Autor Tony Francis hat in seinem Buch „Extraodinary Villages“ 50 ganz spezielle Orte in Wales und England zusammengefasst, die auf jeden Fall eine Reise wert sind. All diesen Dörfer einen Besuch abzustatten würde Monate dauern, deshalb hat der Autor seine „Magnificent Seven“ zusammengestellt. Dazu gehören zwei walisische Gemeinden und fünf im Norden Englands und in den Midlands. Wir stellen dir sieben ungeschliffene Diamanten des britischen Tourismus vor, die du so garantiert in keinem Reiseführer findest.

1. Voller Naturgewalten: Arnside in Cumbria

Arnside ist ein kleines britisches Dörfchen – nur eine halbe Stunde entfernt von Windermere und trotzdem eine ganz eigene Welt. Geprägt wurde diese Welt von den Gezeiten am nördlichsten Ende der Morecambe Bay, einer der gefährlichsten Wasserflächen Großbritanniens

Die Gezeiten sind zwischen März und Oktober am dramatischsten und die Küstenwache befindet sich daher in ständiger Alarmbereitschaft. Ein wenig Know-how: Die erste Sirene bedeutet „Runter vom Sand“. Die zweite bedeutet „Jetzt!“.  

Auch wenn der Treibsand im Laufe der Jahre einige Leben gefordert hat, soll dich Arnside aber auf keinen Fall abschrecken. Punkten kann das britische Dörfchen mit seiner lebhaften Promenade einschließlich niedlichen Geschäften, Cafés, Teestuben und natürlich mit der landschaftlichen Schönheit. 

Arnside ist ein Ort und eine Civil Parish in Cumbria mit 2301 Einwohnern.

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2. Die Zeitkapsel von Lancashire: Downham

Das kleine Dörfchen Downham ist völlig unscheinbar. Selbst wenn du dort angekommen bist, weist kein Anzeichen darauf hin, dass du tatsächlich dort bist. Die Zeitkapsel im Ribble Valley besitzt keine Beschilderung, die dich informieren würde. 

Obendrein sind Fernsehantennen oder Satellitenschüsseln in Downham nicht erlaubt. Selbst Straßenmarkierungen sind Fehlanzeige. Die einzige Markierung, die hier die Straßen schmückt, wurde von Rindern dort platziert. Der zweite Baron Clitheroe von Downham, Ralph Assheton, dessen Familie das Dorf seit 1558 besitzt, findet ebenfalls jegliche Art von Straßen-Accessoires unnötig. Beispielsweise hängt zwar ein Busfahrplan an einer Telefonzelle im Dorf, aber ein Haltestellenschild braucht es nicht und wird dortzulande auch als „hässlich“ bezeichnet.   

Mittlerweile ist der alten Baron schon in seinen 90ern und klettert trotzdem jeden Tag auf den nahe gelegenen Pendle Hill. Sucht er etwa doch nach etwas Empfang für sein Handy?

Die Grafschaft Lancashire liegt im Nordwesten Englands und grenzt an die Irische See.

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3. Das Champagner-Wasser Großbritanniens: Youlgrave

Der lokale Klempner John Wardle hat mal behauptet: „Youlgrave-Wasser ist wie Champagner. Ich kann es mit einer Augenbinde von der Konkurrenz wie Severn Trent Water unterscheiden.“ Konnte er auch, und dass sogar dreimal! 

Youlgrave ist stolz, hartnäckig und autark, besonders wenn es um sein Wasser geht. Seitdem das Youlgrave-Wasserwerk in den 1860er-Jahren gebaut wurde, füllte sein Erzeugnis so ziemlich jede Badewanne der Bergbaugemeinde. Die befindet sich übrigens im Peak District von Derbyshire direkt am Fluss Bradford. 

Auf dem Dorfplatz der kleinen Gemeinde befindet sich ein kreisförmiger Steinbrunnen, an dem sich einst die Frauen des Dorfes anstellten, um ihre Eimer zu füllen. Teilweise dauerte das so lange, dass sie ihre Strickereien mitbrachten. Geschichten zufolge hatte eine Frau sogar mal eine ganze Strickjacke während des Wartens fertiggestellt.  

Hinter dem Brunnen befindet sich Thimble Hall, die kleinste frei stehende Residenz in Großbritannien. Seitdem sie 1999 verkauft wurde, gab es immer wieder Pläne für die Räumlichkeiten. Mit zur Debatte stand, daraus eine Eisdiele zu machen, dann ein Handwerkszentrum, sogar ein Fingerhutmuseum. Aber bis heute ist sie immer noch leer.

Youlgreave, die Gemeinde in Derbyshire, hat noch eine weitere Schreibweise und zwar: Youlgrave.

4. und 5. Trevor und Froncysyllte auf der Grenze

An der Grenze zwischen Cheshire und Wales liegen unmittelbar nebeneinander zwei einzigartige Örtchen mitten im Wrexham County. Trevor und Froncysyllte hängen an den beiden Enden des höchsten Aquädukts Großbritanniens, genannt Pontcysyllte. Die Brücke, erbaut von Thomas Telford, wurde 2009 zum Weltkulturerbe erklärt und ist ein echter Hingucker.

Besonders zu genießen ist der spektakuläre Anblick von der alten Packpferdebrücke einige Hundert Meter entfernt. Trotz der örtlichen Nähe zueinander könnten die beiden Dörfer unterschiedlicher nicht sein. 

Fron ist aus historischer Sicht der Wendepunkt für Boote, die zurück über das Aquädukt schippern wollen. Besonders stolz kann das Dörfchen auf seinen Männerchor sein, der gleich viermal das Llangollen Musical Eisteddfod gewonnen hat und daraufhin von Universal Music unter Vertrag genommen wurde, wie „The Guardian“ berichtet.

Trevor hingegen biete für Besucher Kneipen, hat ein Besucherzentrum und viele Angebote für Tages-Bootstouren in dem schmalen Kanal. Bist du mutig genug, das knapp 307 Meter hohe Aquädukt zu überqueren?  

Das Aquädukt Pontcysyllte in Wales misst 307 Meter Höhe.

6. Jackfield in Shropshire ist in keinem Atlas zu finden

Dieses Dorf findest du garantiert in keinem Atlas der Welt. Oft übersehen, liegt Jackfield im Severn Valley, einem ländlichen Gebiet im mittleren Westen Englands, durch das der gleichnamige Fluss fließt.

Was einst ein schönes Dorf, gelegen an einem Flusshafen, war, in dem Bars, Bordelle und jede Menge Trubel waren, wurde im Laufe von gut 150 Jahren von der Natur zurückerobert.

Nach jahrelangen Warnungen vor Wasseransammlungen in den Schächten des Ortes brach Jackfield schließlich entzwei. Die eine Hälfte rutsche komplett in den Fluss und riss alle Hütten und Straßen mit sich in die Tiefe. Jackfields industrieller Boom mit dem Flusshafen-Standort war binnen weniger Stunden im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser gefallen“. 

Heute hat das niedliche Örtchen einiges aus seinem Schicksal gemacht. Beispielsweise wurde ein ehemaliges Bordell in ein Bed and Breakfast umgewandelt, allgemein wurde der Ort touristisch aufgewertet. Such dir lieber rechtzeitig ein Ferienhaus, den Gerüchten zufolge gibt es in Jackfield lange Warteschlangen.

Häuschen in Shropshire sind bekannt als schiefste und wackeligste in UK.

7. Strohgedeckte Häuschen in Badby in Northamptonshire

Badby ist eine ländliche Gemeinde im Daventry-Distrikt der Grafschaft Northamptonshire. Anders als du vielleicht vermuten würdest, ist die Region nach Autor Tony Francis mindestens genauso hübsch wie die Cotswolds. Die hügelige Landschaft ist mit strohgedeckten Häuschen aus honigfarbenem Eisenstein übersät. 

Zentral in Badby dominiert das Tudor-Haus „Fawsley Hall“. Dort gastierte sogar zwei Sommer in Folge der sogenannte Elefantenmann Joseph Merrick gegen Ende seines Lebens. Merrick wurde damals der Wunsch erfüllt, aus seinem Londoner Krankenhaus zu fliehen, um frische Luft zu schnappen. In Badby angekommen, schrieb er begeisterte Briefe an seinen Chirurgen, Dr. Frederick Treves, mit Sätzen wie: „Es war der höchste Feiertag seines Lebens.“   

Auf den Spuren von Joseph Merrick entdeckst du die umliegende Natur mit all den imaginären Routen des Elefantenmanns. Im Anschluss ist Badby der perfekte Ort für Cream Tea – oder etwas Stärkeres.

Besonders typisch in der Region Northamptonshire sind die strohgedeckten Häuser.

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