Die Ostsee zählt zu den beliebtesten Reisezielen deutscher Touristinnen und Touristen – zumindest, solange es sich um die Küste im eigenen Land dreht. Das Nachbarland Polen mit seinen 770 Ostseeküstenkilometern ist vielen bisher eher wenig geläufig.

Zu Unrecht: Zwischen Stettiner Haff und Danziger Bucht finden sich zahlreiche Kur- und Badeorte, die außer breiten Sandstränden auch spannende historische Sehenswürdigkeiten sowie ein lebhaftes kulinarisch-kulturelles Angebot bereithalten. Wir stellen einige vor.

Sopot in der Woiwodschaft Pomorskie

Sopot liegt zwischen Gdańsk (Danzig) und Gdynia an der Danziger Bucht. Der vier Kilometer lange Sandstrand lockte schon in den 1920er-Jahren wohlhabende Touristen und Touristinnen an. Etliche Villen im Bäderarchitekturstil aus dem frühen 20. Jahrhundert zeugen noch heute von diesen mondänen Jahren. Herzstück des Bade- und Kurorts ist die Molo w Sopocie, eine 1927 errichtete weiße Holz-Seebrücke, die 511,5 Meter ins Meer ragt – sie ist die längste ihrer Art in Europa. Tausende Menschen flanieren im Sommer über das Bauwerk, Boote und Ausflugsschiffe legen dort an und ab.

Der Bade- und Kurort Sopot lockte schon in den Zwanzigerjahren wohlhabende Reisende an. Viele erhaltene Villen aus der Zeit erinnern heute noch daran.

In der Nähe der Mole beginnt am Plac Przyjaciół Sopotu, dem Platz der Freunde Sopots, die Bohaterów-Monte-Cassino-Straße. Die heutige Fußgängerzone war einst die Verbindung zwischen dem ländlich geprägten Oberen und dem Unteren Sopot. Letzteres war ein Fischerdorf, bevor der elsässische Arzt Jean Georg Haffner 1823 dort die erste Badeanstalt mit Kurbetrieb eröffnete. An der Bohaterów-Monte-Cassino reihen sich Geschäfte, Restaurants und Cafés aneinander – dazu gehört auch das 2004 errichtete Krzywy Domek, das krumme Häuschen. Das skurril-comicartig wirkende Gebäude beherbergt ebenfalls Shops, aber auch Clubs und einen Radiosender.

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An der Straße Bohaterów-Monte-Cassino in Sopot finden sich viele Geschäfte, Restaurants und Cafés – und das Krzywy Domek, das krumme Häuschen.

Im Juli und August während der polnischen Sommerferien kann es in Sopot sehr voll sein – vor allem jüngere Urlauberinnen und Urlauber schätzen das Seebad wegen der vielen Musikkneipen und Discos. International bekannt ist Sopots Opera Leśna, die Waldoper (Stanisława Moniuszki 12): Das Freilicht-Amphitheater liegt in einem Waldstück; bis zu 4400 Besucherinnen und Besucher können dort Klassik- und Popkonzerte sowie einmal jährlich das Sopot-Musikfestival verfolgen.

Ustka in der Woiwodschaft Pomorskie

Ustka liegt nordwestlich von Gdańsk an der Słupia-Mündung in die Ostsee. Kilometerlange Sandstrände erstrecken sich auf Höhe der Stadt. Die Geschichte Ustkas als Kurort reicht zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert. Sogar Otto von Bismarck soll dort zwei Heilaufenthalte eingelegt haben – sein mutmaßliches Domizil, die Villa Red, finden Reisende an der Ulica Żeromskiego nahe der Strandpromenade.

Letztere, die Promenada Nadmorska, ist mehr als zwei Kilometer lang. Auf der Hauptmole östlich der Słupia-Mündung steht ein Wahrzeichen der Stadt: Die Syrenka Ustecka, eine Meerjungfrau aus Bronze mit einem Lachs in der Hand, ist Teil des Stadtwappens und symbolisiert zwei wichtige historische Einnahmequellen Ustkas, den Fischfang und die Badekultur.

Die Syrenka Ustecka, eine Meerjungfrau aus Bronze mit einem Lachs in der Hand, ist ein Wahrzeichen des Kurortes Ustka in Polen.

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Nur wenige Meter davon entfernt können Interessierte die Słupia über eine futuristische Fußgängerbrücke überqueren. Die 2013 errichtete Obrotowa Kładka wird weggedreht, um Schiffe passieren zu lassen. Auf dem Fischmarkt auf der Westseite des Flusses decken sich zahlreiche Lokale mit Kabeljau, Hering oder Heilbutt ein. Dass Ustka einst ein Fischerdorf war, können Reisende zwischen den Straßen Czerwonych Kosynierów und Marynarki Polskiej sehen – dort stehen einige historische Fachwerkfischerhütten.

Der Fischfang war schon immer eine wichtige Einnahmequelle für die Bewohnerinnen und Bewohner von Ustka nordwestlich von Gdańsk an der Słupia- Mündung in die Ostsee.

Aktivurlauber finden in Ustka zahlreiche Möglichkeiten vor; die Palette reicht vom Wandern und Radeln über Angeln, Segeln und Tauchen bis zum Paragliding. Familien mit Kindern können 45-minütige Schiffstouren im Stil von „Fluch der Karibik“ buchen – die in der Art einer Galeone aus dem 17. Jahrhundert gehaltene „Dragon“ sticht mit kostümierter Crew von der Ostseite des Hafens aus in See.

Swinemünde (Świnoujście) in Zachodniopomorskie

Świnoujście – auf Deutsch Swinemünde – zählt zu den ältesten Seebädern Polens und wohl auch zu den berühmtesten: Wegen der regelmäßigen Besuche des früheren Kaisers Wilhelm II. trägt die 50.000-Einwohner-Gemeinde auf der Insel Usedom den Beinamen „viertes Kaiserbad“. Gemeinsam mit den Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck auf deutscher Seite bildet Świnoujście die längste Strandpromenade Europas – sie ist zwölf Kilometer lang.

Reisende finden an der Promenada Zdrowia, der Gesundheitspromenade, zahlreiche Geschäfte, Hotels und Lokale. Unübersehbar sind die beiden Molen, die die Mündung des Świna-Flusses in die Ostsee flankieren: Die Bauwerke aus dem Jahr 1823 ragen 1100 und 1400 Meter weit ins Meer hinein. Auf der Westmole steht die weiße Mühlenbake; sie ist ein Seezeichen in Form einer Windmühle. Das zehn Meter hohe Leuchtfeuer ist ein Wahrzeichen von Świnoujście.

Die weiße Mühlenbake auf der Westmole in Form einer Windmühle ist ein Wahrzeichen von Świnoujście.

Das erste Kurhaus der Stadt nahm in den 1820er-Jahren den Betrieb auf, Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Kurbetrieb durch die Entdeckung von Solequellen einen Schub. Jugendstilvillen und neoklassizistische Bauten prägen bis heute das Kurviertel am Meer.

Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage wurde Świnoujście ab dem 17. Jahrhundert kontinuierlich zur Seefestung ausgebaut. Noch bis in die Siebzigerjahre war die Stadt ein wichtiger Militärstützpunkt. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden Teile der Befestigungsanlagen zu geschützten Denkmälern der Geschichte erklärt. Interessierte können drei Forts und die Podziemne Miasto, also die unterirdische Stadt, erkunden. Die riesige Bunkeranlage liegt fünf Kilometer östlich der Świna unterhalb der Dünen.

Kolberg (Kołobrzeg) in Zachodniopoorskie

Etwa 90 Kilometer nordöstlich von Usedom liegt die 50.000-Einwohner-Stadt Kołobrzeg, in Deutschland besser als Kolberg bekannt. Das Seebad befindet sich an der Mündung der Parseta in die Ostsee und gilt als Polens größter Kurort. Die klassischen Kurhäuser werden mittlerweile von modernen Wellnesshotels flankiert; die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahre brachte Kołobrzeg den Spitznamen Klein Dubai ein.

Kołobrzegs Karriere als See-, Moorheil- und Solebad begann schon im frühen 19. Jahrhundert. Da die Stadt während des Zweiten Weltkriegs schwer zerstört wurde, sind nur noch wenige historische Häuser erhalten geblieben. Teile der Altstadt wurden in den vergangenen Jahren rekonstruiert.

Kołobrzeg, der größte Kurort in Polen, bietet einen elf Kilometer langen Sandstrand.

Herzstück der Fußgängerzone mit vielen Geschäften ist das 1829 bis 1832 errichtete Rathaus (Armii Krajowej). Es erinnert an eine mittelalterliche Burg, entworfen und gebaut wurde es von Karl Friedrich Schinkel und dem Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner. Direkt gegenüber erhebt sich der Dom (Mariacka 5). Der gotische Backsteinbau mit seinem markanten Turmmassiv stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert und wurde nach 1945 wiederaufgebaut.

Kołobrzegs wichtigstes touristisches Pfund ist jedoch der elf Kilometer lange feine Sandstrand. Am Zentralstrand finden Reisende die Molo w Kołobrzegu. Die 220 Meter lange und neun Meter breite Stahlbetonseebrücke lockt viele Besucherinnen und Besucher an. Ausflugsschiffe legen dort für ihre Touren ab. Wer der Strandstraße etwa 550 Meter in Richtung Westen folgt, erreicht den Leuchtturm (Morska 1). Das 26 Meter hohe Bauwerk steht direkt an der Parsetamündung und ist normalerweise täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Von einer Aussichtsplattform aus können Besucher und Besucherinnen auf Stadt, Fluss und Meer blicken.

Misdroy (Międzyzdroje) in Zachodniopomorskie

Etwa 17 Kilometer östlich von Świnoujście liegt das Seebad Międzyzdroje (auf Deutsch Misdroy) auf der Nordseite der Insel Wolin. Anfang des 19. Jahrhunderts war die heutige 5500 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Stadt ein winziges Fischerdorf. Solequellenfunde änderten dies, im Verlauf des Jahrhunderts entstanden erste Hotels und Pensionen sowie ein Kurpark. Besonders Vermögende zog es damals in den Ort.

Heute ist Międzyzdroje vor allem bei Familien mit Kindern beliebt. Der Ort an der Ostsee bietet wegen seiner Lage – die Hügellandschaft des angrenzenden Wolin-Nationalparks schützt vor kühlem Ostwind – ein ganzjährig mildes Klima und höhere Wassertemperaturen als an vielen anderen polnischen Küstenorten.

Das Seebad Międzyzdroje ist sehr beliebt bei Familien. Die kommen meist wegen des Strandes und der zahlreichen Freizeitangebote.

Wichtigste Attraktionen im Ort sind der mehrere Kilometer lange Sandstrand, eine etwa zwei Kilometer lange Promenade und die Molo w Międzyzdrojach – die Stahlbetonseebrücke mit Restaurants und Eisständen ist 395 Meter lang. Zudem bietet der Ort Attraktionen wie ein Wachsfigurenkabinett und ein Planetarium (beide Bohaterów Warszawy 19), ein Ozeanarium (Bohaterów Warszawy 16b) sowie den Baltischen Miniaturpark (Nowomyśliwska 98); in Letzterem werden 30 Modelle von Baudenkmälern aus neun Ostseestaaten im Maßstab 1:25 gezeigt.

Der nahe gelegene Nationalpark bietet Wandermöglichkeiten. Lohnenswert sind Ausflüge zum Kawcza Góra und dem Góra Gosan, dem Kaffee- und dem Gosan-Berg nordöstlich von Międzyzdroje. Von beiden Klippen bieten sich tolle Aussichten über die Ostsee und Richtung Usedom. Vom Kawcza Góra führt eine 128,5 Meter lange Treppe zum Strand hinunter. Wer sich traut, überwindet 267 Stufen und 51 Höhenmeter.