Lange Zeit galt die Republik Litauen als touristischer Geheimtipp. Mittlerweile hat sich der südlichste der drei baltischen Staaten zu einem beliebteren Reiseziel entwickelt. Kein Wunder, die Regionen bieten nicht nur unberührte Natur, sondern auch spannende historische Orte und Städte.

Mazoji Lietuva

Klaipeda, Litauens älteste Stadt und einzige Hafenstadt, ist gleichzeitig das Tor zur Welt des Landes. Hier kommen auch die Fähren an, auf denen viele Deutsche von Kiel aus ihre Litauen-Reise antreten. Die Stadt an der nördlichsten Spitze des Kurischen Haffs ist der beste Ausgangspunkt, um die Kurische Nehrung zu erkunden, die von hier aus per Fähre erreichbar ist. Die außergewöhnliche Küstenlandschaft ist einer der absoluten Höhepunkte in Mazoji Lietuva, also Kleinlitauen, ganz im Westen des Landes.

Malerische Fischerdörfer wie Nida, Wanderdünen, Kiefernwälder und das Meer: Die Halbinsel, die das Haff von der Ostsee trennt und zum Unesco-Weltnaturerbe gehört, ist 98 Kilometer lang und an ihrer schmalsten Stelle nur 380 Meter breit, bietet aber jede Menge Abwechslung. Allerdings gehört nur etwas mehr als die Hälfte davon zu Litauen, der andere Teil zu Kaliningrad.

Die Kurische Nehrung bietet eine außergewöhnliche Küstenlandschaft.

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Auch Klaipeda selbst lohnt den Besuch: Die Altstadt, der Hafen und die Reste eine Burganlage sind nur ein Teil der Orte, die Reisende hier nicht verpassen sollten. Der deutsche Einfluss in der Region – als Memelland war Kleinlitauen einst Teil des ehemaligen Ostpreußens – ist bis heute anhand der Fachwerkarchitektur zu sehen.

Nur etwa 20 Kilometer nördlich von Klaipeda wartet ein weiterer Höhepunkt: das beliebte Seebad Palanga mit Strandpromenade und Seebrücke, Bernsteinmuseum und Botanischem Garten.

Zemaitija

Eine hügelige Landschaft mit dichten Wäldern und vielen Seen zeichnet die größte Region des Landes aus: Zemaitija, also Niederlitauen. Die Region war schon immer eine eigenständige Republik. Die Bewohner haben über Jahrhunderte ihre eigene Kultur bewahrt. Das gilt auch für ihren eigenen Dialekt, der sich sehr von dem des übrigen Landes unterscheidet. Er ähnelt der lettischen und altpreußischen Sprache.

Telsiai, die Hauptstadt Niederlitauens, ist umgeben von sieben Hügeln und liegt am Mastis-See. Sie ist eine von sieben denkmalgeschützten Altstädten des Landes. Außer vielen Backsteinhäusern stehen hier Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die größte Stadt der Region ist Siauliai. Sie ist Ausgangspunkt für den Besuch eines ganz besonderen Ortes: des Bergs der Kreuze. Dabei handelt es sich um einen etwa neun Meter hohen Hügel aus Kreuzen in unterschiedlichsten Größen und Formen. Der Wallfahrtsort lockt Katholiken aus vielen Ländern in die Region.

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Der Plateliai-See im Zemaitija-Nationalpark lässt sich gut von der Wasserseite aus erkunden.

Doch viele kommen auch wegen der weitläufigen Natur. Die lässt sich etwa bei einer Radtour um den Plateliai-See im Zemaitija-Nationalpark entdecken, der sowohl an dem historischen Städtchen Plateliai als auch einem Aussichtsturm vorbeiführt. Ein weiterer Höhepunkt: das Museum des Kalten Krieges – eine unterirdische Bunkeranlage aus der Sowjetzeit.

Zum kulinarischen Erbe der Region zählt das litauische Nationalgericht Cepelinas, ein großer Kartoffelkloß gefüllt mit Fleisch, Schinken, Quark, Pilzen und Sauerkraut. Es hat in Niederlitauen seinen Ursprung.

Aukstaitija

Die größte und abwechslungsreichste Region des Landes liegt im Nordosten an der Grenze zu Lettland und Weißrussland: Aukstaitija – Oberlitauen. Um sie wirklich kennenzulernen, sollten sich Reisende ein paar mehr Tage Zeit nehmen. Im elften Jahrhundert gründete sich hier das litauische Fürstentum, das später bis ans Schwarze Meer reichte. Historisch bedingt gibt es deshalb auch heute noch viele aristokratische Landsitze. Ein Besuch lohnt sich etwa beim 1853 von der Adelsfamilie erbauten Herrenhaus Burbiskis mit seinem großen Park. Das Gut ist heute sogar Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Am Zusammenfluss von Memel und Neris liegt Kaunas, zweitgrößte Stadt des Landes und europäische Kulturhauptstadt 2022. In der einstigen Hauptstadt des Landes (1920 bis 1940) gibt es viel zu sehen – von der historischen Altstadt über den Rathausplatz von 1542 mit seinen vielen kleinen Cafés und Restaurants bis zur mittelalterlichen Burg.

In Kaunas lohnt sich vor allem ein Besuch der historischen Altstadt.


Zu den sehenswerten Städten gehört auch Kedainiai, wo sich Gebäude aus Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus aneinanderreihen. Inoffizielle Hauptstadt ist Panevezys, das sich durch seine Industriearchitektur auszeichnet.

100 Kilometer nordöstlich von Vilnius und von der Hauptstadt gut mit dem Zug erreichbar befindet sich der Aukstaitija-Nationalpark, der auch litauisches Bergland genannt wird. Er wurde 1974 gegründet und ist deshalb der älteste des Landes. Seine 126 Seen und 34 Flüsse und Bäche machen ihn zu einem beliebten Ziel von Kanufahrern. Er ist aber auch durchzogen von Wander- und Radwegen. Im Dorf Paluse steht das Nationalpark-Informationszentrum. Hier werden auch Unterkünfte vermittelt.

Dzukija

Sümpfe, Seen, sandige Hügel und sehr viel Wald – in der Region Dzukija im Südosten des Landes leben die Menschen in und mit der Natur. Es gibt viele Wander- und Radwege. Hier befindet sich der größte, gleichnamige Nationalpark des Landes, der geprägt von Kiefern- und Fichtenwäldern ist. Zu ihm gehören sowohl Cepkeliai, das größte Sumpfgebiet Litauens, als auch das Biosphärenreservat Zuvintas, das für seinen Vogelreichtum bekannt ist. In den zahlreichen denkmalgeschützten Gehöften und Dörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vielerorts verkaufen die Einwohner Beeren, Pilze und Honig.

In der Region liegt auch die Hauptstadt Vilnius mit ihren nicht einmal 600.000 Einwohnern. Sie ist bekannt für ihre vielen Kirchen und ihre barocken Glockentürme. Die Altstadt mit ihren mittelalterlichen Gassen und Bauten aus Gotik, Renaissance und dem litauischen Barock ist seit 1994 Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Aber auch im modernen Vilnius mit seinen zahlreichen Museen, Galerien und seiner Street-Art gibt es viel zu entdecken.

Nur rund 30 Kilometer westlich von Vilnius steht im Galvessee eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes: die spätmittelalterliche Wasserburg Trakai, die heute ein Museum ist.

Die Wasserburg Trakai ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.


Ein beliebtes Touristenziel ist auch der Grutas-Park, ein Skulpturenpark im Kiefernwald nahe dem Dorf Grutas ganz im Süden von Dzukija. Hier haben zahlreiche Skulpturen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung Litauens ein neues Zuhause gefunden – von Marx über Lenin bis Stalin. Gemeinsam mit Wachtürmen und nachgebauten Waggons zum Transport von Verschleppten sollen sie an die Opfer der Sowjets im Land erinnern.

Suvalkija

Suvalkija befindet sich im südwestlichen Teil des Landes an der Grenze zu Polen, Kaliningrad und Weißrussland. Die Geschichte der einst hier ansässigen Sudauen, eines der ältesten baltischen Stämme, reicht zurück bis ins zweite Jahrhundert. 1410 wurde die Region Teil des Großfürstentums Litauen. Weil die Leibeigenschaft früher als in anderen Landesteilen aufgehoben wurde, erarbeiteten sich die Landwirte schnell einen gewissen Wohlstand.

Noch heute stehen in der Region viele Güter und herrschaftliche Landsitze. Oft lohnt sich ein Spaziergang in den prachtvollen Parkanlagen. In Vilkaviskis steht das Herrenhaus Paezeriai, das im klassizistischen Stil des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Hier sind heute das Landeskundemuseum sowie das Kulturzentrum der Suvalkija untergebracht.

Das Herrenhaus Paezeriai in Vilkaviskis gehört zu den Landsitzen, die einen Besuch lohnen.


In der Region befindet sich auch ein wichtiger Pilgerort: Marijampole mit der Wallfahrtskirche St.-Michaels-Basilika.
In Suduva, also Sudauen, südwestlich der Stadt, lohnt sich ein Besuch des Vistytis-Sees, der für sein klares Wasser bekannt ist. Wer darin badet, sollte aber nicht zu weit hinausschwimmen: Durch den See verläuft die Grenze der Europäischen Union.

Der See gilt als sehr fischreich – ein Paradies für Angler. Im Regionalpark-Zentrum lassen sich Boote leihen. Etwas außerhalb des Ortes Vistytis steht auch eine alte Windmühle in traditioneller Holzarchitektur. Besucher haben von hier aus nicht nur einen tollen Ausblick, sondern bekommen auch Einblicke in das alte Handwerk.

Ein Besuch der Region empfiehlt sich wegen der flachen Landschaft besonders für Radreisende. Eine 311 Kilometer lange Route führt nicht nur durch Wälder und Wiesen, sondern auch vorbei an den Städten Marijampole, Vilkaviskis, Vistytis, Sudargdas und Sakiai.