La Isla de Providencia ist eine Karibik-Insel, wie sie im Bilderbuch steht: weiße, unberührte Sandstrände, türkisblaues Wasser und Palmen en masse. Dieser kleine Fleck Erde, der zwar vor der Ostküste Nicaraguas liegt, aber zu Kolumbien gehört, ist im Gegensatz zu vielen anderen Inseln noch ein gut gehütetes Geheimnis.

Sie besteht aus Vulkangestein – und ist von einer Bergkette durchzogen. Im Norden liegt der Naturpark Providencia, der aus geschützten Korallenbänken, Mangroven, dem MacBean-See und zwei vorgelagerten Atollen besteht. Vor der Corona-Pandemie hatten immer mehr Taucher- und Schnorchler-Fans die Insel für sich entdeckt.

Ein altes Fischer-Dock auf der Isla de Providencia in Kolumbien.

Doch die Einheimischen setzten sich vehement dafür ein, Providencia vor dem Massentourismus und all seinen Folgen zu schützen. Das konnten sie verhindern. Doch sie konnten nicht verhindern, dass ihr Paradies trotzdem zerstört wurde. Gegen „Iota“, einen Hurrikan der Stufe fünf, hatten sie keine Chance.

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Vom Massentourismus verschont: Providencia ist ein karibisches Paradies

Als ich im Januar 2020 vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie mit einer kleinen Propeller-Maschine auf Providencia landete, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Einen so unberührten Ort mit einer solch ursprünglichen und authentischen Schönheit hatte ich auf all meinen Reisen um die Welt nur selten gesehen.

reisereporterin Leo schaut von oben auf Providencia.

Viele Reisende haben sicherlich noch nie von der sieben Kilometer langen und vier Kilometer breiten Insel im Karibischen Meer gehört. Das könnte vor allem daran liegen, dass die aktuell rund 5000 Einwohner ihr Geheimnis gut gehütet haben. Sie wollten nicht enden wie andere Karibikinseln: überzogen von Hotelbunkern.

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Daher durfte immer nur eine bestimmte Anzahl von Touristinnen und Touristen gleichzeitig auf die Insel, die Unterkünfte und Restaurants blieben in lokaler Hand, Flora und Fauna wurden offiziell geschützt. Dies ermöglichte auch, dass die Reisenden, die kamen, ein wahres Paradies erleben konnten. So verbrachte auch ich eine traumhafte Woche wandernd, schnorchelnd und Cocktail-schlürfend auf Providencia.

Hurrikan zerstört mehr als 90 Prozent der Infrastruktur

Gegen die Zerstörung durch Overtourism konnte Providencia sich erfolgreich schützen, gegen die zerstörerische Kraft der Natur nicht. Im November traf der Hurrikan „Iota“, ein tropischer Sturm der Kategorie fünf, auf die Insel. Das Zentrum des Hurrikans mit Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometern pro Stunde verfehlte Providencia nur um acht Kilometer.

Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als 90 Prozent der Infrastruktur zerstört – eine Tragödie. Auch Monate nach der Naturkatastrophe befinden sich die Inselbewohner in einer unvorstellbar schwierigen Lage. Über Wochen regnete es weiter und die Menschen mussten teils in Zelten oder ihren Häusern ohne Dächer überleben, so berichtet es Michael Robinson Archbold von der Tourismusbehörde auf Providencia.

Vor „Iota“ war das Yellow Home eine kleine Dschungel-Oase mit Mini-Pool und herzlichen Gastgebern, Nach „Iota“ ist ein Lebenswerk zerstört.

Mit 600 Soldaten sei das kolumbische Militär angerückt, um gemeinsam mit Hilfsorganisationen die Insel wieder aufzubauen, aber es ginge nur langsam voran. Dennoch, die Einheimischen bleiben optimistisch: „Wir wissen nicht, wann wir unsere Insel wieder in ihrer ganzen Schönheit sehen werden. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages so weit sein wird“, sagt Archbold.

Was du tun kannst, um das Paradies zu retten

Abgesehen von der staatlichen Unterstützung bitten die Locals vor allem die Menschen um Hilfe, mit denen sie in den letzten Jahren so großzügig ihr Paradies geteilt haben. So zum Beispiel auch Doris und Cesar vom Yellow Home – der Unterkunft, in der auch ich während meines Besuchs gewohnt habe.

Bilder der Zerstörung gingen von Providencia um die Welt. Der Hurrikan „Iota“ zerstörte im November 2020 mehr als 90 Prozent der Insel-Infrastruktur.

Vor „Iota“ war das Yellow Home eine kleine Dschungeloase mit Mini-Pool, selbst gemachtem kolumbianisch-karibischem Frühstück und herzlichen Gastgebern. Nach „Iota“ ist ein Lebenswerk zerstört. Doch aufgeben kam für Doris und Cesar nicht infrage und die beiden sind dabei, ihr Bed and Breakfast wieder aufzubauen. Das tun sie auch mithilfe von Spenden von Freunden und Gästen aus aller Welt, zu denen sie über ihren Blog aufriefen.

reisereporterin Leo hat Anfang 2020 bei Doris im Yellow Home gewohnt.

Michael Robinson Archbold glaubt, dass die Touristen und Besucherinnen, die zukünftig auf die Insel kommen werden, einen großen Teil zum Wiederaufbau beitragen werden. Angefangen mit humanitärem Hilfstourismus, bis die bunten Häuser wieder stehen und die Straßen wieder von den Motorrollern befahrbar sind. „Wir hoffen einfach, dass auch weiterhin viele Menschen daran interessiert sein werden, auf unsere Insel zu kommen, und Providencia so wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen kann. Auch wenn es im Moment hart ist, wir werden unsere Gäste mit einem Lächeln willkommen heißen!“

Solltest du also Reisepläne für die Zeiten nach Corona schmieden und dich im Fernweh wälzen, kannst du La Isla de Providencia ganz oben auf deine Liste schreiben. Und so auch dazu beitragen, dass eines der letzten Paradiese auf der Erde noch lange für uns Reisende zugänglich ist – ganz ohne Massentourismus und im Einklang mit der einzigartigen Kultur und Natur auf La Isla de Providencia.