Trotz der weltweiten Corona-Pandemie waren die Nationalparks und Naturschutzgebiete in den USA im Jahr 2020 gut besucht. Wie „Lonely Planet“ berichtet, wurden 237 Millionen Besuche gezählt. Das sind zwar 80 Millionen weniger als im Vorjahr, aber bedenkt man, dass die Parks zeitweise geschlossen waren und internationale Gäste gänzlich fehlten, sind diese Oasen nach wie vor beliebte Ausflugsziele auch unter Einheimischen. 

Unter den 62 Nationalparks der USA gibt es aber einen eindeutigen Besucherliebling – er wurde mehr als dreimal so häufig besucht wie die Nummer zwei, berichtet der National Park Service. Demnach sind das die Top Ten der meistbesuchten Nationalparks 2020: 

1. Great Smoky Mountains Nationalpark in Tennessee

Mit 12,1 Millionen Besuchern liegt der Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in den Appalachen im US-Bundesstaat Tennessee ganz vorne. Der Nationalpark besteht aus einem der ältesten Wälder der Welt und gilt als größter Urwald im Osten der USA. Hier kannst du zahlreiche Wasserfälle bestaunen.

Obwohl der Park so gut besucht ist, sind die meisten Menschen nur auf den Hauptwegen unterwegs. Dabei kannst du abseits große Abenteuer erleben und richtig in die Natur eintauchen, auf 450 Kilometern Straße – oder noch besser: auf einem 1400 Kilometer langen Netz an Wanderwegen.

Bekannt ist der bergige Nationalpark übrigens auch für seine Tierwelt: Das Symboltier der Smoky Mountains ist der Schwarzbär, und von dem leben rund 1800 Exemplare in der Gegend. Außerdem kannst du eine Vielzahl von Vögeln und Reptilien entdecken, Streifenhörnchen, Weißwedelhirsche, Murmeltiere oder Rotwölfe. 

2. Yellowstone-Nationalpark in Wyoming

Der älteste Nationalpark der Welt, bereits 1872 als solcher ausgewiesen, ist der zweitbeliebteste in den USA. Im Jahr 2020 kamen 3,8 Millionen Besucher, um Geysire und heiße Quellen zu sehen. Dafür ist der Yellowstone-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming nämlich bekannt. Überall raucht und dampft es aus den Geothermalquellen und Schlammtöpfen. 

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Der Yellowstone River zieht sich durch den Park, der seit 1978 Unesco-Weltnaturerbe ist. Hier fühlen sich übrigens nicht nur Touristen wohl, sondern auch Tiere. Wölfe, Bisons und Grizzlybären leben im Park, und mit etwas Glück kannst du ein Tier erspähen. 

Wusstest du übrigens, dass der Yellowstone-Nationalpark Teil der Rocky Mountains ist? Der höchste Gipfel innerhalb des Nationalparks ist mit 3462 Metern über Meereshöhe der Eagle Peak. Um die fantastische Aussicht von dort zu genießen, musst du aber selbst aktiv werden: Auf einer 25 Kilometer langen Tour kannst du auf den Gipfel steigen. 

Die Grand Prismatic Spring im Yellowstone National Park ist die drittgrößte Thermalquelle der Erde.

3. Zion-Nationalpark in Utah

Bis zu 170 Millionen Jahre alt sind die Schluchten und Berge, die die Landschaft des Zion-Nationalparks im US-Bundesstaat Utah an der Grenze zu Arizona prägen. Und um diese spektakulären Formationen zu sehen, kamen 2020 rund 3,6 Millionen Besucher in den Park. 

Verschiedene Canyons und Schluchten durchziehen den Zion-Nationalpark, am bekanntesten sind der Zion Canyon und der Kolob Canyon. Beide bestehen aus rotem, orangefarbenem und braunem Sandstein. Wer sich der Landschaft völlig hingeben möchte, bereist den Zion-Nationalpark auf einem der zahlreichen Flüsse, etwa mit dem Kajak oder beim Stand-up-Paddling. Mit etwas Glück machst du dann auch Bekanntschaft mit einem Biber. 

Eine Straße führt durch die Berge im Zion National Park in Utah.

4. Rocky-Mountain-Nationalpark in Colorado

Neben dem Grand Canyon gehören die Rocky Mountains sicher zu den bekanntesten Nationalparks in den USA. Dennoch haben im Jahr 2020 nur 3,3 Millionen Menschen den Nationalpark Rocky Mountain im US-Bundesstaat Colorado besucht. 

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Durch den Nationalpark fließt der Colorado River, der Menschen wie wilde Tiere anlockt. Der Rocky-Mountain-Nationalpark ist die Heimat zahlreicher Bisons, Grizzlybären, Wölfe und Vielfraße. 

Bei Touristen ist der Park vor allem für drei Dinge bekannt und beliebt: zum Wandern auf dem riesigen Wegenetz, für Camping und für den atemberaubenden Blick auf ebenjene Berge. Wenn du es lieber ruhiger angehen willst und das nötige Kleingeld hast, kannst du auch eine der neuesten Attraktionen ausprobieren: mit dem Glaskuppel-Zug durch die Rocky Mountains fahren. Der viertägige Trip kostet 1600 US-Dollar.

5. Grand-Teton-Nationalpark in Wyoming

Nach der Gebirgskette Teton ist der Grand-Teton-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming benannt. Rund 3,3 Millionen Besucher kamen 2020 vorbei, viele davon auf der Durchreise zum Yellowstone-Nationalpark, der etwas nördlich liegt. 

Vor allem für Outdoor-Fans, die gern auch aktiv sind, eignet sich dieser Nationalpark. Denn die Berge sind perfekt für Bergsteiger und ausgedehnte Touren. Zudem warten rund 300 Kilometer Wanderwege auf Besucher. Wem das zu langweilig ist, der kann sich beim Rafting auf dem Snake River ausprobieren. Im Winter kannst du zudem eine Fahrt mit dem Hundeschlitten unternehmen oder auf Langlaufskiern das Gebiet erkunden. 

6. Grand-Canyon-Nationalpark in Arizona

Bedarf es für diesen Nationalpark noch Worte? Der Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona steht bei vielen Reisenden auf der Bucket List. Immerhin handelt es sich um einen der größten Canyons der Welt: 450 Kilometer lang ist die Schlucht, die der Colorado River über Millionen von Jahren in das Colorado-Plateau geschleift hat. 

Doch obwohl der Grand Canyon normalerweise einige Millionen Besucher im Jahr hat (2018 waren es acht Millionen), haben 2020 nur 2,9 Millionen den Nationalpark besucht, der weite Teile des Grand Canyons umfasst. 

Den Grand Canyon kannst du auf verschiedene Arten kennenlernen. Du kannst beispielsweise durch die Schluchten wandern, was sich allerdings vor allem für Geübte anbietet, oder mit dem Boot von unten nach oben blicken. Wer die Aussicht hingegen lieber von oben genießen will, kann an einem der zahlreichen Aussichtspunkte haltmachen. 

South Rim im Grand-Canyon-Nationalpark.

7. Cuyahoga-Valley-Nationalpark in Ohio

Der Cuyahoga-Valley-Nationalpark in Ohio besteht als solcher erst seit dem Jahr 2000 und ist damit einer der jüngsten Nationalparks in der USA. Namensgebend ist der Cuyahoga River, der durch das Areal fließt. Die Bezeichnung ist irokesisch und bedeutet so viel wie „gewundener Fluss“. 

Rund 2,8 Millionen Menschen besuchten den jungen und einzigen Nationalpark Ohios im vergangenen Jahr, damit liegt er auf Platz sieben. Zu sehen gibt es – nur wenige Kilometer von Cleveland entfernt – auf zahlreichen Wander- und Fahrradwegen beispielsweise Wasserfälle. Die Brandywine Falls sind immerhin gut 20 Meter hoch.

Beliebt ist zudem der 30 Kilometer lange Towpath Trail. Wenn du auf dem unterwegs bist, solltest du ein Fernglas einpacken. Dann kannst du Ausschau nach Adlern und Falken halten, die sich in dem Gebiet aufhalten.

8. Acadia-Nationalpark in Maine

Im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada befindet sich mit dem Acadia-Nationalpark der einzige Nationalpark in Neuengland. Er erstreckt sich über mehrere Inseln. Rund 2,7 Millionen Menschen machten sich 2020 auf den Weg zu dem Park im US-Bundesstaat Maine. 

Wanderung im Acadia Nationalpark in Maine (USA).

Dort konnten sie die atemberaubende Landschaft bewundern. Der Acadia-Nationalpark ist berühmt für seine zerklüftete Felsküste und eine raue Landschaft mit zahlreichen Seen und Bergen. Einen tollen Ausblick über die teilweise von Gletschern geformte Landschaft hast du vom Cadillac Mountain, dem mit 505 Metern höchsten Berg des Nationalparks. Der Gipfel ist auch noch für etwas anderes bekannt: Es soll der erste Punkt der USA sein, an dem der Sonnenaufgang zu sehen ist. 

Ein beliebtes Instagram- und Foto-Motiv ist zudem der Leuchtturm Bass Harbor aus dem Jahr 1858. Er wurde auf einem rund sieben Meter hohen Granitfelsen errichtet und fügt sich damit perfekt in die Felsenlandschaft ein. 

9. Olympic-Nationalpark in Washington

Der Olympic-Nationalpark im US-Bundesstaat Washington ist ein wahrer Alleskönner. Denn hier findet sich alles, was das Naturherz begehrt: Regenwald, Gebirge, Felsküste und Strand. Der Olympic-Nationalpark ist seit 1981 Unesco-Weltnaturerbe und liegt auf einer Halbinsel. 

Das gefällt offenbar auch den Touristen gut, denn im Jahr 2020 kamen rund 2,5 Millionen Menschen zum Wandern, Bootfahren, Angeln und Skifahren hierher. Immerhin verfügt der Park auch über eine großartige Infrastruktur: Es gibt fast 1000 Kilometer Wanderwege, rund 20 Zelt- und Campingplätze und zwei historische Lodges. Eine tolle Aussicht hat man vom 1965 Meter hogen Obstruction Peak, der von einem Besucherzentrum aus in einem 14-Kilometer-Marsch erreicht werden kann. 

Vor allem bei Tier- und Pflanzenfreunden ist der Park beliebt, auch Zoologen und Biologen forschen regelmäßig in dem Gebiet, das zahlreiche endemische Pflanzen aufweisen kann. Zudem finden sich Hirsche (Roosevelt-Wapitis), Pumas, Rotluchse, Kojoten und Schwarzbären. 

Nahe der unberührten Küste gibt es im Olympic Nationalpark in Washington Regenwälder und hohe Berge.

10. Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien

Zwischen Mojave- und Colorado-Wüste liegt der Joshua-Tree-Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien, der die 2,4 Millionen Besucher 2020 vor allem mit seinem Wahrzeichen begeistern kann: den auffälligen Josua-Palmlilien.

Beliebt ist der Joshua-Tree-Nationalpark mit seiner kargen Wüstenlandschaft und den zahlreichen Felsen bei Touristen, aber auch bei Felskletterern. Auffällige Monzogranit-Formationen finden Besucher vor allem rund um die Jumbo Rocks, im Wonderland of Rocks und im Indian Cove. Die spektakulären Gesteine sind übrigens vulkanischen Ursprungs: Sie entstanden durch abgekühltes Magma, das durch Erosionen an die Erdoberfläche gelangte. 

Der Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien.

Im ersten Corona-Shutdown in den USA zu Beginn des Jahres 2020 erlangte der Joshua-Tree-Nationalpark traurige Berühmtheit. Ranger durften nicht zur Arbeit kommen und Vandalen richteten enorme Schäden im Park an. Sie bretterten mit ihren Autos abseits der Straßen entlang, beschmutzten Felsen mit Graffiti, machten Lagerfeuer in verbotenen Zonen und fällten etliche Bäume – Akazien, Wacholder und Josua-Palmlilien. Der Schaden, so schätzen Naturschützer, werde mehrere Hundert Jahre bis zur Regeneration benötigen.