Das Lama lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ohne aufzublicken zupft es an ein paar Gräsern und kaut dann weiter. Es lässt sich durch nichts dabei stören. Nicht durch die Nebelschwaden, die neben ihm von der verwitterten Steinmauer aufsteigen.

Nicht durch die Wolkenfetzen, die gerade die schroffen Bergkuppen in der Ferne freizugeben scheinen, und nicht von der Sonne, die in genau diesem Moment die Wolken am Horizont durchbricht und ihr Licht auf die vielen kleinen Felder an den Hängen und den Utcubamba im Tal wirft, der sich durch die Landschaft schlängelt.

Festungsstadt Kuélap steht in der Amazonasregion

Was sich in diesem Augenblick für ein Ausblick hier vom Bergrücken von La Barreta im Norden des Bergnebelwaldes in der Region Amazonas bietet, ist wirklich atemberaubend. Kein Wunder, dass sich die Chachapoya, die einst hier lebten, genau diesen Ort ausgesucht haben, um hoch über dem Tal ihre Festungsstadt Kuélap zu errichten.

Die steinerne Außenmauer von Kuélap ist bis zu 20 Meter hoch.


Die Stätte wirkt beinahe mystisch. Und streng genommen ist sie das auch. Bis heute ist nicht ganz klar, ob es sich bei den Ruinen, die erst 1843 wiederentdeckt wurden, um eine Festung oder um eine ummauerte Stadt handelt. Kuélap gilt deshalb als befestigte Stadt. Sie ist genauso geheimnisvoll wie ihre einstigen Erbauer.

Um die Chachapoya ranken sich viele Mythen

Die Chachapoya sollen von 600 vor bis etwa 1500 nach Christus gelebt haben. Um das als kriegerisch und stark geltende prähistorische Andenvolk ranken sich bis heute zahlreiche Mythen. Sie sollen ungewöhnlich groß, hellhäutig und sogar blond gewesen sein. Woher sie stammten, ist unklar.

In jedem Fall gilt ihr größtes bisher entdecktes Bauwerk, das sie vermutlich zwischen 400 und 900 nach Christus errichteten, heute als ebenso bedeutend wie die Inkastadt Machu Picchu.

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In der alten Festungsstadt Kuélap sollen bis zu 3.000 Menschen gelebt haben. Die Ruinen von etwa 300 runden Gebäuden zeugen davon.


Seit einigen Jahren versucht die peruanische Regierung Kuélap als Machu Picchu des Nordens zu vermarkten – dabei ist die Festung, die auch Teil des nationalen Kulturerbes ist, sogar nicht nur größer, sondern auch älter und höher gelegen.

Im Gegensatz zu der Inkastadt, zu der 2019 zuletzt rund 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher pro Jahr kamen, besuchten aber nur rund 200.000 Menschen die archäologische Stätte in Nordperu. Noch gilt sie als einer der viel beschworenen Geheimtipps für Reisende, die in das südamerikanische Land kommen. Das könnte sich schon bald ändern.

Seilbahn erleichtert den Weg auf 3.000 Meter Höhe

Bis vor ein paar Jahren war es noch eher mühsam, die Ruinenstadt fast 3.000 Meter über dem Meeresspiegel zu erreichen. Seit 2017 lässt sich ein großer Teil der Strecke, die Besucher sonst wandern mussten, bequem mit einer Seilbahn zurücklegen. Tickets dafür sind an der Station in Nuevo Tingo erhältlich.

Für 20 Soles pro Person, also nicht einmal 5 Euro (zahlbar nur in bar), geht es zunächst mit einem kleinen Bus zur etwas höher gelegenen eigentlichen Bahnstation. Die Fahrt von hier aus zur Bergstation dauert rund 20 Minuten – jede Menge eindrucksvolle Ausblicke auf die Bergwelt gibt es inklusive.

Seit 2017 ist Kuélap per Seilbahn erreichbar. Die Fahrt von der Station bei Neuvo Tingo dauert etwa 20 Minuten.


An der Bergstation erstehen Besucher schließlich für 30 Soles (knapp 7 Euro) die Eintrittskarte für die Festungsstadt. Von hier aus ist es nur noch ein etwa zwei Kilometer langer Fußmarsch bergauf. Wer sich den Weg wegen der Höhe nicht zutraut, lässt sich von einem der Maultiere hinaufbringen, mit denen Einheimische schon auf Besucher warten.

Vorher lohnt sich an der Station aber auch ein Besuch des kleinen Museums, in dem es nicht nur Informationen über Kuélap, sondern auch über die reiche Flora und Fauna der Gegend gibt.

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Zur typischen Flora um Kuélap gehören Bromelien.


Die Luft mag in dieser Höhe zwar schon um einiges dünner sein, der Aufstieg zu Fuß lohnt sich dennoch. Denn nur so lässt sich die Umgebung ungestört wahrnehmen. Am Wegesrand blühen unzählige Orchideen und Bromelien. Immer wieder gibt das dichte Grün den Blick auf die umliegenden Berge und Täler frei.

Ganz plötzlich taucht schließlich die eindrucksvolle Außenmauer Kuélaps auf. Bis zu 20 Meter reckt sich das beeindruckende Bollwerk dem Himmel entgegen. Die Anlage ist fast 600 Meter lang und 110 Meter breit. Die drei Eingänge sind trichterförmig gebaut – aus gutem Grund: Der schmale Zugang erlaubte es nur jeweils einer Person, die Festung zu betreten. So wollten sich die Chachapoya vor möglichen Angreifern schützen.

Kuélap ist nur durch drei schmale Eingänge zugänglich. So sollten Feinden Angriffe erschwert werden.

Chachapoya bauten runde Gebäude

Heute geht man davon aus, dass einst rund 3.000 Menschen hinter den dicken Mauern gelebt haben. Ihre mehr als 300 ausschließlich runden Häuser waren auf drei verschiedenen Ebenen gebaut. Die Ruinen vermitteln davon ein eindrucksvolles Bild.

„Für runde Gebäude wurden bis zu 30 Prozent weniger Material verbraucht“, erklärt Touristenführer Jhon Alva Culqui. Außerdem seien sie widerstandsfähiger bei Erdbeben. „Und böse Geister können sich in runden Häusern auch nicht verstecken“, ergänzt er.

Für runde Gebäude wurden bis zu 30 Prozent weniger Material verbraucht. Und böse Geister können sich in runden Häusern auch nicht verstecken.

Jhon Alva Culqui, Touristenführer


In Kuélap finden sich allerdings auch einige rechteckige Gebäudereste. Sie stammen von den Inkas, die einst die Festung eroberten. Von ihnen bekamen die Chachapoya auch ihren Namen. Er bedeutet so viel wie Nebelkrieger oder Wolkenkrieger.

Regionshauptstadt ist ein guter Ausgangspunkt

Die Chachapoya wiederum waren es, nach denen auch die Hauptstadt in der Amazonasregion benannt wurde. Sie ist der beste Ausgangspunkt für Ausflüge nach Kuélap, aber auch, um sich ein Bild vom bislang eher unentdeckten Norden des Landes zu machen.

In der Regionshauptstadt Chachapoyas erinnert die Architektur bis heute an die koloniale Vergangenheit.

Die Stadt, in der heute rund 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben, wurde im 16. Jahrhundert von den spanischen Eroberern gegründet, die von hier aus ihre Expeditionen ins Amazonasgebiet begannen. Sie wurde im Lauf ihrer Geschichte allerdings mehrfach umgesiedelt.

Die Spuren der Kolonialherren sind dennoch bis heute deutlich zu sehen. Die Plaza der Armas etwa ist umgeben von weiß getünchten Herrenhäusern mit traditionellen Holzbalkonen. In der Mitte des großen Hauptplatzes steht ein bronzener Brunnen im Kolonialstil.

Gocta-Wasserfall ist 771 Meter hoch

Von Chachapoyas aus ist auch der Gocta Wasserfall, eine weitere Attraktionen der Region, gut erreichbar. Er stürzt 44 Kilometer nördlich von der Stadt 771 Meter in die Tiefe und ist einer der höchsten Wasserfälle der Erde. Ausgangspunkt für eine Wanderung zu seinem Grund ist das kleine Dorf Cocachimba.

Die Wanderung von hier dauert etwa zweieinhalb Stunden. Von der hiesigen Gocta Andes Lodge hat man aber auch aus der Ferne den besten Ausblick auf die Wassermassen, die ins Tal rauschen, und man kann ganz nebenbei auch die vielen Kolibris beobachten, die durch den Garten schwirren.

Der zweistufige Gocta Wasserfall ist einer der höchsten der Erde.

Huancas gilt als Dorf der Töpferinnen

Ebenfalls nur einige Kilometer im Norden der Regionshauptstadt befindet sich das Dorf Huancas. Es ist bekannt für seine Töpferkunst, die auch zum nationalen Kulturerbe gehört. Das Handwerk ist hier reine Frauensache. Die Techniken wurden im Dorf von Generation zu Generation weitergegeben.

Consuelo de Tqizan Quistan ermöglicht Besuchern gern einen Einblick in ihre Arbeit. „Wir arbeiten nach Mondphasen“, erklärt die 41-Jährige. „Wir stellen traditionell nur bei Neumond bis Vollmond Keramik her. Bei Vollmond ruht die Arbeit, weil die Keramik nicht gelingen würde.“ Ihre Erzeugnisse verkaufen die Frauen auf dem Markt in Chachapoyas.

Das Dorf Huanca ist bekannt für seine Keramik; Töpferinnen wie Consuelo de Tqizan Quistan geben gern einen Einblick in ihre Arbeit.

Region birgt noch viele Geheimnisse

Bevor es in die Regionshauptstadt zurückgeht, ist ein Abstecher zum nahen Sonche Canyon Pflicht. Der Blick in die 800 Meter tiefe Schlucht ist vielleicht nicht ganz so beeindruckend wie der von den Festungsmauern von Kuélap. Aber wenn die Augen über die weite Landschaft schweifen, kommt man nicht umhin, sich zu fragen, welche Geheimnisse der Landstrich wohl noch verbirgt. Es wird vermutet, dass es in den Nebelwäldern hier im Norden noch viele unentdeckte Ruinen gibt.

Der Sonche Canyon liegt nur wenige Kilometer von der Regionshauptstadt Chachapoyas entfernt.

Tipps für deine Reise nach Peru

Anreise: Mit dem Flugzeug in die peruanische Hauptstadt Lima. Von hier aus gibt es Flüge nach Jaén in der Amazonasregion. Die weitere Autofahrt nach Chachapoyas (rund 183 Kilometer) dauert dann etwa vier bis fünf Stunden. Ein Busfahrt von Lima nach Chachapoyas dauert rund 22 Stunden.

Beste Reisezeit: Das Klima in der Amazonasregion ist mild mit Temperaturen von elf bis 23 Grad Celsius. Von Dezember bis März ist Regenzeit. Von Juni bis September ist es besonders sonnig.

Unterkünfte:La Xalca Hotel: Schlichtes Drei-Sterne-Hotel im Kolonialstil mit ruhigem Innenhof nahe des Zentrums von Chachapoyas.
Gocta Andes Lodge: Drei-Sterne-Hotel in Cocachimba mit 18 Zimmern, Restaurant und Pool – und garantiertem Blick auf den Gocta-Wasserfall.

Attraktionen: Ausflüge zu Attraktionen wie der Festungsstadt Kuélap oder dem Gocta-Wasserfall sind bei zahlreichen lokalen Anbietern rund um die Plaza de Armas in Chachapoyas günstig buchbar.

Die Reise wurde unterstützt von Prom Peru. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.