FrankreichChina, Ägypten, Neuseeland, Argentinien und die USA waren 2019 die beliebtesten Reiseziele auf den sechs Kontinenten. Millionen von Reisenden kommen jährlich – zumindest vor der Corona-Pandemie –, um sich die Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten der Länder anzusehen.

Doch wo es ein Ranking mit den beliebtesten Destinationen gibt, gibt es auch Verlierer: jene Länder, die am wenigsten Touristinnen und Touristen dazu bringen konnten, zu Besuch zu kommen. Dabei verpassen Reisende ganz schön viel, wenn sie die unbeliebtesten Länder der jeweiligen Kontinente auslassen. Wir zeigen, was dich abseits von Massentourismus erwartet – in aufsteigender Reihenfolge.

Ozeanien: Tuvalu

2700 Touristinnen und Touristen – damit hat Tuvalu 2018 seinen eigenen Rekord gebrochen. Doch wie die Zahl schon zeigt, Massentourismus ist im ozeanischen Inselstaat Tuvalu, dem viertkleinsten Land der Welt, nicht zu finden. Stattdessen wartet hier Natur pur. Vor allem für Schnorchel- und Tauchfreunde sind die Atolle ein perfektes Urlaubsziel. 

Tuvalu besteht aus neun Inseln und Atollen im Pazifik. Während die Nachbarinseln Samoa und Fidschi bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie zunehmend einen Ansturm von Reisenden erlebten, blieb es auf Tuvalu verhältnismäßig ruhig. Sechs Hotels gibt es auf den Inseln insgesamt.

Am beliebtesten ist Funafuti mit seinem zugehörigen Meeresschutzgebiet. In den zahlreichen Korallenriffen leben unzählige Tiere. Zudem besticht Tuvalu mit weißen Sandstränden, umsäunt von Palmen und glasklarem türkisfarbenem Meerwasser. 

Wer Tuvalu besuchen möchte, muss sich aber möglicherweise beeilen. Zum einen wird der Inselstaat immer wieder von Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen heimgesucht, zum anderen ist der Klimawandel deutlich spürbar. So wurde bereits überlegt, die gesamte Bevölkerung – immerhin fast 12.000 Menschen – umzusiedeln, weil die Insel mit steigendem Meeresspiegel zu versinken droht. Derzeit hat das allerdings keine Priorität, denn durch Anspülungen werden die Korallenriffe und Inseln derzeit eher größer.

Aktuelle Deals

Weißer Sand, grüne Palmen und klares Wasser auf Tuvalu.

Nordamerika: Montserrat

Die Karibik-Insel Montserrat ist eine Traumdestination für all jene, die keine Lust mehr auf Menschenmassen auf Kuba oder in der Dominikanischen Republik haben. Montserrat, 1493 von Christoph Kolumbus nach einem Kloster in Katalonien benannt, gehört zu den Kleinen Antillen und ist vulkanischen Ursprungs.

Hier liegt auch eines der Probleme, wenn es um Tourismus auf Montserrat geht: 1997 zerstörte ein Vulkanausbruch den einzigen Flughafen, die Anreise war fortan nur noch per Schiff möglich. Erst 2005 eröffnete ein neuer Flughafen, im gleichen Jahr wurde die Wirtschaft aber erneut durch einen Vulkanausbruch schwer getroffen.

Wer dennoch zu den 21.000 Touristinnen und Touristen gehört, die jährlich nach Montserrat kommen (Tendenz: steigend), kann sich auf viel unberührte Natur und sehr warme Temperaturen freuen. 23 bis 30 Grad Celsius beträgt die Durchschnittstemperatur auf Montserrat, wer es möglichst trocken will, sollte zudem zwischen Januar und Juni anreisen. Im Westen der Insel findet sich üppiger Regenwald, im Osten eher Buschland.

Wenn Regenwald nicht so deins ist, kannst du eine Vulkanwanderung unternehmen und dich im Informationszentrum zur Geologie der Region belesen. Oder du lernst die Unterwasserwelt von Montserrat bei einem Schnorchel- oder Tauchgang kennen. Und wenn dir eher nach relaxen ist – hey, du bist in der Karibik! Strände gibt es hier en masse, allerdings oft mit dunklem oder schwarzem Lavasand. Wenn du lieber weißen Sandstrand willst, solltest du den Rendezvous Beach aufsuchen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Der Vulkan Soufriere auf der Karibik-Insel Montserrat.

Afrika: São Tomé und Príncipe

Viele Länder in Afrika, vor allem in Subsahara-Afrika, erlebten in der Zeit vor der Corona-Pandemie einen touristischen Aufschwung. Namibia, Südafrika, aber auch Botswana, Ghana, Kenia oder Tansania wurden zu angesagten Reisezielen. Ein Land hingegen wird von vielen internationalen Reisenden überhaupt nicht beachtet: der Inselstaat São Tomé und Príncipe. 

São Tomé und Príncipe besteht aus mehreren Inseln, drei davon sind bewohnt, und liegt im Golf von Guinea, südlich von Nigeria, westlich von Gabun. Rund 35.000 Touristinnen und Touristen kamen 2019 nach São Tomé und Príncipe, deutlich mehr als noch im Vorjahr. Damit gehört das Land aber dennoch zu den zehn am wenigsten bereisten Ländern der Welt und hat 2019 auch die Komoren als Schlusslicht in Afrika abgelöst. 

Dabei ist São Tomé und Príncipe aus vielen Gründen eine Reise wert. Die Anbindung ist beispielsweise gut, TAP Air Portugal fliegt mehrmals die Woche ab Lissabon in die Hauptstadt São Tomé, der Flug dauert keine achteinhalb Stunden. Zudem erwartet dich auf allen Inseln von São Tomé und Príncipe eine herrliche und weitestgehend unberührte Natur, sanfter Öko-Tourismus und eine niedrige Kriminalitätsrate. 

São Tomé und Príncipe besteht zu fast 90 Prozent aus Regenwald. Hier kannst du also stunden- oder tageweise durch den Dschungel mit seinen zahlreichen Bergen wandern, Wasserfälle bestaunen oder Affen beobachten. Rund um die Küste spielt sich das meiste Leben ab: Hier warten traumhafte Strände, an denen du mit Schildkröten schnorcheln kannst. Das Beste: Viele dieser wundervollen Orte, vor allem auf der kleineren Insel Príncipe, hast du wegen der geringen Anzahl an Touristinnen und Touristen für dich alleine!

Holzsteg von Bom Bom mit Blickrichtung Príncipe.

Asien: Osttimor

Traumhafte Strände, eine intakte Unterwasserwelt mit zahlreichen Korallen und Berge, die spektakuläre Ausblicke bieten: Das alles kannst du im kleinen südostasiatischen Osttimor, auch Timor-Leste genannt, erkunden. Dazu kommen Wasserfälle, Dschungel-Wanderungen, heiße Quellen sowie eine Vielfalt an Kulturen. 

Eigentlich ungewöhnlich, dass Timor-Leste auf dieser Liste auftaucht, denn der kleine Inselstaat, der an Indonesien grenzt (die Insel Timor teilen sich beide Staaten), hat alles, was eine Reisedestination ausmacht. Dennoch kamen 2019 nur 75.000 Touristinnen und Touristen. Im Vergleich: Das benachbarte Indonesien zog mehr als 16 Millionen Reisende an!

Warum genau Osttimor von so vielen Weltenbummlerinnen und Weltenbummlern noch gemieden wird? Man weiß es nicht so genau. Die Region wird allerdings öfter von Tsunamis oder Zyklonen heimgesucht, auch Erdbeben kommen vor. Die Sicherheitslage in dem Staat, der erst im 21. Jahrhundert unabhängig wurde, ist hingegen stabil. 

Aktuell ist Osttimor aufgrund der Corona-Pandemie noch für Tourismus geschlossen, alle Grenzen und die Flughäfen des Landes sind dicht. Aber sobald die Lage wieder eine Öffnung für Tourismus zulässt, solltest du dir dieses Ziel auf den Zettel schreiben – bevor Tausende andere es für sich entdecken.

Blick auf die Küste von Osttimor mit einem Strand und den Bergen im Hintergrund.

Europa: Liechtenstein

Was Massentourismus angeht, ist wohl kaum ein Kontinent so weit fortgeschritten wie Europa. Viele Länder, Regionen und Städte klagen über Overtourism und Touristinnen und Touristen, die sich nicht zu benehmen wissen. Doch auch in Europa gibt es noch kleine Oasen, in denen du in Ruhe reisen kannst. 

Liechtenstein zum Beispiel. Das kleine deutschsprachige Land zwischen Österreich und der Schweiz hat die niedrigste Anzahl an ausländischen Reisenden in ganz Europa – wobei das immer noch knapp 100.000 Touristinnen und Touristen sind in einem Land, das keine 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt.

Der sechstkleinste Staat der Erde bezaubert mit seinem Alpen-Panorama. Im Sommer kannst du zahlreiche Wanderwege in den Bergen nutzen (vielleicht entdeckst du dabei sogar ein Murmeltier), im Winter führen dich Seilbahnen und Sessellifte zu den Skigebieten hinauf. Erst 2019, anlässlich des 300. Geburtstags des Fürstentums, wurde ein neuer Wanderweg eröffnet: Auf dem Liechtenstein-Weg legst du auf 75 Kilometern rund 2000 Höhenmeter zurück, es wird empfohlen, den Weg auf fünf Etappen aufzuteilen. Wenn du eine Pause brauchst, kannst du die App „Listory“ nutzen, an verschiedenen Stationen kannst du so mehr über die Gegend und ihre Geschichte erfahren. 

Doch auch wenn Liechtenstein zunehmend beliebter wurde, der Tourismus spielt immer noch eine kleine Rolle: Nur 3 Prozent aller Bewohnerinnen und Bewohner leben vom Tourismus.

Schloss Vaduz mit den Alpen im Hintergrund.

Südamerika: Guyana

Wäre Französisch-Guayana ein eigenes Land und kein Teil von Frankreich, würde ein anderer Name die Liste der wenigsten besuchten Länder Südamerikas anführen. So aber ist es Guyana, nördlich von Brasilien, westlich von Suriname und östlich von Venezuela direkt am Atlantik gelegen. Während das Nachbarland Brasilien zu den bei Touristinnen und Touristen beliebtesten Ländern Südamerikas gehört, zählte Guyana vor der Corona-Pandemie lediglich 315.000 Reisende. 

Dabei hat Guyana so viel, was die Nachbarländer ebenso auszeichnet – und bietet zudem noch etwas mehr Ruhe. Regenwald, tosende Flüsse, ein beeindruckendes Wildlife und Wasserfälle. Wer Natur mag, wird Guyana lieben. Aber auch Geschichte und Kultur kannst du in Guyana erleben, etwa, wenn du durch die Altstadt von Georgetown schlenderst und mehr zur Kolonialzeit erfährst oder wenn du auf einem der zahlreichen Märkte einkaufen gehst.

Guyana zählt zu den abwechslungsreichsten und grünsten Ländern überhaupt. Du kannst den angeblich besten Rum probieren, auf Jaguar- und Ameisenbär-Safari gehen, auf Hängebrücken über dem Dschungel spazieren oder das beeindruckende Panorama des Wasserfalls Kaieteur Falls besichtigen. 

Der Wasserfall Kaieteuer Falls in Guyana.

Wofür du dich auch entscheidest: Guyana gilt zwar als recht einfach zu bereisen, unter anderem, weil du mit Englisch gut durchkommst und es für Touristinnen und Touristen verhältnismäßig sicher ist. Aber es kommt immer wieder zu Diebstählen und generell ist die Kriminalitätsrate hoch, schreibt die britische Regierung. Sie warnt auch vor schlechten Straßenverhältnissen.