Türkei-Urlaubende müssen aktuell verschärfte Einreise-Regeln bei der Rückkehr nach Deutschland beachten: Seit Dienstag, 17. August, gilt das gesamte Urlaubsland als Hochrisikogebiet – also auch beliebte Ferienorte wie Antalya, Alanya oder Side. Das geht aus der Risikogebiete-Liste des Robert Koch-Institutes (RKI) hervor.

Die Einstufung der Türkei als Hochrisikogebiet betrifft vor allem Nicht-Geimpfte, Nicht-Genesene und viele Familien – sie müssen eine Quarantäne nach der Einreise nach dem Urlaub einplanen. Der reisereporter liefert Antworten auf häufige Fragen in der aktuellen Situation:

Die aktuelle Lage in der Türkei

Die Corona-Situation in der Türkei hatte sich zuletzt immer mehr verschlechtert: Die Zahl der Neuinfektionen steigt seit Wochen und liegt bereits seit Wochen bei über 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den letzten sieben Tagen. Das ist der Wert, nach dem ein Land seit dem 1. August als Hochrisikogebiet eingestuft werden kann. Derzeit liegt die Inzidenz bei 192,7 (Stand: 14. September). 

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Hinzugezogen werden aber auf Kriterien wie die Ausbreitungsgeschwindigkeit, die Hospitalisierungsrate, die Testrate sowie die Positivitätsrate. Auch möglich ist die Einstufung bei  nicht ausreichend vorhandener oder verlässlicher epidemiologischer Daten, teilt das RKI mit.

Was gilt für ungeimpfte Türkei-Rückkehrer?

Die unschöne Nachricht für Ungeimpfte und Nicht-Genesene: Wer seit dem 17. August nach Deutschland zurückkehrt, für den oder die endet der Urlaub in einer Quarantäne. Für Touristinnen und Touristen, die aus einem Hochrisikogebiet wie der Türkei zurückkehren und weder geimpft noch genesen sind, gelten folgende Regeln:

  1. Anmeldepflicht: Wer aus einem Hochrisikogebiet nach Deutschland reist, muss sich vorab online über das Portal www.einreiseanmeldung.de registrieren. Dort kann auch das negative Testergebnis hochgeladen werden.
  2. Nachweispflicht: Reiserückkehrerinnen und ‑rückkehrer aus Hochrisikogebieten ohne Impfung oder Genesung müssen ab einem Alter von zwölf Jahren bereits vor der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen. Bei den Tests darf es ein maximal 48 Stunden alter negativer Antigen-Schnelltest sein oder ein maximal 72 Stunden alter negativer PCR-Test. Airlines oder andere Beförderer sind angewiesen, den Test von Passagierinnen und Passagieren vor dem Einstieg ins Fahr- oder Flugzeug zu kontrollieren. 
  3. Quarantänepflicht: Trotz negativen Corona-Tests müssen Reiserückkehrerinnen und ‑rückkehrer aus Hochrisikogebieten in Quarantäne. Die Absonderungspflicht, wie es offiziell in der deutschen Einreiseverordnung heißt, gilt für zehn Tage. Am fünften Tag nach der Rückkehr können sich Reisende durch einen Corona-Test (beispielsweise den kostenlosen Bürger-Schnelltest) mit einem negativen Ergebnis freitesten. Mindestens fünf Tage Quarantäne müssen ungeimpfte und nicht genesene Urlauberinnen und Urlauber also einplanen. Für Kinder unter zwölf Jahren endet diese automatisch – ein Freitesten ist nicht nötig.

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Was müssen geimpfte und genesene Rückkehrer beachten?

Für Reisende, die bereits vollständig geimpft (zweite Impfung muss mindestens 14 Tage zurückliegen) oder in den vergangenen sechs Monaten genesen sind, gelten andere Regeln bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet. Dennoch müssen sie sich an einige Pflichten halten:

  1. Anmeldepflicht: Wer aus einem Hochrisikogebiet nach Deutschland reist, muss sich vorab online über das Portal www.einreiseanmeldung.de registrieren. Dort können auch Impf- oder Genesenennachweis hochgeladen werden.
  2. Testpflicht: Geimpfte und genesene Reisende sind von der Testpflicht ausgenommen. Für sie greift aber die Nachweispflicht: Sie müssen den Nachweis über Impfung oder Genesung mit sich führen, etwa den digitalen Impfpass in der CovPass-App.
  3. Quarantänepflicht: Es gilt keine Quarantänepflicht für geimpfte und genesene Reisende.

Hochrisikogebiet Türkei: Müssen meine Kinder in Quarantäne?

Ja. Zwar gilt für Kinder unter zwölf Jahren keine Nachweispflicht eines Tests – sie müssen sich also vor der Rückkehr nach Deutschland nicht testen lassen. Allerdings gilt für alle Reiserückkehrerinnen und Reiserückkeher, auch unter zwölf Jahren, die Quarantänepflicht. Die Einreiseverordnung der Bundesregierung sieht hier anders als bei der Nachweispflicht keine Ausnahmen vor.

Das heißt, auch Babys und Kleinkinder müssen bei einer Einreise aus Hochrisikogebieten in Deutschland in Quarantäne. Allerdings endet  die Quarantäne für Kinder unter zwölf Jahren automatisch nach Tag fünf – ein Freitesten ist nicht nötig. Kinder über zwölf Jahren können mit einem Corona-Test ab Tag fünf die Quarantänezeit verkürzen.

Ist Urlaub in der Türkei verboten?

Nein. Die Reisewarnung, die das Auswärtige Amt nun nach der Einstufung als Hochrisikogebiet ausspricht, ist kein Urlaubsverbot. Allerdings sind einige Punkte zu beachten: Es könnte sein, dass einzelne Reiseveranstalter ihre Reisen stornieren. Und natürlich sollten Reisende bedenken, dass bei einer Rückkehr nach Deutschland mit der Risikoeinstufung verschärfte Einreiseregeln in Deutschland gelten.

Kann ich den Türkei-Urlaub kostenlos stornieren?

Eine Pauschalreise kann immer dann kostenlos storniert werden, wenn am Urlaubsort außergewöhnliche Umstände herrschen. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt als starkes Indiz dafür – allerdings sei die Pandemie nach mehr als eineinhalb Jahren inzwischen ein „Grundrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott aus Hannover gegenüber dem reisereporter. 

Nun ist die Einstufung zwar neu und die Corona-Situation hat sich in wenigen Wochen deutlich verschlechtert. Doch dass dies als außergewöhnlicher Umstand gewertet werde, halte er nicht unbedingt für wahrscheinlich. Das gelte nur, falls der Aufenthalt im Land unvorhersehbar schwer beeinträchtigt wäre. Die Brände, die seit einiger Zeit in der Türkei wüten, zählen beispielsweise als außergewöhnliche Umstände, allerdings nur, wenn der Urlaubsort von Ascheregen oder einer Evakuierung betroffen ist. 

Anders sieht es bei einer Einstufung als Hochrisikogebiet aus, wenn Reisende einen Flex-Tarif beim Reiseveranstalter gebucht haben – dieser erlaubt es, kurzfristig umzubuchen oder zu stornieren. Auch einige Reiserücktrittsversicherungen greifen im Fall von Reisewarnungen; hier gilt es aber, genau hinzusehen.

Was bedeutet die Quarantäne für die Arbeit?

Wer wissentlich in ein Hochrisikogebiet reist, erhält keine Lohnfortzahlung, wenn er oder sie nach der Rückkehr in Quarantäne muss. Das gilt immer dann, wenn ein Gebiet schon als Hochrisikogebiet oder Virusvariantengebiet ausgewiesen war, als der Urlaub angetreten wurde.

Sprich: Wer nach dem 13. August in die Türkei reist, hat keinen Anspruch auf die Fortzahlung des Gehaltes während der Quarantänezeit. Denn da war bereits klar, dass die Türkei hochgestuft wird. Anders ist das bei Reisenden, die zum Zeitpunkt der Ankündigung bereits in der Türkei waren. Denn sie mussten bei Reiseantritt noch keine Quarantäne befürchten, das hat sich erst während der Urlaubszeit geändert. Sie haben die Isolationspflicht nach der Rückkehr also nicht bewusst in Kauf genommen. Aus diesem Grund erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laut IHK in diesem Falle eine Lohnfortzahlung.

Übrigens: Wenn Arbeitgeber Homeoffice ermöglichen, kann und muss auch während der Zeit der Quarantäne gearbeitet werden – wenn keine Symptome auftreten und der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin fit ist. Unter welchen Bedingungen das Homeoffice stattfindet, ist nämlich nicht geregelt.