Seit einem Jahr sind wir unterwegs. Zu Hause, wo auch immer wir unseren Van parken. Allein oder mit Freunden, die wir auf der Reise kennengelernt haben. Und mit unzähligen Erinnerungen, die wir niemals vergessen werden, im Gepäck. Rückblickend können wir sagen, dass das Leben im Van im vergangenen Jahr die wahrscheinlich beste Entscheidung unseres Lebens war. Eine, die uns für immer verändert hat.

Mein Freund Tim und ich sind seit sechs Jahren zusammen und haben die meiste Zeit zusammen in der Nähe von Bremen gewohnt. Dort kommen unsere Familien her, viele unserer Freunde leben in der Nähe und Tim und ich haben beide dort gearbeitet. Doch das Verlangen nach mehr Freiheit, Abenteuerlust und die Gewissheit, dass es in Europa noch so viele schöne Orte gibt, die wir nur von Postkarten oder Reiseführern her kennen, war immer in unseren Köpfen.

Und aus diesem Gefühl wuchs eine Idee: Wir kaufen einen Van und bauen ihn zu einem Camper um. Das Ganze war natürlich mit einem großen finanziellen Risiko verbunden. Doch das Geld, die Zeit und die Energie, die wir in unser Projekt gesteckt haben, motivierten uns täglich nur noch mehr, so schnell wie möglich auf große Reise zu gehen. Sachen packen, Route ins Navi eintippen und einfach losfahren!

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Statt Europa-Roadtrip: Vanlife in Griechenland

Jetzt stehen wir gerade an der Südküste Kretas, einer Insel im Süden Griechenlands, und genießen den Frühling, der sich langsam ausbreitet. Die Blumen blühen zwischen den Felsen, der Wind bringt höhere Temperaturen und die Tage werden endlich wieder länger. Unser Van steht nur wenige Meter vom Meer entfernt, abends schlafen wir zur Melodie der Brandung ein und wachen mit den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Fenster scheinen, wieder auf. Dass wir es aber in dem ganzen Jahr nicht weiter als nach Griechenland geschafft haben, hätten wir uns vorher nicht vorstellen können.

Während der letzten Ausbauarbeiten hat Tim seinen Job gekündigt – unser Arbeitsplatz war von nun an überall, wo wir mit dem Van stehen bleiben und guten Empfang haben sollten. Die Tour sollte über Österreich, Kroatien und Albanien nach Griechenland führen und von dort aus entlang der Mittelmeerküste bis nach Portugal und dann an der Atlantikküste wieder Richtung Heimat.

Da wussten wir natürlich nicht, dass die Pläne durch die Corona-Pandemie umgeworfen werden würden und dass wir uns am Ende glücklich schätzen können, überhaupt unterwegs sein zu können. Denn kurz bevor unser Van fertig ausgebaut war, kam der erste Lockdown und alle Grenzen in Europa waren auf einmal dicht. Wir saßen also auf gepackten Koffern und warteten täglich, dass sich die Lage ändert und wir endlich loskommen. Statt im März des vergangenen Jahres starteten wir endlich im Juni. 

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Doch die Unsicherheit fuhr anfangs mit – und mit ihr viele Fragen: Die griechische Grenze war offiziell geöffnet, doch kommen wir auch einfach so durch? Kommen wir auch einfach so wieder nach Hause, wenn sich die Pandemie verschlimmert? Und halten wir es zu zweit im Van für so eine lange Zeit aus? Wir waren noch nie so lange und schon gar nicht für unbestimmte Zeit zusammen im Urlaub und hatten in unserer Wohnung immer genug Platz, um uns zur Not aus dem Weg gehen zu können. Das war nun vorbei. Vor uns lagen mehr als 2000 Kilometer bis nach Griechenland, die wir zusammen auf engstem Raum verbringen würden. Also auf ins Abenteuer, einen Weg zurück gab es sowieso nicht mehr.

Wie viel Streit steckt im Vanlife zu zweit?

Die Frage, die uns vielleicht am häufigsten gestellt wird, ist, ob wir uns häufig streiten und wie wir damit umgehen. Im Van gibt es da nur eine Lösung: alles ausdiskutieren, bis beide halbwegs einverstanden sind. Glücklicherweise streiten wir uns, seitdem wir unterwegs sind, sogar eher seltener. Alltags- und Arbeitsstress haben wir weit hinter uns gelassen. Auch wenn es kitschig klingen mag: Vanlife bedeutet ein Leben im Hier und Jetzt. Wir planen höchstens ein paar Tage voraus, auch, weil die Pandemie keine großen Reisepläne zulässt. Dadurch sind wir automatisch entspannter, und das wirkt sich wiederum auch auf die Beziehung aus. 

Stressig wird es vor allem dann, wenn wir mit unserem Van nicht idyllisch am Meer stehen, sondern für Einkäufe oder Erledigungen durch die engen Straßen in die Stadt müssen. Dort ist auch der Lockdown viel präsenter: Als Touristin durch die kleinen Gassen mit geschlossenen Läden in den Innenstädten zu flanieren ist wirklich traurig. Am liebsten sind wir deshalb durchgehend am Meer, arbeiten am Laptop in der Sonne vor unserem Van und gehen mit unserem Hund Wilma spazieren. Viel mehr brauchen wir nicht, um glücklich zu sein. Das war wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis dieser Reise.

Ein Jahr im Van: Traumhafte Inseln und Stellplätze

Ein Jahr zu zweit im Van hätten aber selbst wir uns nicht ohne Weiteres zugetraut. Doch all unsere Erlebnisse und Erfahrungen haben uns nie zweifeln lassen, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Wir haben wunderschöne Stellplätze direkt am Meer gefunden, traumhafte Inseln besucht und tolle Menschen kennengelernt. Während im Sommer noch viele, viele andere Camper in Griechenland umherfuhren, ist das Land seit dem Herbst wieder wie leer gefegt.

Ganz allein sind wir zum Glück dennoch nicht. Auf der Reise haben wir andere Paare kennengelernt, die mit ihrem Van unterwegs sind, alle mit demselben Traum. Einige haben wir immer wieder getroffen und waren mit ihnen zusammen unterwegs. Mit einem Paar verbringen wir nun unsere letzten Wochen auf Kreta. 

Denn auch wenn wir zwei uns super verstehen und jeder neue Ort Glücksgefühle in uns auslöst, ist der Austausch und der Kontakt zu anderen Menschen lebenswichtig. Mit den anderen beiden haben wir uns so gut verstanden und so viel zusammen erlebt, dass Heimweh nicht so richtig aufkam.

Zugegeben: Meine Familie hat uns in Griechenland für zwei Wochen besucht und die Heimat sozusagen zu uns gebracht. Doch der erneute Lockdown im Herbst und die hohen Infektionszahlen waren gute Gründe, um auch den Winter über einfach hier am Mittelmeer zu bleiben, anstatt ins verregnete und kalte Norddeutschland zurückzukehren. 

Nun ist das Jahr, das wir uns zu zweit im Van vorgenommen haben, um und damit endet unser Vanlife-Abenteuer in Griechenland. Zwar ist das Jahr ganz anders verlaufen, als wir gedacht hätten: Statt einer Europareise wurde es eben zu einer verlängerten Griechenland-Tour. Doch es war rückblickend das schönste Jahr überhaupt.

Auf ein Neues: Vanlife in Schweden

Trotzdem ist es an der Zeit für ein neues Kapitel. Zu Hause haben wir Energie getankt, Familie und Freunde getroffen, die wir fast alle seit einem Jahr nicht mehr gesehen haben. Doch lange hat es uns nicht in Deutschland gehalten. Vor ein paar Tagen sind wir nach Schweden aufgebrochen – ein neues Abenteuer, denn wir sind mit unserem neuen „alten“ Mercedes-Bus, den wir erneut ausgebaut haben, unterwegs. Das Vanlife lässt uns also erst mal nicht los!