehrsmittel statt eines Taxis in deinem Urlaub nutzt, sparst du nicht nur Geld, sondern auch CO2. Laut dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) verursachst du bei einer Bus- oder Bahnfahrt zwei Drittel weniger CO2 als mit dem eigenen Pkw. Ließe nur ein Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Wagen stehen und nutzte stattdessen die Nahverkehrsangebote, würden in Deutschland pro Jahr eine Million Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft gepustet, so der VDC.

Noch besser ist es natürlich, einfach das Fahrrad zu nehmen. So ist beispielsweise Bikesharing eine weitere Möglichkeit, eine Stadt klimafreundlicher zu erleben. Neben lokalen Radverleihen gibt es mit Anbietern wie Wind oder Mobike teilweise auch internationale Bikesharing-Unternehmen. Per App schaltest du dabei Räder zum Fahren frei, die du nach der Fahrt einfach am Fußweg parken kannst. Die App zeigt dir, wo die Räder stehen, errechnet die Fahrtgebühr und zieht sie von deinem vorab erworbenen Guthaben ab.

Wer ein Fahrrad mietet ist klimafreundlicher unterwegs.

Mit einer Spende CO₂ an anderer Stelle einsparen

Du konntest trotz aller guten Vorsätzen nicht auf einen Flug oder eine Kreuzfahrt verzichten? Dann kannst du mit einer Spende die dabei entstandenen CO2-Emissionen zumindest ein wenig ausgleichen. Beispielsweise haben sich verschiedene Internetportale auf das Kompensieren von Reisen spezialisiert. Bei Anbietern wie Atmosfair oder Myclimate kannst du online anhand von Flugdaten oder Schiffskategorien die CO2-Emissionen deiner Reise berechnen – und spenden. In der Regel finanzieren seriöse Anbieter damit Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. 

Auch zahlreiche Airlines haben inzwischen eigene Klimaschutzprojekte, an die Reisende während der Buchung einen Beitrag zusammen mit dem Flugpreis spenden können.