Der Wind pfeift unaufhörlich, der Regen prasselt gegen die Fenster, tosende Wellen peitschen gegen die Küste – doch die mächtigen Lampen weisen den Schiffen auf den Meeren stoisch den Weg. Seefahrer-Romantik verleiht Leuchttürmen schon seit Jahrhunderten einen faszinierenden Charme.

Und das reizt nicht nur Seeleute, sondern auch immer mehr Urlauberinnen und Urlauber in ganz Europa. Viele ausgediente Leuchttürme werden deshalb zu Hotels und Ferienwohnungen umgebaut. Wir zeigen dir unsere zehn Favoriten.

Leuchtturm auf Rügen | Leuchtturm im Europapark Rust | Leuchtturm „Roter Sand“ | Leuchtturm in der Bretagne | Hafen-Leuchtturm in Nordholland | Leuchtturm in Harlingen | Norwegens ältester Leuchtturm | Leuchtturm im schwedischen Kullaberg | Leuchtturm-Hotel auf La PalmaWicklow-Head-Leuchtturm

Karte: In diesen Leuchttürmen kann man übernachten

1. Deutschland – der familienfreundliche Leuchtturm auf Rügen

Zu eng, zu unsicher, zu abgelegen. Für Familienurlaube eignen sich Leuchttürme in der Regel nicht. Der Leuchtturm Breege auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Ausnahme.

Der Turm wurde 2011 als Feriendomizil an der Boddenküste gebaut und bietet auf fünf Etagen und 165 Quadratmetern Fläche ausreichend Platz für sechs Gäste. Zur Verpflegung gibt es eine voll ausgestattete Küche.

Vom neu gebauten Leuchtturm in Breege blicken die Gäste über die Reetdächer der Nachbarhäuser auf die Insellandschaft Rügens.

Dass im Leuchtturm-Nachbau noch nie eine Lampe für den Schiffsverkehr geleuchtet hat, gerät beim Genuss des Ausblicks von der Galerieebene und vom Rundumbalkon auf den Breeger Bodden schnell in Vergessenheit.

Nicht ganz echt, aber trotzdem schön ist übrigens auch der Nachthimmel – statt echter Sterne funkeln an der Decke der Galerie Swarovski-Steine. Für Entspannung sorgen auch eine Sauna und ein Strandkorb. Der Sandstrand ist etwa 15 Minuten Fußweg entfernt.

  • Lage: Deichallee 3, 18556 Breege (Insel Rügen)
  • Höhe: 19 Meter

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2. Deutschland – Leuchtturm mit Achterbahn-Blick

Für Kinder ist die Übernachtung im Leuchtturm allein schon ein aufregendes Abenteuer. Doch ein Leuchtturm in einem Freizeitpark lässt Kinderaugen noch ein bisschen heller strahlen.

Der Europapark Rust in Baden-Württemberg hat diesen Leuchtturm 2012 für ein parkeigenes Themenhotel nach dem Vorbild des Bell-Rock-Leuchtturmes in Schottland nachgebaut, dem ältesten Leuchtturm der Nordsee.

In das Themenhotel „Bell Rock” (225 Zimmer) mit Leuchtturm-Nachbau investierte der Europapark rund 40 Millionen Euro.

Statt der schottischen Küste beobachten Leuchtturm-Gäste im Europapark die Achterbahnen und Karussells des 95 Hektar großen Parks (2019: rund 5,8 Millionen Besucher).

Den besten Blick haben Gäste von der John-F.-Kennedy-Suite in der Turmspitze mit Sauna und Whirlpool.

  • Lage: Peter-Thumb-Straße 6, 77977 Rust
  • Höhe: 35 Meter

3. Frankreich – Romantik beim Sonnenuntergang in der Bretagne

Vom Schlafzimmer des Leuchtturmes von Kerbel im Stadtteil Riantec am Rande des Fischerortes Port-Louis in Frankreich blicken Gäste aus 25 Metern Höhe auf die Küste der Bretagne. Die gemütliche Unterkunft ist ideal für einen romantischen Frankreich-Urlaub zu zweit.

Zum Morgen-Kaffee lässt sich der Sonnenaufgang über der Halbinsel Quiberon genießen. Und zum Sonnenuntergang über der Bucht von Lorienends empfiehlt sich französischer Wein. Die 120 Stufen zur Kuppel sollten dabei sorgsam berücksichtigt werden. 

Der „Phare de Kerbel“ wachte ab 1913 über dem französischen Küstenabschnitt, 47 Jahre später wurde er stillgelegt. Anstelle der Leuchten steht in der Kuppel nun ein Schlafsofa mit Bad und Küchenzeile für Übernachtungsgäste.

Außerdem gibt es ein Wohnzimmer und ein Badezimmer mit WC.

  • Lage: 71 Route de Port-Louis, 56670 Riantec
  • Höhe: 25 Meter

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4. Niederlande – Komfort-Ausguck mit Hafenaussicht

Auf einer Düne über der Hafeneinfahrt von Ijmuiden in der Gemeinde Velsen in Nordholland thront der feuerrote Leuchtturm Seinpoststelling mit einem angeschlossenen Ausguck – ein Ein-Zimmer-Hotel mit Panoramablick über das Meer und den Strand.

Der Leuchtturm am Hafen von Ijmuiden wacht über die Küste in Nordholland.

Das Wohn- und Schlafzimmer (insgesamt 40 Quadratmeter) mit Queensize-Bett, offener Küche, Balkon, Klimaanlage und Zentralheizung ist komfortabel ausgestattet. In einer Doppel-Hängematte können Übernachtungsgäste die Seele baumeln lassen und dabei die Sonnenuntergänge genießen.

  • Lage: Seinpostweg 19, 1976 BT Ijmuiden, Niederlande
  • Höhe: etwa 10 Meter

5. Niederlande – Champagner in der Schlafzimmer-Galerie

Mehr als 75 Jahre orientierten sich die Schiffs-Kapitäne vor der niederländischen Küste am Leuchtturm in Harlingen. Jetzt sind die Rollen vertauscht: Aus den Fenstern beobachten Hotel-Gäste neugierig die vorbeifahrenden Schiffe.

Der viereckige Turm wurde Ende der 90er-Jahre zu einem stilvollen Hotel mit drei Etagen für zwei Personen umgebaut. Wer mag, kann sich für die Ankunft eine Flasche Champagner im Kühler vorbestellen. Die müssen sich die Gäste aber erst einmal verdienen, denn die steile Leuchtturm-Treppe führt 24 Meter hinauf.

Der viereckige Leuchtturm steht in der Altstadt von Harlingen.

Von einer Leiter in der rundum verglasten Schlafzimmer-Galerie gelangen Gäste in die oberste Etage und können den endlosen Blick auf das Meer und die Dörfer im Hinterland wirken lassen. Wagemutige können sich auch nach draußen trauen. Der Aufenthalt auf dem gesicherten Umgang geschieht laut Betreiber allerdings „auf eigene Gefahr“.

  • Lage: Havenweg 1, 8861 XH Harlingen
  • Höhe: 24 Meter

6. Norwegen – Schlafen unter dem ältesten Leuchtturm

Dieser schöne Leuchtturm in der Gemeinde Lindesnes wacht seit mehr als 350 Jahren über die Schifffahrt an der Südspitze Norwegens. Der Bau ist das älteste Leuchtfeuer in ganz Norwegen. Bis heute arbeiten dort zwei Leuchtturmwächter – die einzigen im ganzen Land!

Ältester Leuchtturm in Norwegen: In Lindesnes arbeiten die letzten Leuchtturmwächter des Landes.

Da der Turm noch aktiv ist, können Gäste nur im angeschlossenen Ferienhaus übernachten. Es gibt eine Küche, zwei Schlafzimmer (vier Einzelbetten und ein Doppelbett) und einen knisternden Kaminofen.

Für Familien ist die Anlage ein toller Startpunkt, um die Natur an Norwegens Küsten auf Wanderungen zu erleben oder aus der Ferne zu beobachten. Den Leuchtturm und das angeschlossene Museum können alle Gäste kostenlos besichtigen.

  • Lage: Lindesnesveien 1139, 4521 Lindesnes
  • Höhe: 38 Meter

7. Schweden – kuscheliges Liebesnest in Kullaberg

Die Geschichte der Leuchtfeuer in Schweden begann vor mehr als 1000 Jahren. Die nördliche Einfahrt zum Öresund zählte schon damals zu den meistgenutzten Wasserwegen der Welt.

Der Leuchturm „Kullens Fyr“ blinkt seit 1898 in knapp 80 Metern Höhe auf einer Klippe im Naturreservat Kullaberg bei Mölle. Das Signal leuchtet zwölfmal pro Minute und und ist aus 50 Kilometer Entfernung zu sehen.

„Kullens Fyr“ leuchtet seit 1898 auf einer Klippe im schwedischen Naturreservat Kullaberg.

Direkt neben dem aktiven Leuchtturm befindet sich ein Beobachtungsposten mit einer großen Fensterfront, in dem zwei Personen übernachten können. Das kuschelige Rundbett hängt von der Decke – ein Liebesnest mit Panoramablick.

Auf gutes Wetter sollten Besucherinnen und Besucher allerdings nicht nur wegen der tollen Aussicht hoffen: Bei Nebel erklingt alle 30 Sekunden ein ohrenbetäubendes Nebelhorn!

  • Lage: Kullens Fyr, Italienska vägen 323, 26377 Mölle
  • Höhe: 15 Meter

8. Kanaren – Luxushotel auf der „Isla Bonita“

Der „Faro de Punta Cumplida“ ist das erste Leuchtturm-Hotel der Kanarischen Inseln. La Palma, bekannt als „La Isla Bonita“ (die schöne Insel), ist die nordwestlichste der Kanarischen Inseln. Im Leuchtturm an der Nordküste hat 2019 ein Luxushotel eröffnet. Die Umbauarbeiten haben drei Jahre gedauert.

Vom 34 Meter hohen Leuchtturm auf La Palma lässt sich der Sonnenuntergang ausgiebig genießen.

Im „Faro de Punta Cumplida“ finden Urlauberinnen und Urlauber drei Suiten, einen Infinity-Pool, einen Patio, eine umlaufende Terrasse – und natürlich die Aussicht von der 34 Meter hohen Plattform auf dem Leuchtturm.

Die Terrasse des Leuchtturmes wurde 2019 mit einem Infinity-Pool ausgestattet.

Der ist übrigens tatsächlich noch aktiv und wird von der Hafenbehörde der Provinz Santa Cruz de Tenerife betrieben.

Umgeben ist der „Faro de Punta Cumplida“ von einem 5000 Quadratmeter großen Garten – und den tosenden Atlantikwellen. Der Hafen von Talavera ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt, und nach einer kurzen Fahrt durch Bananenplantagen erreichst du die natürlichen Schwimmbecken in La Fajana.

  • Lage: Calle Lomo Machín Bajo 66, 38726 La Palma
  • Höhe: 34 Meter

9. Irland – 109 Treppenstufen bis zur Küche

Den Atem verschlägt es den Gästen im Wicklow-Head-Leuchtturm nicht nur wegen der tollen Aussicht aus den historischen Bogenfenstern. Bis zur Küche geht es 109 Treppenstufen hinauf!

Der achteckige Leuchtturm überragt die malerische Küste Irlands seit 240 Jahren. Bis 1836 besaß das Gemäuer noch eine Leuchtkuppel. Doch nach einem Blitz-Einschlag brannte der Turm vollständig aus. Bauarbeiter kappten daraufhin die Spitze und setzten ein neues Dach darauf.

Wicklow Head in Irland: In den achteckigen Leuchtturm schlug 1836 ein Blitz ein. Danach wurde die Spitze gekappt.

Auf den Abriss des Denkmals wurde damals zum Glück verzichtet. Heute dient der ausgemusterte Turm als Unterkunft mit gemütlicher Einrichtung für bis zu vier Selbstversorger.

Das historische Gebäude mit sechs Etagen ist ein guter Startpunkt für Wanderungen in der Grafschaft Wicklow. Ein Küstenpfad führt unter anderem an einer Robben-Kolonie vorbei.

  • Lage: Dunbur Head, Wicklow, Irland
  • Höhe: 28 Meter

10. Das „einsamste Hotel“ in der Nordsee – derzeit gesperrt

Der Leuchtturm „Roter Sand“ steht 50 Kilometer vor der Küste Bremerhavens, nordöstlich der Insel Wangerooge. Seit 125 Jahren. Mitten in der Nordsee.

Das 50 Meter große Bollwerk wies den Schiffen fast 100 Jahre lang den Weg durch die Fluten. Bei Niedrigwasser ragt es etwa 30 Meter über den Meeresspiegel henaus. Die Anreise mit dem Schlepper dauert etwa drei Stunden und ist nur bei ruhigem Seegang möglich.

Bei der Ankunft müssen die Gäste erst einmal eine sechs Meter hohe Außenleiter zum Eingang erklimmen. Unter der Laternenkuppel gibt es vier Etagen mit einem Kojen-Schlafraum, einem Waschraum und einer Küche, die auch Aufenthaltsraum ist.

Mehr Einsamkeit geht nicht: Der Leuchtturm „Roter Sand“ war fast 100 Jahre lang im Dienst. Jetzt kümmert sich ein Verein um den Erhalt.

Der „Rote Sand“ gilt als „einsamstes Hotel Deutschlands“. Das trifft womöglich auf die abgeschiedene Lage, aber keinesfalls auf die Ausstattung zu. Denn Hotel-Komfort gibt es im rot-weißen Leuchtturm nicht. Auf Heizung und Strom müssen Gäste ebenso verzichten wie auf Alkohol. Mit gutem Grund: Zur Toilette geht es 70 Stufen auf einer ausgetretenen Treppe hinab – nach ein paar Gläsern Bier oder Wein steigt die Verletzungsgefahr. Gekocht wird mit Konserven und einigen frischen Lebensmitteln.

Ob Besucherinnen und Besucher planmäßig wieder an Land kommen, bestimmt übrigens allein die Nordsee. Der Schlepper kann am Leuchtturm nur bei ruhigem Seegang anlegen.

Zurzeit ist der Turm aus Sicherheitsgründen für Besucher allerdings gesperrt. Dass der „Rote Sand“ bald wiedereröffnet, ist aber nicht ausgeschlossen. Ein Förderverein sammelt Spenden für die Sanierung. Seit Beginn der touristischen Nutzung 1999 kamen rund 800 Übernachtungsgäste und 5500 Tagesbesucher.

  • Lage: 53° 51´ 18 Nord/08° 04´ 54 Ost
  • Höhe: 50 Meter
  • Anfahrt: Mit dem Schiff ab Bremerhaven