Der neue Radring „Rund um Berlin“ führt über einsame Feldstraßen und von Obstbäumen gesäumte Alleen, durch  beschauliche Dörfer und stille Wälder, an Blumenwiesen und immer wieder an der Havel entlang . Natur- und Wasserfans sind in Brandenburg ohnehin im richtigen Bundesland unterwegs. 

Aber auch Geschichtsinteressierte und all jene, die sich für Architektur begeistern, werden an der frisch eingeweihten Strecke ihre Freude haben: Preußische Schlösser, alte Bockwindmühlen und frühgotische Feldsteinkirchen liegen am Radweg.

Radweg um Berlin eignet sich für Ausflüge und Radurlaub

Die einzelnen Etappen sind zwischen 13 und 56 Kilometer lang und eignen sich sowohl für Tagesausflüge als auch für mehrtägige Radtouren, für sportlich Aktive und für Familien mit Kindern. Ob Havelland oder Müggel-Spree, Döbritzer Heide oder Barnimer Feldmark, jede Etappe ist bestens an den Berliner und Brandenburger Nahverkehr angebunden, denn 29 S- oder Regionalbahnhöfe säumen seinen Weg. Genaue Infos zu jedem einzelnen Streckenabschnitt bieten die Regionalparks um Berlin und Brandenburg. Wir stellen dir die Etappen vor:

1. Etappe: von Bernau nach Werneuchen

Los geht's im 700-jährigen Bernau vor den Toren Berlins, wo historische Fachwerkhäuser und Plattenbauten aufeinandertreffen. Über das hübsche Angerdorf Börnicke mit Brandenburgs kleinstem Theater und einer imposanten Feldsteinkirche radelst du auf dieser ersten Etappe 13 Kilometer über Weesow gen Südosten nach Werneuchen. Ein Stopp inmitten der Felder und Wiesen, die schon Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschrieb, lohnt auf jeden Fall.

Das Angerdorf Börnicke ist wunderhübsch, hier seine Dorfkirche.

2. Etappe: von Werneuchen nach Strausberg

Diese Etappe wartet mit 26 Kilometern und einigen idyllischen Dörfern und Städtchen auf dich. Ohne nennenswerte Steigungen erreichst du Seefeld, das direkt am Löhmer Haussee liegt, der an heißen Sommertagen dank diverser Badestellen Kühlung verspricht. Nur wenige Kilometer weiter liegt Krummensee, eines der ältesten Dörfer im Barnim, und das ehemalige preußische Residenzstädtchen Altlandsberg.

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Vorbei an Eggersdorf, einem beschaulichen Angerdorf am Bötzsee, endet diese Etappe in Strausberg. Umgeben von Wald und Wasser ist die fast 775 Jahre alte Stadt mit der historischen Altstadt und der einzigen mit elektrischer Oberleitung betriebenen Seilfähre Europas.

Der Rundweg führt vorbei an Wiesen und Feldern, Auen und Sümpfen - hier im Naturpark Barnimer Feldmark.

3. Etappe: von Strausberg nach Erkner

Die dritte Etappe führt durch verschiedene Naturschutzgebiete mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Über Torfhaus geht es auf dieser 20 Kilometer langen Strecke nach Hennickendorf, wo ein alter Mühlenhof seit 1870 eine Bäckerei beherbergt. Im zugehörigen Café kann man in wunderschönem Ambiente bei Kaffee, Kuchen und Eis eine kleine Pause einlegen.

Der nächste Halt ist der Bergbauort Rüdersdorf. Hier ist der größte Museumspark für Industriegeschichte entstanden, dessen Exponate schon als Kulisse für Hollywood-Filme dienten. Danach wird es leicht hügelig und Woltersdorf an der Schleuse taucht auf, bevor in Erkner, direkt an der Grenze zu Berlin, diese Etappe ihr Ende findet.

Im Museumspark befinden sich viele historische Gebäude - nach Entwürfen berühmter Baumeister, wie Karl F. Schinkel.

4. Etappe: von Erkner nach Königs Wusterhausen

Die Etappe hat eine Länge von 27 Kilometern und beginnt in der Gerhart-Hauptmann-Stadt Erkner. Im Zentrum der charmanten Kleinstadt befindet sich der große Rathauspark mit dem sensationellen Blick auf den Dämeritzsee. Wer sich für seltene Bäume interessiert, sollte unbedingt vom Rad absteigen, denn hier wachsen Japanische Blütenkirschen, Ginkgobäume und die Kaukasische Flügelnuss.

Weite Wasser- und Waldgebiete sowie herrliche Feldflure mit dörflichen Siedlungen, Heide und Wiesen kennzeichnen diesen vierten Streckenabschnitt, der ein gutes Stück am Flusslauf der Spree entlangführt. Neu Zittau, Wernsdorf und Eichwalde sind weitere Punkte am Weg, bevor du in Zeuthen ankommst, das bekannt ist für seinen Chinesischen Garten, der alte asiatische Gartenkunst mit modernen Elementen verbindet.

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In Wildau erwartet dich ein architektonisches Highlight: Die Schwartzkopff-Siedlung entstand zwischen 1900 und 1925 und ist unbedingt sehenswert. Anschließend endet der Tag in Königs Wusterhausen, wo der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bevorzugt residierte. 

Nicht weit von der Endstation der S8 entfernt liegt der Chinesische Garten in Zeuthen.

5. Etappe: von Königs Wusterhausen nach Großbeeren

Auf diesem Abschnitt gilt es, mit 34 Kilometer die bisher längste Distanz zu fahren. Wer früh genug aufgebrochen ist, gönnt sich vielleicht noch eine Fahrt mit der Draisine oder einen Spaziergang durch den barocken Schlossgarten, einen Lieblingsort des Soldatenkönigs. Danach erwarten dich viel unberührte Natur, Geschichte und idyllische Dörfer im Wechsel.

Mit ein bisschen Glück begegnet dir in der Storchenstadt Mittenwalde einer der großen schwarz-weiß gefiederten Vögel. Einen Ort weiter, in Rangsdorf, startete Graf von Stauffenberg vom Flugplatz aus, um das Attentat auf Hitler zu verüben. In den mittelalterlichen Dörfern Dahlewitz und Blankenfelde beeindrucken mächtige Kirchen aus großformatigen Feldsteinen. In Großbeeren endet die Strecke an der Bülow-Pyramide, die an die Schlacht gegen Napoleon im Sommer 1813 erinnert.

Mittenwalde gilt als die Storchstadt der Region

6. Etappe: von Großbeeren nach Potsdam

Auf den 27 Kilometern von Großbeeren in die brandenburgische Hauptstadt Potsdam reiht sich zwischen Sonneblumenfeldern ein schönes Dorf ans andere: alte Kirchen, (zum Teil skurrile) Museen und herrliche Schlösser –allen voran natürlich das berühmte Schloss Sanssouci am Ende der Etappe. Aber der Reihe nach: In Teltow Ruhlsdorf ist das einzigartige Schweinemuseum zu Hause und in Sputendorf das Heimatmuseum, das in der alten Dorfschule Alltagsgegenstände vergangener Epochen ausstellt.

In Schenkenhorst lohnt ein Blick in die alte Dorfkirche mit dem Fachwerkturm aus dem 13. Jahrhundert. Das kleine Güterfelde hat ein großes Schloss zu bieten und in Bergholz Rehbrücke befindet sich das Oldtimermuseum, in dem über 100 alte Fahrzeuge bestaunt werden können.

In Potsdam mit seinem historischen Zentrum, den Schlössern und herrlichen Gärten der brandenburgisch-preußischen Könige endet die Etappe mit einem Höhepunkt der Radreise.

Herrlich: eines von vielen Sonnenblumenfeldern bei Potsdam.

7. Etappe: von Potsdam nach Werder

Auch hier, auf diesem 20 Kilometer langen Abschnitt, steht das Wasser im Mittelpunkt wie so oft in Brandenburg. Vom imposanten Potsdam bis zur Blütenstadt Werder folgt der Radweg dem Verlauf der Havel. Du begegnest verwunschenen Dörfern, romantischen Flusslandschaften und Seen.

Von Caputh geht es mit der Fähre auf einer wenige Minuten dauernden Überfahrt nach Geltow über die Havel. In Geltow solltest du dein Zweirad parken und dir unbedingt die älteste noch produzierende Handweberei Deutschlands anschauen. Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Werder, dessen historische Altstadt auf einer Insel liegt. Die wunderbare Havellandschaft, die Obst- und Weinbautradition und die alte Bockwindmühle ziehen jedes Jahr viele Gäste an.

Werder gilt als die Blütenstadt der Region und sie liegt idyllisch an der Havel.

8. Etappe: von Werder nach Brieselang

Es geht weiter an der Havel entlang; der 38 Kilometer lange Streckenabschnitt folgt dem Fluss bis zum nächsten Etappenziel: Brieselang. Dabei laden unterwegs Fischerdörfer wie Phöben und Ketzin ein, fangfrischen Fisch zu probieren und einen Spaziergang durch die engen Gassen zu unternehmen.

Nach einer kurzen Fährüberfahrt erreichst du das hübsche Paretz, wo früher Kronprinz Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen residierten und heute im Sommer klassische Konzerte gegeben werden. Ganz anders präsentiert sich Elstal, wo im Zuge der Olympischen Spiele 1936 das Olympische Dorf errichtet wurde. Endpunkt der Etappe ist Brieselang, das wegen seiner direkten Lage am Havelkanal viele Wassersportfans anzieht. Der nahe gelegene Nymphensee soll der sauberste See des Havellands sein.

Jesse Owens Zimmer im ehemaligen Olympischen Dorf der Sommerspiele Berlin 1936 in Elstal bei Berlin.

9. Etappe: von Brieselang nach Kremmen

Auch hier auf der neunten Etappe empfiehlt es sich, mal abzusteigen, um die charmanten Angerdörfer und imposanten Schlösser, die ehemaligen Rittergüter und historischen Dorfkirchen anzuschauen, die dir auf dieser mit 56 Kilometer längsten Etappe des Rundradwegs begegnen. In der Dorfkirche von Schönwalde-Glien steht eine gut erhaltene Wagner-Orgel, in Wandsdorf buhlen ein Schloss und eine kleine Barock-Kirche um die Aufmerksamkeit der Gäste, während es in Pausin eine interessante Waldschule zu besichtigen gibt.

In Groß-Ziethen liegt in voller Pracht und Schönheit das Schloss Ziethen. Heute beherbergt das 700 Jahre alte Ensemble ein Hotel und ein Restaurant und lädt mit seinem herrlichen Gutspark zum Flanieren unter mächtigen Linden, Eichen und Birken ein. Der weitere Weg zum Ziel der Etappe in Kremmen führt durch die dichten Wälder und Blumenwiesen des Regionalparks Osthavelland-Spandau, wo dem Drahtesel sicher ein paar Pferde begegnen werden.

Schloss Groß-Ziethen beherbergt heute ein Hotel und ein Restaurant - dazu gehört ein wunderbarer Schlosspark.

10. Etappe: von Kremmen nach Oranienburg

Die zehnte und vorletzte Etappe auf dem großen Rundweg ist nur 22 Kilometer lang und dennoch sehr abwechslungsreich: Beschauliche Dörfer, eine alte Bockwindmühle und verlassene Ruinen begegnen dir im Norden der Hauptstadt. Gleich zu Beginn gilt es, das größte zusammenhängende Scheunenensemble Deutschlands zu bestaunen. Ein Stück weiter liegt das barocke Schlossgut Schwante umgeben von Feldern und Wäldern.

In Vehlefanz steht die letzte erhaltene Windmühle der Region in der Nähe der Ruinen einer alten Wasserburg. Zeugnis des letzten Jahrhunderts ist die denkmalgeschützte Heinkel-Siedlung in Leggebruch, die um 1930 für die Arbeiter eines Flugzeugwerks gebaut wurde. Am Ende der Strecke erreichst du Oranienburg. Eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte hat sich hier im Konzentrationslager Sachsenhausen am Stadtrand zugetragen.

Es ist das größte Scheunenviertel Deutschlands: In Kremmen wollen über 40 Scheunen entdeckt werden.

11. Etappe: von Oranienburg nach Bernau

Wasserreich und voller Geschichte kann Oranienburg, Ausgangspunkt der letzten und elften Etappe des Radwanderwegs, mit dem ältesten Barockschloss Brandenburgs aufwarten. All jene, die den ganzen Rundweg mit seinen 330 Kilometern gefahren sind und sich hier noch einmal für die letzten 40 Kilometer auf den Sattel schwingen, schließen am Ende des Tages den Kreis.

Das Schloss Oranienburg ist das älteste Barockschloss der Gegend.

Und wieder führt die Etappe an viel Wasser entlang: am Lehnitzsee und am Oder-Havel-Kanal zum Beispiel. Im Sommer lohnt auch ein Abstecher ins kühle Nass beliebter Badeseen wie des Löhmer Haussees, des Krummensees oder des Gamensees. 

Typisch brandenburgische Angerdörfer wie Wensickendorf, Friedrichsthal und Stolzenhagen wechseln sich ab mit Passagen durch die weite Barnimer Feldmark und Wälder. Auch an Wandlitz führt der Radweg vorbei. Hier wohnten gut bewacht von 1960 bis 1989 die SED-Chefs des Politbüros mit ihren Familien. Im Hussitenstädtchen Bernau erreichst du dein Ziel und hast vielleicht noch Kraft, einige mittelalterliche Spuren zu entdecken?! Ziemlich beeindruckend ist zum Beispiel die Befestigungsanlage mit Steintor und Hungerturm.