Du willst in der spielfreien Zeit nicht auf Fußball verzichten? Auch zwischen Ende der Bundesliga und Beginn der Europameisterschaft kannst du deiner Leidenschaft nachgehen. Zum Beispiel bei einer Reise in das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. In der Heimat von Vereinen wie Borussia Dortmund, FC Schalke 04, VfL Bochum, Rot-Weiß Essen, Wattenscheid 09 oder MSV Duisburg schlagen nicht nur die Herzen der eigenen Fans höher.

Schließlich kickten im Revier früher zuerst die Bergbau-Arbeiter gegeneinander, dort liegt sozusagen die Keimzelle des Sports in Deutschland. Auch Rivalitäten und historische Derbys, die lokale Nähe der Traditionsvereine und die Ascheplätze gehören zum Fußballkult der Region – und zu seiner besonderen Anziehungskraft für ganz Fußballdeutschland.

18. April 2018: Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt zeigen Fans des FC Schalke 04 eine Choreografie zum Thema Bergbau.

Tourismus-Projekt „Ruhr.Fußball“ fördert das Ruhrgebiet als Fußball-Reiseziel 

Reisen zum Thema Fußball sollen künftig das Ruhrgebiet in eine höhere Tourismus-Liga befördern. Deshalb haben sich mehrere Akteure zusammengeschlossen und das Förderprojekt „Ruhr.Fußball“ gestartet. Allein das Land Nordrhein-Westfalen ist zu 80 Prozent daran beteiligt. Bis zur EM 2024 in Deutschland soll das Ruhrgebiet zum Top-Reiseziel für Fußballinteressierte werden, indem neue Angebote geschaffen werden. Wir verraten, was du schon jetzt bei einem Ausflug entdecken kannst, und liefern zusammen mit „Ruhr Tourismus“ Tipps für wichtige Fußballorte, Rundgänge und geführte Touren.

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Reise ins Ruhrgebiet: Diese Fußballstadien musst du sehen

Auch in der spielfreien Zeit ist der Signal-Iduna-Park in Dortmund geöffnet. Ab dem 1. Juni werden in dem Stadion der Borussia täglich coronakonforme Spaziergänge angeboten. Alles, was du dafür brauchst: eine Maske, ein Smartphone und Kopfhörer. Denn zwischen Trainerbank, Südtribühne und Spielertunnel entdeckst du immer wieder QR-Codes, die dir schwarz-gelbe Videos aufs Handy spielen. Die Tickets für den Spaziergang (9 Euro, ermäßigt 6 Euro) kannst du hier buchen.

Beim Stadionspaziergang im Signal-Iduna-Park liefern QR-Codes Videos aufs Smartphone.

Das Mathias-Stinnes-Stadion in Essen war früher einmal das größte der Stadt und eines der modernsten des Ruhrgebiets. 1925 wurde es für die Zechen-Fußballmannschaft TSG Karnap 07 erbaut, später spielte hier auch Rot-Weiß Essen.

Die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen trug im Mathias-Stinnes-Stadion 1956 sogar ihr erstes (inoffizielles) Länderspiel gegen die Niederlande aus und siegte 2:1. Doch von den ruhmreichen Zeiten ist heute nicht mehr viel übrig: Kabinen, Vereinsheim und Kassenhäuschen verfallen zu Ruinen, Unkraut überwuchert die Tribünen, das Spielfeld ist zugepflastert – und das Stadion als Lost Place ein Ausflugsort mit besonderer Atmosphäre.

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Eine Stadiontour in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen hast du schon gemacht und auch im Museum alles über die bewegte Vereinsgeschichte des FC Schalke 04 erfahren? Dann bietet sich ein Besuch an der Glückauf-Kampfbahn an, dem Ort, an dem sich vieles tatsächlich abgespielt hat, was in dem Museum hochmodern präsentiert wird. Von 1928 bis 1973 war das Fußballstadion auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Consolidation die Heimspielstätte der Gelsenkirchener – auch während der Saison 1957/1958, als der FC Schalke 04 zuletzt deutscher Meister wurde. Damals lief es für den Verein besser als heute: 2021 stiegen die Königsblauen aus der ersten Fußball-Bundesliga ab.

Luftbild der Glückauf-Kampfbahn, ehemalige Spielstätte des FC Schalke 04, in Gelsenkirchen.

Besonders empfehlenswert ist auch eine Tour durch das Vonovia-Ruhrstadion in Bochum. Bei dem 90-minutigen Rundgang erfährst du ohne Halbzeitpause viele interessante Fakten über die Spielstätte des VfL und gehst von den Katakomben bis in die VIP-Loge. Letztere wurde übrigens erst 2011 eingerichtet – 32 Jahre nach dem Bau des Stadions, wie der Fußball-Reiseblog „11 km“ schreibt. Dafür verfügt die Loge über eine frei stehende Badewanne, eine Wasserfalldusche und einen Waschtisch. Mehr über die Stadionführung sowie einen virtuellen Vorgeschmack findest du hier.

Ausflugsziele und historische Fußballorte im Ruhrgebiet

„Rahn müsste schießen. Rahn schießt. Tor! Tor! Tor! Tor!“ Der Jubel von Radio-Reporter Herbert Zimmermann aus dem Jahr 1954 ist für immer mit dem Wunder von Bern verbunden – und seit 2010 auch mit der A40. An den Brücken prangt der legendäre Torjubel als Schriftzug über der Autobahn und setzt damit dem gebürtigen Essener ein Denkmal, dessen Tor des Jahrhunderts Deutschland zum Fußball-Weltmeister machte. Wer das ist? Na, der Boss: Helmut Rahn.

An einer Autobahnbrücke der A40 in Fahrtrichtung Dortmund steht in Erinnerung an den Essener Helmut Rahn, der im Fußball-WM-Finale 1954 in Bern in der Schweiz das entscheidende Tor erzielte, der Anfang das berühmten Radiozitats.

Nächster Fußballort, nächstes Zitat. Mit „Ich danke Sie!“ begrüßt ein Schild die Besucherinnen und Besucher von Ente Lippens’ Ranch in Bottrop. Das Restaurant, das ab Juni wieder geöffnet hat, gehört Michael Lippens, dem Sohn von Willi „Ente“ Lippens. In seiner aktiven Zeit spielter der unter anderem für Rot-Weiß Essen und Borussia Dortmund, war bekannt für seine markigen Sprüche und seinen watschelnden Gang. Zwar handelt es sich bei Ente Lippens’ Ranch um keine Fußball-Kneipe im engeren Sinn, trotzdem erinnern Fotos, alte Fußballschuhe, Anekdoten und Zitate an vergangene Zeiten. Und an eine der berühmtesten Roten Karten der Fußballgeschichte: 1965 fing sich Lippens in einem Regionalligaspiel eine Verwarnung ein, die der Schiedsrichter mit den Worten „Ich verwarne Ihnen“, kommentierte. „Herr Schiedsrichter, ich danke Sie“, antwortete Lippens – und handelte sich damit einen Platzverweis ein.

Die Gaststätte „Zum Wildschütz“ ist eng mit der Geschichte von Borussia Dortmund verbunden und mittlerweile selbst Geschichte. Dort wurde am 19. Dezember 1909 der Verein gegründet. Heute befindet sich in dem Gebäude in der Osterholszstraße der Imbiss „Pommes Rot-Weiß“ – und ein weiterer historischer schwarz-gelber Ort: Bis zum Borsigplatz, wo der Verein traditionell seine Titel und Meisterschaften feiert, sind es nur wenige Meter. Er ist auch eine Station des Erlebnis-Radwanderwegs Deutsche Fußballroute NRW, der von Aachen bis nach Bielefeld führt.

Borussia Dortmund feiert den Sieg des DFB-Pokals 2017 mit einem Autokorso durch die Stadt, der auch zum Borsigplatz führt.

Die „größte Talentschmiede des deutschen Fußballs und eine der bedeutendsten Sportschulen der Bundesrepublik Deutschland“ findest du im Ruhrgebiet – zumindest schreibt das die Sportschule Wedau in Duisburg auf ihrer eigenen Internetseite. Aber tatsächlich gingen hier schon einige Fußballgrößen und Weltmeister ein und aus: Von Beckenbauer, Netzer, Matthäus, Effenberg bis zu Neuer, Draxler und Götze. Viele Räume der Sportschule stehen auch Besucherinnen unld Besuchern offen, sie werden zum Teil auch für Tagungen oder Klassenfahrten angeboten. 

Führungen zum Thema Fußball im Ruhrgebiet

Mit einem Bollerwagen voller Bier, Schnaps und Schmalzstullen ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Erlebnistour „Fußball, Bier und Fangeschichten“ durch Dortmund. Vom Friedensplatz in der Kleppingstraße aus startet die Gruppe und kommt nach etwa zwei Stunden beim DFB-Fußballmuseum an. Unterwegs liefern zwei Betreuer historische und aktuelle Fußball-Fakten und viel Wissen zu örtlichen Vereinen.

Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund.

Das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund hat nach langer Corona-Pause wieder geöffnet. In der Ausstellung warten 1600 Exponate aus 140 Jahren Fußballgeschichte auf dich: zum Beispiel der Endspielball von 1954, WM- und EM-Pokale, Oliver Bierhoffs EM-Dress von 1996 und der Schuh, mit dem Mario Götze in der 113. Minute das entscheidende Tor des WM-Finales 2014 erzielte. Das Museum bietet verschiedene Führungen an, etwa speziell für Kinder. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dieses Angebot aktuell noch eingeschränkt.

Original-Spielball des Finales von Bern mit den Unterschriften der Weltmeisterelf in der Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund.

Bei der „Kleinen Dortmund-Tour“ lernst du die sportlichen Seiten der Stadt kennen – ohne selbst ins Schwitzen zu kommen. Du fährst in einer Gruppe und zusammen mit einem Guide auf einem Segway durch Dortmund und steuerst zentrale Fußballorte an wie die Westfalenhallen, das Westfalenstadion, die Helmut-Körnig-Halle, das denkmalgeschützte Freibad Volksbad südlich des Stadions „Rote Erde“. Dazu erfährst du über ein Audiosystem viele interessante Fakten.