Nicole (30) und Tim (29) haben im August 2020 alle Zelte in Deutschland abgebrochen – um ein Jahr auf Reisen zu gehen. Zunächst ging es mit dem Camper durch Europa – doch Grenzschließungen zwangen sie, umzudisponieren. Also flogen sie nach Mexiko, um von dort aus in Südamerika weiterzureisen. Warum sie sich für die Reise entschieden und was sie erlebt haben, darüber berichten sie beim reisereporter.

„Was für ein schlechter Zeitpunkt für den Start einer Weltreise in der aktuellen Situation, denkst du? So ging es uns auch, als die erste Corona-Welle Deutschland traf. Allerdings standen wir vor folgender Situation: Tim hatte für die Reise ein Sabbatjahr bei seinem Arbeitgeber beantragt, welches er trotz aller Versuche nicht mehr verschieben konnte, und zudem hat unsere Vermieterin Eigenbedarf gemeldet.

Nicole und Tim sind auf eine Weltreise gestartet, trotz Corona. In Europa reisten sie mit dem Camper.

Wir mussten uns also entscheiden, die Weltreise anzutreten oder das Jahr in den eigenen vier Wänden in Deutschland zu verbringen, die wir uns allerdings neu hätten suchen müssen. Diese Entscheidung hat uns einige schlaflose Nächte gekostet, da unsere ursprünglich geplante Reiseroute durch Grenzschließungen zunichtegemacht wurde. Wir wollten eigentlich in Georgien starten, über den Landweg bis nach Indien reisen, dann über Indonesien nach Australien und Neuseeland. Heute, sechs Monate später, sind die Grenzen größtenteils immer noch zu.

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Trotz dieser komplizierten Situation stand schließlich fest, dass wir trotzdem reisen werden, so gut es eben geht. Uns wäre die Decke auf den Kopf gefallen, wenn wir zwölf Monate in Deutschland ohne großen Sinn verbracht hätten. Dazu kommt, dass wir beide bereits im April 2020 an Corona erkrankten und wir beide einen milden Verlauf hatten.

Europa-Roadtrip – mit den Tücken der Corona-Pandemie

Wir starteten unsere Weltreise also im August 2020 in Europa – dafür kauften wir kurzfristig einen VW Caddy Maxi und bauten diesen von einem leeren Transportwagen innerhalb von zwei Wochen zu einem kompletten Camper mit Vollisolation, Bett, Küchenzeile, Strom und einer Menge Stauraum um. Das Fahrzeug inklusive des Umbaus hat uns etwa 13.500 Euro gekostet. Diese Kosten haben zwar ein großes Loch in unsere Reisekasse gerissen, doch wir konnten uns unseren Traum vom eigenen Camper verwirklichen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Mit dem Wagen entdeckten wir ganz wundervolle Länder, die wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatten. Wir sind Richtung Balkan losgefahren, unser erstes Land war Slowenien. Weiter ging es nach Kroatien, durch Montenegro nach Albanien und für einen Abstecher nach Nordmazedonien. Wir waren begeistert vom ‚Vanlife’, da wir unser Zuhause nun immer dabeihatten, wir extrem viel Zeit an der frischen Luft verbrachten und uns immer flexibel fortbewegen konnten.

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Mit dem Camper ging es für das Paar durch Albanien.

Während unserer Balkanreise war Albanien das absolute Highlight. Alle Menschen, die wir trafen, haben sich über zwei Deutsche im Caddy gefreut. Eine kurze Frage in einem Laden führte zu einem langen Gespräch und nicht selten zu einer Einladung auf einen Kaffee oder Tee im Zuhause des Albaners. Wildcampen war auch erlaubt, wodurch wir die schönsten Stellplätze finden konnten: mitten im Stadtpark, in einem verlassenen Kieswerk am Fluss und direkt am Meer.

Albanien: noch immer ein Geheimtipp in Europa

Auch Albaniens Landschaft ist wunderschön. Das Land besteht zu einem Großteil aus Berglandschaften, hat viele abenteuerliche Straßen und ist gespickt von Zeugen der Zeit – den Bunkern, die oft mit schönen Bemalungen verziert sind. Das Land ist unser Tipp für jeden Reisenden, der abseits der Touristenpfade unterwegs sein möchte. 

Eigentlich wollten wir von Albanien aus nach Griechenland reisen, doch die Landesgrenzen waren geschlossen. Deshalb entschieden wir uns nach knapp zwei Wochen in dem kleinen Ort Ksamil nahe der griechischen Grenze dazu, zurück nach Deutschland zu fahren, um von dort in die Ferne zu fliegen. Unseren Caddy stellten wir bei unseren Eltern unter.

Mexiko statt Europa

Nach einigen Recherchen buchten wir einen Flug nach Mexiko. Warum? Weil die Grenzen offen waren, es günstige Flüge gab und wir noch nie dort waren. Außerdem verfügt Mexiko über eine Art Ampelsystem bezüglich Corona und somit konnten wir uns jederzeit über die aktuellen Regelungen im jeweiligen Bundesstaat informieren. Die Corona-Maßnahmen in Lateinamerika sind generell etwas anders als in Deutschland – so sind zum Beispiel Restaurants und Hotels geöffnet. Allerdings wird an jedem Eingang die Temperatur gemessen und die Hände werden desinfiziert. Maskenpflicht gibt es ebenfalls in den Supermärkten, im Bus, und oft auch auf der Straße.

Nicole und Tim sind nach ihrer Reise im Camper durch Europa nach Mexiko geflogen.

In Mexiko angekommen haben wir zunächst einen zweiwöchigen Spanischkurs besucht, um die Grundlagen ein wenig zu beherrschen. Anschließend sind wir fast zwei Monate durch dieses vielfältige Land gereist – von der Karibikküste in Yucatán über die Hauptstadt Mexiko-Stadt, durch bunte Kolonialstädte bis an die Pazifikküste.

Wir haben uns hauptsächlich mit dem Bus fortbewegt, was sehr komfortabel und sicher war. Am Ende unserer Mexiko-Reise haben wir uns dazu entschieden, auf dem Landweg weiter nach Guatemala zu reisen. Dafür haben wir einen negativen Antigen-Test benötigt, den wir problemlos in Mexiko machen konnten.

In Kolumbien besichtigen Tim und Nicole die Lost City, die Ciudad Perdida in der Sierra Nevada de Santa Marta.

Guatemala hat uns sehr positiv überrascht, die Landschaft im Landesinneren mit den vielen Vulkanen ist ganz besonders. Unser Highlight war Silvester 2020: Wir sind auf den Vulkan Acatenango gewandert und haben dort die Nacht im Zelt verbracht. Auf fast 4000 Metern Höhe kann man den aktiven Nachbarvulkan Fuego beobachten, der etwa alle zehn bis 15 Minuten Lava spuckt – unser ganz besonderes Feuerwerk, das wir niemals vergessen werden.

Ein Highlight in Guatemala: Der Vulkan Acatenango.

Wie es für uns weitergeht? Wir haben noch bis Ende Juli 2021 Zeit zu reisen, dann müssen wir zurück nach Deutschland, da Tims Sabbatjahr endet. Aktuell sitzen wir in Kolumbien und kommen von einer viertägigen Wanderung durch den Regenwald in der Sierra Nevada zurück.

Spontan reisen wegen der Corona-Pandemie 

Alles weitere machen wir spontan – wahrscheinlich werden wir noch eine Weile durch Südamerika reisen. Durch die aktuelle Situation ist das Planen der Reiseroute sowieso ganz anders als sonst. Wir müssen immer darüber informiert sein, wo wir als Deutsche einreisen dürfen, ob wir einen PCR- oder Antigen-Test benötigen und ob es sonst noch spezielle Anforderungen gibt. Deshalb haben wir aufgehört, lange vorauszuplanen, und reisen sehr spontan. Das mögen wir sowieso am liebsten und so lassen wir uns einfach weiter treiben.“

Du möchtest mehr von Nicole und Tim lesen? Über ihre Abenteuer unterwegs berichten sie auch auf ihrem Blog „Colifree“ und auf Instagram.