Wer zu Zeiten der Corona-Pandemie ins Ausland reisen will, benötigt noch mehr Dokumente als zuvor. Denn viele Länder verlangen Einreise- und Gesundheitsformulare, QR-Codes, negative Corona-Tests oder den Impf- oder Genesungsnachweis. Wenn nun im Sommer das Passagieraufkommen an den Flughäfen in Deutschland wieder steigt, kann das unter Umständen zu längeren Wartezeiten führen. 

Erst vor wenigen Wochen warnte der Flughafen Heathrow in London, dass es aufgrund des EU-Austritts Großbritanniens, der Corona-Einreiseregeln in verschiedenen Ländern sowie Regelungen Großbritanniens zum Umgang mit Menschen, die aus Risikogebieten kommen, zu einer Wartezeit von bis zu fünf Stunden am Flughafen kommen könne. Mit solchen Zeiten rechnet man in Deutschland zwar nicht, aber auch hier bereiten sich die Flughäfen vor.

Flughäfen in Deutschland bereiten sich auf höheres Passagieraufkommen vor

„Wir sind darauf vorbereitet, dass im Sommer mehr Passagiere kommen und dass es zu Stoßzeiten auch eng werden kann“, sagt Maria Linden, Pressesprecherin bei Fraport, dem Betreiber des Flughafens Frankfurt, dem reisereporter. „Es kann zu Wartezeiten kommen, auch wenn wir natürlich versuchen, sie gering zu halten.“

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An Deutschlands passagierstärkstem Airport rechnen die Verantwortlichen vor allem morgens und vormittags mit längeren Wartezeiten, ab dem späten Nachmittag ließe das Passagieraufkommen eher nach, so Linden. „Wir können keine Zeit nennen, die Passagiere vor Abflug da sein sollten, aber ein bisschen mehr Puffer als sonst kann nicht schaden.“ Menschen sollten sich nicht verunsichern lassen, wenn Schlangen lang seien – durch die Abstandsregelungen bedeute eine lange Warteschlange nicht automatisch auch eine sehr lange Wartezeit. 

QR-Codes, Corona-Tests, Einreiseformulare: Dokumente griffbereit haben

An den Flughäfen Berlin-Brandenburg und Hamburg bleiben die Verantwortlichen zunächst bei der Empfehlung, zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. „Hinweise auf einen größeren Zeitbedarf liegen uns aktuell nicht vor“, sagt BER-Sprecher Jan-Peter Haack dem reisereporter. „Da auch bisher bei der Abfertigung Corona-Tests kontrolliert werden, ohne dass es zu strukturellen Verspätungen kommt, gehen wir davon aus, dass dies auch mit Tests und Impfnachweisen möglich sein wird.“

Ähnlich verhält es sich auch in Hamburg: Man liege derzeit bei 15 Prozent des Passagieraufkommens von Ende Mai 2019. „Wir sind also noch weit davon entfernt, eine Voll-Auslastung der Terminals zu erreichen. Wartezeiten können in Spitzenzeiten aber natürlich nie ausgeschlossen werden“, so Sprecherin Janet Niemeyer gegenüber dem reisereporter. 

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An allen Flughäfen in Deutschland wird mit mehr Reisenden als noch im Sommer 2020 gerechnet. Das Vor-Corona-Niveau werde man in diesem Sommer zwar nicht erreichen, aber man „geht davon aus, dass in den Sommerferien bis zu 50 Prozent des vor der Corona-Pandemie üblichen Verkehrsvolumens erreicht werden“, heißt es in einer Mitteilung aus Düsseldorf. 

Sommerurlaub: Flughäfen in Frankfurt und Düsseldorf nehmen weitere Terminals in Betrieb

Weiter weist die Geschäftsführung des Flughafens darauf hin, dass beispielsweise nur jede zweite Kontrollstelle besetzt sei, um Abstand zu wahren. Zudem müssten zur Desinfektion immer wieder Pausen gemacht werden. „Schlangenbildungen, inbesondere zu Verkehrsspitzen wie beispielsweise am frühen Morgen, sind in Zeiten von Corona daher nicht zu vermeiden“, heißt es in der Mitteilung. 

Um das Passagieraufkommen zu entzerren, öffnen einige Airports Bereiche, die bisher noch stillgelegt sind. In Frankfurt wird Terminal 2 am 1. Juni in Betrieb genommen, in Düsseldorf Flugsteig B am 2. Juni. Damit ist mehr Personal im Einsatz, Besucherströme können besser gelenkt werden und es gibt weniger Staus aufgrund der Abstandsregeln. Beim BER ist noch keine Öffnung der Terminals 2 und 5 terminiert, sollte es zu Staus in Terminal 1 kommen, könne man allerdings zeitnah reagieren, so Haack. 

Reisende sollen sich aktuell über Einreiseregeln informieren

Doch trotz aller Vorbereitungen, die Flughäfen sind auch auf die Mitarbeit von Passagierinnen und Passagiere angewiesen. Alle Sprecher verweisen darauf, dass Reisende einiges dazu beitragen können, keine langen Wartezeiten entstehen zu lassen. „Jeder Einzelne ist in der Pflicht, dass Prozesse reibungslos funktionieren“, so Linden. 

So sei es vor allem wichtig, dass Urlaubende ihre Dokumente beisammen und immer griffbereit haben. Dazu gehören neben Reisepass und Boarding Pass auch der Impfpass oder das Corona-Testergebnis sowie mögliche Einreiseformulare des Ziellandes. 

Reisen im Sommer: Empfehlungen für Reisende von den Airports

  1. Reisende sollen sich aktuell, möglichst direkt vor der Abreise, noch einmal über die Einreisebestimmungen ihres Ziellandes informieren, um alle nötigen Dokumente beisammen zu haben. 
  2. Reisende sollen rechtzeitig vor Abflug am Flughafen sein, in der Regel werden zwei Stunden empfohlen.
  3. Reisende sollen sich an geltende Hygiene- und Abstandsregeln halten und einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. 
  4. Reisende sollen möglichst ohne Begleitung an den Flughafen kommen. Sind doch Begleitpersonen dabei, empfiehlt beispielsweise der Flughafen Hamburg, sich vor dem Gebäude zu verabschieden.
  5. Reisende sollen alle Services, die online möglich sind, nutzen, etwa den Online-Check-in.
  6. Reisende sollen alle Dokumente, die sie benötigen, wie Impfpass/Corona-Test/Genesungsnachweis, Reisepass und Einreiseformulare, griffbereit haben, da sie im Laufe des Check-ins und Boarding mehrfach vorgezeigt werden müssen. 
  7. Reisende sollen ihr Gepäck so packen, dass es den Richtlinien der jeweiligen Airline entspricht. Umpacken am Check-in wegen Übergepäck oder beispielsweise falsch verstauten Power Banks oder E-Zigaretten verursacht Staus. 
  8. Reisende sollen vor der Sicherheitskontrolle ihre Flüssigkeiten (maximal 100-Milliliter-Flaschen in einem wiederverschließbaren, durchsichtigen Beutel) griffbereit haben und können schon Jacken, Schmuck und Co. ablegen.