Deutschland scheint die Pandemie aktuell im Griff zu haben: Die Impfungen schreiten voran, die Infektionszahlen sind niedrig, die Reisewarnungen für „einfache“ Risikogebiete werden am 1. Juli aufgehoben. Viele Menschen freuen sich daher auf die Ferien und buchen spontan noch einen Sommerurlaub. Doch nun mischt sich Sorge unter die Urlaubsstimmung: Macht uns die Delta-Variante des Coronavirus, die zuerst in Indien festgestellt worden war, einen Strich durch die Reisepläne für den Sommer 2021?

Die Mutante breitet sich in einigen europäischen Urlaubsländern aus. Großbritannien, Portugal und Russland waren bereits als Virusvariantengebiete eingestuft. Was bedeutet die Ausbreitung der Mutante für die Reisepläne? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Klick dich direkt zu dem für dich wichtigen Punkt: 

Delta-Variante: Wie ist die Lage in den Urlaubsländern?

Eigentlich sieht die Situation ganz gut aus: Die Inzidenzwerte in den meisten europäischen Ländern sind niedrig, so wie in Deutschland auch. Viele Staaten sind daher von der Risikogebiete-Liste gestrichen worden, die Reisewarnung wurde aufgehoben. Das gilt beispielsweise für Griechenland, Italien, Frankreich, Polen, die Niederlande, Österreich und die Schweiz

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Zypern sowie einzelne Regionen in Kroatien und Spanien gelten als Risikogebiet. Zwischenzeitlich standen das Vereinigte Königreich, Russland und Portugal als einzige europäischen Länder auf der Liste der Virusvariantengebiete des Robert-Koch-Institutes und der Bundesregierung. Doch die Einstufung wurde am 7. Juli aufgehoben.

Das lässt zumindest darauf schließen, dass die Lage in den anderen Urlaubsländern noch verhältnismäßig entspannt ist. Das Problem ist aber: Wie stark die Delta-Variante bereits in Europa verbreitet ist, lässt sich oftmals gar nicht so genau sagen. Das liegt daran, dass in den meisten Ländern bei erkannten Corona-Infektionen zu wenige Sequenzierungen durchgeführt werden. Somit gibt es vielerorts keine aussagekräftigen Daten darüber, wie hoch der Anteil der Mutation ist. Trotzdem lassen sich mit den vorhandenen Daten sowie Meldungen aus Ländern weltweit einige Rückschlüsse ziehen. Ein kurzer Überblick:

  • Großbritannien: Die Delta-Variante macht 90 Prozent der Neuinfektionen mit dem Coronavirus aus, die gesamte Insel galt wochenlang als Virusvariantengebiet. Seit dem 7. Juli aber nicht mehr.
  • Portugal: Die Neuinfektionen steigen vor allem in der Metropolregion Lissabon und an der Algarve. Nach Angaben der portugiesischen Behörden macht die Delta-Variante in Lissabon mehr als 70 Prozent der Neuinfektionen aus. Die Region war bereits an zwei aufeinander folgenden Wochenenden komplett abgeriegelt, das könnte auch in Zukunft drohen. Portuzgal gilt aber nicht mehr als Virusvariantengebiet.
  • Spanien: Anstieg der Corona-Infektionszahlen, auch auf den Balearen und den Kanaren. Viele Regionen könnten erneut Risikogebiet werden. Unklar ist, wie verbreitet die Delta-Variante ist.
  • Griechenland: Wenig Delta-Fälle, Inzidenz der Coronavirus-Infektionszahlen steigt aber deutlich. Aktuell gilt das Land nicht als Risikogebiet.
  • Frankreich: Laut offiziellen Infos macht die Delta-Variante 8,4 Prozent aller Neuinfektionen mit dem Coronavirus aus, Inzidenz geht zurück. Das Land gilt nicht mehr als Risikogebiet.
  • Italien: Kein Risikogebiet mehr. Es wird wenig sequenziert, gefunden wurde die Delta-Variante in 5,4 Prozent der untersuchten Fälle.
  • Österreich: Kein Risikogebiet mehr, aber kaum aussagekräftige Fakten zur Ausbreitung der Delta-Variante.
  • Dänemark: Das Land untersucht fast 80 Prozent der Befunde auf die vorliegende Variante, Delta ist für weniger als ein Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Dänemark gilt aber noch in großen Teilen als Risikogebiet, ausgenommen Süddänemark, Färöer und Grönland.
  • Schweden: Das Land gilt teils noch als Risikogebiet, es gibt bislang keinen nachgewiesenen Fall der Delta-Variante. Untersucht wurden aber auch nur 57 von 9106 Infektionen.
  • Türkei: Die Delta-Variante ist nur in 2 Prozent der Corona-Neuinfektionen nachgewiesen – aber auch hier werden nur wenige Daten erhoben. Der Status als Risikogebiet könnte aufgehoben werden. Allerdings fliegen derzeit viele russische Reisende in die Türkei– und Russland ist ein Delta-Hotspot.

Was bedeutet die Einstufung als Virusvariantengebiet für Reisende?

Die Einstufung als Virusvariantengebiet hat für Reisende große Folgen: Reiserückkehrerinnen sowie -rückkehrer müssen dann, unabhängig von Test- und Impfstatus, für 14 Tage in Quarantäne. Diese Zeit kann auch nicht verkürzt werden, beispielsweise durch einen Corona-Test.

Grundsätzlich gilt bei der Einreise aus sogenannten Virusvariantengebieten auch ein Beförderungsverbot für den Verkehr per Zug, Bus, Schiff und Flugzeug aus diesen Gebieten. Es gibt lediglich wenige Ausnahmen, zum Beispiel für deutsche Reiserückkehrerinnen und -rückkehrer.

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Ab dem 1. Juli 2021 gibt es Änderungen bezüglich der Einstufungen. Die Reisewarnung durch das Auswärtige Amt für nicht notwendige und touristische Reisen wird dann nur noch für Länder ausgesprochen, die als Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet eingestuft sind. Von Urlaub in Ländern, die als „normales“ Risikogebiet eingestuft sind, wird dann grundsätzlich nur noch abgeraten.

Kann ich Reisen ins Virusvariantengebiet kostenlos stornieren?

Ob ein Rücktritt ohne Stornokosten möglich ist, hängt von den konkreten Bedingungen am Reiseziel ab. Grundsätzlich können Urlauberinnen und Urlauber von einer Buchung zurücktreten, wenn im Reiseland außergewöhnliche Umstände vorliegen, zum Beispiel durch Covid-19. Ein wichtiges Indiz sind die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes – allerdings sei die Pandemie inzwischen ein „Grundrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott.

Im Fall der Fälle sollten Urlauberinnen und Urlauber sich zunächst mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen und fragen, ob eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt oder ein anderes Land möglich ist. Viele zeigen sich hier aktuell kulant und bieten bessere Storno- oder Umbuchungs­möglichkeiten. Viele werben außerdem mit so genannten Flex-Tarifen. Das Prinzip ist Folgendes: Wer für seinen Pauschalurlaub etwas mehr bezahlt, darf ihn auch kurzfristig ohne die sonst üblichen Stornierungsgebühren wieder absagen oder umbuchen. Wer nur eine Ferienwohnung, eine Airbnb-Unterkunft oder ein Hotelzimmer gebucht hat, muss in die AGB schauen: Geld zurück gibt es nur, wenn die Richtlinien entsprechend kulant sind. Ähnlich sieht es bei Flugtickets aus.

Corona: Was genau ist ein Virusvariantengebiet?

Virusvariantengebiete sind Risikogebiete mit besonderen Merkmalen, darüber informiert das Bundesgesundheitsministerium. Dazu zählen Gebiete, in denen „eine Virusvariante (Mutation) des Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet aufgetreten ist, die nicht zugleich in Deutschland verbreitet auftritt und von der anzunehmen ist, dass von ihr ein besonderes Risiko ausgeht“. Das kann sich daraus ergeben, dass …

  • die Virusvariante vermutlich oder nachweislich leichter übertragen wird,
  • aufgrund einer anderen Eigenschaft die Infektionsausbreitung beschleunigt wird,
  • die Schwere des Krankheitsverlaufes verstärkt wird,
  • die Wirkung einer durch Impfung oder überstandene Covid-Infektion erreichte Immunität abgeschwächt ist.

Welche Auswirkungen hat die Delta-Variante für Reisende?

„Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, sagte der Präsident der Ärztekammer, Klaus Reinhardt. Er rät nur von Reisen in Regionen ab, die besonders von der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus betroffen sind. Per se müsse aber niemand auf Ferien verzichten. Für viele Menschen sei der Urlaub nach den Belastungen der letzten Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht. „Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 

Delta-Variante: Worauf sollte ich beim Buchen von Reisen achten?

Die rasche Ausbreitung der Delta-Variante an einigen Riesezielen in Europa zeigt erneut, wie fragil die Situation aufgrund der Corona-Pandemie noch immer ist. Wer einen Urlaub bucht, sollte daher auf flexible Stornierungsbedingungen und weitere Punkte achten. Wir erklären sie im Überblick.

Flex-Tarife der Reiseveranstalter

Wer in der aktuellen Zeit bucht, möchte möglichst flexibel sein – und die Reise vielleicht doch lieber verschieben oder stornieren, wenn sich die Lage am Urlaubsziel verschlechtert oder die Verunsicherung zu groß ist. Viele Reiseveranstalter haben darauf reagiert und bieten sogenannte Flex-Tarife an. Das Prinzip: Der Kunde oder die Kundin zahlt etwas mehr, darf aber später noch kurzfristig ohne Angabe von Gründen kostenlos umbuchen oder stornieren.

Reisende sollten hier unbedingt prüfen, welche Konditionen genau gelten und ob das Angebot auch wirklich für den ausgewählten Urlaub gilt. 

Wichtig beim individuellen Buchen

Wer individuell eine Unterkunft bucht, sollte ebenfalls einen Tarif mit kulanter Stornierungsmöglichkeit wählen, um flexibel zu bleiben. Auf Buchungsportalen im Internet lässt sich diese Option meistens wählen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Reisebüro können ebenfalls helfen. Auch bei Airlines lassen sich Tarife buchen, die kostenlos umgebucht oder storniert werden können. Aber auch diese kosten meist mehr als der Basis-Tarif.

Auslandskrankenversicherung

Eine Reisekrankenversicherung ist per se wichtig bei Reisen ins Ausland – in der Corona-Pandemie mehr denn je. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Versicherung einen Corona-Schutz enthält. Denn bei einigen sind Pandemien grundsätzlich ausgeschlossen, damit bestünde auch kein Versicherungsschutz im Falle einer Covid-19-Erkrankung. Das Gleiche gilt nach Angaben des Portals „Reiseversicherung.com“ für Versicherungen, die keine Reisen in Länder abdecken, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Die Website listet Versicherungen auf, die uneingeschränkten Versicherungsschutz bieten. Viele Pauschalreiseveranstalter bieten derzeit einen kostenlosen Corona-Schutz an, darauf werden Reisende im Buchungsprozess hingewiesen.

Reiserücktrittsversicherung

Was für die Auslandsreisekrankenversicherung gilt, trifft auch bei der Reiserücktrittsversicherung zu: Urlauberinnen und Urlauber sollten genau hinschauen, denn nicht alle greifen bei Pandemien. Wichtig in der aktuellen Situation ist aber, eine Versicherung zu haben, die Schutz bei einer Covid-19-Erkrankung, bei Quarantäne und bei einer coronabedingten Reisewarnung bietet. Eine Liste dazu führt das Portal „Reiseversicherung.com“ auf.

Wird die Delta-Variante auch durch Reisende verbreitet?

Klar ist: Wer mehr unterwegs ist, hat ein höheres Risiko, sich zu infizieren, als jemand, der zu Hause bleibt. Die Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die Verbreitung des Coronavirus. Im vergangenen Sommer hatten Reisen einen erheblichen Anteil an den Corona-Neuinfektionen, das hatte eine Studie des Robert Koch-Institutes ergeben. Zeitweise war jede zweite Ansteckung auf eine Auslandsreise zurückzuführen. Allerdings lohnt sich das genauere Hinsehen, denn die Studie hat gleichzetig die Rolle klassischer Pauschalurlauberinnen und -urlauber relativiert

Die meisten Neuinfektionen im Ausland stammten nämlich aus Heimatländern von Menschen mit Migrationshintergrund und Ländern, aus denen Saison- und Vertragsarbeiter und -arbeiterinnen nach Deutschland kommen. Dazu zählten das Kosovo, Kroatien, die Türkei sowie Bosnien und Herzegowina. Einen hohen Anteil von Infektionen im Ausland führte das RKI daher auf Reisen zur Familie oder zu Freunden zurück. 

Könnten die Reisebeschränkungen wegen Delta wieder verschärft werden?

Das hängt von der Entwicklungh ab. Generell sei bei weiteren Corona-Lockerungen Vorsicht geboten, sagte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Noch in dieser Woche stimmt der Bundestag über eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes ab, durch die Einreisebeschränkungen auch nach Ende der Pandemie-Notlage noch erlassen werden können, etwa wenn es das Auftreten einer Corona-Mutation in einem Land erforderlich macht.

Was ist die Delta-Variante eigentlich?

Die wichtigsten Infos im Überblick:

  • Ursprünglicher Name: Indische Variante (weil sie erstmals Ende 2020 in Indien nachgewiesen wurde)
  • Wissenschaftlicher Name: B 1.617.1
  • Symptome: Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schnupfen und Fieber
  • Impfschutz: Mit einer vollständigen Impfung scheint man geschützt zu sein. Untersuchungen zufolge sollen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer symptomatische Erkrankungen zu etwa 88 Prozent verhindern, eine vollständige Impfung mit Astrazeneca zu 60 Prozent.