Start der heutigen Tour ist am Zentralen Omnibus-Bahnhof in Duderstadt. Dort gibt es reichlich Parkplätze. Außerdem befindet sich der ZOB nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt - und damit von Gaststätten und Eisdielen, aber auch zahlreichen Sehenswürdigkeiten - nur für den Fall, dass auf den geplanten rund 55 Kilometern Strecke quer durch den Landkreis noch nicht genügend davon zu sehen waren.

Das wird nicht passieren, stellen wir nach kürzester Zeit fest. Zunächst verlassen wir die Stadt in Richtung Herzberger Straße und biegen auf den Radweg nach Breitenberg ab. Achtung, die erste Steigung hat es in sich. Aber danach wird die Strecke dann deutlich harmloser. Allerdings nicht, was die Beschaffenheit des Untergrunds angeht: Diese Tour ist nichts für Rennradfahrer, unterwegs geht es über Stock und Stein und Pflaster.

Das Wappenmotiv von Breitenburg: die Windmühle.

In Breitenberg betrachten wir das Bauwerk, das in seiner ursprünglichen Form dem Ort das Wappenmotiv gab: eine Windmühle. Nachempfunden ist das Wappen einer Bockwindmühle, die 1891 eingestürzt war. 1979 wurde sie neu aufgebaut - und sie hat ein Sprichwort geprägt: „Die Breitenberger Gänse können nicht schwimmen“, heißt es, weil es mangels Wasser nicht möglich war, eine Wassermühle im Ort zu betreiben.

Vorbei am Forsthaus Hübental folgen wir einem idyllischen Weg durch den Wald in Richtung Rüdershausen. Direkt am Wegesrand liegt der Baumpfad, der sich ebenso für eine Rast anbietet wie auch für einen Zu-Fuß-Abstecher. Anschließend queren wir die Eller und folgen dem Radweg durch die Rhumeaue bis nach Rhumspringe. Den Weg zur Quelle nehmen wir erst auf der Rücktour. Zunächst folgen wir dem Weg nach Pöhlde, der oberhalb der Herzberger Straße abseits des Autoverkehrs durch eine Allee bis an den Ortsrand führt. Von dort aus geht es weiter in Richtung Herzberg - die Beschilderung ist übrigens so eindeutig, dass ein Verfahren nahezu unmöglich ist. In Herzberg radeln wir das erste Stück entlang der Bahn.

Die Schienen queren wir über eine Brücke. Dann geht es in Richtung Schloss - den Abstecher unternehmen wir heute nicht. Stattdessen betrachten wir den “Freudenstein”, mit dem an folgende Geschichte erinnert werden soll: Der Schlossbesitzer habe sich kurz vor seinem Ende nicht entscheiden können, welchem der sieben Söhne sein Besitz zufallen sollte, wenn er einst nicht mehr ist. Zum Teilen war das Erbe aber zu klein. Er ließ das Los entscheiden. Auf wen es fiele, der sollte heiraten können und der künftige Graf sein. Georg hatte das Glück - und stürmte augenblicklich aus dem Schloss, den Berg hinab und bis an den Stein. Denn dort wartete seine heimliche Verlobte, die Prinzessin Eleonore von Hessen.

Es kam, wie es offenbar sollte. Die beiden heirateten und residierten von 1617 bis 1636 auf Schloss Herzberg, wo ihre acht Kinder geboren wurden. Zur Erinnerung an ihre große Freude heißt der Stein seither Freudenstein. Bis heute soll es jungen Paaren Glück bringen, den Stein gemeinsam zu berühren.

Berührst du den Freundstein, soll es dir Glück bringen.

Nach so viel fürs Herz soll auch die Seele nicht unter den Tisch fallen - so war ja der Plan für die Tour. Wir radeln zur Klinik und dem dort gelegenen Wandertreff. Hier weist schon ein Schild zu dem Weg, den wir heute gehen werden. Wanderung wäre nicht der passende Begriff, denn der Spaziergang mit vielen Pausen führt über nicht einmal eineinhalb Kilometer. Diese sind vor allem eines: beruhigend. Und ein wenig zum Nachdenken. Schon der Buchenwald wirkt bei Sonnenschein nahezu unecht und entrückt. Das Licht spielt mit den Blättern, deren Schatten wilde Muster auf dem Waldboden hinterlassen. Noch dazu ist es - jedenfalls zum Zeitpunkt unseres Besuchs - still im Wald, abgesehen vom munteren Vogelgezwitscher.

Wunderschöne Licht- und Schattenspiele findest du neben Vogelgezwitscher im Wald.

Die besten Voraussetzungen also, das zu tun, was uns das Hinweisschild am Beginn des Pfades nahegelegt hatte: Einfach mal die Seele baumeln lassen. Zwischen jungen und morschen Bäumen treffen wir immer wieder auf Tafeln, auf denen Sinnsprüche von Dichtern und Philosophen notiert sind. Einer passt besonders zu unserer Stimmung: “Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden”, wird Erich Kästner zitiert.
Gestärkt im Geiste - und gut erholt in den Beinen - setzen wir uns wieder aufs Rad. Zurück führt uns der Weg an die sagenumwobene Rhumequelle, die an diesem Tag in ein strahlendes Aquamarin getaucht ist. Entlang der Eller folgen wir dem Weg nach Hilkerode und von dort aus über Langenhagen nach Fuhrbach. Ortsunkundige sollten hier ein wenig Acht geben, da die Beschilderung teils recht schwer zu lesen ist.
Vorbei am Gut Herbigshagen radeln wir durch den Wald und über den Kolonnenweg zurück nach Duderstadt.

Das sind die Eckdaten: 

  • Länge: 55 Kilometer, davon 2 zu Fuß
  • Dauer: 4 Stunden

Tipps:

Heinz-Sielmann-Stiftung

Nicht nur Tierfreunde werden dieses Fleckchen Erde mögen. Auf Gut Herbigshagen ist es ebensogut möglich, einfach ein wenig bei Kaffee und Kuchen zu entspannen, wie auch eine Wanderung ringsum einzulegen oder die Ausstellung zu besuchen. Auf dem Gelände befinden sich auch das Kika-Baumhaus und die Franz-von-Assisi-Kapelle. Führungen können gebucht werden, aber auch im Alleingang gibt es viel zu entdecken. Das Hofcafé ist am Wochenende von 12.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Eine Reservierung wird empfohlen unter Telefon 0 55 27 / 914-452. Ein Lageplan ist auf sielmann-stiftung.de zu finden.

Ob auf eigene Faust oder geführt: Auf Gut Herbigshagen gibt es viel zu entdecken

Ein Spaziergang an der Rhumequelle

Nahezu so beruhigend wie der Weg über den Seelenpfad kann es sein, einmal um die Rhumequelle zu gehen - kann. Denn gerade an Sonntagen mit schönem Wetter können auch viele Touristen dort sein. Dann sollte zumindest ein Blick von der Brücke auf die Quelle geworfen werden, die - der Sage nach - das Reich der Nixe Rhuma sein soll. Angelehnt an die Sage ist übrigens 2019 ein Roman erschienen: “Ruma” von Melanie Buhl. Falls der Abend nach der Rad-Wandertour noch nicht verplant sein sollte.

Die Rhumequelle soll der Sage nach das Reich der Nixe Rhuma sein.