Auf unsere heutige Tour trifft das in jeglicher Hinsicht zu: Von Bernterode an der Wipper starten wir zu einem Ausflug zum Heiligen Grab und zur längsten Bank Thüringens aus einem Stamm.

Der Startpunkt ist ein Parkplatz an der Straße des Friedens, an der sich auch der örtliche Friedhof befindet. Von dort aus wandern wir entlang der Wipper aus dem Ort hinaus in Richtung Dachsmühle. Eine Infotafel erklärt: Dort befand sich einst ein etwa 1630 erbautes Gebäude, in dem zunächst eine Mühle, später dann eine Ausbildungsstätte der Weberei untergebracht waren. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Die Gebäude wurden 1988 abgerissen.

Am ehemaligen Standort der Mühle biegen wir nach rechts ab und überqueren die Wipper. Wären wir nicht eben erst gestartet, befände sich hier bereits das erste Plätzchen zum Verweilen: “Lechten’s Ruh” ist die Bank benannt, von der aus ein weiter Blick über die Felder möglich ist.

“Lechten’s Ruh” ist die Bank, von der aus ein weiter Blick über die Felder möglich ist.

Aber: Zunächst einmal soll es weiter gehen. Durch eine Unterführung gelangen wir zu einem kleinen Pfad, der in den Wald hineinführt - und zwar ordentlich bergauf. Der Weg durchs Grüne und aufs Grüne zu ist wirklich hübsch anzusehen. Mit Kinderwagen oder eher schwacher Kondition sollte man sich aber Zeit lassen, sonst ist bereits nach den ersten eineinhalb Kilometern unter Umständen die Puste weg. Dem Motto der Tour entsprechend und als Belohnung für den Aufstieg gönnen wir uns eine Verschnaufpause auf der Bank auf dem Berg.

Weiter geht es durch den Wald. Unterwegs nehmen wir quasi automatisch Teil am kleinen Grundkurs Vogelkunde. Hinweisschilder erläutern, was aus den Bäumen live zu hören ist. Welche Tiere sonst noch im Wald leben und welches die Bäume des Jahres bis 2013 waren, lernen wir ebenfalls ganz nebenbei. Und das beste: Die Wegstrecke ist so gut beschildert, dass weder ein Blick in die Karte noch einer aufs Handy nötig ist. Wanderer können sich voll und ganz auf die Schönheit der Natur konzentrieren. Panoramaweg, Rundwanderweg Bernterode, Wege nach Niederorschel oder Gernrode, später noch der Mühlenwanderweg und andere Routen sind ausgewiesen. Die nächste Wanderung kommt bestimmt.

Und plötzlich wird alles hell. Wir verlassen den Wald und befinden und nach kurzer Zeit mitten auf dem freien Feld, das an diesem Tag unser Ziel sein sollte: “Heiliges Grab” steht in schwungvoller Schrift in Holz. Eine beeindruckend lange Bank, eine im katholisch geprägten Eichsfeld typische Klus, eine stolze Linde und eine Wahnsinnsaussicht machen aus einer Rast eine Panorama-Pause in freier Natur.

“Heiliges Grab” steht in schwungvoller Schrift in Holz

So schön ist jeder Platz für sich, dass wir uns Zeit nehmen, uns ein wenig ausführlicher mit dem zu beschäftigen, was wir sehen: Die mit 26,61 Metern längste Bank mit Tisch aus einem Stamm ist der erste Ort zum Verweilen. Nachgemessen haben wir nicht, wir glauben den Wanderern im SV Bernterode, die die Bank 2020 erbauten und ihr eine Hinweistafel gönnten.

Dann erfahren wir, was es mit dem Heiligen Grab auf sich hat, einer Prozessionsstätte zu Christi Himmelfahrt, die - einer Hinweistafel zufolge - 1798 am Lindey erbaut worden war, 2015 jedoch einem Feuer zum Opfer fiel. Heute befindet sich an Stelle der alten Klus eine neue Gebetsstation. Sie thematisiert das “Memento mori”, das Gedenken an die eigene Sterblichkeit. Ein Grund mehr, lauter hübsche Orte in der eigenen Region zu erkunden!

Unter der monumentalen Linde auf dem Berg nutzen wir erneut die Gelegenheit, uns auf eine Bank zu setzen und den Blick schweifen zu lassen, bevor wir den Rundkurs fortsetzen. Unterwegs begegnet uns ein beliebtes Fotomotiv, das in den sozialen Netzwerken gern “Tunnelblick” genannt wird. Vom Wanderweg aus ist ein Blick auf die Autobahn samt Höllbergtunnel-Einfahrt möglich. Wer’s mag: Auch dort gibt es eine Aussichtsbank.

Auf dem Rückweg treffen wir auf die schrägste der Sitzgelegenheiten auf dieser Tour. Perfekt geeignet für “Ich sehe was, was Du nicht siehst”. Denn die beiden Sitzplätze sind so angebracht, dass ein Wanderer in die eine und der andere in die entgegengesetzte Richtung weist.

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Gut ausgeruht unternehmen wir noch einen Bummel durch Bernterode, um die Dorfkirche zu betrachten und einen Abstecher zum Bürgermeisteramt zu unternehmen. Und ein Zwischenstopp beim Dorfbäcker wird eingelegt: Schließlich ist nach all den Rastplätzen die Wegzehrung aufgebraucht - und ein Eichsfelder Schmandkuchen dringend empfohlen.

Tipps: 

Bärenpark Worbis

Nur eine Viertelstunde Autofahrt entfernt vom Start und Ziel unserer Wanderung befindet sich der Alternative Bärenpark Worbis. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen dort Tiere, deren Geschichte oft eine leidvolle ist, und die nun in natürlicher Umgebung leben dürfen.
Außer Bären sind Wölfe, Haus- und Hoftiere im großzügigen Gelände zu sehen. Festes Schuhwerk ist angesagt! Der Alternative Bärenpark bietet Führungen und Events an, wenn es die Corona-Bedingungen zulassen. Geöffnet ist aktuell täglich von 10 bis 18 Uhr. Einzeltickets kosten zwischen 2 Euro für den Hund und 9 Euro für Erwachsene. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, ein Kontaktnachverfolgungsformular muss an der Kasse ausgefüllt werden. Im Freigelände gibt es aktuell keine Maskenpflicht. Besucher sollten sich vorab online informieren.

Im Bärenpark Worbis finden Bären aus schlechten Verhältnissen eine artgerechte Haltung.

Skywalk am Sonnenstein

Schwindelfreiheit ist im Landkreis Eichsfeld gefragt. Ein Skywalk, eine gläserne Aussichtsplattform, lockt dort auf den knapp 500 Meter hohen Sonnenstein bei Holungen. Der ungewöhnliche Laufsteg ist 14 Meter lang, ragt neun Meter über die Klippe und wird von einer gläsernen Brüstung umgeben.

Die Aussichtsplattform auf dem Sonnenstein bei Holungen im Eichsfeld