Eigentlich hatte sich der ältere Herr zuvor gefragt, warum der Ort, den wir heute erkunden möchten, mit dem Anglizismus „Skywalk“ bezeichnet sein muss, statt einfach „Schwebende Aussichtsplattform“ dazu zu sagen.

Du merkst schon: Während die einen auf der Suche nach dem magischen Moment sind, gehen andere deutlich nüchterner an die Sache heran - aber auch das macht das Wandern ja aus.

Wohin wir nun wollen? Zum Weser-Skywalk bei Bad Karlshafen. Und da wir uns heute der Kategorie „Magische-Momente-Suchende“ zugehörig führen, parken wir nicht einfach an der Aussichtsplattform, gehen 300 Meter durch den Wald und genießen die Aussicht, sondern brechen auf zu einer 12 Kilometer langen Rundtour. Diese beginnt in Bad Karlshafen und mit einer spektakulären Aussicht, noch bevor der erste Weg der Strecke zurückgelegt ist.

Hier bekommst du bereits eine Übersicht der grünen Umgebung.

Statt nämlich direkt durchzustarten, werfen wir einen Blick von der Weserbrücke aus auf den Fluss - quasi zum Eingewöhnen, denn der Weg führt uns nun eine ganze Weile an der Weser entlang: Von der Straße „Unter den Eichen“ gelangen wir auf den Fuß- und Radweg, der aus der Stadt herausführt. Von dort aus werfen wir einen Blick auf das Gradierwerk und die Rückseite der Therme, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Vielleicht ist das eine Idee für den Abend? Entspannen in Solebad und Sauna?

Bis dahin ist noch einiges an Wegstrecke zu bewältigen. Durch eine Mini-Unterführung - Menschen mit einer Körperlänge jenseits der 1,80 Meter werden unwillkürlich den Kopf einziehen - gelangen wir auf einen Weg, der weiter in den Wald hineinführt. Hier zeigt sich zum ersten Mal, weshalb wir die Tour nicht für Menschen empfehlen können, die unter dem Stichwort „Wandern“ eher „Spazierengehen“ verstehen - nicht nur, weil sie dafür zu lang ist.

Der Untergrund ist teils uneben, außerdem sind zwischen Kilometer 2 und 4 mehr als 300 Höhenmeter zu bezwingen. Wer sich der kleinen Herausforderung jedoch stellt, erlebt etwas:

Im Naturwald bilden Tothölzer skurril wirkende Skulpturen, der Steinweg kommt wie ein Mosaik-Kunstwerk daher, überwachsene Baumwurzeln sehen aus wie Figuren aus einem Fantasy-Land. Ein Ort, an dem sicher schon Tausenden Menschen der Atem gestockt haben dürfte, ist der Rastplatz „Lug ins Land“. Dort sind bequeme Holzliegen aufgestellt, die das Verweilen noch angenehmer gestalten. Was für eine Belohnung nach einem langgestreckten Aufstieg, der ordentlich in die Beine ging!

Auf der Wegstrecke gibt es kleine Hindernisse zu bewältigen.

Erst über Waldwege, später über Trampelpfade und an kleinen Tümpeln vorbei führt der Weg weiter durch die Natur. Unterwegs informieren Tafeln über die Eichenbestände im Solling oder die Besonderheiten eines Steinbruchs als Lebensraum für beispielsweise für Uhus oder Fledermäuse.

Schließlich erreichen wir die Hannoverschen Klippen und den Skywalk, der rund 75 Meter über der Weser aus rund 25 Tonnen Stahl erbaut wurde. Tatsächlich fühlen wir uns wie schwebend über Fels und Wasser - allerdings nicht nur, weil das Bauwerk eine fantastische Aussicht und Blicke in die Tiefe erlaubt, sondern weil wir uns für den „Umweg“ entschieden hatten und nun den Lohn dafür besonders intensiv erleben dürfen.

Entsprechend nehmen wir uns Zeit, mit Mitwanderern wie dem genannten älteren Herrn ins Gespräch zu kommen, Paare beim Schießen von Erinnerungsfotos zu unterstützen und Kindern auf dem nahe gelegenen Lehrpfad vorzulesen, was auf den Infotafeln steht.

Für den Rückweg entscheiden wir uns, den Klippensteig zu nehmen - Konzentration ist angesagt, damit man sich nicht vertritt. Entsprechend spannend ist der Weg aber. Und er macht Spaß! So erreichen wir Bad Karlshafen mit vielen abwechslungsreichen Eindrücken im Gepäck.

Das sind die Eckdaten:

  • Länge: 12 Kilometer
  • Dauer: 3,5 Stunden

Tipps:

Der Hugenottenturm 

Wer noch nicht genug hat vom Wandern, kann sich aufmachen, den Hugenottenturm zu besichtigen. Er befindet sich oberhalb von Bad Karlshafen auf einem steilen Berghang. Errichtet wurde er 1913 im Auftrag des Kaufmanns Johann Joseph Davin aus Bremen, dessen hugenottische Vorfahren in der Stadt Aufnahme und eine neue Heimat gefunden hatten. Von der Freiterrasse aus bietet sich ein herrlicher Blick über Stadt und Tal. Der Fußweg führt aus der Stadt heraus über die Diemelbrücke, gegenüber die Treppenanlage hinauf und dann nach der Treppe gleich wieder rechts steíl im Wald bergauf.

Der Hugenottenturm liegt oberhalb der Stadt.

Die Wesertherme Bad Karlshafen.

Thermen, Sauna, Kosmetik und Massage bietet die Wesertherme in Bad Karlshafen, Kurpromenade 1. Die Thermenwelt ist im südfranzösischen Stil gestaltet und verfügt über eine Thermalsole, die aus einer Tiefe von 1150 Metern gefördert wird. Im Saunaland sind fünf verschiedene Saunen zu finden, von der Saba-Mild-Sauna mit 60 Grad bis zur Doktor-Eisenbart-Sauna mit 105 Grad. Weitere Infos, auch zu Öffnungszeiten und Preisen, sind unter http://www.wesertherme.de zu finden.

Das Gradierwerk und der Außenbereich der Wesertherme vom Wanderweg aus gesehen.

So große Schildkröten! 

Was für faszinierende Tiere! Staunend stehen die Besucherinnen und Besucher vor den Bewohnern des Papageienhofs Dreiländereck, rund fünf Kilometer von Bad Karlshafen entfernt. Federn in leuchtenden Farben, dazu munteres Geplapper - hier haben Kinder wie Erwachsene ihren Spaß. Mitten im Geschehen: Schildkröten und Alpakas, die ebenfalls auf dem Gelände unterwegs sind. Weitere Infos unter http://www.papageienland.de/.

Die Kinder sind beeindruckt von den Tieren!