Bereits zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit müssen sich Bahnreisende auf Einschränkungen einstellen: Erneut streiken die Lokführer und Lokführerinnen des DB-Personenverkehrs. Diesmal von Donnerstag, 2. September, um 2 Uhr bis voraussichtlich Dienstag, 7. September, um 2 Uhr. Die Bahn bittet jene, die nicht unbedingt auf den Fernverkehr angewiesen sind, ihre für geplanten Reisen zu verschieben.

Deutsche Bahn: Was Reisende zu Streiks wissen müssen

Das ist nicht nur bitter für Pendlerinnen und Pendler in Deutschland, sondern auch für Reisende: Viele nutzen den Zug, um aus dem Urlaub zurückzureisen, ans Urlaubsziel zu gelangen oder zum Flughafen zu fahren. Immerhin stecken Bayern und Baden-Württemberg noch immer in den Sommerferien – für Sachsen und Thüringen enden diese in diesem Zeitraum. Welche Alternativen sie nun haben und wann die Bahn den Ticketpreis erstattet oder ein Hotelzimmer bezahlt, darüber informiert dieser Überblick.

Wie lange dauert der Bahnstreik?

Der Streik im Personenverkehr der Deutschen Bahn beginnt am Donnerstag, 2. September, um 2 Uhr und dauert voraussichtlich fünf Tage! Schluss ist somit am Dienstag, 7. September, um 2 Uhr. Aber auch danach müssen Reisende noch mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen, bis sich der Zugverkehr stabilisiert hat und wieder alle Strecken zuverlässig bedient werden. 

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Welche Strecken sind vom Bahnstreik betroffen?

Die Lokführerinnen und Lokführer streiken flächendeckend in Deutschland. Es kann also zu Verspätungen auf sämtlichen Strecken kommen, sowohl im Fernverkehr als auch im Nahverkehr. Massiv beeinträchtigt soll unter anderem der Regionalverkehr in Baden-Württemberg vom 2. bis 6. September sein.

Im Fernverkehr fahren nur rund ein Viertel der Züge. Im Regional- und S-Bahnverkehr schwankt die Anzahl der angebotenen Züge nach DB-Angaben je nach Region stark. Die Bahn versucht, ein Angebot aufrecht zu erhalten, etwa in dem Züge, die sonst einmal pro Stunde verkehren, einen Zwei-Stunden-Takt bedienen.

Bahnstreik: Sind auch Privatbahnen betroffen?

Es streiken nur die Lokführer der Deutschen Bahn. Allerdings können auch Privatbahnen von Verspätungen oder Zugausfällen betroffen sein – denn sie fahren auf denselben Schienen wie die DB-Züge.

Wo erfahre ich, ob mein Zug fährt?

Reisende sollten sich regelmäßig informieren, ob ihr Zug trotz des Streiks fährt, verspätet ist oder ausfällt. Die Deutsche Bahn informiert online zum Streik und bietet einen Ersatzfahrplan. Dieser ist in der Fahrplanauskunft auf bahn.de und in der App „DB Navigator“ abrufbar. Infos erhalten Reisende auch telefonisch bei der kostenlosen Streikhotline unter 08000/996633. Oder du klickst dich in unseren Überblick:

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Darf ich einen anderen Zug nutzen?

Für den Zeitraum des GDL-Streiks gelten besondere Kulanzregelungen: Fahrgästinnen und -gäste, die ihre gebuchte Reise für den Zeitraum vom 2. September bis 7. September aufgrund des Streiks der GDL verschieben möchten, können das Ticket für den Fernverkehr flexibel bis 17. September nutzen. Das gilt auch für Tickets ab dem 30. August, dem Tag der Streikankündigung.

Die Zugbindung ist auch bei Sparpreis-Tickets, die für den Streik-Zeitraum gelten, aufgehoben. Reisende, die ihre geplanten Fahrten am zwischen Donnerstag, 2. September, und Dienstag, 7. September, nicht in Anspruch nehmen wollen, können kostenfrei stornieren. 

Zudem behalten auch alle bereits gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom 23. August bis einschließlich 25. August vom GDL-Streik betroffen waren, ihre Gültigkeit und können ebenfalls noch bis einschließlich 17. September flexibel genutzt werden.

Wie komme ich trotz Streik ans Ziel? Welche Alternativen gibt es?

Der Zug fällt aus oder ist extrem verspätet. Und nun? Es gibt mehrere Alternativen, um trotzdem ans Ziel zu kommen:

Taxi statt Zug

Im Nahverkehr organisiert die Deutsche Bahn schon mal Taxifahrten von größeren Bahnhöfen aus für die Passagierinnen und Passagiere. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen dann mehrere Fahrgäste mit dem gleichen Fahrtziel, um je ein Taxi voll zu machen.

Wer auf eigene Faust ein Taxi sucht, sollte sich vorab informieren: Die DB muss nicht jede Taxirechnung übernehmen. Erstattet werden müssen maximal 80 Euro, wenn die geplante Ankunft am Ziel zwischen 0 und 5 Uhr nachts liegt und Reisende mindestens 60 Minuten später per Zug ankommen würden. Das Gleiche gilt, wenn der letzte planmäßige Zug des Tages ausfällt und sie das Ziel bis 24 Uhr nicht anders erreichen können.

Fernverkehrszug statt Nahverkehr

Manchmal ruft die Bahn dazu auf, dass auch Kundinnen und Kunden des Nahverkehrs in Fernverkehrszüge einsteigen – dann dürfen sie IC und ICE nutzen. Eigenmächtig dürfen Reisende nicht den Fernverkehr nutzen. Grundsätzlich fahren in Streik-Lagen Nahverkehrszüge aber regelmäßiger als Fernverkehrszüge. 

Bus statt Zug

Stichwort Schienenersatzverkehr: Denkbar ist, dass die Deutsche Bahn Sammelbeförderungen mit Fernbussen von einigen Bahnhöfen aus organisiert. Darüber informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bahnhöfen oder im Zug.

Auto statt Zug

Wer an einem Streiktag aufs Auto umsteigt, sollte mehr Zeit einplanen, da es zu Staus kommen kann. Kosten, die durch die Nutzung des eigenen Autos entstehen, werden nicht vom Bahnunternehmen erstattet. Das gilt auch, wenn sich Reisende einen Mietwagen nehmen. 

Hier ist außerdem die Frage, ob Reisende sich noch ein Auto sichern können: „Aufgrund der hohen Nachfrage kann es zu Engpässen kommen“, sagt Dr. Andreas Schiffelholz, Geschäftsführer Mietwagen bei „Check24“ gegenüber dem reisereporter. Nach der ersten Streikankündigung Mitte August seien binnen weniger Stunden etwa 74 Prozent mehr Leihwagen gebucht worden als am Vergleichstag in der Woche zuvor. Für eine Abholung in Berlin und Hamburg hätten sich die Buchungen sogar mehr als verdoppelt, so Schiffelholz vor zwei Wochen. 

Flug wegen Streik verpasst: Zahlt die Bahn eine Entschädigung?

Nein, hier haben Flugreisende Pech. Wird der Flieger verpasst, leistet die Bahn keine Entschädigung. Reisende müssen grundsätzlich die Möglichkeit von Streiks und daraus folgenden Verspätungen oder Zugausfällen in die Anreisezeit zum Airport einkalkulieren und sich gegebenenfalls um einen alternativen Transport kümmern. Bei Rail-and-Fly-Tickets sind der Airport oder der Reiseveranstalter die Ansprechpartner.

Wann zahlt mir die Bahn das Hotelzimmer?

Der schlimmste Fall tritt ein: Der oder die Reisende strandet am Bahnhof, die Bahn kann ihn oder sie nicht auf einem alternativen Weg ans Ziel bringen. Und nun? In diesem Fall muss die DB eine Unterkunft besorgen und auch den Weg dorthin sowie am nächsten Tag zurück zum Bahnhof organisieren.

Wer sich selbst ein Hotelzimmer buchen will, sollte sich vorab unbedingt bestätigen lassen, dass das Bahnunternehmen keine Fahrt mehr an diesem Tag durchführen wird und auch nicht mit einer Unterkunft für die Nacht helfen kann. Die Hotelrechnung kann dann später eingereicht werden.

Wie bekomme ich das Geld fürs Ticket zurück?

Die Deutsche Bahn teilt mit: Fahrgäste können Tickets für Reisen im Fernverkehr (IC und ICE), die sie für Fahrten am 2. September, 3. September, 4. September, 5. September, 6. September oder 7. Septembergebucht haben, flexibel nutzen. Zudem ist es möglich, kostenlos zu stornieren. Hierfür hat die Bahn ein Kulanzformular. Auch Sitzplatzreservierungen können gebührenfrei umgetauscht werden. 

Zudem gelten die allgemeinen Fahrgastrechte bei Verspätung oder Zugausfall: Wer wegen eines Bahnstreiks nicht pünktlich ans Ziel kommt, kann sich je nach Verspätung einen Teil des Fahrpreises zurückholen. Das regelt die EU-Fahrgastverordnung VO (EG) Nr. 1371/2007. 

Wer mindestens 60 Minuten später als geplant ankommt, hat Anspruch auf 25 Prozent Erstattung, bei mehr als 120 Minuten sind es 50 Prozent. Die Verspätung sollten sich Fahrgäste immer von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern bestätigen lassen, im Zug wird oftmals bereits das Fahrgastrechte-Formular zum Ausfüllen ausgeteilt.

Wer haftet, wenn ich bei einem Streik zu spät zur Arbeit komme?

Die Bahn haftet hier nicht. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen für den Fall eines Streiks oder eines Unwetters selbst Vorkehrungen treffen, um trotzdem pünktlich beim Job zu erscheinen. Dazu gehört es, auf alternative Transportmittel (wie Bus oder Auto) umzusteigen. Ganz wichtig: Der Arbeitgeber muss so früh wie möglich über eine Verspätung informiert werden.