Sie sind bunt, abwechslungsreich und sehen köstlich aus – ganz anders als viele echte Flugzeugmenüs. Seit Januar 2021 kocht Nik Sennhauser Flugzeugmahlzeiten nach. So holt er sich während des monatelangen Lockdowns und Reiseverbots in Schottland ein Stück Normalität zurück.

Mich hat das Essen im Flieger schon als Kind sehr fasziniert.

Denn schon als Kind verbrachte Nik viel Zeit auf Reisen. Er ist in Thailand und Österreich aufgewachsen, wodurch er einen Großteil seinen Kindheit an Flughäfen und in Flugzeugen vebracht hat. Dabei entdeckte er seine Leidenschaft für Flugzeugessen. „Ich liebe Flugzeugessen. Mich hat das Essen im Flieger schon als Kind sehr fasziniert. Es war der einzige Ort, wo ich alles fraglos und ohne zu zögern aufgegessen habe“, erzählt er dem reisereporter.

Nik kocht seit Januar 2021 Flugzeugessen nach, um seine Reiselust zu stillen.

Bei seinen nächtlichen Reisen zwischen Bangkok und Wien erhielt er schon kurz nach dem Abflug eine warme Mahlzeit: „Das fand ich schon immer toll. Ein volles Abendessen um 3 Uhr in der Früh. Was für ein Spektakel!“ Und genau da liegt für ihn der Knackpunkt. Es geht ihm nicht um den Geschmack, sondern um die Präsentation.

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Flugzeuggeschirr, Tablett, Trolley: Für Nik muss es echt aussehen

„Man sollte Flugzeugessen nicht mit regulärem Essen vergleichen. Der Geschmackssinn ist beim Fliegen 30 Prozent weniger sensibel als am Boden“, erklärt Nik. „Was mich fasziniert, ist auch das Drumherum.“ Dazu zähle der Weg, den jedes Flugzeuggericht von der Produktion bis zum Flugzeug zurücklegt, wie das Essen auf dem Teller aussieht und was für Geschirr benutzt wird.

Seine eigenen Flugzeugmahlzeiten versucht er daher so realistisch wie möglich nachzukochen und detailgetreu zu präsentieren. Die Idee dazu kam ihm an einem Sonntagmorgen, als er sich mal wieder nach einem Frühstück wie im Flieger sehnte: „Das Geschirr und Tablett, samt Airline-Trolley, hatte ich alles ja schon als Aviation Geek“, sagt Nik. „Einiges davon habe ich zusätzlich auf Ebay oder auf Flohmärkten gekauft, anderes ist mir bei Turbulenzen in die Tasche gefallen.“ 

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Zunächst habe er wahllos Gerichte wie Flugzeugessen angerichtet. „Dann hatte ich die Idee, Flugzeugmahlzeiten, die ich wirklich an Bord serviert bekommen habe, nachzukochen.“ Inspiration holt sich Nik seither von vergangenen Reisen, die er auf seinem Youtube-Kanal dokumentiert hat. „Ich schaue mir meine alten Bilder und Videos an. Welche Gerichte in Betracht kommen, entscheide ich dann daran, ob ich überhaupt dazu fähig bin, sie nachzukochen.“ Die passenden Rezepte recherchiert er entweder in Kochbüchern oder im Internet.

Durch Flugzeugessen die Freude am Reisen wiederentdeckt

„Von Montag bis Freitag beschäftige ich mich damit, was ich kochen werde, und mache mir eine Einkaufsliste. Am Freitagabend wird eingekauft und Samstag und Sonntag gekocht“, so Nik. „Komplizierte Desserts wie Schokoladenmousse mache ich schon am Samstag.“ Anschließend richtet Nik die Mahlzeiten wie im Flieger an und zeigt die Kreationen seinen Followern auf Instagram. 

„Ich koche zwar überhaupt nicht gerne, aber es gibt mir einen Grund, mich wieder mit dem Thema Reisen zu beschäftigen“, erklärt Nik. „Ich habe früher meine Freizeit damit verbracht, Flugdeals zu suchen, Reisen zu recherchieren und buchen. Mit der Pandemie konnte ich das dann nicht mehr. Das Flugzeugessen war wirklich ein Weg für mich, die Freude am Thema Reisen und Fliegen wiederzuentdecken.“

Mahlzeiten wie bei Austrian Airlines: Nik kocht gerne österreichische Küche

Was zum Spaß begonnen hat, sei für ihn mittlerweile eine Art Liebesbrief an das Flugzeugessen. „Es ist jetzt eine wöchentliche Herausforderung für mich. Schaff ich es oder schaff ich es nicht, das Gericht nachzukochen?“

Gerne greift er bei seinen Gerichten auf die österreichische Küche zurück, wie sie bei Austrian Airlines serviert wird. Bei einem Flug hat er beispielsweise mal Spätzle (Nockerln) und Paprika-Huhn gegessen. Das hat er kürzlich nachgekocht und den Vorher-nachher-Vergleich gepostet. Für alle, die jetzt Lust haben, dieses Flugzeugessen nachzukochen, hat Nik dem reisereporter das Rezept aus dem Kochbuch „Die gute österreichische Küche“ verraten. 

Flugzeugessen: Rezept für Spätzle und Paprika-Huhn

Nockerln (Spätzle)

  • 500 Gramm Mehl (wenn möglich Typ 480)
  • 3 Eier
  • 3 Eidotter
  • 200 Milliliter Milch
  • 1 EL Öl
  • Salz

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verrühren. Salzwasser zum Kochen bringen. Teig mittels Nockerlsieb, Teigkarte oder Presse ins Wasser legen und stetig mit dem Kochlöffel umrühren, damit keine Klumpen entstehen. Spätzle aufkochen, abseihen, heiß abschwemmen. Butter schmelzen, Spätzle etwa drei Minuten darin schwenken, salzen.

Paprika-Huhn

  • 2 Junghühner etwa 1,5 Kilo, bratfertig
  • 250 Gramm Zwiebeln, fein geschnitten
  • 100 Milliliter Öl
  • 40 Gramm Paprikapulver, edelsüß
  • 600 Milliliter Wasser oder Suppe
  • 1/4 Liter Sauerrahm
  • 40 Gramm Mehl
  • 1 Teelöffel Tomatenmark
  • 125 Milliliter Schlagsahne
  • Salz
  • Zitronenschale
  • Zitronensaft

Die Hühner vierteln, waschen, Rückrat und Hals wegschneiden, jedoch mitdünsten oder für die Suppe verwenden. Hühnerstücke salzen, in heißem Öl sehr kurz anbraten, herausheben. Im Fettrückstand Zwiebeln leicht anrösten, Paprikapulver einrühren, mit Wasser oder Suppe aufgießen.

Tomatenmark, Zitronenschale und Salz untermengen. Huhn zugeben, zudecken und weich dünsten lassen. Dabei Flüssigkeit eventuell korrigieren. Hühnerstücke herausnehmen, Mehl und Sauerrahm mit Schneebesen gut verrühren, zügig in die Sauce hinzugeben, fünf Minuten kochen lassen und Schlagsahne einrühren. Sauce passieren, mit etwas Zitronensaft abschmecken. Hühnerstücke in die Sauce geben und servieren.