Es war einmal Junge, der 1821 im schwäbischen Wörishofen geboren wurde. Seine Familie war so arm, dass er schon als Elfjähriger am Webstuhl und als Viehhirte arbeiten musste.

Eines Tages wurde er krank. Weil ihm niemand helfen konnte, überlegte er sich selbst etwas. Nahm eiskalte Bäder, nutzte Heilkräuter, machte Sport – und wurde gesund. Der Rest ist Geschichte – die Geschichte von Sebastian Kneipp. Was ihn noch heute zu Sebastian Superstar macht? Wir haben 7 spannende Fakten über den Health-Influencer von einst:

1. Wissbegieriger Wasserdoktor

Der Gedanke, seine Tuberkulose-Erkrankung im DIY-Verfahren zu heilen, kam nicht von ungefähr. Sebastian Kneipp las viel, beschäftigte sich mit Pflanzenheilkunde – und entdeckte 1840 das Buch „Unterricht von Krafft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen …“ des Arztes Johann Siegmund Hahn, der von der heilenden Wirkung kalten Wassers schrieb. Sebastian Kneipp kippte in das Thema rein, war aber nicht der erste, der sich auf diese Heilmethode konzentrierte. Im fränkischen Bad Alexandersbad wurde schon einige Jahre zuvor die erste Kaltwasseranstalt Bayerns gegründet – das Alexbad.

2. DIY-Gesundheitslehre

Was schräg klingt, ist tatsächlich wahr: Sebastian Kneipp heilte sich selbst, ohne je Medizin studiert zu haben. Bekannt ist, dass er seit 1944 an einer Lungenkrankheit litt, vermutlich Tuberkulose. Da damals die Medizin nicht so weit vorangeschritten war, sah es schlecht für ihn aus. Aufgeben kam für ihn aber nicht in Frage. Weil er sich so viel Wissen angeeignet hatte, erstellte er sich einen persönlichen Genesungsplan, der auf der Kraft des Wassers aufgebaut war. Er nahm kalte Bäder in der Donau, ergänzt durch Halbbäder und Güsse, bei denen er sich mit kaltem Wasser übergoss, und kombinierte diese Therapie mit Bewegung.

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3. High Five

Das Konzept ging auf – und Kneipp wurde gesund. Als er geheilt war, glaubte er noch mehr an seine Methoden – und arbeitet sein ganzheitliches Gesundheitskonzept aus. Dieses basiert auf fünf Säulen für einen ausgeglichenen Lebensstil: der gesundheitsfördernden Kraft von Wasser, einer ausgewogenen Ernährung, der Kraft der Heilpflanzen, viel Bewegung und einer ausgeglichenen Lebensführung. Kneipps Lehre hat sich über die Jahrhunderte immer weiterentwickelt, doch die fünf Säulen sind die Basis – und aktueller denn je. Nicht grundlos sind Schlagworte wie Achtsamkeit, Nachhaltigkeit oder healthy life hoch im Trend.

Kneippguss© FrankenTourismus/Bad Berneck/Hub

4. Kneipp im Knast – aber nur fast

Sebastian Kneipp hat nicht einen Tag Medizin studiert, aber Tausende von Patienten behandelt. Deshalb bekam er 1853 Ärger und er erhielt eine Anzeige wegen Kurpfuscherei, weil er eine cholerakranke Magd mit heißen Wickeln behandelt hatte. Er wurde zu einer Buße von zwei Gulden wegen „Vergehens gegen das Kurierverbot“ verurteilt. Ein Jahr später klagten ihn ein paar Ärzte und Apotheker an. Vor Gericht sagte Kneipp: „Nicht Vorliebe oder Interesse, sondern Mitleiden für die Unglücklichen“ veranlasse ihn zu Behandlungen. Der Richter fragte ihn dann nach einem Mittel gegen seinen „Rheumatismus auf dem Genick“. Kneipp gab ihm einen Rat – und das Gericht urteilte am Ende: „Kurieren Sie die, welche keine Hilfe bekommen oder kein Geld haben, und seien Sie ein Helfer in der Not.“

5. Weltklasse? Welterbe!

Ärzte und Apotheker schimpften Sebastian Kneipp einst einen Quacksalber, heute würden sie allerdings vermutlich vor Scham erblassen. Denn selbst die UNESCO hat entschieden, dass Kneipps Lehre kein Humbug, sondern Kulturerbe ist. Im Dezember 2015 teilte die deutsche UNESCO-Kommission mit, dass das Kneippen als „traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird.

6. Aus Franken in die Welt

Sebastian Superstar war schlau – und schuf bereits 1891 seine eigene Marke. Damals übertrug er dem Würzburger Apotheker Leonhard Oberhäußer das exklusive Recht, pharmazeutische und kosmetische Produkte sowie diätetische Lebensmittel mit Kneipps Namen und Bild zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben. Der Rest ist Geschichte und die Geburtsstunde der Marke Kneipp®. Bald gingen Tees, Tinkturen, Pflanzensäfte und -pulver an Kunden in ganz Deutschland und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzt durch Körperpflege, Badezusätze und Pflanzensäfte. Heute ist die Kneipp GmbH in 18 Ländern aktiv, der Hauptstandort befindet sich wie vor 130 Jahren im Fränkischen Weinland.

7. Frischekick in Franken

2021 jährt sich der Geburtstag von Sebastian Kneipp zum 200. Mal. Heute weiß man: Seine Naturheilverfahren sind erfrischend aktuell. Kneipp-Anwendungen gehören deshalb zum Angebot in vielen Heilbädern und Kurorten des „Gesundheitsparks Franken“. Einen hohen Stellenwert haben sie in Bad Berneck, Frankens staatlich anerkanntem Kneipp-Heilbad. Die bekannteste Kneipp-Anwendung ist das Wassertreten. In vielen Heilbädern und Kurorten des „Gesundheitsparks Franken“ gibt es extra dafür gestaltete Kneipp-Becken.

Viele Orte in Franken haben eine besondere Verbindung zum schwäbischen „Wasserdoktor“. Das gilt zum Beispiel für Bad Mergentheim. 1896 und 1897 war Kneipp hier zu Besuch bei seinem Freund Dr. Stützle, hielt Vorträge und behandelte Patienten. Heute finden sich entlang des drei Kilometer langen „Kneipp-Aktiv-Wanderwegs“ mehrere Stationen, an denen man sich mit den fünf Säulen vertraut machen kann: den Heilkräutergarten zum Beispiel, die Wassertretanlage oder zum Innehalten die Wolfgangskapelle.

Kneippbecken im Kurpark

Prädestiniert für einen Gesundheitsurlaub im Zeichen von Kneipp ist als einziges Kneipp-Heilbad in Franken Bad Berneck. Die traditionelle Kneipp’sche Lehre genießt hier einen hohen Stellenwert. Im Mittelpunkt stehen der Kurpark im Ölschnitztal mit seiner Kneipp-Anlage, der Kneipp-Lehrpfad mit Sensorik-Pfad und Kräuterbeet sowie das „TherapieLoft“. Letzteres bietet klassische Kneipp’schen Anwendungen und jede Art von Physiotherapie, aber auch ein moderner ausgerichtetes Sporttraining, Beckenboden-Therapie und Beratung. Der künftige Anspruch ist der eines physiotherapeutischen Leistungszentrums für das ganze Fichtelgebirge und eine moderne Präsentation und Anwendung von Kneipp.

Da Bewegung bei Kneipp so eine elementare Bedeutung hat, sind auch Masserberg und Bischofsgrün Empfehlungen für den Gesundheitsurlaub im Sinne von Kneipp. Hier herrscht ein besonders reizarmes Klima, weshalb beide als „heilklimatische Kurorte“ anerkannt sind. Bischofsgrün sorgt mit sechs zertifizierten Heilklima-Wanderwegen auch dafür, dass der Körper in Bewegung und der Geist zur Ruhe kommt.

Kneipp Fun-Facts

  • Sebastian Kneipp war 23 Jahre alt, als er 1844 in die erste Gymnasialklasse kam – und mit Abstand der Älteste. Seine Mitschüler nannte nannten ihn deshalb „Papa Kneipp“.
  • Es gibt eine Playmobil-Figur, die Sebastian Kneipp nachempfunden ist: mit Plastik-Gießkännchen, Sandalen und weißem Spitz.
  • 1997 wurde im 100. Todesgedenkjahr eine Strauchrose nach Sebastian Kneipp benannt. Diese hat leicht schalenförmige, cremeweiße und bis zu 10 Zentimeter große Blüten.

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