Abu Dhabi ist das größte der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Luxus, Opulenz und eine hochmoderne Skyline prägen das Bild der Hauptstadt – außerhalb der Metropole denken die meisten eher an die allgegenwärtige Sandwüste. Doch du findest auch grüne geschützte Oasen, in denen Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensräume haben. Wir stellen die wichtigsten vor.

Mangrove National Park / Jubail Mangrove Park

Der Mangrove National Park liegt nahe des Stadtzentrums an der Khor al Baghal Bucht. Der Mangrovenwald ist Teil des Sheikh Zayed Protected Areas Network der Environment Agency Abu Dhabi (EAD). Die Umweltbehörde will die Arbeit des 2004 verstorbenen Scheichs Zayed bin Sultan al Nahyan fortführen, der für seinen Einsatz für den Naturschutz posthum mit dem Champions of Earth Award ausgezeichnet wurde.

Der Nationalpark umfasst etwa 75 Prozent der Mangrovenwaldvorkommen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hunderte von Tier- und Pflanzenarten sind hier beheimatet, dazu gehören Flamingos und Reiher, aber auch Fische und Krabbenarten. Ein breiter Fluss und etliche schmale Arme schlängeln sich durch die Zone. Besucher können bei einem externen Anbieter ab umgerechnet 18,30 Euro Kajaktouren buchen.

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Der Mangrove National Park nahe des Zentrums von Abu Dhabi lässt sich am besten mit dem Kanu erkunden.


Wer sich eine Kanutour nicht zutraut, kann seit Anfang 2020 ein anderes Mangrovengebiet zu Fuß erkunden: Im 22 Kilometer entfernten Jubail Mangrove Park auf Al Jubail Island führen Holzstege durch eine solche Zone. Das Areal ist von 7 Uhr morgens bis 21 Uhr abends geöffnet, der Eintritt kostet umgerechnet zwischen 2,30 Euro und 3,40 Euro. Interessierte können geführte Rangertouren buchen. Auch im Jubail Mangrove Park sind Kajaktouren möglich, zudem gibt es Stand-up-Paddling-Angebote.

Al Wathba Wetland Reserve

Das Al Wathba Wetland Reservat befindet sich etwa 30 Minuten Fahrt vom Zentrum von Abu-Dhabi-Stadt entfernt und wurde einst von Scheich Zayed gegründet. Das fünf Quadratkilometer große Feuchtgebiet war das erste offiziell ausgewiesene Naturschutzgebiet Abu Dhabis. Seit 2013 zählt es zu den geschützten Ramsar-Gebieten – zu den Feuchtgebieten mit hoher internationaler Bedeutung, da sie einen wichtigen Lebensraum für Wasser- und Watvögel darstellen.

Im Al Wathba Wetland Reserve sind mehr als 250 Vogelarten heimisch. Besonders bekannt ist das Gebiet für seine große Flamingo-Population. Im Herbst und im Frühling können Interessierte bis 4.000 der Tiere antreffen. Besucher können das Gebiet über zwei Wanderwege erkunden; mit 1,5 und 3 Kilometern Länge sind sie auch für Kinder oder Ältere gut zu schaffen.

Im Al Wathba Wetland Reservat sind 250 Vogelarten heimisch. Dazu gehören auch besonders viele Flamingos.

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Auf dem Gelände gibt es auch ein Versteck, von dem aus die Vögel unbemerkt beobachtet werden können, und ein kleines Besucherzentrum. Das Reservat ist dienstags bis sonnabends von 8 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Sir Bani Yas Island

Die Insel Sir Bani Yas ist mit 17 Kilometern Länge und neun Kilometern Breite die größte Insel vor Abu Dhabis Küste. Sie liegt etwa 240 Kilometer westlich von Abu-Dhabi-Stadt. Das Eiland war einst die Privatinsel des Scheichs Zayed. Dieser renaturierte die Insel und schuf dort einen Lebensraum für exotische Tiere, darunter die arabische Oryxantilopen, aber auch Gazellen, Somalistrauße, Giraffen und Geparde. Mittlerweile sind im dort ansässigen Arabian Wildlife Park 17.000 Wildtiere zu Hause, auch Delfine und mehr als 200 Vogelarten besuchen die Küste der Insel. Diese ist heute sowohl Vogel- als auch Naturschutzgebiet.

Scheich Zayed hat auf der renaturierten Insel Sir Bani Yas der arabischen Oryxantilopen einen neuen Lebensraum gegeben.

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist Sir Bani Yas Island leider nur bedingt – denn die Insel gehört heute zu einem Hotel, das sich an der Nordküste der Insel zwischen Meer und einer Lagune angesiedelt hat. Gäste des Hauses können den Wildlife Park bei geführten Touren besuchen, es gibt Kajakfahrten durch die Mangrovenzone der Insel und Schnorchel- und Tauchausflüge.

Sir Bani Yas ist die größte Insel vor der Küste von Abu Dhabi. Sie ist nur für Reisende zugänglich, die ein Zimmer in dem Hotel buchen, zu dem sie gehört.

Oasen von Al Ain

Etwa eineinhalb Fahrtstunden östlich von Abu-Dhabi-Stadt entfernt können Reisende die Oasenstadt Al Ain kennen lernen. Vor etwa 4.000 Jahren begannen die Bewohner, die Wüstenregion urbar zu machen – mit Erfolg. Al Ain – übersetzt bedeutet der Name so viel wie die Quelle – verfügt heute über insgesamt sechs Oasen, die seit 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Die älteste und größte von ihnen ist die Al Ain Oasis: Auf einer 12 Quadratkilometer großen Fläche gedeihen etwa 147.000 Dattelpalmen verschiedener Sorten, aber auch andere Obstgehölze wie Mango-, Feigen- und Orangenbäume sowie Bananenpalmen. Historische Grenzmauern trennen einzelne Grundstück und landwirtschaftliche Betriebe voneinander ab.

Die Oasen von Al Ain sind so fruchtbar, weil sie von einem historischen Bewässerungssystem mit Wasser versorgt werden: dem Falaj-System.

Besucher können auf schattigen Wege spaziergehen, mehr über die Arbeit auf Palmenplantagen erfahren und ein historisches Bewässerungssystem kennenlernen, das zusammen mit zwei Brunnen bis heute die Oase versorgt. Das Falaj-System – Faladsch ausgesprochen – transportiert das Wasser aus Quellen des südöstlich gelegenen Hajar-Gebirges und des Jebel-Hafit-Bergs bis zur Oase. Ein kompliziertes Netz aus bodennahen und unterirdischen Aquädukten übernimmt die Verteilung. Interessierte können in einem erst kürzlich errichteten Ecocenter mehr über den Aufwand erfahren, der zur Erhaltung des empfindlichen Oasen-Ökosystems erforderlich ist.

Marawah Marine Biosphere Reserve/Saadiyat Beach

Das Meeresschutzgebiet Marawah Marine Biosphere Reserve wurde im Jahr 2001 gegründet und umfasst etliche Inseln und mehr als 120 Küstenkilometer vor Abu Dhabi. Namensgeberin ist Marawah Island – die Insel liegt etwa 120 Kilometer westlich Abu-Dhabi-Stadt. Nahezu alle Tierarten der Region, zum Beispiel auch die gefährdete Karettschildkröte, sind in dem mehr als 4.250 Quadratkilometer großen Gebiet heimisch.

Einen weiteren Nistort finden die Schildkröten ausgerechnet auf der bei Urlaubern beliebten Insel Saadiyat, die im Osten an Al Jubail Island angrenzt. An dem neun Kilometer langen weißen Sandstrand der Insel bauen die Karettschildkröten Jahr für Jahr ihre Nester – jedes enthält etwa 90 bis 100 Eier.

Auf Saadiyat Island legen Karettschildkröten jedes Jahr ihre Eier in Nestern am neun Kilometer langen Sandstrand ab.

Um zu verhindern, dass die Badenden durch die Dünen gehen und dabei womöglich Nistorte mitsamt den Eiern zerstören, wurde im Jahr 2010 das „Hawksbill Turtle Conservation“-Programm ins Leben gerufen. Während der Nist- und Schlupfzeit zwischen Mai und August dürfen Besucher den Strand nur über erhöhte Bohlenwege betreten. Da helle Lichter, Geräusche und Hindernisse frisch geschlüpfte Babyschildkröten irritieren und auf ihrem Weg zum Meer auf Abwege führen können, werden Strandliegen in dieser Zeit nachts vom Strand entfernt und die Beleuchtung reduziert. Alle Nester werden genau erfasst und protokolliert.